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Nationalzeitung · 1906-11-20 · Heft 81 (20.11.1906) · p. [Seite]

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 81 (20.11.1906)
Date
1906-11-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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RatimheitM Organ für die gesamten Jntereffen des jüdischen Volkes. LrdaKtton: ix/1. Wasagaffr 81. Telepho» nt. 14723. «n Wochentagen von io Bis 12 Uhr vorm. „Nat»-«al,-tt»»g". Wie» IX/1. UeW»«tz«« «egen verspäteter oder gar nichtersolgte. Zu. ßrllnng erdttten wir un« dringend. — Mannstripte «erde» nicht rurüSgestellt. Postspartassentonto 41087. In das Abonnement kann mau tägNch eintreten. Erscheint jeden Dienstag «nd Freitag SigrntM ri«rr SszirtSt.—Arrissgeder «rt SheftedaKtesr: Iakod Kri»»»;. Haafenfiein & Vogler, Rudolf Moffe, ferner all« Annoncenexped Einzelnummer in Wie« 15 Heller. Administration: IX/1, Wafasaste 31. releptzo» «». 14798. «bonueWeuttprelS r Preis der «»»eiche»: All» Wien «. Oesterreich. Nngurn sFrankozuftellung: Ganzjährlich . . . K. 12.- HalbiShrNch . . . „ vierteljährlich . . „ 3.- Sü» d.gesaueteAuSraud: wanzjährlich . . . L 13.12 I Die »mal gespalt.Nonpareillezelle oder deren Ran» 12 h. „*1»a»se«d«t" die sspal. tiflc Ronpareillezeile 60 h. 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Chasan mehr als die Hälfte als aktiver Kämpfer für jüdische Freiheit verlebt, und die letzten acht Jahre seines arbeitsamen Lebens waren der Agitation" für den Zionismus, für seinen Zionismus, für den reifen, entwickelten, zielbewußten Zionismus gewidmet. Selbst noch ein junger, kaum dem Jünglingsalter entwachsener Mann, war er infolge seiner zündenden Beredsamkeit, seines ehrlichen und offenen Charakters und seines unerschrockenen Mutes im Kampfe für die Freiheit ein Liebling der aufstrebenden Jugend, die mit Liebe und Verehrung seinen Worten lauschte und geradezu mit Andacht seine Schriften verschlang, in welchen er einem aufrechten, seine Rechte verteidigenden, jedoch einem gemeinsamen Endziel zustrebenden Judentum das Wort redete. Mit seinem klaren Blicke und seinem hellen Verstände war er einer der ersten, die die Mahnung Herzls auf dem sechsten Kongresse begriffen und sich für den territorialistischen Gedanken einsetzten. In Wort und Schrift verfocht er die territorialistische Idee, die ihm ihre Verbreitung in Rußland in hohem Maße zu danken hat. Wenige haben den territorialistischen Gedanken so tief erfaßt wie Chasan, und wenige haben mit solchem Eifer und solchem Erfolge gedient wie er. Und so wie sein Leben war, so war auch sein Sterben. Auf dem Totenbette liegend, beendete er noch rasch eine früher begonnene Arbeit, die sozusagen sein politisches Testament enthält. Er gab ihr den Titel „Konstitution und Territorialismus". Mit wuchtigen Hieben kämpfte er gegen die Scheinkonstitution, durch welche die große verschüchterte Judenmasse hätte eingelullt werden sollen. Nicht nur für die Geschichte des Zionismus in seiner klarsten Form, den Territorialismus, sondern auch für die Geschichte der russischen Revolution und bureaukratischen Heuchelei ist diese letzte Arbeit unseres unvergeßlichen Chasan ein wertvolles Dokument. Wir waren an seinem Grabe versammelt, wir zollten ihm den Tribut des Dankes und der Verehrung. Genossen, bewahret