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Nationalzeitung · 1906-11-20 · Heft 81 (20.11.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 81 (20.11.1906)
Date
1906-11-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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*t. 81 Nationalzeituug Seite 3 stein der jüdisch spricht und ein energisches Borgehen verlangt, kommt Dr. Fink zu Worte. Redner schildert an Hand eines authentischen Protokolls wie systematisch Dr. David zu Werke ging, um ihn seiner Existenz zu berauben. Das Bemühen Dr. Ftnks, den Nachweis zu erbringen, daß er, entgegen einer Aeußerung, die Dr. Alfred Stern zu Herrn Plaschtes machte, über pädagogisches Talent verfüge, war überflüssig, weil man das längst weiß. Eine Protestversammlung galizischer Juden ist jedenfalls nicht die richtige Gelegenheit, um derartiges vorzubringen, wie der nächste Redner Herr Dr. Zipfer erklärte. Redner schließt sich nach kräftiger Polemik gegen Dr. Stern im Prinzips seinen Vorrednern an. Auch Herr Hammer spricht unter dem allgemeinen Eindrücke sehr erregt, und findet es geradezu unbegreiflich, wie Dr. Stern diesen Sturm der Entrüstung mit einer leichten Handbewegung abtun wolle! Unter stürmischer Zustimmung) erklärt Herr Hammer, daß mit diesem System gebrochen werden müsse. Dr. Rybaczewski, der schon auf der ersten Protestversammlung den radikalsten Standpunkt vertrat, bespricht auch heute in heftigen Worten den Empfang der Deputation, wendet sich gegen Dr. Alfred Stern, den er der Präsidentenwürde für unwürdig erklärt, da er sich nicht wie ein Jude benommen habe. Unter allgemeinem Beifall verlangt Redner später auch seinen Zusatzantrag in diesbezüglichem Sinne anzunehmen. — Vielen Beifall fanden die gelungenen Ausführungen des Herrn T o r c z i n e r, der unter anderem sagt: „Niemand anderer als Dr. S t e r n mit seinem unjüdischen Empfinden hat denAntisemitismus in Wien erzeugt." Auch die versuchte Beeinflussung des zionistischen Kandidaten bei der Reichsratswahl Z l o c z o w - B r o d y sei ein Werk der Kultusgemeinde, die 80.000 Wähler in ihrem Sinne „aufklären" wolle. — Wie immer, fand auch diesmal Herr Dr. L i f c z i s sein Auditorium. Die populäre humoristischbezwingende Art des Redners sichert ihm stets volle Aufmerksamkeit. Nachdem er eine scharfe Kritik des Systems in der Kultusstube gegeben, wendet er sich Dr. Stern zu, den er einen „politischen Bankerotteur" nennt. „Herr Dr. S t e r n hat uns heute nicht anerkennen wollen; es wird bald die Zeit kommen, wo wir ihn nicht kennen werden, wenn er zu uns kommt. Dr. S t e r n muß politisch unmöglich gemacht werden, er wird in keiner jüdischen Versammlung ungestraft das Wort ergreifen dürfen. Wir wollen ihm jetzt.polnische Nüsse' zu knacken geben, wir werden im Kaftan zu ihm kommen." Unter stürmischem Beifall schließt Dr. Lisczis seine glänzenden Ausführungen, indem er zu unentwegter Agitation für die Kultuswahlen auffordert. Nach einigen, im gleichen Sinne gehaltenen, kurzen Reden der Herren Waldmann, Morgenstern und H. Kohn gelangt folgende Resolution mit dem Zusatzantrage des Dr. Rybaczewski zur Annahme: „Der Herr Präsident der Kultusgemeinde hat der von der jüdischen Volksversammlung am 10. d. M. entsendeten