Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 74 (19.10.1906)
- Date
- 1906-10-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nationakzeitung Nr. 74 o-almt, Ndiiller. Wir cmpfclWic-it' selbstverständlich unseren GlanbenKgenossett, die Wahl des ersteven Kandidaten zu unterstützen. Eywanowitz. (Kultuswahl.) Am 7. 0. M. l)iclt der Israelitische Kultuvausschuß bchnfs Vornahme der Neuwahl eines Vovstchers eure Sitzung as>, und U>LMiDe Herr Jakob Spitz eilte stimmig zum Vorsteher, Herr Moritz. Pollak zum Ltell'vertreter, Herr Dooio- H e r z l zuni Beirat gewählt. Nun hielt Herr I. Spitz eine Ansprache, indem er zunächst für die auf ihn gefallene Wahl ltiub das entgegengebrachte Vertraucn dan-kte, mW widmete! dann, dem verewigtcti Vorsteher Herrn Alois L ö b l einen Mch»- tus, lind zum Schlüsse beantragte er, daß das Bild des Dahingeschiedmen für seine lang-- sährige Wirksamkeit im Sitzringssaal angebracht rverden soll, welcher Antrag mit Beifall angenoimnen rvnrde. Eibenschitz. Am 10. Oltober stellten sich im hiesigen deutschen Kasino in ausfallender Eintracht die beiden deutschbürgerlichen Gegenkandidaten der Brunner allgemeinen Kurie, Professor Mendl und Stadlsekretär Baeran, den Wählern vor. Die beiden Kandidaten sprachen viel über Deutschtum, Freiheit, Fortschritt und Einigkeit) Mandl erklärte, insbesondere die Interessen des „kwinen Mannes" vertreten zn wollen. Aus die Anfrage eines jüdischen Wählers, welche Haltung er in der Judenfrage einzunehmen gedenke und ob er bereit sei, sich für gerechte jüdische Interessen einWsetzen und den Antisemitismus m be'kämpfen, gab Mendl eine ausweichende Antwort. Für ihn entscheide die Befähigung, gleichgültig, ob der betreffende Jude oder Arier fei, er werde im neuen Landtage das Einigende suchen und die Reaktion bekämpfen. Diese 'Erklärung konnte die anwesenden jüdischen 'Wähler keineswegs befriedigen. Es wird an Herrn Mendl liegen, befriedigende Erklärungen abzugeben, wenn er ans die Stimmen der jüdischen Möhler reflektiert. London. Weil er 'sein jüdisches Herkommen verletzt, wurde, obwohl er den Landesgesetzen gemäß gehandelt, Gerson Wechsler, 'früher Borbeter an der Great Garden Street-Synagoge zu London, mit seiner Klage aus Wiedereinsetzung' ins Amt abgüwlesen. Die Verhandlung vor dem County Court in 'Whitechapel ergab, daß Wechsler einen russischen Juden wegen Bette'lns der Polizei übergeben hatte, 'welche Handlung, da sie mit derr jüdischen Gesetzen, die das Wohlinn als religiöse Pslicht zur Vorschrift machen, in krassem Widerspruch steht, ihm die Entlassung aus dem Llmte eintrug. Herr Wechsler 'hatte bereits 5er dem jüdischen Gericht, dem ,^6eth Din", Einspruch hiergegen erhoben, jedoch erfolglos, und wandte sich nunmehr an die ordentlichen Gerichte. Bon den Aelteften der Synagoge wurde geltend gemacht, daß der Vorfall ungeheures Aufsehen in der jüdischen Bevölkerung erregt habe, dies um so Mehr, als der russische 'Jude, nm den es sich handelte, infolge des Vergehens Wechslers zn einer Gefüngnisstrase und daranschließender Deportation nach seiner .Heimat verurteilt worden, was für den Flüchtling, der ein russischer Deserteur gewesen sei, den sicheren Tod durch Erschießen bedeutete. Wechsler mußte im Kreuzverhör zngeben, daß es für einen jüdischen Kultnsbea'mten eitle ungehörige Handlung sei, einen Bettler der Polizei zu überliefern, und gab ziu seiner Entschuldigung all, daß er 5en Mann für einen Schwindler gehalten habe. Der Gerichtshof entschied demzufolge, daß er sich einer ungehörigen Handlung schuldig gemacht habe, die mit 'seinem Amte unvereinbar sei, und daß seine Entlassung demnach zu Recht erfolgt fei. Petersburg (Ehrung des Andenkens Herzensteins.) Vorige Woche fand die Delegiertenkonferenz der Kadettenpartei statt. Vor Eingang in die Tagesordnung wurde dem Andenken des ermordeten Parteimitgliedes, dem gewesenen Dumanritgliede Herzen st e i n, durch Erheben von den Sitzen eine Ehrung erwiesen. Nach einer kurzen, aber treffenden Charakteristik des Verstorbenen durch den gewesenen Minister K u t t l e r, der ein intimer Freund Herzensteins war, lvurde die Verewigung der Verdienste des Dahingeschiedenen im Parteiprotokolle beschlossen. Petersburg. (Glücklich entronnen.) Im Dorfe M o r o w i tz trlig sich vor einigen Tagen folgender Fall zu: Der jüdische Getreidehändler Barltch M a s ch l j a n k a mußte, da er im Dorfe Geschäfte zu machen hatte, daselbst übernachten. Er mietete sich bei einen: Bauer ein, dem er seine Barschaft von 300 Rubeln über Nacht in Verwahrung gab. Den: Juden wurde in der Scheune ein Nachtlager angewiesen. Maschljanka fühlte sich jedoch da nicht ganz sicher, und übersiedelte im Lause der Nacht auf den Heuboden. Mittlerweile kant der Sohn des Bauers nach Hause und legte sich, volltrunken wie er war, auf das vom Juden eben verlassene Strohlager. Uin Mitternacht drangen der Bauer und seine Frau in die Scheune und ermordeten in der Meinung, daß sie den jüdischen Getreidehändler vor sich hätten, ihren eigenen Sohn. Der glücklich dem Tode entronnene Jude machte am nächsten Morgen die Anzeige. Die Mörder wurden verhaftet. Die Hambnrg-Amerika-Linie meldet: Abessinia: Bort New Orleans kommend, 14. Oktober 5 Uhr morgens auf der Elbe. 'Albano: Nach New York und Newport Newö, 14. Oktober 0 Uhr 40 Min. morgens Cuxhaven passiert. Ambria: Auf der.Ausreise nach Ostafien, 14. Oktober 2 Uhr 45 Min. nachm. Cuxhaven passiert. Amerika: Nach New York, 13. Oktober 7 Uhr 50 Min. morgens Lizard passiert. Barcelona: Nach Philadelphia, 14. Oktober 10 Uhr 45 Min. morgens Lizard passiert. Batavia: 13. Oktober 3 Uhr nachm, von New York direkt nach Hamburg. Bethania: Von Baltimore kommend, 13. Oktober 6 Uhr 50 Min. nachm, auf der 'Elbe. Blücher: Bon New York kommend, 14. Oktober 6 Uhr morgens auf der Elbe. Calabria: 13. Oktober in Colon. Christiania: 13. Oktober in Antwerpen. Tacia: 14. Oktober morgens in Tientsin. Eger: 'Nach Mexiko, 13. Oktober 6 Uhr morgens von Antwerpen. Frifia: 14. Oktober in Montevideo. Fürst Bismarck: Nach Havanna und Mexiko, 15. Oktober 6 Uhr morgens Cuxhaveu passiert. Gras Waldersee: Nach New York, 15. Oktober 7 Uhr 16 Min. morgens Prawle Point passiert. Habsburg: 15. Oktober morgens von Yokohama. Hamburg: Bon New York nach Neapel und Genilla, 14. Oktober 10 Uhr morgens von Gibraltar. - Hispanra: Nach Mexiko, 13. Oktober in Pasages. Hoerde: 13. Oktober in Narvik. Nubia: Von "New York nach 'Ostasien, 13. Oktober -von Algier. Pisa: Bon New York kommend, 13. Oktober 10 Uhr 35 Min. morgens auf de'r Elbe. Prinz Oskar: 13. Oktober 10 Uhr morgens in Buenos Aires., Prm<z Adalbert: Bon New York nach 'Genua, 13. Oktober 8 Uhr -abends! in Neapel. Saivvia: >9kach Persien, 14. Oktober in Port Sudan. Schwarzburg: 9tach Westindien, 14. Oktober 6 Uhr nachm. in Havre. Scokia: Nach Westiudien, 13. Oktobere 12 Uhr 25 Min. mittags Cuxhaven passiert. Senegambia: Auf 'der Heimreise von Ostafien, 14. Oktober 8 Uhr morgens von Foochow. Sevilla: Nach dem La Plata, 14. Oktober 6 Uhr morgens Cnxhaven -passiert. St. Jan: Bon Kopenhagen kommend, 18. Oktober 7 Uhr morgens Holtenau passiert. Teutonia: 13. Oktober nachm, in Kobe. Briesliste«. ^Zahntechniker. Nach dreijähriger Achrzest bei einem Zahnarzt kann Ihr Sohn! Zahnte ckn niker -werden. Ohne ärztliche Aufsicht darf er jedoch nur zahntechnische