Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 75 (23.10.1906)
- Date
- 1906-10-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Narwnulzcitung Nr. .5 Qfim'bCjju eine Erdrosselung ihres Erwerbes voistollon, nicht ariifrechterhalten bleiben. Nicht Ali über scheu ist eiiidlich mich, da-ß durch solche Maßimhinieir die Steuerkraft des Kanfnmn>neS empfindlich geschwächt wi-rd, und der Staat ist es schließlich, der die bu-reaickratisch-engherzige AuSleglkiig von Gesetz esbestinnniln»g eit 31s suhlen 'bekommt, in einem Ausfall von StenerleistuiMv. Patriotische und lokale Erwäqnngensind es, die den- Landeschef verairlassen sollten, daS rasch gut zu wachen, was seine Bilreaukrat-en so unsachlich anpacktcn, ehe der nur zu begreifliche Sturm der Kaufmannschaft lasbricht. Deserteure. Geehrter Herr Redakteur! Irr der letzten- Nmn-mer Ihres geschützten Blattes veröffeirtlichen Sie zwei Verlustlisten! des jüdischen Volkes, ansder jüngsten Zeit- Di-e etn-e iren-nt mit einer Zahl die hunderte von. namenlosen! .russischen Juden, die in Ehrenl in dem Kampfe gefallene sind, dein das Judenvolk seit Jahrhunderten mn die Freiheit fuhrt. Die zweite kurrendiork gewissermaßen die Deserteure der letzten drei Monate in Wien. Auf den ersten^ Blick glaubt man hwr präterierte Beamte, Offiziere, Lehrer zu finden, arme Studenten, die der Not gehorchend, sich' dem Drucke fi'lMU. Doch nein. Da ist der Mische Adelige, der im keiner Laste fehlt, Studenten! aus den besten Häusern-, di-esmal einer, der vor kurzc-in die Co-uleu-r einer zionistischen Verbindung trug. Was mag wohl diese Näherinnen, Hilfsa-rbeiter und kleinen! Geschäftsleute veranlasseir, das Judentum zu verlassen? Diese Sarahs' und Mo-rdch>cssind bioidj! auch keine von deiltscher Assimitativn: zersetzten- Elemente. Snczawa, Czortkow. Sch-eint also! alles Bowel zu sein, der a-usgemistet wird. Unsere jüdischen. Zeitungen sind voll des Streites zwischen Z i o-nisten», Terri to ri-a l iston. Lok-al-Jüdi schnationalen, Orthodox-Zionisten usw. Mmr denkt an Deutschland^ vor Jena.. Die Pogroms können Wi-r nicht» hindern-. Schon wir uns denn die Leute igenaueri an, die sich Tag für Tag mit ausgestelltem Rockkragen» aus d-em Judentum hmansschl-eichen. Tun wir tin-Z. alle ohne Unterschieid dies- Proz-entsatzes. von jüdischem Gefühle zusanimen, jene traurige Ersch>einung des fti'volen Abfalles einW-dämmen. Seien wir diesen,' Leuten, gegenüber einig. „Ein g-etanster Jud und -ein gewendeter Nock sind nichts wert," sagt ein altes Sprichwort. Hanns Fischl. Aus Len Memoiren res Fürsten Hohenlohe. Dilis 'mit peinlicher »Genauigkeit geführten Meiner reu des Fürsten Chlodwig vo-n Hohe nlohe, -welche in j!ün-gster Zeit so viel Anss-eh-en erregen, enthalten auch manche bemevkensweirte Stellen über Iragen, -welche uns Indennaher intereslsieren. Wir lassen hier einige folgen: ,/Schillins'fürst, 27. Juni 1886. Gesternabend, 8 ll-hr, stihr ichmit Th äsen von Berlin ab, nachdem ich -noch mit Wiktor und Franz tut „Karferhvf" gegessen -hatte. Wen Tag füllten verschiedene Betsucho aus. F-riedberg fand ich etwas gedrückt. Er ist nicht mehr der große -Mftnu, der er zn-rzeit Kvisev 'Friedrichswn-r, m alles i-ljm, die Kur machte. Er -weiß, daß der Kaiser die Semiten nicht Protegiert." „Schilli-il-gsfürst, 4. N-overuber 1896. Die Verhandlungen der Evur de Cassation, (im Dreyfns- Prozeß) lese ich mit großen« Interesse. Die GeneralsiMer »haben sich seine rzsit -übereilt. D»ailn Haben, sie den Irrtum eirlgesehen, hatten aber nicht den- Astsut, es ofsen einizugiesteheN. Diann kanierl gemeine Kerls, -wie Esterhazy und Henry, und boten ihre Fnlschnugeu a-ls Rettimg an, und daran-f sind die imiinniten Kerls Hereingefallen." 