Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 76 (26.10.1906)
- Date
- 1906-10-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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JNr. 76 Nationalzeitung beite 5 f y st e litt «n« tischen, j «ü b i j ch e n!K o l o n i sati o n. Wie das Warschauer ,/Jüdische Tageblatt" meldet, hat Herr Vangard .bot tiefer «Getegen«heit arkch die Gerüchte, als ob Rothschild in Angelegenheit einer russischen Anleihe mit Pariser Bankiers ernste Unterhandlungen gepflogen hätte, aufs entschiedenste dementiert. Oskar Strauß, Staatssekretär der Bereinigte« Staaten. YDölegramm -der „Natwnalzeitnng".) London,, 24. Oktober. „Aus Nom Bork hierhergeka-ugte Depesche meldet bevorstehenbe Ernennung Oskar Straus' zum Staatssekretär in .Handelsangelegenheiten." Die Grnenllnng» des M!itgki!edeH des erst vost einigen Tagengebildetes. „Geographische ti. Komitees" der territorialisiischen Organisation, Oskar Straus, -znm« Staatssekretär kommt unseren Lesern nicht «überraschend. Wir haben sie nn Leitartikel „Das Fünfer-Komitee der Wo" („Nat.-Ztg." Nr.. 74) bereits angedeutet. Durch diese Ernennung ge'winnt die Entschließung Oskar Straus' in das „Geographische Komitee" der Ito einizntreten, um so höhere BLdentung, als wir ans «Grund autentischer Information mitteilen können, daß Oskar Straus zur Zeit, als er seinen Entschluß faßte, in das allerwichtigste Komitee der 'Jto e'iuzntreten, bereits mit der Washingtoner -Negierung wegen Uebernahme des hvlien Staatspostens in Unterhandlung stand. Ueber den praktischen Wert dieser Ernennung für die Ziele uriiserer Organisatton wird wohl niemand im, Zweifel sein. Es kann mit Sicherheit angenommen werden, daß Oskar Straus auch äks Staatssekretär an der Durchführung der itoistischen Ziele werktätig Mitarbeiten wird. Zionistische UaLiistinareise. Wie seinerzeit berichtet wurde, hat Herr Rabbiner S. Fürst von der Schiffschul seine Beteiligung an der von den Zionisten geplanten Palästinareise zugesagt und die Aufsicht über das Kaschrus während der ganzen Reise übernommen. Wie wir nun von authentischer Seite erfahren, . wird Herr Rabbiner Fürst d i e R e i s e n i ch t m i t m a ch e n. Se. Ehrwürden hat voll diesem nunmehr endgültigen Entschlüsse die Reiseunternehmrlng verständigt. Pirquort — Krirgsmirrister. Picquart Kriegsminister! Wenn das der arme Zola erlebt hätte! „La verite est en marche!“ rief er als die Revision des Dreyfußprozesses im Anzuge war. üftmi ist sie da, die Wahrheit, sie hat Picquart die Wege ins Kriegsiuinisterium geebnet. Gefängnis, Lebensgefahr, ja selbst die größte Schande, die einem Soldaten angetan werden kann, die Degradierung, vermochten diesen wackeren Kämpfer für Recht und Wahrheit nicht vom Kampfplatz abzuwenden. Wir Juden haben so wenig Freunde in höheren Sphären, daß wir es nur mit Freuden begrüßen können, daß ein Mann von der Qualität Piequarts, der besonders heftig austrat, als die Dreyfußaffäre zu eurer Affäre des Judentums gestempelt wurde, das Glück gerrießt, die höchste Genugtuung zu erhalten. Bevorstehende Auflösung des Krigittennner isrnet. Urrterstiitzungsvereines! Die Leitung >deS gonanntcn Vereilies verst'iidoi« ein Zirklilar, mittelst welchern dieselbe ihm Mitgilledev zu einer am 29. d. M. stattfi»de,»den außervchentlichen Genc>mlvcrsaimnlnn-gmit der. Tagesordiirmg: „Auflösling« des Vereines" einbcruft, und führt in demselben aus, daß dein! Vereine nicht in, dem Matze die Mittel Arrr Verfiiigmig stehen, als all ihn seitens der zahlreichen armen! Bevölkernu-g Anfordeningen gestellt werden-. Es fer der Vereinsleitnng daher umnöglich geworden, der großen Mission,: AuWnblicksuntedtützrmgen« imdSchutz vor Dclogienurg, den. bedrängten Glaubensgenossen zu. bieten, bezlv. dieser Aufgabe selbst nur teilweise gerecht zu werden-. Der 20. Wiener Gcineindebctzirk ist bekanntlich -der Aiüsiedlungsmyon« der armen- und ärmsten