Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 81 (20.11.1906)
- Date
- 1906-11-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seile 2 Nationalzeitung Nr. 81 vertrauten. Wir haben das vorläufig ad notam genommen. Wenn die Ehre des Judentums im Schoße der eigenen offiziellen Körperschaften nicht verteidigt wird, dann allerdings — dann möge uns ein Dr. Freister im Landtage vertreten. — s — Zur Anerkennung der Mischen Nationalität. Czernowitz, im November 1906. Es raunr und rauscht im Blätterwalde! Sieg und Heil! Die Czernowitzer Alma, mater hat die Nationalität der jüdischen Studenten anzuerkennen versucht. Jedenfalls ist die Sache bis zum Sommersemester 1907 erledigt. (Siehe Kundmachung des Rektorates!) Ob aber das Ministerium für Kultus und Unterricht die Verfügung der Czernowitzer Universität bestätigen, respektive eine andere treffen wird, bleibt dahingestellt. Es ist eher anzunehmen, daß man im Ministerium eine derartig heikle Frage der Zeit zur Erledigung anheimstellen wird. Sollte daher das Ministerium weder diese Verfügung aufheben noch irgend eine andere treffen, so bleibt die des Senates in Kraft und wir werden uns damit zufrieden geben müssen, unsere Nationalität anmerkungsweise im Jahresberichte der Universität ausgewiesen zu haben. Für einen mehr als vierjährigen Kampf jedenfalls ein minimaler Erfolg, aber immerhin der Ausdruck alles deffen, was im Rahmen der Universitätsautonomie gelegen ist. — Und nun zur Nebensache! Ich meine den Kampf um die Palme. Hier wäre die bekannte Fabel von den Ringen sehr angebracht. Jede Gmppe der am Kampf beteiligten jüdischen Studenten glaubt im Besitze des echten Ringes zu sein und könnte der weiseste Richter nicht sagen, weffen Ring die Kraft des Erfolges inne hatte. „Der von Professor Kellner und (von ihm auf die,Hasmonoea' überkommene) der,Hasmonoea' vertretene Standpunkt — heißt es in der einen Enunziation („Nationalzeitung" vom 9. d. M.) — ist nun wirklich vom akademischen Senate gebilligt worden und auf Basis des Kellnerschen Vorschlages der volle Erfolg wie angekündigt eingetreten." „Ein bleibendes Verdienst der ,Zephirah' ist es, den Kampf ausgenommen und ihn unterstützt von derHebronia' und ,Emunah' auch zu Ende geführt zu haben" — heißt es in einer zweiten Enunziation („Neue Zeitung" vom 9. d. M.). Tatsache aber ist, daß es sich in diesem Punkte um die Vorschläge gar nicht gehandelt hat, sondern nur um den Kampf an und für sich. Die Vorschläge, die gemacht wurden, wechselten ja. Der Vorschlag, den Herr Prof. Kellner in der letzten Studentenversammlung gemacht hat, ist ja im Grunde genommen nicht nur von der „Hasmonoea", sondern auch von allen anderen Verbindungen gebilligt worden und wenn die sogenannte radikale Gruppe im letzten Semester andere Mittel gebrauchte, so war dies bloß eben eine Kampfesart, von der sich die genannte Gruppe, die, nebstbei bemerkt, die Majorität der jüdischen Studentenschaft ausmacht, den sicheren Erfolg verhieß. Inwieweit diese ihre Voraussetzung richtig war oder nicht, bleibt dahingestellt. Mit derselben Berechtigung jedoch, mit der die einen ihre Kampfesweise als zum Siege führend bezeichnen, mit eben so viel Berechtigung können die anderen das für sich in Anspruch nehmen. Diese „anderen", es sind dies die Korporationen „Emunah", „Hebronia" und „Zephirah", untereinander alle in durchaus gleicher Weise. Wenn es ,also in der oben genannten zweiten „Enunziation" heißt, es sei ein bleibendes Verdienst der „Zephirah", die in dem Kampfe von der „Hebronia" und „Emunah" bloß unterstützt wurde, so wäre nur zu bedenken, ob es eine exzeptionelle Stellung gibt, wo es sich um einen Kampf „Gleiches um Gleiches" handelt. Alle haben den Kampf, jeder auf seine Weife, geführt, alle gewiß von den besten Intentionen geleitet, alle haben daher zu gleichen Teilen zum Erfolge beigetragen. Len Ephraim, Ben Arje. An» der terrltorialistkfche« Kemegung. Korrvon. Folgende Herren wurden in den englischen Sektionsrat der Jto gewähltr'E. H. Langdon, Präsident der Handelskammer in Manchester, und Robert M. Sebag-Montefiore, welch letzterer erst kürzlich von einer Studienreise aus den jüdischen Kolonien in Kanada zurückgekehrt ist. Petersburg. Dem „Fraind" zufolge hat die auf territorialistischer Grundlage stehende zionistisch-sozialistische Arbeiterpartei (8. 