Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 76 (26.10.1906)
- Date
- 1906-10-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
- Płock 1× ep/1048069
- Slonim 1× ep/1000502
- Vilnius 1× ep/1000947
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Seite 2 Naiioimlzeitimk Nr. 76 gezwungen eine gewisse Assimilation durchzumachen (Studentenkoulcur re.), um einen Nebergang zu schaffen. Die sogenannten Assimilanten werden durch die Verhältnisse gezwungen sich allgemein jüdisch zn betätigen, und werden dies auch mit Hingebung tun, wenn die Arbeit eine praktisch durchführbare ist. Die i n n e r p o l i t i s ch e B e t ä t i g u n g der Juden auf nationaler Grundlage kann nicht für die Juden aller Länder generalisiert werden. Euren Beweis hierfür liefert das Verhalten der Zionisten selbst in den verschiedenen Ländern. Während zum Beispiel die Zionisten irr Oesterreich heute die nationale imrerpolitische Betätigung proklamieren, und es jedem Zionisten verboten ist, einer anderen politischen Partei anzugehörerr, hat die offizielle Vertretung der Zionisten Deutschlarrds Gewicht darauf gelegt, zu erklären, daß sie teure selbststärrdige nationale Politik treiben wolle, und es jedem Zionisten rrnbenommerr bleibe, sich in einer beliebigerr politischen Partei innerpolitisch zrr betätigerr. Selbst in Oesterreich müsse zwischen dem Osten und dem Westen, des Reiches ein Unterschied gemacht werden. Während in Galizien und Bukowina die Durchsetzung jüdischnationaler Abgeordneter möglich sei. ist eine nationaljüdrsche Politik in Westösterreich zumindest zweifelhaft, wenn nicht ausgeschlossen. Ein großer Teil der sogenannten Assimilanten ist derselben Anschauung. Was die Lö s u n g d e r a l l g e m e i n e n Probleme, besonders die Befreiung unserer im Osten lebenden Brüder betrifft, ist die Lösung, welche der Z a n g w i l l s ch e T e r r itorialismus vorschlägt, die einzige, welche Aussicht auf Erfolg hat. Deshalb gehört die Zukunft dem Territorialismus, welcher auch deshalb von großer Bedeutung ist, weil ihm jedes religiös-mystische Moment fehlt und dadurch geeignet erscheint, alle Schichten des Judentums zu einer praktischen Arbeit für das bedrückte jüdische Volk zu vereinigen. Die jüngst wieder bemerkbare, lebhaftere Tätigkeit der P a l ä st i n a v e r e i u e, denen sich auch Kreise anschlossen, welche dem Zionismus ferne standen, kann nicht als Triumph des Zionismus betrachtet werden, da diese Kolonisationsarbeit gerade ein Ablenken vom zionistischen Programm bedeutet und auch Hilfsarbeit von so kleinem Umfange ist, daß sie für die erste Judensrage kaum in Betracht kommen kann. Pflicht eines jeden Juden ist es, au der inneren Entwicklung des Judentums, an der Sicherung des materiellen, politischen und sozialen Wohlstandes unserer Brüder sowohl m deren Ländern, in welche!: sie gegenwärtig wohnen, wie auch auf dem zu erwartenden Territorium tatkräftig mitzuarbeiten. * * ♦ Wir konnten wegen Kürze der Zeit hier nur auszugsweise den Jdeengang des überaus interessanten Referates wiedergeben. Der Bericht über den Verlauf der Versammlung folgt in der nächsten Rümmer. Die Grundprinzipien des Territoria- Usnrus. (Vorbemerkung: Diese Resolutionen wurden noch vor dem 7. Kongreß der zionistischen Organisation gefaßt, und werden noch heute als die Grundprinzipien des Programmes der Territorialisten Rußlands angesehen. Auf dem am 2., 3. und 4. März 1905, in Warschau stattgefundenen Kongresse, auf welchem auch die russische Territorialistenpartei gegründet wurde, nahmen Delegierte aus folgenden Städten teil: Warschau, Wilna, Bialystok, Minsk, Lodz, Rowno Kerditschew, Rowno, Plozk, Grodno, Bern, Odessa und Slonim. In allen diesen Städten bestehen heute große territorialistische Ortsgruppen. Seit dem Kongresse haben sich in den meisten Städten Rußlands Ortsgruppen gebildet.) 