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Nationalzeitung · 1906-10-19 · Heft 74 (19.10.1906) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 74 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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jNr. 74 Nationalzeitung Seite S Sen wirklichen Schädlingen irr ihrer Mitte energisch ab lehrten und selbst alles cmfO'ktest, daß die Mischen 'Urheber des Antisemitis-nms unschädlich gemacht werderr. Mir beide Tatsachen gibt es eine- Menge Beispiele. -Das Verbrechen eines Jndenstämmlings wird dem gesamten Jrrrdentmn aufs Kerbholz geschrieben, rrrrd die geschäftliche Unreellttät und Skrupellosigkeit irgend eines lvroßindustnellen der zufällig Jude ist, wird durch die gehässige antisemitische Presse als „jüdischer Schwindel und jüdische GefchästKmvml" bittgestellt. Erst in der allerjiingsten Zeit haben wir einen solchen Fall erlebt, der uns >zu diesen Ausführungen veranlaßt. Der Fall ist ganz einfach: Die Firma Georg Schicht in Aussig erzeugt in ihrem Mlirmittelwer'ke „Ceres" ein Pflanzenfett aus 'selbst importierten Kokosniissen. Ohne sich einer schmutzigen Konkurrenz schuldig z-u machen, hat die Firma Schicht naturgemäß durch eine mo'derne Reklame für die Verbreitung ihres Produktes gesorgt. Die Erfolge der -F'irma Schicht haben nein die Firma Emanuel Kühner Sohn daiziu verleitet, eine schr bedenkliche Art der' Konkurrenz in Szene zu setzen. Vor allem zeigte ein Agent der Firma Kühner, '.Herr Glückmuf, die Firma Schicht wegen Uebcrtretung des Lebcnsmittelgiesetzes an. Ihnstörten die Ang-a-b-en, daß Ceres-Speisefett aus frischen Kokosnüssen hergestcllt sei. Nun kommen die Nüsse allerdings im -getrockneten Zustande in die Mühle, sonst können sie eben nicht gemahlen werden. Diese Anzeige' hatte Konfiskationen der Ware zur 'Folge, 'was z. B. in D-eutschböhmen' bei 'den« bet ressenden christlichen Kaufle'uten viel böses Blut machte. 'Das 'Gericht entschied zugunsten der Firma 'Schicht. Ein anderes noch viel 'häßlicheres Manöver erzeugte noch größere 'Erbitterung. Der Vertreter der F'irma Kühner & Sohn kaufte Ceres und gab es einem Kaufmann an jedem Orte zu b illigen. Preisen ab. Dieser Kaufmann mußte nun Ceres billig plakatieren, 'was natürlich die anderen Kaufleute -im Orte, die es selbst teurer in Händen hatten, gegen die Firma Schicht erbittern mußte. Es Hak nun 'freilich gattto anders gewirkt, und der Firma 'Kühner geschadet. Doch das waren mehr oder weniger Vorgänge', die sich im, kleinen Kreise abspielten. Das Häßlichste -geschah später ganz öffentlich. 'Die Firma Schicht hat eine Preiskonkurrenz von fnrrftausend Kronen für moderne Kochrezepte ausgeschrieben um die Hausfrau eg z u be wegen, die Art, wie sie Ceres- Speisefett verwendeten, ni'ederzuschreWen. Diese Rezepte sollten gesammelt werden, und als Kochbuch erscheinen, um die neue Art von Fett, welche Sinter der Aufsicht eines orthodoxen! 