Deputation erklärt, daß er die von ihr überbrachte Resolution in Sachen des Dr. David dem Kultusvorstande nicht vorlegen werde, diese nicht einmal von dem Erscheinen der Deputation verständigen werde und die Angelegenheit für vollkonlmen erledigt betrachte. Die heute im ,Hotel Continental' tagende jüdische Vollversammlung spricht über dieses Ignorieren des größten Teiles der Wiener Judenschaft ihre Entrüstung aus und erblickt in der Antwort des Herrn Kultuspräsidenten eine Herausforderung zum Kampfe gegen das bestehende System." Ein Zusatzantrag des Herrn Dr. Rybaczewski erklärt, daß eine Entfaltung unseres Gemeindewesens insolange unmöglich sei, als eilt derart unwürdiger Präsident an der Spitze stehe. Die Versammlung war nicht besonders stark besucht, durch die große Erregung aber sehr stürmisch. Sie ist nur als Einleitung zu wetteren Demonstrationen gedacht. Um 2 Uhr nachmittags schloß der Vorsitzende die Versammlung. dl. Scha. Die jüdische« Mandate in Galizien. Für die Auffassung über den Nutzen der Wahlreform und der Wahlkreiseinteilung für die galizischen Juden ist ein Artikel des Krakauer „Jud" von gewisser Bedeutung. Das genannte Blatt schreibt hierüber: Bei dem ganzen Wahlkreiseinteilungsschmaus sind die Juden fast ganz ohne Anteil geblieben. Die Juden Galiziens, die laut ihrer Bevölkerungszahl einen Anspruch auf mindestens 12 Mandate haben, werden kaum 5 Mandate erhalten, und wer weiß, ob nicht die Polen mit Hilfe der bekannten Wahlmittel auch von diesen 5 Mandaten einige an sich reißen werden. In den ersten Monaten der Wahlreformbewegung haben die Juden Galiziens sich für die Sache noch ein wenig interessiert, und das hatte auch die Wirkung, daß man ihnen wenigstens etwas — versprechen mußte. Hätte die Agitation bei den Juden ebenfalls in dem Maße angehalten wie bei den übrigen Nationalitäten, so hätten sie vielleicht mehr erreicht. So aber ist das Interesse bald erkaltet, man begnügte sich mit den Zusicherungen, welche dem Dr. Byk gemacht wurden, daß die Juden 8 Mandate erhalten würden. Als später aus den 8 Mandaten nur 5 geworden sind, sind unsere Juden ruhig geblieben, wie wenn die Sache sie gar nicht anginge. Sie begreifen es nicht, daß, nachdem die Wahlkreiseinteilung unter den Schutz einer Zweidrittelmajorität gestellt wurde, sie jahrzehntelang auf eine eventuelle Aenderung zu ihren Gunsten werden warten müssen, da die Polen in der Lage sind, eine solche Aenderung technisch zu verhindern. Jetzt ist alles bald vorüber, die zweite Lesung der Vorlage im Plenum des Reichsrates wird wahrscheinlich in zwei Wochen erledigt sein; viel Zeit will man auf die Debatte nicht verwenden, da Ende dieses Monats die Delegationen zusammentreten sollen und während der Tagung der Delegationen der Reichsrat geschlossen bleiben muß. Nichtsdestoweniger müssen wir Juden die Verhandlungen im Reichsrate mit großer Aufmerksamkeit verfolgen. Bei aller Eile und dem Wunsche nach Beschleunigung der Debatten ist es nicht ausgeschlossen, daß noch gewisse Punkte der Vorlage eine Aenderung erfahren werden. So verlangen die Polen noch ein Mandat für die Bukowina, die Deutschen für Biala, die Tschechen für Budweis usw. Ueberraschungen bei der Abstimmung sind nicht ausgeschlossen, und