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Nationalzeitung · 1906-11-23 · Heft 82 (23.11.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 82 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nationalzcitung Seile 2 Nr. 82 Auswahl des Ortes behilflich zu sein. Verschiedene neue Gebiete werden uns angeboten in Afrika, Amerika und Australien, und wenn wir uns nun der Mühe unterziehen werden, auf entsprechendem Boden zu säen, so werden wir auf diese natürliche Weise auch unser Wachstum herbeiführen. Obgleich die Idee des Territorialismus vielen sehr einfach dünkt, hat dennoch noch keiner seine Ausführung versucht. Unsere Emigranten wandern in ihrer Verzweiflung nach den verschiedensten Gegenden, wobei jeder von ihnen nur an seine eigene Rettung denkt. Und das ist der Hauptgrund, weshalb die Juden eines politischen Programms bedürfen! Ein solches Programm hat es bis zur Zeit, da Herzl es zusammenfaßte, nicht gegeben. Die Aufgabe unserer Politik besteht in der Errettung der gegenwärtigen und künftigen Generationen vor den erschreckenden Folgen dieser Bewegung aufs Geradewohl, ohne jeden Plan. Man muß unsere Emigranten vor der Bildung größerer Massen in den verschiedenen Ghettis bewahren. Diejenigen Emigranten, welche weder über Kräfte noch über Kenntnisse verfügen, welche für den Ackerbau oder die kolonisatorische Arbeit unerläßlich sind, sind darauf angewiesen, daß man ihnen Plätze zuweise, welche für die Einwanderung geeignet sind, wo sie ihren Lebensunterhalt finden und als freie Bürger leben können. Diejenigen hingegen, welche ein zur Bildung eines jüdischen Territoriums geeignetes Element darstellen, müssen in demjenigen Lande konzentriert werden, welches infolge seiner schwachen Besiedlung und seiner liberalen Konstitution für die Errichtung einer rechtlich gesicherten Heimstätte die größten Aussichten bietet. Dieses nüchterne und seriöse Programm einer politischen Reorganisation ist nicht so verlockend wie die über Nacht hervorgezauberten Zauberbilder des Fürsten Aladin oder wie diejenigen sind, durch welche der an Einbildungskraft so reiche jüdische Geist seinen wahren Schmerz so gern beruhigt. Aber Träume, welche durch Opiumgenuß angeregt werden, sind wohl herrlich schön, doch haftet ihnen die Unvollkommenheit an, indem sie rasch verfliegen. Politische Rundschau. Parallel mit der Frage der Wahlreform ist in Zis- und Transleithanien auch das Verfassungsproblem und speziell die Streitfrage Länder¬ oder nationale Autonomie wieder akut geworden. „Böhmisches Staatsrecht" erschallt es aus dem tschechisch-bürgerlichen Lager, „nationale Autonomie für Deutschböhmen" ist die Antwort der deutsch-bürgerlichen Fraktionen darauf; „Sonderstellung Galiziens" fordern die Allpolen und ihre Freunde im Polenklub, nationale Autonomie tönt es aus dem ruthenifchen Lager herüber. Und diese national-autonomistische Bewegung macht nicht an der Leitha halt, sondern in allen nichtmagyarischen Gegenden, besonders aber in Kroatien vonseiten der großkroatischen S t ar c e v i cpartei macht sich immer stärker eine Bewegung geltend, die auf Autonomie des slowakischen, rumänischen, respektive kroatischen Volkes und gegen den „Budapester Zentralismus" gerichtet ist. Mag man über diese Strömungen und über ihre Aussicht, ihre Programme zu verwirklichen, wie immer denken, so beweisen sie doch, daß das nationale' Problem . im gesamten Reiche noch lange auf der Tagesordnung stehen bleiben wird und bei der Fortsetzung der assimilatorischjüdischen Politik sich die schlimmsten Folgen daraus für die österreichischen Juden ergeben/ Bei dem Fortbestände der nationalen Parteigruppierung ist insbesondere die Zusammenstellung der sogenannten deutsch-freiheitlichen Fraktionen identisch mit der Unterordnung des Altliberalismus unter den antisemitischen Deutschnationalismus. Und doch gibt es noch immer, speziell in Böhmen und Mähren, sehr viele Juden und „Juden "blätter, welche für die große deutsch- „freiheitliche" Mischmaschpartei aus Altliberalen, antisemitischen Deutsch-Volklichen und Freialldeutschen schwärmen, ja bei den letzten mährischen Landtagswahlen