'Rabbiners hergestellt, auch für die strenggläubigst Hausfrau verwendbar ist, dauernd eiuz-usühren. Kaum waren die ersten Mnkündigungen über die Konkurrenz erschienen, trat die Firma Emanuel Kühner, die Erzeugerin des 'Speisefettes „Kunerol" auf, ahmte diese 'Prcisbeiverbunig nach und erhöhte bloß die Preise auf 10.000 Kronen. Wir würden uns mit dieser sicherlich unerquicklichen internen 'Angelegenheit zweier Firmen nicht weiter beschäftigen, wenn nicht wieder durch die Tatsache, daß die Inhaber der Firma Emamrel Kühner und Sohn Juden sind, die antisemitische Presse Wiens und/der Provinz sich veranlaßt gesehen hätten, die zweifellos verwerfliche Art, mit welcher die j'üdische Firma dieses KvnEnrrenzumu'över ausftthrte, aufzugretfen und zu brandwarken'. Daist es unsere Pflicht, zu erklären, daß die wirklich jüdische Geschäftsmvral ein solches Bvrgehert geradezu verbietet ltnd nichts gemein hat mit 'der 'Skrupiellostg'keit einer Firma, deren Inhaber zufällig Jude ist. Wir müssen uns schon deshalb gegen dieses nicht genug zu verurteilende Gebaren der Firma Kühner wenden, weil durch dasselbe der auch so nur unter einer sehr dünnen' Decke schlummernde Antisemitismus in lN-vrdWhm-en zu geräuschvollem Leben erweckt wird, worunter zahlreiche Mdtsche Existenzen bedroht werden. Es geht nicht au, daß unser vielgoplagter und vielgeprüfter Mittelstand durch das Treiben einiger reicher -Streber zu leiden habe und er ist auch heute schon so weit entwichest und fortgeschritten, rrm die ihm von> leichtfertiger hlWscherj Seite zugiedachten Hiebe genau so energisch abzuwehren, wie wenn sie von geschäftsanti-semÄischer Seite kämen. Was Judeutium und der jüdische Mittelstand lehnt eS absich mit dem Benehmen der Herren Kühner und ähnlicher Geschäftsleute tdeutlflziert zu werden, rrnd das muß der antisemitischen Presse und den jüdischen W-erursachern 'des Antisemitismus immer von neuemins Gedächtnis gerufen werben. Vermischte Nachrichten. „Jüdische Bereinigung" (Sekretariat 13. Bez., Linzcrstraßc 344) erläßt folgenden Aufruf an die jüdische Bevölkerung: In einer äußerst traurigen politischen unwirtschaftlichen Lage befinden sich unsere jüdischen Volksgenossen in Gesamt-Oesterreich und insbesonders in Wien. In sich gespalten, von Heuchler!- scheu Freunden ansgenützt, stehen. sie Gegnern gegenüber, die sie als eine inferiore Rasse, als Ausbeuter politisch und wirtschaftlich bekämpfen, boykottieren und zu Parias degradieren wollen. Die „Jüdische Vereinigung" erstrebt die Einigung sowie die wirtschaftliche und politische Organisation der Juden auf national s >o z i a X c r Vasi s, die physische, -geistige und wirtschaftliche Renaissance aller jüdischen Volksgenossen bis zu den Letzten und Aermsten hinab. Sie rvill stets eingedenk der Solidarität mit -den Brüdern im Osten alles fördern, was zur Erlangung einer Heimstätte geeignet ist. Andererseits will sie die -Wahrung und Erweiterung der politischen und schraten Rechte der Juden Oesterreichs sowie die -Gleichberechtigung des jüdischen Volkes mit allen übrigen Völkern der Monarchie auf Basis der nationalen A u t o n o m i e. Sie wird daher alle jene Bestrebungen anderer Nationalitäten unterstützen, die den früher aufgestellten' Posttu-lat-en Rechnung tragen und mit ihnen gemeinsam an dem Aufbau eines Nation alföüeriattvenc, wtrtsch-aftlich regenerierten Gr oß-O esterreich arbeiten. Juden Oesterreichs, erwacht aus eurer Lethargie, erinnert euch an eure Pflichten gegen euch selbst und -gegeneuer Volk! Helft mit-begrunde n ein e O rgan ifation zur 'Wahr ung eurer politischen und nat i o n-cvl so zial e n I n t e r e s se ul 'Unsere Parvlewird allezeit sein: Alles durch und -alles für das jüdische Volk! Adolf Bojko, Präses, 1. 