Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 76 (26.10.1906)
- Date
- 1906-10-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Sktionaizeikmg Nr. 76 geduldet, daß die damals herrschende Intelligenz-- Partei aus Anlaß der Errichtung des nationalen Katasters für die bevorstehenden Landtagswahlen die Juden fast ausnahmslos in Herr tschechischen Kataster eintrng. Weil aber die Wahl in die Gemeindevertretung eine Situation geschaffen hat, in Ser für die Baxarianer zu besorgen steht, daß die Inden bei der 'Landtagswahl des Spruches bedacht sein werden: „Nur die allerdlimmsten Kälber, wählen ihren 'Metzger -selber", haben eben dieselben, die die Juden in den tschechischerl Nationalkataster hineinzwängten, dieselben, die bei >der Wahl in die Handels- und Gewerbekammer beim Postgebäude standen urrh -mit den Postboten zugleich den Juden die Legitimationskarten und 'Stimmzettel znstellten, um sie ihnen sofort rvieder mit tschechischen Kandidaten ausgefüllt abziunchmen, nunmehr die Inden aus dem tschechischen Wahlkataster heransre'klamiert mrd veranlaßt, daß zwei Polize'inmnner von Hans zu Haus gingen, um die „nationale" 'Gesinnung der allerdings zumeist „deutsch" sprechenden Juden zu erforschen, ein Borgang, der lebhaft an die 'Zelten erinnert, in denen an Erew-Sabbat die Jinanzwache die Töpfe der Juden untersuchte, ob sie nicht unversteuertes Fleisch oder Fische zngestellt haben. Das in Ungarisch-Hradisch erscheinende Blatt „Slovacke noviuy", das der Stimmung der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung Ausdruck gibt, bringt über diese Angelegenheit einen Artikel, der auch vom jüdischen Standpunkte Interesse genug bietet, um im folgenden -im wesentlichen unseren Lesern wiedergegeben zu werden: Quo vadis. ,>Tic Haben es erreicht. Unsere Stadt, die wir nach jährzehntelangeir Kämpfen dem tschechischen Volke wiedererobert haben, hat wieder eine staatlich anerkannte ansehnliche deutsche Minorität. Das ist mit dürren Worten das einzige Werk der sogenannten „Volkspartei". Was 'haben die, die so großmäulig ihr Lob ausposaunen, für die Stadt, was für die Nation geleistet. Ins Fertige haben sie sich gesetzt; als reiche Erben wollen sie in Wohlleben und Uebermut verprassen, was ihre eifrigen und strebsamen Vorfahren den widrigen Verhältnissen nur schrittweise und mit großer bewährter Vorsicht abgerungen haben. Wäre die „Bolkspartei", die heute so sehr den Mund vollnimmt, als ob sie die ausschließliche Berechtigung zum Ausschank von echter nationaler Begeisterung hätte, vor zwanzig Jahren ln Ungarisch-Hradisch an der Arbeit gewesen, unsere- Stadt wäre noch heute in den Händen der Deutschen geblieben. Das der Gesittung des zwanzigsten Jahrhunderts hohn sprechende gewalttätige Auftreten der ^Fortschrittlichen", die Roheiten, persönlichen Anrempelnngcn, die ihre Macher als Agitationsmittel mit Vorliebe anwenden, yaltcit nicht allein niemanden bekehrt. Eines Tages fuhr der Rabbi mit feinem Sohne in einer sehr eleganten- Kutsche durch Sadagora. Tie Rosse lenkte ein- Kutscher, der timselben Tage m die Dienste des Rabbi ge- - trelew war. Am Ende der Stadt stand ehr I großes Kvenz, an welchem