'Bemerteusiw-ert -sind auch die beiden folgenden Stellen liber die Besuche des Fürsten bei den« alten »Gerson vor« Bleichrö-der: „Berlin, 7. Mar 1874. Die Juden sind avertiert, daß ich ihr Feind sei, was er bestritten hat. Ueberhaupt behauptet er, mir das Terrain geebnet zu haben." „Berlin, l.l. Juni 1878. Ich habe anderthalb Stunden bei Bleichröder gesessen- und seine talmudische Weis-heik angehört. Was mir bei dem ganze u -Gespräch 'unangenehm war, ist, daß Bleichröder doch- Einsluß in tiandelspoliiischen Fragen bei Bism-arck zu haben scheint. Er tut, als wenn er mitregierte, trotz seiner demütigen Versicherungen. Bezüglich der Wahlen erzählte er, er habe Jnstruktlonen von Bismarck geholt, gerade als wenn er, Bleichröder, die WalMn machen könnte. Mir scheint, als ob die eigennützige südliche Handelspolitik Bleichröders ein dem Sturze Delbrücks und au manchen unreifen Finanzprojekten der neueren Zeit schuld wäre." Ein sehr zuttessendeS Urteil über die Reichstreue des preußischen Junkertums verrät folgende Stelle: „1-5.. LezeMb-e-r 1868. Wenn ich so unter den preußischen Exzellenzen sitze, so -wird mir der Gegensatz zwischen »Novddöutschland und Süddentschland recht -klar. Der süddeutsche Liberalismus kom-mt gegen die Junker nicht ans. -Sie silld zu 'zahlreich, zu mächtig und haben das Königtum und -die Armee auf ihrer -Seite. Auch das Zenmum geht mit ihnen!. Alles, was ich in diesen vier Jahren erlebt habe, erklärt sich, aus diesem Gegensätze. De'nn alle diese Herren pfeifen auf das Reich und würden es lieber heute als morgen ausgeb-en." Aka-rmischrr Kporlklirb jüdischer Stadruten. Eine recht betrübende »Nachricht enthält die weiter unten solgende offizielle Bekanntmachung. Sie verbii-ndet die Snsp-endiernng des mit so viel Hoffnung und Enthusiasmus ins Leben gerufen-en Sportklubs. Es ist betrübend, daß unsere Studenten — wir -wissen nicht, ob aus persönlichen oder an-dereil Grii-nden — nicht alles ausgeboten haben, sich 'in diesem Sportklub zu vereinigen. W i r enthalten uns weiterer Bemerkung-en, daß es abeir a-u-ch die -Antisemiten tun werden, ist zu b-eUweif-elii. Die Bekanntmachung hat übrigens folgenden Wortlaut: Beka-rc-ntma-chung. Ich mache -hierdurch die Suspendierung des „Mademii,scheu Sportklubs der jiüdkscheu Studenten" in- Wien l)v-egen mangelnder Beteiligung und Nichterscheinens der Mitglieder zur ersten ordentlichen Plenarversammlung bekannt. Für den 'A'kadenckschein Sportklub der jüdischen Studenten in -Wien cand. jur. H a n ns Fisch l, Präsident. Wien, anr 20. Oktober 1-906. Vermischte Nachrichten. Wien. (Ztl -den- Wahleninden Kultn-svorsiand.) Dev Vo-vsla-nd dev „Oesierreichisch- Jsraelt-i-isch>m Univ-n!" h-a-t in seiner letzten Sitzuing beschlossen-, di-e Initiative zur Bildting eines- Wa'hlko-miteesfi'lv d-i-e bevo>rsiehend-en Ideni- und- Erfatzwahleni in dev! Vorstand der Wiener Israeli tischen ^kn-ltnsgvmeinde zu> ergreifen. Ein Zeutralwahlkowitee fiir die Kultus- Wahlen. In Aiissührting eines» Vo>rstand-sbeschlnsses dev „Oestevveichisch - Israelitischen Union»" fand' letzten Salnstag im Beveinslokale der „Unio>ii!" di-e Ko-nstitn-ievlüng! des Zentval- Wahlko-initees statt- Im G-eg-ensatz zur früheren Praxislvtrvde jetzt d-as Wahlko-miiee aus Bertvetevn» der BezirkskoiiKinissio-nen. und einzelnen Vereinen-, welche bei jeder Knltuswahl aktiv tätig waren, zufa-minengefetzt. Wie wir jedoch erfahren!, hiaiben -ein-ige Bethailsvereine gegen die- Atisscha-ltning o-ffizieller Bertretn-ngen dev Beiha-usvevei-iie, di-e an den KuEnswahlen» ein ein-inenites Interesse haben, Einspruch erhoben, und so» dii-rften auch die Bethnusvereine eine Vevt-vetll-ng im Wahlko-mitee erhalten. Soweit lv'ir inforiniert sind, ha»ben> die Zionisten, die ihr eigenes Wahlkomi-t-ee haben, in> dem Komitee der „Union" vorläufig keinen o-fsiziellen Vertreter. B-ei der Kowstitniernng des- Zentral- Ivahlkomitees würde Herr Dr. Leopolv K 0 h n (Bezirksvertretung Innere Stadt) zmn Obnrann» univ Herr Dr. Hermaim. F i a l l a znm Obn w 1 utfkUve vt rete r gewählt. Wien. („Jübische Vereinigung".) Donners tag 18. bs. fand in -Gnths Rtstaura-nt eine Verfammln-ng öer „Jü