für dieselben stimmten. Nun freuen sie sich der „freiheitlichen" Siege bei den Stichwahlen, die mit Hilfe der Christlichsozialen über die Sozialdemokraten errungen wurden. Damit soll nicht gesagt sein, daß jene Juden klüger sind, die durch dick und dünn mit den Sozialdemokraten nun auch in Mähren gehen, „da dies doch das kleinere Uebel ist", dabei aber übersehen, daß auch in den sozialdemokratischen Reihen (besonders in Wien) eine antisemitische Unterströmung herrscht uno man sich überdies noch immer weigert, die Juden als ein allen übrigen Nationalitäten gleichberechtigtes Volk anzuerkennen. Wahrlich, besser als diese vollständig prinzipienlose Politik, die immer neue Niederlagen den Juden bringt, wäre es, zu warten, bis eine neue Völkerpartei am Kampsplatze erscheint, welche auch die Juden programmatisch als eine mit allen anderen gleichberechtigte Nation anerkennt. Statt aber diesbezügliche Bestrebungen direkt oder wenigstens durch Abstinenz von den alten Parteien zu sördern, züchten und erhalten die österreichischen Juden mit ihrer heutigen Politik in ganz Oesterreich den Antisemitismus. Die Erweiterung der Rechte der Landtage lenkt die Aufmerksamkeit der jüdisch-politischen Kreise auf den Umstand, daß die Juden in den Landtagen durchaus nicht in dem Maße vertreten erscheinen, als ihnen dies nach ihrer Bevölkerungsziffer zukommen würde. Wie überhaupt in der innerösterreichischen Politik, kommt auch in dieser Frage in allererster Reihe Galizien in Betracht, wo der bedeutendste Teil der österreichischen Juden wohnt. Leider wurde in dieser Richtung bisher alles versäumt, und es wird viel Mühe und erzieherische Arbeit kosten, um die Juden von der Wichtigkeit einer Vertretung im Landtage zu überzeugen und sie dazu zu bewegen, daß sie sich solche Vertretungen auch sichern. Wie schlecht es heute um diese Frage bestellt ist, geht aus der Tatsache hervor, daß sich unter 170 Abgeordneten im galizischen Landtage im ganzen vier Juden befinden, obgleich die Juden ein Recht auf zuntilldest z w a n z i g Mandate haben. Und auch von diesen vier Juden'sind drei von den Handelskammern und nur einer, Dr. Fruchtmann- Stryj, hat ein Städtemandat! Die Arbeit wird also auch in dieser. Richtung eiysetzen müssen. OlmÜtz. In dem Wahlkampf der vierten Kurie, in welchem der Wahlausschuß einen ausgesprochenen antisemitischen Kandidaten (Prayon) der Judenschaft aufzudrängen suchte, haben sich die jüdischen Wähler, ohne Hoffnung auf den Sieg des Gegenkandidaten (Sozialdemokrat Schloßnickel), für diesen in zwei Wählerversammlungen erklärt. Für den Vorabend der Stichwahl hat ein Komitee eine jüdische Wählerversammlung einberufen. Der Besuch derselben war ein solcher, wie ihn Olmütz seit Bestand der Kultusgemeinde nicht gesehen hat, ein Beweis für das politische Erwachen der hiesigen Juden. Der Vorsitzende Herr Josef Schimmerling, der sich um die Sache sehr verdient gemacht hat, begrüßte die Versammlung und besprach in klarer Weise den Zweck derselben. Es gilt für alle Zukunft, zu verhindern daß judenfeindliche Kandidaten für die verschiedenen Vertretungskörper empfohlen werden und eine Kompetenz zu schaffen, mit welcher unsere christlichen Mitbürger sich in Verbindung zu setzen haben werden. Ehrw Herr Rabbiner Dr. Oppenheim beleuchtete das treue Festhalten der Judenschaft an der deutschfortschrittlichen Sache und empfahl unter stürmischem Beifall das bisherige Verhalten nur dann, wenn diese Partei ihren Grundsätzen nicht nur im Wort, sondern auch in der Tat treu bleibt. Er stellte den Antrags diesen Standpunkt der jüdischen Wählerschaft dem Bürgermeister von Olmütz, Herrn Karl Brand Huber, bekanntzugebeu und denselben in einer Resolution des Vertrauens der Juden von Olmütz in seine bekannte liberale Gesinnung zu versichern. Für die.Stichwahl empfahl Dr. Oppenheim nach wie vor die Wahl Schloßnickels gegen den Antisemiten Prayon. Zu diesem Gegenstände nahmen das Wort die Herren Jonas Fischer, Kultuspräsident Dr. J.Eben, Dr.Czech aus Brünn und Abgeordneter Eldersch. Die Resolution wurde einstimmig angenommen und beschlossen, ein Komitee, bestehend aus 