die Equipage vorbeij fahren mußte. Da der Kutscher vor dein! Kreuze den Hut nicht gelüstet hatte, ließ der! Rabbi den Wagen halten und frug den! Kutscher, welcher Religion er angehöre^ Dieser ' erwiderte, er sei Katholik. Darauf befahl der! Rabbi, sofort rnn.zukehren und ans dem kürze-; ft-en Wege nach Hanse zufahren. Daheim ani gekommen!. entlief; er den Kutscherangonblickj lich aus feinett Diensten. Seinen auffallenden < plötzlicheit Entschluß be-griin'dete er damit, daß | er keinen Mann in seinen Diensten behalte, der j feine Religion nicht achtet und in Ehren hält. - Rach einigen Tagen erschien ein Polizei-; agent im Hanse des Rabbi nnd fttchte den f Kutscher. Die Polizei hatte nämlich in Erfahrt,nq gebracht, daß der entlassene Kiltscher das Hairpt einer Räuberbande sei, die sich zn einem Komplott gegen den Rabbi vereinigt hatte. Der Kiltscher hatte es übernommen, sich in das Hans des Rabbi ein.stlschleichen. nm ihn iiiid seine Familie im geeigneten Momente zii berauben nnd im Falte eines Widerstandes auch zu ermorden. sondern vielmehr geborene Tschechen von einem Mittnrr mit einer solchen in den Ansangsgvünden her zivilisierten Gesellschaft zn rückgeb lisbenen Gesellschaft abgehalten und angeekelt. Ans eigener Kraft haben die eirigeborene Bevölkechrng -und deren Führer, die jetzt den Geiser der Volts Partei am itwiftcit über sich ergehen lassen müssen, sich von der Herrschaft der Deutschen befreit. Sie haben dieses Besreinngswerk als erste - unter 'den mährischen Städten mit tschechischer Bevölkerung und deutscher .Vorherrschaft nicht mit den Mitteln der Gewalt, sondern mit den Mitteln des Verstandes und des Gemütes vollbracht. Bei der Befreiung des Volkes haben 'sie nicht -die Vernichtung, sondern 'die Heranziehung der Andersgesinnten und dadurch hie Stärkung her Nation zugleich mit der Hebung der kulturellen und wirtschaftlichen Vestrebungen der Stadt und deren Einwohner im Auge gehabt. Es muß einmal hen Herren von der „Volks - parket", den Herren „Fortschrittlichen", den Herren, die die Weisheit Mit Löffelngefressen haben, einfach und klar gesagt werden, nichts, gar nichts haben sie für die tschechische Nation, nichts, gar nichts, für has Gedeihen her 'Stadt und -das Wohlergehen derer -Einwohner getan. War es der Bürgerschaft gelungen, im friedlichen Kampfe der Geister den deutschen Anstrich, hen unsere Stadt durch hie langen Jahre der Knechtung erlangt hat, gründlich -wegzuwischen, so ist 'die ,P8olkspartei" gegenwärtig eifrig an der Arbeit, um in hie Reihen des Volkesdie.Sehnsucht nach >den Fleischtöpfen -des Deutschtums zu tragen. Sticht .alles paßt für alle. -Wenn manche große Herren, deren örtliche Zugehörigkeit zn I unserer Stadt von ebenso kurzer Zeit ist, als j deren Wohlhabenheit, in ihrem Privatleben mit - der Schreckensverbreitung gute Erfahrungen M'j has Gedeihen ihres Säckels gemacht haben, so - sollen sie ja n-icht glauben, daß .dieses Medikament für die OeffentliclMt angebracht, hem 'öffentlichen Wöhle dienlich ist. Die 'Einwohnerschaft unserer Stabt ist in ihrer überwiegenden, bo denstän digen Mehrheit friedliebend nnd ruhebedürftig. Seit hen vierzig Jahren des Bestanhe's