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Nationalzeitung · 1906-10-23 · Heft 75 (23.10.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 75 (23.10.1906)
Date
1906-10-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nationalzsitung Nr. 76 das unverzeihlich schändliche Vergehen der Deutschen Ausdruck zu geben; nun aber, ha dies tu -der wirkungsvollsten Weise und im Angesichte der Ostraner Deutschen sowie des ehrenwerten Kandidaten selbst geschah, war es deutlich zu erlentti'tt, daß nur wenige Inden in Ostrau und, die nicht derselben Ansicht seien und heute steheit die Ostraner Deutschen schweren und unfrohen Herdie nicht übersehen werden kann, weil sie ob ihrer Einmütigkeit und Berechtigung jeden Feind entwassnen nuiü; die Juden lvoltten gewiß keinen politischen «LkreU vom Zaune brechen, sie wollten nicht provozieren, sie verlangten nur ihr Recht, das politische Recht, um das heute jeder Staatsbürger kämpsk. Sowie die Deutschen anerke»,- nen, daß der Jude stets und auch unter groneir Opfern an ihrer Seite zu finden war, so mutz es der Jude «verkangen, daß diese« «Morte auch in die Tat umgesetzt werden. Die Sache'liegt ja für gewisse Elemente unter den Deutschen sehr eitkfach: Früher war cs ein Kampf zwischen Tletttschen ttnd Tschechen, da es galt, des Mandates für den Landtag habhaft zu werden; wo es nun den Deutschen gelang, Sieger danken, die es für opportun hielten, 'deutsch zu wählen. lWtr sprechen natürlich von Mähren!) An dieser Tatsache läßt sich nicht rütteln. Jetzt aber, ja, Bauer, jetzt ist's anders! Jetzt haben wir einen Ausgleich in Mähren. Jetzt sind Deutsche «und Tschechen schön sortiert; jetzt müssen wir unser Mandat beikomnieu, >weil's rm. Ausgleich so «bestimmt ist. Ob mir nun so.oder so viel Stimmen haben, das «ist egal, der Wahlkreis ist für ein deutsches Mandat bestimmt und er bekommt es; jetzt pfeifen wir einfach auf die Juden; marsch, über Bovd mit düm Ballast. 'Lange genug Hatten wir sie, Kletten gleich, an uns geheftet haben müssen, aber jetzt? Ha, Ha, jetzt find wir frei, jetzt «können w'ir nach Herzenslust deutsch! fein, jetzt brauchen mir nicht mehr liberale Schlagworte in die Menge zu werfen, jetzt soll das jüdische Pack seiner Woge gehen! Aber in diese scheinbar einfache, «wenn auch gemeine Rechnung, hat sich ein Rechenfehler eingeschlichen: Man hat an die Sotziatdemokraten vergessen. Man hätte ja, «wäre man! sich auch dieses «Rechenlsehlersi r-echtzeit'ig bewußt geworden, ihn nicht beachtet, denn noch «konnte «man ja mit der leisetreterischen und latenten Politik der Juden rechnen, die sich nach« so vielem Ungemach und bewiesener Falschheit, «auch diesen Streich werben ruhig bieten lassen«. Nun ist es Gott sei Dank anders g«e>kornmen. Mit elementarer Wucht sind die «Inden auf «den Plan getreten, mit einmütiger 'Energie «haben sie den Hieb pariert und so ist denn den Deutschen die «Geschichte zu Kopse gestiegen, «sie sind aus einem «süßen Traum unsanft an die Wirklichkeit «gemahnt worden und so mutzten sie sich denn das Geständnis machen, daß« sie die Jnöen unterschätzt Häöen. Und darum mutzten sie anch dessen gewahr «werden, daß die «Juden ein «Mittel in der Hand haben, «den Deutschen einen bösen «Strich durch «die Rechnung zu machen. «Dieses «Mittel ist der sozialdemokratische Gegenkandidat des Antisemiten Freister. Noch sind «wir nicht so weit, daß wir «den Sozialisten ernstlich «in «Erwägung ziehen, «weil uns« auch da noch gewichtige «Bedenken «anssteigen, weil uns noch immer «gewichtige «Probleme von der Politik «der «Sozialdemokraten trennen. Aber es mehren «sich die Stimmen derjenigen, die auf dem Standpunkte stehen, «daß es ein Gebot der «Selbsterhaktung anch «in diesem Falle wäre, zwischen zwei liebeln das kleinere zu «wählen; wenn ruan uns zum Aeußersten treiben sollte, wohlan«! Wir werden wissen, «was wir tun sollen und müssen, mir «werden eben das «kleinere Nebel wählen! Mun, ich glaube, es wird denn doch nicht so «weit kommen, denn auch die Deutschen« wollen und können ihre «gewaltsam oder, besser gesagt, hinterlistig eingenommene Position nicht «behaupten, denn sie sehen ein, «daß es auch jetzt nicht ohne «Inden gchen wird und auctj sie haben daher in bern Dilemma, in welches sie von den Juden gedrängt wurden, oinisehen gelernt, daß es unter zivei ttebelll immer ein kleineres gibt. Die Deutschen rverfen also alle so herrlichen Zuknnstspläne in die Rumpelkammer der nndurchführbaren Hirngespinste, schütteln das «Alldeutschturn malitiös ab und kehren reuig in den Hasen des aussichtsvolleren Liberalismus zurück. Das heißt natürlich auch, daß der Anti'semit D«r. Freister fallen gelassen wird, wenn man den schwirrenden «Gerüchten «vollen Glauben schellten darf. Ich glaube, daß was Wahres daran ist, denn ein anderer Ausweg steht ja den deutschen Helden nicht offen, umsomehr, als ja «die Inden des auf die Entscheidung der «Ostraner Juden warten, um sich darnach zu richten. Ueberdies begegnet sicherem «Vernehmen ltach «Kreislers Kandidaknr auch in uichtjüdi scheu Kreisen nicht besonderer Sympathie, teilweise sogar ausgesprochener« Unzufriedenheit, so daß es den Deutschen gar« nicht schwer fallen «dürste, diesen tapferen Manu lautlos fallen zu lasselk. Vielleicht findet dieser Missionär des Linzer -Programmes wo anders liebevolleren Empfang; «allerdings müßte dies sehr weit weg «von Ostran«scin! «Und nun noch eilt «Wort über unsere Ostraner Oberijuden! «Neben dem «Streiche dieser Ge'sinnnngslumpen verschwindet das «Vorgehen «der Deutschen wie der Formfehler eines Schukjnn-!K'u! Man -verzeihe mir die harten «Worte, aber für diesen «Verrat am eigenen« Stamme ist «kein Wem« es der «Kultusborsteher einer so bedeutenden Judeugemeiiide «wagt, den Jllden« die Wahl eines Wots-Anti'femiteu zu« «empfehlen, dann ist er ja in den Augen des anständigen Menschen gerichtet. Sv waltet «ein Mann I «seines Ehrenamtes, so führt er iseine« Gemeinde, in deren frischer Erin-nernrlg noch das hochherzige und echt jüdische Wirken! fein.es unvergeßlichen Vorgängers« des «kais. R«ates Stratzmann fortlebt! Seine Stütze bei diesemschändlichell Handel, «feilt Generalstabschef, «war Ledevhündler Lichtenstern, ein ähnlicher Ehrenmann, der auch «jederzeit bereit ist, das« Judentum «als Nebensache zu betrachten, und dessen schönster Lohn« es ist, «wenn er unter