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Nationalzeitung · 1906-10-26 · Heft 76 (26.10.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 76 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. '*0 NarivnirtzeAmg Seilt; -) Der Heutige hochentwickelte Stand der «grikulturelleu Technik ermöglicht und erleichtert den' UeLergang von allen städtischen Berufsarten zum Ackerbau,' die modernen kulturellen Lebenslftmnen verwischen allmäWch den bisherigen icharsen Unterschie-d Mischen der Lebensart der LanöHeiwohner und derjenigen der Stadtbewohner. e) Es ist die Annahme begründet, daß das internationale Kapital, in seiner Suche nach neuen Verwendungsmögillichkeiten zur Beteiligung an der Realisierungsarbeit unseres territorialen Unternehmens' wird Herangezogen werden können. s) Wir Haben die feste Uvberzeugung, daß an jedwodean Orte, «moeine große, freie Gesellschaft mit einem selbständigen -politischen und Monomischen Leben entstehen wird, dieses Leben notwendigerweise gewisse jüsischnationale Formen annehmen wird. D«ie Anschauung aber, welche unsere nationale Entwicklung und nationale Existenz« nur von Palästina abhängig macht, betrachten wir als einen grundlosen Land-Fetischismus. 2. Betreffend die Möglichkeit einer Realisierung des Zionismus in Palästina. 6. Die gegenwärtige politische und sozialökonomische Läge der Türkei macht die Erreichung gesicherter, politisch autonomer Rechte auf Palästina fast unmöglich. Erklärungen: a) Die politische Geschichte der Türkei im verflossenen Jahrhundert —- der Ilbbröckelungsprozeß der nichtmohammedanrscheni Elemente, ihre gewaltsame Loslösung vom türkischen Reiche, welche die politische Macht der Türkei untergraben haben — läßt es ganz unwahrscheinlich er-, scheinM, daß die türkische Regierung sich entschließen könnte, einem neuen, nirhtmohamme- «Äcmischen Element EinlaH und eine politische Selbständigkeit zu geiwähren. b) Bis nun «ist bei der türkischen Regierung eine Tendenz, ihr Land ökononrisch m beleben, nicht bemerkbar,' alle Versuche in dieser Hinsicht werden gegen ihren Wille::- von anderen unternommen. Wem: aber 'sogar der Moment eintreten sollte, da die türkische Regierung sich zu einer Reformarbeit in wirtschaftlicher Beziehung entschließen 'wird, ist es sehr z-weifelhast, ob sie gezwungen! feint wird, zu diesem Zwecke sich der jüdischen Massen zu bedienen und ihnen eine politische Selbständigkeit znzusichern, anstatt ihr eigenes Menschenmaterial aus-znniützen, oder Kapitalien und Menschenmaterial von' verschiedenen Völkern HerMlizuzieHen, um ans diese Weise das Uederwiegen des Einflusses eines einzelnen Volksstammes zu paralysieren. c) Die Erreichung eines Charters aus Palästina ist auch deshalb schwer und problematisch, weil bet der jetzigen Lag,e> der Türkei ''-er Charter nur dann gesichert wäre, wenn er von den europäischen Mächten garantiert erscheint. Die Garantien der Türkei allein haben' Leinen realen Wert. d) Unsere autonomistrschen Bestrebungen können im Wege der tiirkischenDezentralisation, wie dies die Palästinazionisten tun, unmöglich erreicht werden. Die Dezentralisation und die politische Anarchie sind die stärksten Feinde jeder gesellschaftlichen Einheit und fester Rechtsverhältnisse. Die Dezentralisation der Türkei ist ein Produkt ihrer 'ökonomischen Deroute. Bei einer günstigen ökonomischen Entwicklung nmtz die Dezentralisation verschwinden unjd an ihre Stelle ein Zentralismus treten. 