es ist leicht möglich, daß unser „guter Freund" Globinsky eine Aenderung der Wahlkreiseinteilung in dem Sinn einschmuggelu wird, daß die 5 jüdischen Mandate auch nicht mehr sicher sein werden. Wer wird sich dann unser annehmen? Etwa Dr. Kolischer, Dr. Seinfeld oder gar unser Liebling Dr. Gold? In erster Linie kommen für uns 74 Städtemandate in Betracht, und zwar: 1. bis 3. Lemberg; 8. bis 12. Krakau; 13. Przemysl; 14. Stanislau; 15. Tarnopol; - 16. Tarnpw; 17. Kolomea; 18. Biala, Saybusch, Kenty, Andrichow, Wadowitza; 19. Bochnia, Wieliczka, Podgorze; 20. Neu- Sandez, Alt-Sandez, Neumarkt; 21. Rzeszow, Roptezize, Sendrziszow; 22. Jaslo, Gorlice, Gribow, Bicz, Strzizow, Frisztak, Pilsno, Dembica; 25. Krosna, Korczyna, Sanok, Dobromil, Stari Sambor; 26. Sambor, Grodek; 27. Drohobicz, Turka, Bolechow, Skole; 28. Stryj, Kalisch; 29. Brzezani, Rohatyn, Pokamien, Chodorow, Brozdowce und die Landgemeinden Baranowka, Demnia, Chuziska, Kuropatniki, Podwisokie, Rohazyn, Wolka; 30. Zolkiew, Rawa-Ruska, Sokal, Kristinopol, Tartakow, Bels, Warenz, Wielkie, Oczy; 31. Brody, Zborow, Jeziernia; 32. Buczacz, Sniatyn, Borszczow, Tlumacz und die Landgemeinden Zygani, Tarnowica polna und Bohorodczyn; 33. Zloczow, Radziechow, Lapotin, Zaleszcie, Podkmmen und die Landgemeinden Kontowo, Huta, Pieniacka, Maydan, Pienacky, Maleniska, Palikrow, Pankowce, Reniew, Troszcianec wielki, Rudabrodzka und Husicke Brodzkie; 34. Bobrka, Zidoczow, Rozdol, Bursztin, Bolszowce und die Landgemeinden Ludwikowka, Slobodka, Koukolnicka, Wyszniow, Zagorze, Zurow, Huciska, Stare Szjolo, Ruda, Hcmaczew, Hanoczewka, Wolczkow, Cyorostkew, Jeziorka, Konczaky und Marianrpol. Von diesen Wahlkreisen sind folgende den Juden sicher: 1. Lemberg—Solkiewska; 2. Krakau— Kazimierz; 3. Kolomea; 4. Stanislau; 5. Brody— Zborow—Jeziernia: 6. Tarnopol. Diese 6 Mandate hat uns der Polenklub in seiner Gnade zugeteilt. Hinter den Kulissen verlautet jedoch, daß wir nur 5 Juden werden durchsetzen können und daß uns entweder Stanislau oder Tarnopol wieder weggenommen werden soll. Wer aber die Verhältnisse hierzulande kennt, der weiß, daß die Juden noch einige Mandate erobern könnten, wenn sie eine gute politische Organisation besäßen. Manche Bezirke könnten selbständig erobert werden und andere wieder im Wege eines Kompromisses mit anderen polnischen Parteien oder mit den Ruthenen. Die Inden brauchten dafür nur im Wahlbezirk Stryj—Kalisch mit den Ruthenen zu stimmen. In Tarnow und in Rzeszow könnten die Juden ebenfalls im Kompromißwege ein Mandat erhalten. Die Juden brauchten nur für denjenigen Kandidaten zu stimmen, dessen Partei ihnen ein Mandat zukommen läßt. Aehnlich sind die Verhältnisse in den meisten Städtebezirken. Selbst in Lemberg und Krakau könnten die Juden durch ein Kompromiß noch zu je einem Mandate gelangen, da sie auch in den anderen Bezirken dieser Städte großen Einfluß besitzen. Das alles könnte jedoch nur dann geschehen, wenn wir eine starke Organisation besäßen. Dann könnte auch die Wahlkreiseinteilung nicht die schädliche Wirkung üben wie jetzt. Leider sind wir fast gar nicht organisiert. Die neugebildete politische Partei ist noch zu schwach, um ihren Einfluß schon bei den kommenden Wahlen ausüben zu können. Deshalb