deutschnationäle Schurkenstreiche seinen schönen «Namen setzen darf. Mit dein jüdischen Generalstabschef der hiesigen Deutschen, dem Lyzea«ld«iroktor Tllois S>chwarg, dem bekannten Allerweltsreporter, soll sich ein «Jude eigentlich gar nicht ernstlich «befassen. >Er ist der eifrigste Agitator des antisemitifchein Deutschen «Schukvereines und maat muß cs ihm daher verzeihen, wenn «er, wie es allgemein heißt, den Wahlaufruf nicht nur mitgefertigt, soltdern denselben sogar verfaßt hat. «Das .gehört eb«en zu seinem« Metier. Daß attch der Großindustrielle Dr. Böhm, sonst ein «guter Jude, den 'Aufruf nrilgeferligt hat, deutet man «dahin, daß er irregeführt und nicht gut informiert wurde; aber Herr Dr. Böhm ist schon seit Jahrzehnten mchorenu! Morgen soll die 'Entscheidung der Deutschen fallen, «worauf eine jüdische Wählerversammlung ihre Beschlüsse fassen will. Wir werbenhierüber berichten. — Verschärfung der Sonntagsruhe in Her Bukowina. Die Bukowinoev Lmdesregierung verösfeMichi eine Berovbmmig fftetaieffewb «die Sonntagsiwib Feiertags^kihe, deren« wichtigster Punkt, ß 16, lautet: Die Sülmtagsorbeit, sowohl für das Hattdelsgoworbe, als auch für alle andereni Gelverbe, ist an« allen Sonntagen «des Jahres von 8 Uhr bis 10 Uhr vormittags gestattet. Hierzu schreibt die „Buk. Post": Im. sozialen! Organismus sind es die Kmislcute, tvelche in «erster Reihe der Zeiten Ungunst zu sühteu. bekommen. Davon wisstir n'U'ser-e .Siaufleute in Ezeruvivitz, «ebenso ivie die in der ^Provinz jetzt« ein traurig Lied zu, singeu. Die Haudelsgetverbe empfindeu es a>m eigenen Leib, das: die Eriverbsverhältirisse schlechter, die Leliusführuiig tenver geworden tind die Sparsamkeit «deswegen ein« Gebot «der nllgemieinen Notivelwigkeit ist. Nunsollte man meinen, das; jene Herren, d«i«e bmifeiu sind, die Geschicke der Völker zu. lenken, sie zu 'regieren, was doch gleichbedeutend« tust «eilte Voralissicht bekimden ist, auch mit dieser offen zutage liegenden Erscheinung littD« Tatsachen rechnen, das; sie bei ihren« Erlässen« lind Verordnungen darauf Bedacht nehmen unb die EtMerbsmöglichkeiteu, lix'im schou. nicht neu schaffen, so doch tlinlichst erteichtenr. Der Bu-reaukral-isnttis aber blickt siistt ins pnlsterende Leben, in die Akten und übersieht die Airfordevu-ngon dev Zeit und die gebotene .R'ücksichtira'hnve aus die «veränderten Verhältnisse.?Astir. so kamt miair es sich erklären, das; just in diesen Tagen des erschwerten Daseinskampfes eine Vevordinnrg unserer Landesvegierlmg. publiziert wurde, welche« die Sonu- und Feiertags ruhe in einer Weise „regelt", die eine elnpfiudtiche Schädigung der gesaiutea Kallfmannschaft Xicbcntci. Die: Sonntagsarbeit soll nunuu'h'r für den Handel lind das Gelr«erbe, weiters für alle an«d«eren Gewerbe nur von 8 bis 10 Uhr vormittags gestattet feilt. Das Gesetz räumt die Möglichkeit einer Ausdehnuuig dieser Soimtagsarweit bis auf vier Stlmdeu ein. Von dieser Möglichkeit lmirbe bisher bei uns ausgi«ebi«geir Gebrauch gemacht. Was vorlag, uw gerade jetzt eine so w e i tgeh ende, t i cf ei nschn ei deude E lnschrä n«kun g der Sountagsarbeit ans die Hä«lfte der Zeitdauer, d. h. nu«r zwei Stlmdeu, vorzunehlnen, ist