7. Die kolonisatorische Arbeit in Palästina ohne Voraussetzung politisch autonomer Rechte führt bei den gegenwärtig dort herrschenden politischen und sozialökonomischen Zuständen keineswegs zur Realisierung unseres zionistischen Ideals, die Arbeit ist eine Sysiphusarbeit und als Verschwendung unserer Volkskräfte sogar eine schädliche. Erklärungen: a.) Die Erfahrungen aus dem Kolontsativnsgebiete lehrenuns, daß der Erfolg einer koloniklimatischen und topographischen Bedingungen -des betretenden' Landes, sondern auch von der satorischen Tätigkeit nicht nur von den günstigen politischen Freiheit, welche den Kolonisten gewährt werden und von 'denjuristischein Bedingungen abhängig G, welche in dem betreffenden Lande herrschten. Das Fehlen jeder politischen Freiheit nnd die barbarischen türkischen. Gesetze, welche den dortigen Bauernstand völlig ruiniert haben, müssen notwendigerweise jede Kolonilsationsünternehmung daselbst zum Scheitern bringen. b) 'Eine kolonisatorische Arbeit kann nur dann Erfolg haben, wenn sie von der betreffenden Landesvevwaltung eine weitestgehende Unterstützung genießt, indem den Kolonisten der Boden gratis oder zu sehr billigen Preisen und äußerst günstigen Zahlungsnrodalitüten überlassen wird, indem ihneü eine gewisse Steuerfreiheit eingeräumt wird nfm. Wo aber die Arbeit, wie dies in Palästina der Fall ist, von der Oberverwaltung auf Schritt und Tritt gehemmt und gestört 'wird, der Bodenkans und Häuserbau mit oft unübe vwinjdl ichen SchwierligLeiten verbunden sind, wo die Kolonisten mit ungeheuren Steuern belastet werden, um die Sicherheit des Lebens und des Besitzes der Würger nur von der Willkür der Staatsbeamten abhängt: da muß jede kolonisatorische Tätigkeit unvertneiidlich scheitern. ej Jede Kolonisation im kleinen« Maßstabe hat nur dann einen Wert, wenn die' Gewißheit vorhanden ist, daß sie mit der Zeit sich zu einer Grotzkolonisation werde entwickeln können. In Palästina aber ist bei den jetzigen Zuständen auch rttcht die geringste Garantie dafür vorhanden, daß die 'Arbeit nicht wird -plötzlich unterbrochen werden müssen — wie dies schon einmal geschehen ist — auch «wenn es gelingen sollte, die jetzt bestehenden Einwandernngsbeschvänkungvn zu beseitigen. d) Die Hauptanziehungskraft einer jeden neugeschassenen Gemeinschaft besteht in «den fortgeschrittenen Lebensformen, welche ans dem betreffenden Gebiete eingeführt werden Meu-SeelaNd, Kanada, Australien üsw.). Die konfevvativen Lebensformen der Türkei jedoch hindern jede neue «soziale Schöpfung, da die Kolonisten gezwungen sind, türkische Untertanen >M werden, sich der veralteten« türkischen Jurisdiktion zu unterwerfen und «sich der primitivsten Gemeindeverwaltung zu bedienen. e) Ein Kolonifationssystem — die notwendige Voraussetzung für das Gelingen einer kolonisatorischen Tätigkeit —•, «kann nur dort durchgeführt «werden, wenn die «Arbeit auf einer einheitlichen, zusammenhängenden, großen Bvöenfläche durchgefüihrt wer«öen kann. In Palästina jedoch muß bei den jetzigen Zuständen diese kolonisatorische Arbeit auf verschiedenen, miteinander nicht zusammenhängenden Punkten geleistet werden, wodurch sie ohne jedes System! erfolgen mutz. Uon der „IrrtelligenMartei". Ungarisch-Hradisch, am 23. Oktober 1906. Ginge es nach dem Willen unserer //Intelligenz", Ungarilsch--Hradisch «wäre längst ein N'eu-Siedlce. Alle Juden hätten die Zunge draußen. Vielleicht nicht herausgeschnitten, aber doch verdorrt. Den«n diese „Intelligenz", einige jüngst eingewanderte Advokaten und fnbalterne Beamten und Lehrer, «Schreiber und andere «Größen überwachen «förmlich jeden Schritt der Juden, verhüten die gewerbliche Betätigung des Ju«den, richten einen B«oy-kott der Ju«den von Mann zu Mann ein und übertragen diesen Haß auf die christliche Einw'o«hner«schast, die diesen Machern keine Gefolgschaft leisten will. Haben etwa die Juden das tschechische Volk verraten? Nein, aber mit «den friedliebenden Elementen sind sie bei der letzten Wahl in die Gemeind«eVertretung gegangen. Und deshalb diese Feindschaft, deshalb die Verleugnung aller „fortschrittlichen" Grundsätze, deshalb «die A«us-be«:r^Kopfstellung