unseres Gerne inhestatutes wechselten Personen und Parteien in der Gerne in-destube; die Uebertragung der Gewalt fand immer an hie Nengewählten in Friede und Ordnung 'statt unh auch die 'denkwürdige Großtat vor 60 Jahren, hie Eroberung der Stadt für die tschechische Sache, die Entw'inhung her -Herrschast ans den -Händen her deutschen Machthaber, vollzog sich ohne Störung der hen Bürgern einer freien Stadt heiligen Selbstverwaltung. Erst die „Bolkspartei" mußte mit ihren 'landfremden Elementen, -de'nen ihr -eigenes Machtbedürfnis höher steht, als das Wohl und das Ansehen her Gemeinschaft, kommen und offen die Mißachtung des bei der Wahl knndgegebenerr Volkswillens bekunden. Wissen die Herren, -die sich fälschlich „Bolksipariei" nemtcit, daß eine „'Bolkspartei" i vor allem -dem VvlkÄwillen Achtung schcrlhet?! Wissen sie nicht, daß dem Volke ihre hohlen j Redensarten bald überdrüssig werden? l Wissen sie nicht, daß Bürger, Handwerker,! Handelsnnh Getverbmalm ruhig ihrer Tätigkeit nachgehen wollen,' daß der Beamte zur ordnllngs-ninßig'c-n Betätigung seines Berufes -vor. allerrr her allgemeinen Achtirng bedarf,- daß es ihn anekelu 'und ihm seine -Unbefangenheit rauben mm ft, wenn er grnnd- und wehrlos in has Gezänke der Straße hineingezerrt wird? Wissen sie nicht, daß durch ihr Treiben leichthin in dem oder jenem Bekehrten und in vielen friedlieben- > den unpolitischen Einwohnern der Gedanke auftauchen kann, daß eher als solch tschechische Kultur — hie den Kampf aller gegen alle predigt, einer 'Kultur, die jedem einzelnen den Mägen ausleeren wollte, einer Kultur, die nur Haß und Zwietracht säet, einer Kultur, der selbst das Privatleben nicht heilig ist — die ehemals vorherr- 'schende deutsche Kultur zu ertragen ist? Doch diese Zersetzung der Gesellschaft genügte den Herren von der „Bolkspartei" nicht; es genügte ihnen nicht, daß sie jeden einzelnen, der nicht zu! ihrer Fahne — die weder die Volksfahne, noch! auch eine ernstliche Parteifahrle, sondern die- Fahne j knabeuhaster Unreife ist - schwor, mit Kot und! Schmn-tz bewarfen, -daß sie die loirtschaftlich I Schwächeren mit roher Gewalt, mit gesetzlich vor- ' botenen Mittelll, um ihren schwer zn erwerbenden Bissen Brot zn bringen suchten, ein dauerndes 'Denkmal ihres das Ansehen unserer Stadt gefährdenden Tuns mußten sie setzen. Weil sie mit Recht besorgten, daß alle einsichtsvollen Dtcnerzahler bei der bevorstehenden Landtagswahl eher hemjenigen die Stimme geben werden, dessen kernige Volksgesinnnng, dessen Lebenserfahrnng, dessen Kenntnis der Bedürfnisse der Bevölkerung, dessen wiederholt mit Erfolg gekröntes Eingreifen für hie Gesamtheit und der Einztclnen, Hessen Menschenfreundlichkeit selbst mit hohen Gekdopsern alle kennen; als demjenigen, von dem man bisher nur -das eine weiß, haß es ihm gelungen ist, in verhältnismäßig kurzer Zeit eine iunfreiwillige Sain-n»elbüchse für Geld vhne Unterschied her Konfession und Station zu werden: deshalb milßten sie sich gegeir Riecht nnh Gesetz im Besitze her Macht -zn erhalten trachten; öeshalb mußten sie die K'onstitllierung der Gemeindevertretung z-n hintertreiben trachtens; -deshalb -mußten sie