Arbeiten vornehmen. Er darf den Berits dann auch in Ungarnaus- .stben. Die Kenntnis der ungarischem Sprache wäre in diesen! Falte sicherlich vorteilhaft, wenn nicht unerläßlich. Frau Rosine L . . . d. Wenden Sie sich nochmals an die Direktion des betreffenden Waisenhauses, vielleicht liegt ein postalisches Versehen vor, da wir nicht gut annehmen können, daß, falls Ihre Angaben richtig sind, Ihrem Wunsche nicht entsprochen würde. Sollte dies jedoch, der Fast sein, so wollen wir in der Angelegenheit selbst intervenieren. „Großvater, Vater und Sohn." Dr. Josef 9k ... . m, der vor einigen Tagen zmn ordentlichen Professor fiir Zoologie itnd vergleichen'-e ^lnatomie an der Lemberger Univerfität ernannt wurde, ist nuferen Informationen nachnoch * Jude, seine Kinder jedoch sind alle getauft. Professor N . . . . m ist der Sohlt des bekannten Sekretärs der Warschaller jüdischen Gemeinde, Hillel 9^ .... m. „Gestohlene Silbertaffe." Der Vorfall wurde von öeti antisemitischen Blättern, wie gewöhnlich entstellt dargestellt. Der Sachverhalt ist folgender: Anfangs September ging durch die deutschen Antisemitenblätter folgender Bericht ans G r äfenbe rg: „An einem schönen Sonntag wurde ■ein Wohltat igle itsfest für die „Opfer von Bialystvk" abgehaltcn. Die jüdischen Wohltäter nnterhielten sich ausgezeichnet, und nach Schluß des Festes fehlte eine silberne Tasse. Am nächsterr Tag konnte matt auf der Promenade mehrere Plakate angeschlagen sehen-: „Bei «der gestrigen!W'ol)ltätigkeitsveranstaltung für die Juden von Bialystok i'st eine schwere, silbergetriebone Sevviertasse auf unerklärliche Weise verschwunden. Dem Zustandeb.inger wird Belohnung zugefichert. Das Bergn'ügungskomitee." — Auf die Erkundigungen des „Zentralvereines dientscher Staatsangehöriger jüdischen Glaubens" ist oew zuverlässiger Seite folgende Ansku>n-ft erteilt worden: „Ihm Schluß des Festes, das für die Opfer.von Malystok ein Erträgnis von etwa 1000 Kronen ergab, war >die dein Wafserheilanftaltsbesitzer Vinzenz Prietzni'tz gehörige silberne Tasse ninaufflndbar. Die am nächsten' Tage angeschlagenen Plakate waren aber nicht „Das Bergnügnngskomitee" unterzeichnet, vielmehr hatte das Komitee, das nicht nur aus „jüdischen Wohltätern" bestand, sondern aus Ilngehörigen aller drei Konfessionen, von diesen Llnschlägen, als deren Urheber sich Herr Prießnitz sehr aufgeregt bekannte, vorher keine KenntNlis. Bald davanf fand sich die Tasse in einem wohlverischkossenen Schranke wieder, wo siie« unter Dekorationsstücken lag, die bei dem Fest im Gebrauche waren. Davon berichten die antisemitischen Blätter natürlich nichts. Wrlei 8«pfchlt«smrtes. Körper und Nerven. Die Wjiffenschaft hat nach gewiesen, daß 'der men'schliche Organismus znm Geldeihen hinreichende Mengen Fett nötig hat. Ganz besonders wichtig ist eine ausreichende Ernährung mit Fett ainch für die Nerven, waS durch neuere 'Forschungen. üb!erz.eugeM stächgewiesen ist. Leider sind die bei uns gebräuchlichen Speisefette tierischen Ursprungs sehr teuer) zum Teil auch schwer verdaulich. Da ist es denn ein Segen fiir die Hausfrau, daß ihr im.- Ceres- Speisefett aus feinsten Kokosnüssen ein ideales Fett zur Berst'igüng steht, mit dessen Hilfe sie ihre Familie, den Forderungen der Wissenschaft, des Geschmacks und der Bekömünkichkeit entsprechend — gut und billig — ernähren, kann. Eingesendet. DM" Ziehung unwiderruflich 10. November 006. -DM Wiener «r. k. Polizei-Lotterie i Los koste! i Krone. Oer erste Haupttreffer Kronen 30.000 Kronen sowie II. 5000 K und III, 1000 K wird in barem Gelde über Allerhöchste Bewilligung Seiner k. u. k. ApoBtol. 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