1. Die theoretischen Grundlagen des Territorialismus. 1. Wir anerkennen, daß die verschiedenartige Entwicklung derjenigen Völkergemeinschaften, unter denen große jüdische Massen, nicht an' einem Orte konzentriert leben, die Entwicklung und die Existenz wes jüdischen Volkes in jeder Beziehung unmöglich macht., Indem die ökonomisch entwickelten Völker-' organismen, alle ökonomischen Funktionen allein versehen, entreißen sie den jüdischen Massen ihre altgewohnten Beschäftigungen, ohne sie zu ben neugeschaffenen Funktionsgebieten zuzulassen, und führen die Juden auf diese Weise der immer mehr anwachsenden Verarmung gu. Dazu kommt noch, daß die nationalkulturell entwickelten Völkergemeinschaften, dem ganzen Leber: in ihren Staate«: den Stempel ihrer eigenen nationalen Kultur aufdrücken, wodurch sie dem jüdischen Volke die Möglichkeit nehme::, seine nationale Eigentümlichkeit zu erhalten und zu entwickeln. 2. Der oben geschilderte historische Prozeß zwingt die jüdischen Massen, ihre alter: Wohnungsorte zu verlasse::. Dieser Notwendigkeit vermag jedoch die jetzt vor sich Gehende Emigration nur zum Teile zu entprechen. Da die Emigration sich hauptsächlich den hochentwickelter: kapitalistischen Ländern zuwendet, in welcher: alle ökonomischen Funktior:sgebiete bereits durch die dortigen Bewohner ausgefüllt rverder:, muß die noch imnrer zur:ehmer:de Massenemigration naturgemäß eine Hemmung erleiden. Diejenigen Inder: hirrgegen, dener: es dennoch gelingt, in eir:em der Jmmigrationszentrer: ihr Leben eirrzurichter:, gehe,: für uns in natiorralen: Sinne verloren. 3. Der Zionismus als Lösung der eber: erwähnter: natiorralökonomischen ur:d kulturellen Probleme strebt nun die Erwerbung eines unbevölke'rter: Territoriums auf politisch autonomer Grur:dlage, die Hinleitung des jüdischer: Emigrationsstromes auf dieses Gebiet, die Systematisierung und Konzentration der Auswanderungsbewegung an, um auf diese Weise eine freie jüdische Gesellschaft zu schaffen, welcher die Möglichkeit geboten ist, sich in ökonomisch-sozialer und national-kultureller Beziehung frei zu entwickelr:. 4. Bei der: heute vorhar:denen politischer:, ökonomischer: und technischen Bedingungen gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Erwerbung eines freier: Territoriums für das jüdische Volk ur:d die Schaffung einer großen, freien jüdischen Gesellschaft daselbst. Unter allen vorhandenen Möglichkeiten ist die Möglichkeit der Erwerbung Palästinas und der Realisierung unseres Ideals daselbst die schwächste und unwahrscheinlichste. 5. Aus dem bisher Gesagten folgt, daß weder die Faktoren, welche den Zionismus Hervorgerufe:: haben, noch seine Realisierung ausschließlich an Palästina gebunden sind. Erklär ungen su öe-rr P u nkten 4. unb S. aj Bei der jetziigen wirtschaftlichen Ordnung Halben alle Regierungen, die Mer uMe-- -völkerte, koloniale Territorien verfiügen, ein öko-- Uomlsches. Interesse, die emigrierenden Massen heranznz-ieh-en, um durch sic diese ihre Territorien zu kolonisieren, rrrrd sich dadurch neue Absatzgebiete zu schaffen. Außerdem Haben einzelne RegHern ngcn noch das besondere Interesse, den tüdischen Emig rati onsstrom, «welcher jetzt in ihre dichtbevölkerten Gebiete sich ergießt, in unbevMkerte Kolonien abzulenken. b) Die Geschichte der modernen Kolonialpolitlk lehrt, .daß die Zentralregierungen die T-oröerungen ihrer Kolonien nach autonomem Rechte stets