der eigenen Handlung derer, die aus« der Gemeindestube buchstäblich 'hlnans'getrieben werden« mußten. Um des lieben Friedens willen haben es die «Ungarisch-^Hradischer Ju'den in ihrer Mehrheit „Warum?" „In allem, und« bei jeder passenden und« un° passenden« Gelegenheit." So plaudernd emeichten wir die Stelle, wo die Wege sich, kreuzen. Beil sprang vom Wagen und schlug die Richtung nach, seinem Geburtsstädtch>e«n ein« und ich fuhr weiter. Di«e von Berl >erzäh«lte Legend«e kam mir nicht a-us dein Sinn. Woherstammte sie? Wer hat sie hew'oirgchracht?' So wie alle Legenden ist sie offenbar in «einer regen Phantasie entstaw der: und in mündlicher U>ebei«lieferu!ng von Vater auf Sohni, von! G«enera!tion zu Generation übergehend, wuchs« sie und nahm neue Formen an. Woher stammte sie, wo ist ihr Anfang, wer hat sie zuerst Versatzt und wer überliefeiie sie den Generationen? Das« läßt sich schiivov feststellen. Unter dem Landvolk critstehen phantastische Märchen« und Sagen vorwiegend auf dem Hintergründe von Natureischeinmugen, oder auf den Ruinen' alter Wohnsitze und verfallener Burgen, deren Geschichte, «von der Phantasie ausgefchmückt, durch die Zeit verändert, und zum Teil in Liedern erhalten!, Jahrhunderte überlebte. Eüi! gekürztw Baum,!ein Steinblock von seltsamer Form, ein vovüberfliegender Meteor, «eine stürmische Nacht, Irrlichter auf Moorland, eine alte Bastei, ein vergessener Grabhügel — das« sind mehr od«er weniger die Quelle'n, aus denen die reiche Volksphautas'ie für sich Motive schöpft. Wolkslegendeu sind mehr oder weniger bekannt, «emsige Sammler notieren ihren Inhalt und' legen! ihn« im gedruckten Werke fest. Diese Volkssphäre welcher Berl entstammt, -hat auch ihre Sagen und Legenden — hat ihrer die schwere Menge, aber sowohl ihre Phantasie wie auch dev Charakter ist anders geartet. Das überirdische und mystische Elenien«t üb«erwiegt in ihneu«. Der Sammler eben! solcher Legenden hat eine sehr schwierige Aufgabe, wenn er nicht aus Büchern, sondern aus dem lebendigen- Wort schöpfen will. Mißtrauen, Unlust und schließlich die nicht leicht verständliche Sprache (Jargon) sind ein fortwährendes Hindemis. Das überaus interessante', geistige Vaterland oben solcher Berts hat vor dem fremden Beobachter hermetisch! geschlossene Grenzen. Wenn« es gelingt, etwas davon zu erwischen, so geschieht es nur durch ein geschicktes Manöver, durch iKontrebande, verstohlen. Und 'doch ist diese abgesonderte Welt übev a-us interessant. Tie Legende von der Kirche und dem alten Judenfriedhof in Lublin habe ich durch Zufall gehört und sie, so wie sie erzählt wurde, ohne Zugaben, ohne Aenderungen oder Ausschmücklmgen wiederholt. Berl gestand mir später, daß er eine Menge derartige Historien«, derartige große Ereignisse keninie, aber nicht jode Geschichte läßt sicherzählen. 23'einl ist nicht umsonst ein gelehrter Mann, —- er kennt viel, sehr viel. Simple, ordinäre Menschen würden sein«en Erzählungen keinen Glauben schenken, und deshalb zieht «er es vor, seine kostbaren« Schätze fiir höhere Geister und feinere Köpfe aufzubewahren, die «dafür Verständnis haben!, datz die Gohorsamkeit der größte Schatz ist — und die größte Gelehrsamkeit 'das, was niemand verstehen kann .... Zur Charakteristik de» Uabbi von Kadagor«. Unter den vielen Geschichten, welche die nach Zchntansenden zählenden Verehrer und Anhänger des kürzlich verstorbenen Rabbi von Sadagora von ihm erzählen, befindet sich auch folgende, besonders chaimkteristische: KREB5-dP0THEKE 5. niTTELBdCH Petrol-Haargeist. u.- „ . uo.t,4 o Lm herTorra/?endes Mittel zur Stärke des Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 Haarbodens und der Haarwurzeln. (Palais Sinai im Zentnuadar Stadt. ♦ Praia 1 Plaacbe 3 Kronen.

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