müssen wir zusehen, daß nur nicht auch die wenigen sicheren Mandate durch „technische Aenderungen entrissen werden". Politische R««vfchan. Eine „jüdische Volkspartei" in Galizien. Der sichere Sieg der Wahlreform und die wirkungsvolle Agitation der Jüdischnationalen anläßlich der Ersatzwahl in Brody-Zloczow haben die assimilatorisch-jüdischen Kreise Galiziens aus ihrer Lethargie gerüttelt, und sie beginnen sich zu organisieren. Als Führer dieser Neuorganisation präsentiert sich der Abgeordnete Dr. Nathan Löwen st ein. Ob diese Persönlichkeit sowie die Taktik, welche sie bei der Gründung der „jüdidischen Volkspartei" befolgt, geeignet erscheinen, der jüdischen Sache zu dienen und vor allem den Frieden unter den galizischen Juden herzustellen, muß sehr bezweifelt werden. Die Aufforderung, der neuen jüdischen Partei beizutreten, läßt Dr. Löwenstein — wie das „LembergerTagblatt" berichtet — durch folgendes Zirkular ergehen : „Da sich mehrere Juden an mich, als einen jüdischen Abgeordneten, wegen Gründung einer jüdischen Volkspartei gewendet haben, wende ich mich nun an Sie, sehr geehrter Herr, mit dem Ersuchen, mir diejenigen Juden in Ihrer Stadt namhaft zu machen, welche Mitglieder einer solchen Partei werden könnten. Wir reflektieren hauptsächlich auf solche Personen, welche einen gewissen Einfluß auf das Volk haben, wobei ich Sie schon von vornherein darauf aufmerksam mache, daß Zionisten in diese Partei in keinem Falle ausgenommen werden können." Die Juden und die Deutschen in der Bukowina. Wie bereits berichtet, hat sich in Czernowitz eine neue jüdische Partei gebildet, welche bei der bevorstehenden Gemeinderatswahl schon in Aktion treten soll. Die Deutschen von Czernowitz berieten nun vorige Woche darüber, mit welcher der beiden jüdischen Parteien sie wegen der Gemeinderatswahlen in Fühlung treten sollen, mit der offiziellen jüdischen Partei (Dr. Straucher) oder mit der „unabhängigen", jüdischen Partei (Mayer-Ebner). Nach längerer Debatte wurde ein größeres Komitee eingesetzt, welches mit beiden Parteien in Fühlung zn treten hat. Das Ergebnis dieser Verhandlungen soll in einer Wählerversammlung der Deutschen bekanntgegeben werden. Verschiedenes an» Rnßland! Kruschewan vor Gericht. Am 28. November findet beim Bezirksgericht in Kischenew die Verhandlung in einem Prozesse des berüchtigten Judenfressers Kruschewan statt. Der Anführer der Huligans und Schöpfer der modernen Pogroms wird sich wegen Verfassung und Verbreitung eines aufreizenden Aufrufs an die Kischenewer Christen zu verteidigen haben. Kruschewan fordert in diesem Aufrufe die Christen auf, die Kischenewer Juden gesellschaftlich und wirtschaftlich zu boykottieren. VerbandjüdischerSchriftsteller. Vorige Woche fand in Wilna eine Versammlung jüdischer Schriftsteller statt, in welcher die Gründung eines WerbandeS jüdischer Schriftsteller besprochen wurde. Zweck des Verbandes ist zunächst die Förderung und Ver- Krebs-Apotheke « s. Mittribscv « Soda-Pastillen. wlen i., hoher Markt Nr. 8 (pal? »»Uta) tutSeulrumt>«v Dieselben sind für Personen, welche au Aiagcnbeschwerdrn, Uebelkeite», Sovbreunell, Ausstoben re. leiden, unentbelirli h. Preis per Schachtet «0 -etter.

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