'B-e-z., Spiegelgasse. Beitrittserklärungen -sfdwie der Mitgliedsbeitrag von 2 Kronen) find zu richten an den O b m a n n oder -an das Sekretariat der „Jüdischen Vereinigung" in Wien, 13. Bez., Linzerstraße 944. Wien. (Vörein der Ei-seystädker.) Vor oi-nigen Wochen 'hat sich der „Hnmanitäre Verein -der E-ifenstädter" in Wien gebildet, u,m> in Not geratene, in- Wieglebende Lundsleut-e israelitischer Konsesfio-n z.n unterstützen. Herrn Alexaut- -der Poll üi k, Beamter der Länderbauk, gebuhlt das- Berd'ienst, d-en- Verein ins Loben gerufen zu hstben, der nebst . der Unterstützung seiner Landsleute -auch den löblichen Zweck verfolgt, einen JnsammenMuß der hier wohnenden Eifenstädter Inden zu, bewerkstelligen. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, -die noch nicht beigetvetenen Landsleute, deren Adresse der Verein nicht kennt, diesem zuzuführen. Gefällige Mitteilungen an Herrn Alexander P v ll a k, B'c'amten der Ländevbau>k und Berei-nsobmaun. Wien. (Acuderungin den, Gebetstunden.) Sanrstag den 20. Oktober abends 6 Uhr 40 Min., Samstag beim 27. Oktober abends 6 Uhr 26 Min'. Vo-in' 28. Oktober' 'bis- 1. November abends' 4 Uhr 46 Min. Wien. (Todesfall.) Dieser Tage -verschied Hier der iSeidengrotzindnstrielle Adolf Stiatzny, ein' durch seinen biederen Charakter und ausgeprägten Wohltätigkeitssinn ausgezeichneter Mann. Die Sympathien, deren der Verstorbene in weiteren Kreisen der Wiener Gesellschaft sich erfreute, »kamen in der überaus, starken Beteiligung an ftinem Leichenbegängnisse zum Ausdrucke. Unter deni Trauergästenhatten sich eingefunöen: 'Präsident Dr. Alfred Stern mit dem Gefalntvovstandje' der Wriaelitich'en Kultusgemetnde nnd dem Sekretär kaiserlichen Rat Dr. Lieben, David Ritter v. Gut-mann, die Regierungsräte Dr. Pis'ling uud Banköirektor Wis-mayer, Professor Dn Jofef Bayer, Baunleister Ztffever, Bäumt Marmorek, der Prokurist des Bankhauses S. M. v. RoDschi-ld Emil Horner, die kaisevltchen Räte Lichtenstadt, FrMich und Kvhnberger, der persische GenerMonful Hartwich, Kustos Doktor Frankfurter, die Hof- und k^evichtsadvokaten Dr. Theodor', Baumgarten, Dr. Jnttus! Lvew und Dr. -Eduard Nenmann, -Direktor Lndroig Horch. Börsenrat Steinhübl. Ober'kantor Singer trug mit dem Chor die rituellen Gesänge vor. In der Zerern-on-ienh-alle des Zentralfriedhofes würdigten Oberrabbiner Dr. Güdernann und Vizepräsident Dr. Gustav Ko'hn in warm empfundenen Nachrufen die Charaktereigenschaften des Verstorbenenseinen Wohltätigkeitssinn und die Verdienste, die er als langjähriges Vorstandsmitgl'ied sich um die h-iefige KUltusgemeinde er'morben hat. Jüd.-akad. Verbindung „Unitas", Wien. Die Chatlgenwahleu füv Wintersemester 1906/7 ergaben folgendes Ergebnis': jur. Alexander S e. e l e n f r i e v dz. X, jur. Sec* pold Füh reub crg dz. XX, jur. Bernhard- M cr r k u sdz. XXX. Jüdische Toynbee-Halle, Wien, 20. Bez., Othmiargafse 46. Wir eröffnen im. Lokale der Religionsschilile der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 2, 2. Stock, folgende nnentgeNichc Kurse (Einschveibegebüh-r K 1.