Deutsche' ins Wähl-t kataster schaffen, deren Bestand den kulturellen Bestrebungen >des tschechischen Volkes viel gefährlicher werden kann, als wenn das Olmiitzer Qn-avgel -nicht bei hem -von der „Bolkspartei" empfohlenen Greisler gekauft wird. Nicht für has Volk, sondern gegen -das Volk arbeiten d/e Herren von der „Volkspartei". Mögen sie mit ihrem Gekeife noch so tief in den Schlammhineingreifen, mögen sie sich noch so weit von dem Fortschritt entfernen, hen sie vorgeben, das mögerc sie sich gesagt sein lassen: Kinh-i-fcher -A-e-rger und nicht Fenereifer für des Volkes Sache ist die Triebfeder ihres Hanhelns. Die Begründer der tschechischen Herrschaft itt unserer Stadt werden zn tun Haben, ehe sie den Schutt wcgbringen, den hie Volkspartei ansgetragen hat. Schimpfet weiter, ihr Herren, tän'schen -werdet ihr niemanden. Gin Uachruf für den lodenden Lektor Friedmann. Ein un-verzeihlich leichtfertiger Schrritzer ist dem gegenwärtigen- -Redakteur -der „Welt", N. -Sokolo-w, unterlansen-l Er Hält inder letzten Mnmmer her „Welt" unserem allbcrehrten Lektor -F r i e d m -a n n einenregelrechten Nachruf. N. Sv ko low, her in seinem Leben schon manchen grober! Schrritzer beging, hat aber mit keinem einzigen so -peinliches Aussehen hervorgerufen, wie mit is-einenr Hoffentlich noch für sehr lange Zeit verfrühten Nachruf für den trotz seines Greisenalters noch vollständig körperrrnd getstesfri schon Lektor Friedlnann. Lektor Friedmanch rvirh hoffentlich rrvch larrge unser „ttefkundiger, urrgemein witziger alter Ju-de" bleiben, und wirb diesen Uebereifer Soikolows mit dein besten Witz beantworten, indem er sich noch lange dem Jnderitrun nnd seirrer Wissen-schast erhält! Rothschilds Bedollmüchtigter in Rußland. Bor einigerl Tagerr besuchte ein Bevottrnächtigter des Hauses Rothschilh, Herr Slnguste Vaugard, unter arrderen Städten auch Kiew. Der Srebäkteur der „Kiew. Torg. Gazetta" Hatte bei .dieser Gelegenheit eirre Urlterredrrng mit Herrn Bangard. Der Zweck seiner Reise ist, die Lage der Indern irr Rußland zu st rr d i e r c n. „Sie rvevderi- 'hier sicherlich keirr-e sehr eirrlahenderi Bilder izn sehen bek-vmlnen," -machte der Jorirnallst Herrn Bangard „schonerr-d" ansrnerksam. „Ich bin ha raus vorbereitet!" antwortete Bangard. „Es ist nrinröglich, die Angen zrr ver- -schließen und die bittere Wahrheit betreffs der küüftigen ,>Gl-eichberechtignttg" iricht zn sehen... Ich rrrllß Jhriien sagen-, ich sehe keine Hoffrl.unig.sberechtignng für die Inden, sogar für den Fall, daß rnan rhrren erlauben wird, in garrz Nußlarid zn rvolirrerr. ANch interessiererr hauptsächlich hie ^Arbeiters der '.K'olonisatiorrstsornitee^ her iijordirvestlichen Gortverrrerrrerlts, rrnd ich habe den Anftrag, diese Arbeiten eirlgelierrh zn sirldiereri. Die 'ftthrvestlichell blouvernerneuts rverden zn derrrselberl Zrveck.irn rr-ächsten -SNonate voll einerrranderen Spezialbevolllnächtigterl bereist werden. Das ganze gesammelte Material wird dann -dem H a -n -s e R o t -h s ch i l d li b e r nr titelt tu e r - den; has Haupt des Hauses Rothschild ö e faßt s i ch jetzt ei rr g c h c n d m i t d e r F rage -e i rr e r g v o ß a n g e l e g t e n.