nicht bekannt, mn so« lveniger, als diesmal lveder das ka-ufinäunische G'remiuin, noch die Handels- und Gewerbekamurer, noch« der kaufwännisiche Verein «zuvor mn ihre Wohlmeinung in einer st, wichtigen, vitale Interessen der Kau fman»nswelt taug iere n«d«en An-ge l e g eiche i t befragt wurde. In« der Bllkotvi.naspeziell aber tritt «der mcht zu rechtstrtig«on'bcu Härte dieser Anordnung noch «ein Moinent h«iuzu«, das nicht bloß Beachtung heischt, souderu auch« in nachdrücklichster Weise «gegen« diese N«ouvero«rdnung spricht. «Mehr -a«ls 86 Prozent der Kanfleute sind bierzulande Juden. Und woh«l drei Viertel dieser jüdischen. K'ausleute «beobach-ten freiwillig «eine Samsta'gsruhe voll, miindesteus einem halben«, viele aber den ganzen Tag. Dem Ruhebedürfnis ihrer jüdischen, Angestellten ist somit Rechnung getragen. Es geschah« noch ein Uebriges, daß sie a-uchi den Sonntag Nachmittag frei erhieltert!. Jetzt aber werden «diese schwer l-elastet«e«n Steuerträger zu- -einisv nahezu zweitägigen Sonntagsruhe gezwungen, was« weit über Gebühr und auch die Tendenz des Gesetzes «g'cht, «weil «es« geradezu zu. «einer Unterbrechung der Arbeit führt. Wie soll die Kaufntannschaft den Ausfall am «Sainst'ag «eiNbringen, wenn ihr am Sonntag nicht einvral «die «vier Stunden des lebhaften. Verkehres zur Verfügung stehen! Das Recht auf Einhaltun«g seiner Religions- «gebote hat doch jeder Staatsbürger in Oesterreich. Wer einen «damit strafm, daß man ihn zwingt, die Gebote .einer anderen. Religion zu beobachten«, ist schon, mehr als streng. Denn das «ist ein Unrecht. Haben «die jüdischen Handelsgehtlseni den Sanrstag ganz frei, dann« ist ja kein Grrllld «vorhanden, ihnen auch die Freiheit am Sonntag, zu. sichern. Aber auch die anderen-, ja alle Kauslerlte können auf die vierstündige Sonntagsarbeit nicht verzichten«. Gmv ganze Woche lvartet nralicher Geschäftsnra-un aus diesen Sonntag, wo -die Leute Zeit zum Frantereu, Gustieren und Einkäufen haben, wo sie nicht )v«eg zur Arbeit müssen, und da konulst der Staat rmb unterbindet diese pulsierende Erwerbsader mit ka«lter Hand« rmd einer Rückstchtslosigkeit, als wenn nicht gerade diese IKiauflente «deil größt eil Teil der Steuern bluten würden «lind nicht «auch ein« Recht ztmn Lebell«, zum Verdienen hätten! Wie man auch die Sache llinmit, es ist gar kein Motiv aufzlitreibeil, loolches die Berechtigung dieser ll«eii!esten. Maßnahiue der Landesregierung eriveisen köinlte. Die gesamte Kaufinannschuft elupfindet es als einen sehiveveu« Schlag und sie civlvartet mit Zuversicht, das; das für unsere Verhältnisse iv'iederhvlt bekundete Wohlwollen, des La«u«despräsideuteu Dr. v«. Bleylebeu., aber auch sein. Gerechtigkeitssiiiiiuich-t zögern ivird, diese neu> getroffeueu Anordnungenin einer Weise zu« üu'dern, «daß die, «ivie ivir ausgeführt haben, verletzten Jnievesseu« der K«aufina«iin«scha«ft, die z ns einer mächtigen Gegelwewegntt-g gegercüver, ganzen «Wahlkreises zu sein«, «ö«a «war der «Sieg stets den Juden zu ver- . Ausdruck zu scharf. Waschbar I «assoriMch«! Qaruahloa I Pollenz echte Reform-Sch weissblälier 743

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