Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 74 (19.10.1906)
- Date
- 1906-10-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 74 Nationalzettung Seite sargen den. spezisischen politischen Zionismus Herzls «in. Man beginnt „Palästinaarbeit!" Ult- £>i-efc Palästina-arbeit ist die Formel, welche das Baseler Programm erschlägt. Wo ist das Moment der öffentlich rechtlichen- Sicherheit hingekommen? Gerade dies machte den Herzlichen Monismus znm poli-tischen. Das unterschied ihn von allen anderen Artendes Zionismus. Und da sich jetzt in Wien 'der Kolonrsationsverein für Palästina ankündigt, erschallt auch wou den Erben Herzls Jubel, als seien die früheren Gegner bekehrt nll'd überw-nnden. O, das kürze-Gedächtnis! Dieser Koloni'sationsverein ist schon ein altes Kind., Er lag dis jetzt auf dem -Eise und wird jetzt, kurz vor den Wahlen in den Kultusvorstand hernorgeholt, 'der alte Trick aus der! Schule der kiberalen 'Gemerndema'jorität, der noch dadurch besonders schlau gemacht werden sollte, daß die Spitzen des Killtusvorst-andes auf dem 'Aufruf genannt werden. Und das soll ziehen! Weist man denn nicht, daß der Vater dieses Vereines Herr Dr. Alfred Nossig, der persönliche Gegner Herzls und die Paten die Neider und Werkleinerer Herzls waren,? Kennt man nicht das Programm Nossigs, dessen Kernsatz folgender ist: „Hätten wir . . . das real-politi sche Programm des Böden kau fes, des MirtschafMchen Zionismus, mit demselben Eifer betrieben, wie das chimärische des politischen, so würde uns Palästina heute schon gehören — nicht im politischen Sinne, aberim faktischen." Da haben wir es klar und d-entlich-. Nicht der politische, 'sondern der wirtschaftliche Zionismus hat den KokoNisationsvereln geboren. Wie Ussischkin, ist Nossig jetzt eine Größe und ein Mhrer im Parteizionismus. A'ber eben beide beweisen durch ihre Daten und Morte, daß der politische Zionismus 'von den Erben 'Herzls fallen, 'gelassen wurde. Sie haben das Baseler Programm. 'verlassen. Sie dürften eigentlich keinen 'Schekel mehr zah'le-us. Es ist Urwahrheit und Verstellung, wenn!sie sich politische Zionisten nennen. Sie sind wirtschaftliche Zionisten, Zione-Zion, neue Namen für den alten Chowewe-Zionismus. Damit aber 'werden sie keine Eroberungen machen. -Das ist das Ende der Erben. Sie haben keinerlei Recht auf Herzls Ideen. 'Wien. . ., . Selig Leb. Zionistische Vaiastinareise. Von lvohklnfornrierter Sekte erhalten wir folgende Mitteilung: Es dürfte notwendig -sein, über die Ende dieses -Monats stattsindende Paläst'inwreise und die Beteiligung des Herrn Rab'biners F n r st an derselbeneinige Klarheit zu schaffen. Herr Rabbiner Fürst wurde von orthodoxer Seite aus Wien, Ungarn und Deutschland be¬ Hügel feto -ein1 Jndensriodhof xiöiSb» eine Kirche. Was schmähet das!? Sie haben wah'rfcheinlich davon' gehört, baß Giott siebzig- Nationen imb siebzig Neli-gionen orschaiffen', sie alle kommen also von Goil'. Jeder soll die seine achten. Ich werde Ihnen sogar noch -etwas« sagen. Zum. Beispiel, 'wenn, ich unterwegs bin, ich bin' oft unterlvegs, manch>m!a-l abends-, m'anch'mal nachts passiert es, baß ich in einen Bauernwagen einsteigel! ..." „Mer Bert -hat doch vom B>evg> -relden wollen." „Warten Sie — ich rede nicht leere Worte, jedes -meiner Worte bezieht sich muif den, Berg, hat solch! eine G'an'ga-rt. Wenn! ich' alsomif eine Flvh-re zu, -einem Bänern einsteige, habe ich einwenig Aln'gst. . Ich! fürchte, denn es gibt jetzt verschieden,-arti'st M'nschon-, nnid es läßt sich schwer erkennen, ob der Bauer ein' ruhiger Mensch oder ein, Hallmike fff. Und sobeobachte ich ihn'. Unterwegs stehen' Figuren-, wenn' der Bauer' die Mi'viW zieht — so fürchte ich nicht und fahre mit ihm'. Wenn, -er aber nicht die Mi'cke zieht, so fl'MMe ich und laufe -davon, denn ich -denke mir, ein solcher Bauer ist kein' guter Mensch. fo'Ndern' ein Lump — oder gar ein Räuber! Jetzt merkeil Sie. wo'vauf meine Rede abzielt?" „Nicht sehr." „Ha! Sie bezieht sich ja auf den Berg! fragt, -wie es mit der rituellen Aufsicht bei dieser Reise bestellt sei,' ans Herrn Rabbiner Fürst nahestehenden Kreisen wurde demselben gesagt, daß seine persönliche Aufsicht diese Kreise veranlassen lo'ürde, gerne in-itziltun. 