bi scheu B-creiniglkttg" statt, irr welcher Herr -Lncian Brunner über das Thema „Die politische uns 'wirtscyaftlich-e Lage ver Juden in Oest-erreich" referierte. Nach einenr Rilckblick über -die -letzten 25 Jahre österreichischer Politik, demonstrierte Redner »besonders das Beispiel Mährens und »kam zu dem Schlüsse, daß nur eine selbstä-nidige 'Politikden. österireichischen- Jnden die ihnen -gebührende »Stellung erwerben könne. In der daranffolgen-den- D-iskufsivlt sprachen die Herren cand. jur. Löhner tz-Kadim-a-h"), Dr. Lifczis, Matthias Ach er, Dr. Paul W e i -s e n g r ü n. Sämtliche Redner betonten, daß unter Hiicta-Nstellunig des» z-ion-istischen Ideals alle Kräfte auf die »Gegenwartsarbeit konzentriert werdrn müssen, vor allem aber bei den de-mnächst statisindendeu -K-ultuswahlen für die ziouist'ischnativnalein Ka-ndidaten einzütreten. Besonders Herr Dr. Paul Weisengrün vertrat letztererc Standpunkt, woraus ihn: aber Dr. Lifezis unter Hinweis aus das vorjährlge Wahlkompromitz entgegnete, daß der sogenannte „Sieg der nationalen K-and»i>daten" in der Form e-ines Kompromi.sses sch-on bängst besiegelt sei. -Diese- »Mitteilung erregte Sensation, mutz aber nicht erst kommentiert 'werden. — Es sprachen noch Herr Herz von der „Poale Zion", der alles hier Besprochene nur „B-onrg-e>oiApo!kitrk" nannte, für den jüdischen 'Proletarier geschehe — wie ge- -wöhnlich nichts. Namensder Wiener Jtoisten sprach Herr Schmidt. Er bemängelte an > n Älussührungen die völlige Tlnßerachtlassung der wirtfchaftl-ichen Momente, wiewohl doch dieselben heute di-e -wichtigsten und dringendsten 'seien. Man möge weniger -an Bethü-usern »krlliisieren, als vielmehr an eine -Regelung der jüdischen Emigration schreiten. Herr Max Schacher! -wirft -Dr. Weisengrün vor, daß er in einer Versammlung, deren beste dlbsicht und Endzweck die Vereinigung aller jüdischen Gruppen zu einer gedeihlichen »Gegen-warrs« arbe-it sei, Zionisten und Territorialisten gegene'lnavder verhetze. Nachdem Herr Brunner resümierte, ergriff Herr Dr. Kadischdas Schlußwort und appellierte an das allgemeine National gefühl. In vorgeriückter Nachtstunde schloß Herr Boyko die Versammlung. Trotz der -starken »Gegensätze, die in der Ver- -sanrurkung zum Ausdrucke »kamen, trotz der erregten Debatten, mar dieser Abend in der „Jiwischen VereiniMng" ein »Beweis, daß das Interesse an 'jüdischen Fragen ein -weit lebenidigeres ge'worden -ist, was der starke Besttch deutlich doiknmentierte. —a.— Vrigittenaner israel. Unterstützungsverern. Montag den 20. Oktober 1906, 7 U-hr -abends (bei Be-sch-luhuufühigkeit 8U-hr abends), findet in Herrn Philipp HMrs Restauration, 20. Bez>, Treustratze Nr. 10, eine außerordentliche Generalversam-mlitng des Brigitten-auer -israeil. -Unterstützungsoereins statt. Tagesordnung. 1. Rechenschaftsbericht des Ob-mavneö. X Antrag ans Auflösung des Bereitces. 3. Vortrag -des Herrn Dr. Heinrich Schreiber. 4. -Eventuelle Neuwahlen. Den Eittladu-ugeu zu dieser Generalversa-mm-lung ist folgende charakteristische Erklärung -des V-orstand-es beigefügt: »Wien, im -Oktober 1906. Euer Mohlgebvreit! Der Vorstand des Brigitten'auer israel. Unterstiitzuttgsvereines sieht sich -leider zu einer -sehr ern-sten Maßregel -veranlaßt: veracclatzt dadurch-, daß der Verein trotz der großen Anfg-abe, Hie er z,n erfüllen strebt, bet »der »F-ortschveitnng -der groben Armut -im Bezirke, nicht die verdiente »Anerkennung der maßgebenden »Faktoren innerccnd außerhalb des »Bezirkes gerrießt. So hat die löbliche Kultusgemeinde dem »Vereitle, -der -Tairsende an unierstiitzuugsbedtlrftige Glaubetlsaell-ossen »jährlich -verausgabt, auf »seine drillgende Bitte mn eitle nanchaste, aus« KKCB5 flPOTHCKC S. MlTTELB/iCn Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 (Palais Siua) im Zeatrumder Stadt. ♦ Petrol-Haargeist. Ein hervorragendes Mittel zur Stärke des Haarbodens und der Haarwurzeln. Preis 1 Flasche 3 Kronen.