8.) beschlossen, an den Dumawahlen offiziell teilzunehmen. Die Partei zählt, wie das genannte Blatt konstatiert, mehr als dreißigtausend M i t g l i e d e r. In sämtlichen Städten, in welchen die Partei Ortsgruppen oder Vertrauensmännerkomitees hat, wurden besondere Wahlkomitees gegründet. Die Parteileitung wird eigene Kandidaten aufstellen und hofft auch eine Anzahl von ihnen durchzubringen. Dort, wo dies unmöglich erscheint, wird die Partei sich auch an der Wahl beteiligen und werden in jedem einzelnen Falle besondere Wahlparolen erlassen werden. Dichtung und Wahrheit. Die zionistischen Agitatoren sind unerschöpflich in dem Lobe der wirtschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Kolonisten in Palästina. Nicht minder wird offiziell behauptet, daß die Anhänglichkeit der Zione-Zion an Palästina besonders darin zum Ausdrucke komme, daß sie heute gewissermaßen die sichersten Abnehmer der von den jüdischen Kolonisten erzeugten Palästina- Produkte seien. Eine grelle Beleuchtung dieses Verhältnisses zwischen palästinensischen Produzenten und europäischen Konsumenten liefert ein Herr L. I. Koretz im „Neuen Lemberger Tagblatt". Unter dem Titel „Leget Rechnung.!" schreibt Herr Koretz u. a.: „Es ist allgemein bekannt, daß unsere armen Kolonisten von der Gesellschaft »Pri ez hadas« sich an unsere außerhalb Palästinas wohnenden Brüder mit der Bitte gewendet haben, den Bedarf an Ethrogin bei ihnen zu decken. Tatsächlich haben sich die Aussichten sehr günstig gestaltet. Die Verbreitung der Flugschriften »Gilead« und »Kol behadar« sowie die Annoncen in allen Zeitungen haben großen Eindruck gemacht. Man konnte auch hoffen,, daß die armen Kolonisten sich schon in diesem Jahre würden erhalten können und in die Lage kommen, ihre großen Schulden abzuzahlen und noch einiges für das laufende Jahr zu ersparen. Da es aber sehr schwer ist, alte Ethroghändler dafür zu gewinnen, daß sie lieber an jüdischer Ware verdienen, als an griechischer Bastardware das Geld zu verlieren, wurde ich bon der Gesellschaft ersucht, mit Herrn Abrahack Epstein, welcher schon seit einigen Jahren in der heiligen Sache hilfreich tätig ist, nach Triest zu reisen, um dort ausschließlich die Ethrogim der Gesellschaft „P’ri ez hadas" zu verbreiten. Wir glauben, daß wir unsere Aufgabe ehrlich erfüllt haben. Wir haben an viele die Ware in Kommission gesandt. Wir haben sogar außer den Ethrogim für eigenes Geld den Kommissionären auch noch Lulowim und Hadassim besorgt und sie ihnen frankiert zugesendet. Ich habe also gehofft, daß alle Ethrogabnehmer ihre Pflicht rennen und den Betrag für sie sofort einsenden werden, wie dies auch einige getan haben. Leider haben sich jedoch viele, sehr viele nur insolange edel gezeigt, als es galt, die Ware in Empfang zu nehmen, sie waren überschwänglich in Phrasen, wie gut sie es meinten mit unseren armen Brüdern und wie sehr ihnen Palästina am Kerzen liege. Aber Geld geben, dazu beeilen sie sich nicht, es kümmert sie wenig, daß arme jüdische Familien mit ihren Angehörigen elend darben, und denken nicht daran, diesen Aermsten zu einem Bissen Brot zu verhelfen. Die armen Kolonisten schreiben mir, wenn dieses Jahr — was Gott verhüten möge — schlecht ausfällt, wäre das für sie ein Ruin, von dem sie sich nicht einmal in drei Jahren erholen könnten. Ich bin sicher, daß, wenn diese 22 armen Kolonisten gezwungen sein werden, ihre schwere Arbeit aufzugeben und sich anderswo eine Existenz zu suchen, dann werden unsere Ethrogabnehmer ihre bisherige Haltung bereuen. Zum Schlüsse droht Herr Koretz mit „schärferen Mitteln", falls die Schuldner der armen Kolonisten auch jetzt nicht ihre Pflichten erfüllen sollten. — Es sieht doch so vieles in Wahrheit ganz anders aus, als es von Phantasten geschildert wird! Gi« Interpellation Weg«« der Alica Kill. London, 13. November. In der Parlamentssitzung vom letzten Montag richtete Sir Haward Vincent an den Honr Secretär Gladstone