24 Mitgliedern aller Stände einzusetzen, welches die Aufgabe hat, zu jeder Wahl und öffentlichen jüdischen Angelegenheit rechtzeitig Stellung zu nehmen und den Willen der Wählerschaft an maßgebender Stelle durchzusetzen. sich tief in die Phantasie des kleinen Dombey gräbt . . . Und hier ist es Dick, der kleine Kanarienvogel, des Stubenmädchens Lene einziger Freund, ihr teuerstes Gut. Als Lancelot und Lene sich Wiedersehen, ist der kleine Dick gestorben. Oft hat er mit seinen schwachen Flügeln an die Gitter seines Käfigs geschlagen und konnte nicht entfliehen, mußte bleiben, bis er starb. Und der schrille Gesang des kleinen Dick, das ist das Lied von unserem Leben. Nicht nur von dem des Lancelot und der Lene . . . Wie wir so oft an diesem vergitterten Käfig zerren, wie wir so oft hinaus möchten, weit hinaus . . . Und wie wir zu schwach sind, uns fügen, bleiben und sterben . . . Ein ganz inhaltsloses Lustspiel . . . Gewiß, wir sind für Sentiments nicht mehr empfänglich. Und Sentimentalität bleibt eben der Grundzug der englischen Dichtung, liegt in der verschlossenen Natur des Engländers. Ihr furchtbarster Ironiker Oskar Wilde ist es nicht minder. Von allen deutschen Dichtern ist Heinrich Heine in England der am meisten gelesene und berühmte. Die unfreundlichste Aufnahme wäre noch immer kein Beweis für die Qualität dieses Schauspiels gewesen, das in seiner eigensten Form eben nie volle Wirkung erzielen kann, wiewohl der blendende Dialog stellenweise auch von Bernard Shaw oder Oskar Wilde sein könnte . . . Von der Darstellung gar nicht zu reden. Was dem Publikum gut und klar erscheinen mochte, wurde in schwachen Händen schlecht und undeutlich. Was schlecht erscheinen konnte, wurde schlechter. Die Vorzüge wurden zu Schwächen, die Schwächen zu Kraßheiten. Fräulein Ferida unterstrich die Dummheit der Lene derart, daß sie mit der „Madelaine" nichts anzufangen wußte. Herr Brückner hatte als Lancelot wohl einige gute Momente, schien aber an der künstlerisch-hysterischen Seite der Rolle so viel Gefallen zu finden, gestaltete sie so einseitig, daß die Figur ganz unglaubwürdig wurde. Nur Frau Russek als Mrs.' Leadbatter und Herr Weidin g er in der Nolle des Landvikars Smedge hielten sich recht gut. Der Regisseur scheint Israel Zangwill nicht recht zu kennen. Mir will es durchaus nicht einleuchten, daß der Musikverleger Brahmsen „jüdeln" muß! Das ist ein offenbarer Mißgriff schon deshalb, weil es ganz gegen die Intentionen des Dichters ist. Und die Frage eines Kritikers: „Ist das derselbe Zangwill, der die ,Ghettogeschichten' schrieb?" ist auch an den Regisseur zu adressieren ... Bei besserer Darstellung unter Rücksichtnahme auf die feinen Episodenrollen wäre dem Stücke ein voller Erfolg unzweifelhaft zuteil geworden. Max Schacherl. Der Empfang der Deputation dnrch De. Alfred Stern. Wir haben den Bericht über den Empfang der Deputation in Angelegenheit der Predigt des Dr. David durch den Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Dr. Alfred Stern, hi, unserer Dienstagnummer schon gebracht. In der nach dem Enlpfange der Deputation stattgefundenen Versammlung kam auch die Affäre zur Sprache, welche Herr Rabviner Dr. Fink mit Herrn Dr. David hatte. Auch Herr Dr. Fink kam. zu Worte. Wir haben uns bis heute jeder Einmengung in diese peinliche Angelegenheit, durch welche Herr Dr. Fink brotlos gemacht wurde, enthalten; wir glauben jedoch, nur einen Akt der Gerechtigkeit zu begehen, wenn wir Herrn Dr. Fink Gelegenheit geben, auch öffentlich sein Recht zu vertreten. Aus diesem Grunde kommen wir dem Wunsche des Herrn Dr. Fink nach und veröffentlichen hier seine in der Versammlung gehaltene Rede. Geehrte Versammlung! Wie wenig ich die Absicht hatte, hier das Wart zu ergreifen, bekundet schon die eine Tatsache, daß ich zu Beginn der Verhandlungen nicht anwesend war und daher ihren Verlauf bis dahin nicht kenne. Meine Schritte betrachte ich jedoch als von einer höheren Fügung ge- Waschbar! Wasserdicht'. Geruchlos! Vollen, echte Reform - $cb wci$$b!ätter fiiiD Mt bkstk«! Ilflirtull ([(«(11.

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