jüdischen, Bewohner der österreichischen Metropole. Dieser Bezirk beherbergt mehr als 15.000 jüdische Seelen, von. denen, ein kleiner Bruchteil Gewerbetreibende in mehr, oder minder geordneten Berhältnisseir sind, die große Masse aber ein, Proletariat in des Wortes traurigster Bedeutung davstellt. Das jüdische Proletariat ist aber auch nicht zu -vergleichen mit einem, solchen in sozialdemokratischem Sinne, währenddort der Älrbeitorftand -gemeint ist, von dein fast jeder -ein Handwerk gelernt hat, und daher cDcuhtdt nur einzelne momentan arbeitslos sein können., sv hingegen, setzt sich das jüdische Proletariat aus Agenten, Hausierern, Handeljnden u. dgl. problematische Existenzen znfa'minen, die -vonder Hand in den Mund leber», wenn, sie überhaupt «etwas verdienen. Bon der» zahlreichen Arbeitsunfähigen, Greisen, Siechei», Witwen und Waisen, armen russischen Flüchtlingen u«sw. gar nicht zu -reden. In dieseni Bezirke des jüdischen Massenelendes existiert bislang, seit 11 J-ahren, bloß ein einzelner Verein, der -diesem Bollwerk der Armut gegenübersteht, und das ist der Brigittenauer israel. llirterstützungsverem. Fürwahr, eine große Aufgabe, die vielleicht auch gelöst werdenkönnte, wem» nicht eine gewisse Indolenz unter den Mitgliedern, selbst herrschen würde; wenn, nicht die wenigen Besitzeudeu in diesem Bezirke sich, völlig tloilnahmslos diesem Vereine gegenüber verhaltenwürden, und . wenn, die oberen Zehntausend fo-wi-e die bevufen-en! großen- Körperschaften sich> n,u,r einmal die Tatsache vor das« Bewußtsein führen, wollten, daß in der Brigittenau Hunderte arme jüdische Familien, vom -Schicksal verfolgte Menschen, mit ihren Kindern am Hungertuche nagen. Es gibt zwei Wege, um den Ballast der Gesellschaft LoAzukriegen: Irr dem haibarrschen Rußland« besorgen dies -die sogen, schwarzen Banden (Pogroms genannt), m mehr zivilisierten« Ländern wird die Illishungerringsmethode inauguriert, die' auch, gute Wirkung macht. „.Nun ja, schwimme, wer sch-wimme,» kann; wer zu plump ist, der geht unter." Des-Wegen werden sich ja unsere Millionäre, die das Leben allerdings besser zu -erfassen verstanden haben, keine grauen Haare wachfen lassen. Z,r» lvas denn auch das arme Pdck, das die „besseren" und „anständigen!" Menschen bad; nur belästigt! und ihn-en Ungetegenheiten bereitet? Was den- Verein als solchen.' a«nl>angt, so muß hier ganz unverhohlen gesagt lverden, daß es nicht angehe, die ganze Last auf eine einzelne Person, zn. wälzen. Eine Schwa«lb«e macht bekanntlich keinen Sommer! Der Bereinsobnnmn, Herr Adolf Schreiber, ist, mn, ein nengeprägtes Wort zu gebrauchen,, -das große Schwungrad im diesem Vereine; er leistet allerdings ganz bedeutendes, den ganzen. Tag ist er aus den- Füßen, sucht die Behausungen der Bittsteller auf, klopft an den Türen, der Besitzen,deu; alltäglich in seiner Sprechstunde ist das Haus Nr. 19 in der Klostern-ettbu-pgjerstra-ße von Armen, förmlich belagert usw. Ein Gerechter aber genügte auch nicht, um, S-odom und Aurora, vor. dem Untergänge zu lwwalwen; und noch -weniger genügt eine einzelu-e Person,, umdie Not unter dev Vrigittenaner jüdischen« Bcvölkerrmg selbst nur zu, lindern. Da müssel» mehrere zusaimneulvirken, die eines guten- Willens sind, das Herz auf dem, rechten, Fleck haben u,nd wissen, daß, wenn Kinder hrm-geirn, dies eine bös-bittere Sache ist. In diesem Sinne wünschen wir, soll die Gen-em,tversam!mlu«ug an» ko-mmenden Nlo-ntag ihre Beschlüsse fassen, siecht die Auflösung, sonderi» der Fortbrftaud des Vetvines soll die Losu-ngsein. Eine Scha«r beherzter, unabhängiger Mitglieder stelle sich m-it frischer Kraft in den, aktiven, Dienst der Sache, es gilt, einem guten Werke: ny Sss npix au. üben, was die Existenz d-es jüdisch,en Volkes verbürgt. Man mriß nu-r ernstlich! und energisch wollen, dann ist der Erfolg auch, gesichert! R. Ch. Uon der lerrttorralistrschenKemegrmg. Bo« den Wiener Jtoifteu. Wir erhallen