ihm ein treues Andenken, lernet, studieret seine Schriften, sie sind euch gewidmet, dem jüdischen Volke! Bei der Errichtung des Grabmales verrichtete Oberkantor A. Sirota die Haskarah, die alle Anwesenden zu Tränen rührte. Es wurden auch mehrere Reden gehalten, in welchen die Verdienste des so früh Dahingeschiedenen um das jüdische Volk volle Würdigung fanden. Unter den Anwesenden befand sich auch eine große Anzahl politischer Zionisten aller Gesellschaftsklassen, welche noch nicht territorialistisch organisiert sind. Auf dem Grabmale ist eine kurze, aber zutreffende Aufschrift in hebräischer Sprache zu lesen, welche in deutscher Uebersetzung lautet: „Hier ruht der große Jude und große Mensch Chaim Jehuda Ben Jakob Arje Chasan." Sein Andenken wird uns heilig bleiben! * R. F. Wir glauben das Andenken des von seinen Genossen so tief betrauerten Vorkämpfers unserer Idee nicht besser ehren zu können, als, indem wir die in obiger Korrespondenz erwähnte Schrift „Konstitution und Territorialismus" unseren Lesern in deutscher Uebersetzung übermitteln. Wir wollen schon in der nächsten Nummer mit der Veröffentlichung der Arbeit beginnen. Redaktion der „Nationalzeitung". Zur Ka«dtag»«mhi im Wahlkreise Ostrau-Nrutitschri«. M.-Ostrau, 14. November 1906. Die Würfel sind gefallen! Der Antisemit Freister ist gewählt nnd wir könnten uns noch eher mit dieser Tatsache selbst abfinden als mit den Umständen, unter denen es gelungen ist, diese keineswegs von vornherein gesicherte Wahl durchzubringen. Einzig und allein durch das Ergebnis der Wahl in Witkowitz wurde die Wahl des' Dr. Freister gesichert. In Neutitschein, der Heimat Freislers und der Stätte seines Wirkens, ist er gegen den Sozialisten in der Minorität geblieben, ebenso in den Städten Weißkirchen, Ung.-Brod und Oderfurt; in Ostrau erreichte er nicht die absolute Majorität und in den Enklaven brachte er gegen 1000 Stimmen des Christlichsozialen ganze neun Stimmen auf, kurzum, seine Niederlage war gewiß, wenn, ja wenn nicht das jüdische Witkowitzer Werk ihm auf die Beine geholfen hätte. Da muß man eben ein wenig hineinleuchten, um diese Schande entsprechend zu charakterisieren. Trotzdem der Gewerke v. Guttmann der Deputation der Ostrauer Kultusgemeinde das Versprechen gab, die Arbeiter werden unbeeinflußt wählen dürfen, war dies nicht der Fall. Entweder hat Herr v. Guttmann die Sache nicht ernst genommen oder aber fühlte er sich gegen seine antisemitischen Beamten und Ingenieure machtlos, was das Richtigere sein dürfte. Tatsache ist, daß von den in Witkowitz abgegebenen zirka 2300 Stimmen 1650 auf Fr eis l er fielen, 600 auf Dr. Czech und 50 auf Ehrlich! Dieses Resultat ist eine direkte Verhöhnung der Tatsachen, denn nicht 50 Arbeiter des Witkowitzer Werkes haben spontan den fretalldeutschen Freister gewählt. Allerdings sind die meisten Beamten und Betriebsleiter der Firma Guttmann-Rothschild Erzantisemiten, viele von ihnen getaufte Juden. Die Seele der Wahlvorgänge war bekanntermaßen der Judenstämmling Dr. Walter Landauer, Direktionssekretär des Witkowitzer Werkes. Dr. Landauer war einer von denen, die, als das Bekanntwerden der Kandidatur Freisler die bekannte Spaltung herbeiführte, sich offen für den Freialldeutschen erklärten, und Dr. Landauer garantterte quasi, daß Freisler in Witkowitz auf Unterstützung