— pro Kurs), an denen Unbemittelte teiln-ehm!en können: Englisch: für Anfänger: Montag, und Donnerstag von halb 9 bis halb 10 Uhr. abends; für BoigefchrMene: Montag und! T'onneivstag von ha'lb 8 bis halb 9 Uh-r abends. Stenographie: für Anfänger': Dienstaig von halb 9 bis halb 10 Uhr abends; für Vorgeschrittene: Dienstag, von halb 8 bis halb 9 Uhr labends'-. Deutsche Sprache und Lit-oratnr: Mittwoch halb 8 Uhr abends- Anmeldungen: Samstag den 20. Oktober, 8 Uhr abonds, 1. Bez., Seitenistetteirgasse 2, 2. Stock, unter Mitbringung der Einschreibgebühr. Nach^ träglichle Anlmoldnnigen können, nicht berücksi.chtigt wierden- Vom 3. November d. I. -ab finden in. der Toynbee-Halle, 20. Bez., Othma-rgasse Nr. 46, täglich um halb' 8 Uhr abends populärwissenschaftliche Vorträge statt, denen, Pro^ gramm allwöchentlich in -den jüdischen Blättern veröffentlicht wird. Eintritt frei für jeden Gr'- wachsenen. DeviObmann: Dr. I. Sa mit e I y. Die Lämelschulc. Herr Direktor- Ephraim Cohn, seit nahezu 30 Jahren Leiter der Edler van Lämels-chule im Jerufalern, weilt gegenwärtig zum krwzen Besuch, im Interesse dieser Anlstall in Wien'. Herr Ritter von Zepharovich., k. -u. k. ü-sterrieichisch^ungarischer Konsul in Jerm salem, schreibt in seinem Berichte-vom 26. März d. I. über die Lämelschule: „Man. weiß nicht, was man miehr bewundern soll, das -gründliche Wissen und die gediegene Methode der Lehrer oder die hohe Intelligenz und den ernsten Lerneifer d'er, Schüler. 'Esist eine Must-emnstalt in jökt Beziehung." Die Lämelschule hat beka null ich am 26. Juni d. I. ihr 60jähriges Jubiläum 'gefeiert, answelchem, Anlässe der Minister des' Saiserli.ch!en Hauses und des Aeußern, der Schule das Bildnis Sr. Majestät des Kaisers geschenkt hat. Die Roden, welche bei dev Jubiläumsfeier, vom k. n. k. österreich'ischj-ungarischen unddenn kaiserlich deutschen Ko>nsul gehalten wurden', sind seinerzeit veröffentlicht worden. In einer Znschrifti cm den um- .die Schiul-e.hochiverdienteir' Direktor Cohn vom, 1. September d. I. plädiert Herr Konsul Ritter von Zephavoivich dafiir, die Lämelschule finanziell besser zu stellen und betrachtet esa-ls eine Anomalie, daßeine von Oesterreichern -gegründete, unter österreichischem' Schutze stehende Lehranstalt, -deren Kurator d>ie Israelitische Kultusgemei-ude in Wien, ist, so! lvenig, Unterstützung -aus Qesterveich erhält. Bekanntlich hat dar Hilfsverein der deutschen Juden vor drei Jahren, -ein Lchversenuimr an die Lämelschule angeg-liedert und inseiner letzten, Sitzung b-eschlossen, auch eine Handelsvealschule ini Anschluß an die Lämelschul-e zu errichten. Wäh reird -die Anstalten! des' Hi-lfslveremies', die sich mn die Länwlschule gruppieren- und unter derselben Leitung stehen, ausschließlich von diesen unterhalten werden, hat die Lämelschule fortgesetzt nnt'er finanzieller No-t zn leiden. Jglan. In der Mgometnen Kurie für Jgl-au, zu welchem WvWez-irke nicht weniger als 17 Gerichtshe'z'ivke gehören- ('darunter cvucfi Grvß-Meseritsch, 'B-oskowitz, Gewitsch, Mähr.-Trübau, Zrvittau, Jmunitz, -Datschitz, Teltsch und Trebitsch), tritt als' soziälidemvkratiischere Kandidat d'er jüdische, -Relda'kteur der Mähr.-Schöübevger ,Molks-wacht", 'Herr Lev Freundlich, auf. Seirr Gegenkandidat ist der freiallderrtfche Sekretär der Krankenkasse

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