sol-gense Zuschrift: Airs -Grüns -des § 19 des Pr-cßkeseves fordere ich Sie au-f, mit Bezug auf die in -Nr. 72 Ihres Blattes erschienenen Notiz ,/Bon« -den Wiener Jtoisten" folaende Berichtigung zu veröfsenttichen. Es ist unwahr, daß der Aus-schuß der Poale- Ziou Herrn Z-i«u«dwer „deshalb aus -dein Verein ausgeschlosü'v hat, -weil cri stur Obttralnu «des Brunner Vereines in einem streng privaten Schreiben ersuchte, sich für die territvrialisti-sch« Agitation einzusetzen". Es isi unwahr, daß Herr Zindwer «überhaupt ausgeschlossen wurde. Wahr ist -vielmehr, daß Herr Zindwer den Obmann der Brunner Ortsgruppe ,Moale-Zion" in einem Schreiben ersuchte, daß die Brunner Ortsgruppe sich vom Verbände lossagen möge und der „Ito" beitrete. Er (Herr Zindwer) verbleibe in der Wiener Ortsgruppe« „Poale-Zion" ans rein persönlichen Motiverl. Nachdem uns dieses Schreiben von der B-rümrer Ortsgruppe eingesendet wurde, lud ^der Arrsschnß der Wiener Ortsgruppe Herrn Zindwer ein und forderte ihn auf, zu erklären: 1. wie er es m-it seiner Persönlichen Ehre vereinbarlich findet, eine Ortsgruppe zum Mfalle >vom Bervarrde Au bewegen, dem er selbst als Mitglied anWhören «wolle,' 2. welche rein „persönliche Moti-vef sebe-n' es, die ihn« zrrnr- Verbleiben' veranlassen? «Nachdem Herr Zindwer keine befriedigende Antwort geben konnte und schließlich erklärte, „er habe zu solchenr Mittel gegrifscn, weil die fr'ü-heren öfscntlich-en Jtoffiernngsversuchc erfolglos geblieben sind", stellteein Mitglied den Antrag: „Der Ausschuß n»ög,e! zmn Vorgehen des -Herrn; Zinjdwers Stellung nchme-n." Herr Zin«dwer gab Hieraus die Erklärung ab, er trete aus -dem Verein aus. Dies der wahre Sachverhalt. Jrn Aufträge des Zlnsschnsfesi detz Poale-Zion Wien. Mit AchttU'Ng S. Kaplansky-Kaplan, dzt. Obmann. D. Panker, dzt. 1. Schiviftführer. * -Herr Zindwer, dem «wir den Inhalt der «svgeriannten „Berichtigurrg" bebainintgaben, schreibt uns «hierzu: Wien, 23. Oktober 1906. Löblich e Neda!kti>on! Mit Bezug ans die „Berfichtigung" der Poale-Z-ion mutz ich -vor allem feststellen, daß ich nie an die Brunner Ortsgruppe der Poale-Zivn einen Brief geschrieben habe, diese somit auch, beinerr solchen an die hiesige Ortsgruppe senden kormte. Wie aus der zur Verfügung stehenden Korrespoudeu-z ersichtlich ist, habe ich n«uv ganz privatim und -vertraulich bei meinem dam-aligon «Irerrnd, 'der zrrfällig auch Obmann der BMnner Poal«e-Zion"-Ortsgruppe ist, angefra«gt, -welche Chance «die territvrial-istische Idee in Brünn «hätte und wie sich die Brünner Kollegen dazlt verhalten,' daraus ward mir am 7. September a. e. die Mitteilung, daß mein damaliger Freund und seine Kollegen -wohl territorialistisch denken, -sich aber für die iPropaganda« nicht einznsetzen ivermögen, weil der Verband ans zionezionistlscher Basis stehe, doch will er es versuchen, «den Parteitag in te-rritoviakvstische-m Sinne zu beeinflussen. Die Antwort -jedes ehrlich Denkenden -konnte iifur die sein: daß -ivenn rmm eine llekerzengung hege, .man «auch den Mut Haben müsse, dieselbe unbeschadet aller -Traditionspflicht-en zu vertreten, «und selbst die ehrenvollsten Mandate nicht verlocken dürfen, die Ueberzeuglcng zu unterdrücken. Sv durfte und mußte ich schreiben, weil ich — wie allg-einlein -bekannt — überzeugter Territorialist bin. Darm- «war es auch mein gutes Recht, «tve-il, als der Territorialiswus in der „Poale-Zion" zur Sprache kam, es jedem einzelnen« freigestellt -umrde, -sich für seine lieberzeugung einzüfehen. Wenn es „unwahr" ist, daß ich aits der Poale-Ziau-Organisation ausgeschlossen wurde, so habe ich drrrch die abgegebene Erklärnttg eben nur «»reiner 'A«usschließung vor- -gebeugt, was auch vom Obrnanne «Herrn Kaplan- Kaplatls-kp ,)klllg" genarmi wurde, indem «er hinzufligte, daß, „wenn, «ich der „Poale-Zion" die Eutscheidllng überlassen hätte, diese auch keinen arköererc Beschluß gefaßt «haben würde". — Ganz