rechnen könne. Trotzdem Dr. Freisler erklärte, von der Kandidatur abzustehen, wenn er nicht auf Witkowitz rechnen könne, trotzdem sage ich, hat es die Witkowitzer Clique mtt Dr. Landauer an der Spitze nicht für gut befunden, anders vorzugehen. Das tun Leute, die jüdisches Brot essen, Leute, denen das jüdische Großkapital die höchsten Stellen einräumt. Wer wagt es, noch von Antisemitismus zu sprechen, ohne an solche Leute zu denken? Daß die Erbitterung über Witkowitz eine allgemeine ist, brauche ich nicht zu betonen. Es ist erwiesen, daß die Arbeiter geschlossen zur Wahl geschleppt wurden, Stimmzettel mit dem Namen des Dr. Freisler in Händen. Das nennt man ein allgemeines geheimes Wahlrecht. Das nennt man jüdisches Großkapital! Auch nicht uninteressant ist es, daß die meisten der Witkowitzer Arbeiter beim Betreten und Verlassen des Wahllokales tschechisch oder polnisch grüßten, weil sie eben alles nur nicht deutsch können. Daß auch die Ostrauer Juden dem Antisemiten die Sache leicht gemacht haben, ist leider Tatsache. Wenn auch ein großer Teil die Gefahr erkannte und ihr entgegentrat, wenn auch viele wackere Männer fieberhaft arbeiteten, um für die Ehre des Judentums einzutreten, so hat doch ein Teil der hiesigen Juden seine gewohnte Indolenz nicht verleugnet und alles getan — um nichts zu tun! Die mehrfachen Kandidaturen mochten die Juden wohl auch etwas kopfscheu gemacht haben, so daß es in vielen Fällen nicht einmal möglich war, Juden zur Abgabe ihrer Stimme zu bewegen. Das ist ebenso unverantwortlich als unverständlich, als ja die Wahl geheim war! Solche traurige Zustände waren es, die dazu beitrugen, die Wahl des Freialldeutschen zu sichern, der bloß 233 Stimmen über die absolute Majorität davontrug! Wie leicht wäre es gewesen, das zu verhindern, und doch — wie schwer war es. Auch die Sozialdemokraten haben ihre Fehler begangen! Witkowitz haben sie fast kampflos preisgegeben und doch war nur dort ihr Heil zu finden. Das hat selbst der Wiener Abgeordnete Sch uh m ei e r, der am Wahltage hier weilte, den Sozialdemokraten zum Borwurfe gemacht. Ihr redlich Teil hat auch die Stadtgemeinde Ostrau zum Siege des Anttsemiten beigetragen. Kein Mittel war zu schlecht, um es nicht in den Dienst der Sache zu stellen und sogar die zur Aufrechthaltung der Orbnung bestimmte städttsche Polizeiwache war in den Dienst der Agitatton gestellt. Das ist unsere liberale Gemeindevertretung. Nun, genug davon, all diese traurigen Rekrimi- Nationen können die Sache nicht ungeschehen machen und es erübrigt nur, noch einmal auf die eigentliche Ursache aller Vorkommnisse und Konsequenzen zurückzugreifen, nnd da ist das Urteil ein ungeteiltes. Schuldtragend an allem sind in erster Linie unsere Ostrauer Großjuden, die sogenannten „Führer" mit Dr. Hilf, dem wackeren Kultusvorsteher, an der Spitze. Auf dieser Seite ist schwer, sehr schwer gesündigt worden, denn Dr. Hilf war kraft seiner Stellung in der Lage, die Kandidatur Freisler zu verhindern oder sie später rückgängig zu machen, aber es scheint ihm an seiner Wohlgelittenheit bei den deutschen Brüdern mehr zu liegen als an der Ehre seiner vstrauer Juden, die ihm das höchste Ehrenamt, das sie zu vergeben haben, an ir Die nächste Nummer erscheint Freitag den 23. November.

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