erMen. Hieraus folgt auch die volle Erreichbarkeit nnserier terNitori-alistiisch-autonomistischen Bestrebungen. c) Die 'Entwicklung der modernen Technik ermöglicht und erleichtert die Transferierung von Menschenmassen aus' einem Orte in einen anderrr ohne Rücksicht auf die Entfernung des J>m>migrationspnn>ktes. bitter» müssen. Hat er 'denn wenig getan? Ev erachtete es für hinlänglich t Als sie ihn zu bitten begannen, sprach er kein Wort, sondern hörte lauf zu lesen, und so wie er im Lesen innehielt — hörte auch die Erde auf sich zu bewegen — und der Platz mit der .Kirche, mit den Menschen und den Gebäuden, blieb auf derselben Stelle, wie «er heute steht. Nu, Sie haben ja gesehen." „Und der Räbbi?" „Der Rabbi rief denselben Knaben, der ihm das Buch gebracht. Er hieß ihn, es znvückzutragen und es. an denselben Ort zu stellen — und dann . . . und dann legte sich die Rabbi zurück auf die Bahre und \mt wieder tot. Dieselbe Macht, die die Juden an den Fleck gebannt hatte, drängte sie wi-edevum noch vorwäbs und sie gingen; sie beerdigter den Rabbi unter großer Trauer, Weinen und Gejammer.. . Dann ging jeder nach Hause, erzählten den Kindern das Vorgofallene und diese erzählten es dann, als sie heranwuchsen, ihren Kindern und so Ivirid es von einem Geschlecht zum anderer: fortgesetzt. - ." Berl seufzte. „Hans, das waren Zeiten, schöne Zeiten, die Menschen sähen große Ereignisse — und sagen Sie, was sieht man heute? Das, was ich ihnen sage, ist die Wahrheit. Wenn die Bücher anders sagen — dann sagen sie «ine Unwahttheit. Sie sagendie Geschichte! Sie sage:: ein Dokument! Sehr richtig, das! Und wo sind die Zeugen, die beim Unterschreiben warm?" „Und wo sind diejenigen, die das Wunder auf dem! Friedhof gesehen! haben?" „Sie sind nicht, aber sie waren, bei meinem Gelvissen — sie waren, nur sind sie schon tot. Ein Mensch kann doch nicht ein halbes Jahrtausend lebm." „Das ist schon vor fünfhundert Jahren geschehen!?" „Warum fragen! sie rmch den Jahren'? Ein Jude zählt nicht so Geld, wie Sie diese Jahre zählen! wollen-. Wozu? Wozu rechnen, das, was gewesen, kehrt rricht wieder - es war, es ist schon lange gewesen und das genügt — und Sie sagen wann? In welchem Jahr? An welchem Tag? Wie der Rabbi geheißen? Das. ist ja gar:>z egal. Mrs einen: Hügel wurde ein Berg und ein Tal. Auf der Welt passieren feilt saune Sachen. Es ist schrecklich auszudenken. Sie, zun: Beispiel, glauben, dieses Feld sei ein Feld, und dieser Wald ein Wald?" „Was sollte es dem:-fein?" „Dias ist Wald und Feld, der Mensch sicht nur Wald und Feld, aber in: Feld! und im Wald wimmelt! esvon solchen Kreaturen, -die ich gar nicht beim Namen nennen will. Sie gehen nur darauf aus, dm Mmfchm zugrunde zu richten." Berl verfiel in Nachfinnön. Es war schon Nacht. Eine -sternenhelle, klare Nacht. Von: Flussedrang das Klappern «einer Mühle, vor: «den Dörfern Hundegebell. Ich dachte über die Entstehungsgeschichte der von Berl erzählten Legende nach. „Herr, ich bitte Sie," ließ er sich vernehme!:. „Wasgibts?" „Sagei: Sie, was benifem Sie von diese« Sache?" „Von welcher?" „Von der, die ich Ihnen erzählte." „Ein schönes Märchen." „Ein Märchen! Das ist «ein Märchen! .Min, Herr, diese Wahrheit« ist kein Märchjm — mm will nicht jeder der Wahrheit glaubm." „Es fällt eben, siehst du, schivev." „Es fällt schwer? Warum schwor? Denn Berl hals gesagt hätte es aber ein Buch gesagt, so würde jeder glauben —denn es ist ein Buch. Berl findet fei me: Glauben, und warum? Weil er Berl ist. So ist schon unser Schicksal. Wir> worden von dev ganzen Welt beküvzi." Vm«r«oht! Q«ruobt»a I Pollenz echte Reform-$cbwei$$blätter sind dicbesten.