die Anfrage, ob es wahr sei, daß der Jewish Board of Deputies an die Regierung eine Eingabe des Inhaltes, daß die Bestimmungen des Fremdengesetzes gegen die ärmeren Einwanderer nicht mit voller Strenge angewendet werden mögen, und ob es ferner wahr fei, daß die Regierung diesem unbilligen Ansuchen Rechnung zu tragen gedenke. Mr. G l a d st o n e antwortete, er Habe wohl zu verschiedenen Zeiten verschiedene Eingaben von dem Komitee der englischen Juden erhalten, aber Sir Haward mag vollkommen beruhigt sein, die Regierung werde nicht ohne vorher die Sache genau zu studieren, Aenderungen in dem Vollzug des Fremdengesetzes eintreten lassen. Empfang der Deputation l»ei De. Alfred Stern. (Eine Protestversammlung.) Die in der Versammlung vom 10. d. M. gewählten Delegierten begaben sich Sonntag den 18. d. M. zum Präsidenten der Kultusgemeinde, um im Sinne der in der Protestversammlung gefaßten Resolution vorstellig zu werden. Dr. Nathan Birnbaum, «der Sprecher der Deputation, setzte den Zweck des Besuches in sachlicher, höflicher Form auseinander und verlangte für die beleidigten Ostjuden Satisfaktion. Präsident Dr. Alfred Stern erklärte, daß er die überbrachte Resulution dem Kultusvorstande nicht vorlegen werde, da die Enunziation in der letzten Sitzung der Kultusgemeinde ein feststehender Beschluß sei. Er werde auch die Mitglieder von dem Besuche der Deputation offiziell nicht verständigen. Er bezeichnete es als „Schmach für das Judentum", daß Dr. Strauch er seinen Namen unter der Interpellation des Dr. Breiter gesetzt habe, im übrigen sei die Sache für ihn erledigt. Als Dr. Nathan Birnbaum und Dr. Paul Weisengrün, erregt durch diesen brüsken Ton, scharf replizierten, erklärte Dr. Alfred Stern, daß er sich hier in — „seinem Hause" befinde . . . Damit war die Unterredung zu Ende . . . Nun mag man ja über den Fall Dr. David in dem jetzigen Stadium der Dinge denken, wie man will. In dem Momente aber, als eine so zahlreiche, fast durchwegs von Wählem besuchte Protestversammlung, wie sie im „Hotel Central" tagte, eine Deputation an den Präsidenten der Kultusgemeinde entsendet, ist es zumindest politisch unklug, die Abordnung Tausender von Steuerzahlern in solch unerhört hochmütiger Weise zu brüskieren. Es ist fast unmöglich, hierfür die geringste Entschuldigung zu finden. Wenn Dr. Stern nicht unter den Folgen seiner, mit dem Alter auftretenden Nervosität so gehandelt hat, muß Dr. Alfred Stern, der gewiegte Taktiker, seiner Sache bei den Kültuswahlen sehr sicher sein, daß er auf die Folgen eines derart unqualifizierbaren Vorgehens keine Rücksicht nehmen zu müssen glaubte . . . Um 11 Uhr vormittags sollte die Deputation einer jüdischen Vollversammlung im „Hotel Continental" die Antwort des Kultuspräsidenten überbringen. Der Vorsitzende Dr. Karl Lifczis ervffnete die Versammlung und erteilte als ersten Redner, Dr. Nathan Birbaum das Wort. Unter steigender Erregung der Versammlung schildert Redner den „Empfang". „Nun sehen wir," führt er fort, „daß wir von diesem Präsidenten nichts zu erwarten haben! Er wolle in dieser Versammlung nicht für das oppositionelle Wahlkomitee Propaganda machen, aber eben weil Dr. Stern es angedeutet hat, daß dies eigentlich die wahre Ursache dieser Kundgebungen sei, werden wir uns jetzt mittels des Stimmzettels seiner zu entledigen suchen." — Herr Plaschkes berichtet, daß er nach dem offiziellen Besuche Dr. Stern privatim sprach und an den Full Dr. Fink erinnerte, was allein schon hinreiche, Dr. David zu charakterisieren. Auch er schließt mit der Aufforderung, kräftig zu agitieren, von Mann zu Mann, damit das gegenwärtige Regime verschwinde. - Dr. Paul Weisengrün erklärt zunächst, daß es dem zionistischen Mahlkomitee ganz ferne liege, aus der Affäre David agitatorischen Nutzen zu ziehen. Das Sündenmaß das jestigen Systems sei schon zu groß, als daß es noch des Falles David bedürfe, um es hinwegzufegen. „Dr. Alfred Stern hat es gewagt, unseren Dr. S t rauch er zu beleidigen, de,n wir alle so viel zu verdanken haben." Nach Herrn Rosen- Waschbar! Wasserdicht! Geruchlos! Vollen; echte Morm-SchweissbiMr U Ht Men! UrieiaD nWtl.