'Jedoch hat Herr Rabbine-r Fürst hierzu nichts getan,- erst als ein privater Unternehmer der Reise an Herrn Rabbiner Fürst mit einem dahingehenden Anträge herantrat, erklärte er sich bereit, die Aussicht zu übernehmen. Man hatte Herrn Rabbiner Fürst die Ue b e r ze ug u ng beigeb racht, daß es sich um ein privates Unternehmen Handel t, das auch von den- Zionisten gefördert wird, diedem Unternehmen breiteste Publizität gewähren. Herrn Rabbiner F ü r st f ü r d e n Z i o n i smus zu re'kla>m ieren ist zumindest geschmacklos, was wir konstatieren wollen, obgleich wir 'wissen, daß Herr Rabbiner Fürst jeder Zeitnngspölemik abhold ist. Zu den Wiener Knituswahlen. Das zionistische Knltuskomitee hat in seiner am letzten Samstag abgehaltenen 'Sitzung -der: Beschluß gefaßt, mit einer eigen-en KandidateMste in den Wahlkampf einzutreten. Prinzipiell können wir einer: solchen Beschluß nur begrüßen, denn jeder Kampf ist ein Beweis 'vorhandener Lebenskrast. Wenn wir *die Bedeutung dieses Beschlusses dennoch nicht sohoch aNschlagen, so geschieht dies irr der Erkenntnis, daß, mannach den Geschehnissen bei den -vor zwei 'Jahren stattgefundenen Wahlen, alleil! Grund hat, an dem Ernst eines solchen K'amPsbesch'lusses grün'dliche Zw'e'ise'l z'n> hegen. Auch vor zwei Jahren setzte das zionistische Kultuswahlkomitee sehr geräuschvoll ein, und der Schluß war ein Kompromiß, über den man besser nicht spricht. In Kultuswählerkreisen herrscht wohl tiefgehende Unzufriedenheit -mit dem gegenwärtigen Regime, aber man hat die Lust 'verloren, sich ins Schlepptau ne'h-men zu lassen, >um im geeigneten Moment im!Stiche gelassen zu werden. Es wird unter 'solchen Umständen auch schwer fallen, ernst M nehmende Kandidaten' z-n finden, 'wenn man- Bedenken haben rnnß, daß der Kampf nur zu dem Zwecke inszeniert wird, um die Kandidatur einer schon im Vorhinein bestimmten Persönlichkeit i-m Kompromißw'oge durchiz'u'setzen. Daß man in einem' ehrlich geführten Kampfe nennenswerte! Erfolge erzielen kann-, hat das Stim'menergebNis bei der Wahl vor vier Jahren bewiesen. 'Damals roaren allerdings andere -Zeiten. Ho-fseM-ich dienen diese jetzt als Muster, und nicht die -unrühmlichen Vorgänge von vor -zwei Jahren. Die Kandidatur des Herrn Dr. Heinrich Schreiber hat in den weitester: Kreisen Anbkang Warum sollte einJndenfriedhof nicht neben einer Kirche oder mngokch-rt seilt? Beide waren, mif dieser Anhöhe; die Juden' beerdigten ihre Toten, giungeni a>u,f kmi Grä'b'ern wein-en', gingen b-eterr, wie es' sich schickt, wie' es, seinsoll. Bei uns soll nmm für die Bevstovbenon' -Leben, unddie Verdienste, -die die -Seliigenvor Gott haiben, bed'eut'en viel für die Lebonden. To'le und verstorbene Jn'den' ha'beil! u'nter sich eilte Gemoi-irschaft und die etnieni sind den anderen' behilflich!. Und so sage ich', daß allesgut, ganz in Ordnung-wair; die einen störten nichtdie a-ndereil', di-e Juiden iva'wn' für sich unddiv Christen! gleichfalls. Nur manchjmia'l -entstanden S-treitfrageu." „Wasfür Streitfragen?" „Vi-elleichi nicht so sehr Stvei-tfrageni — als einfach Unannehmlichkeiten. Sehen Sie, in jeder Kilchei sind Giocken-. Des Morgens wird ge-, län'tet und auch abends, und wenn es Feiertag' ist, sogar sehr» stark -geläutet, wenn» man» -also in der Kirche läutete und znri selben- Stunde ein Jude beerdigtloevde, w-ar dies für die Juden, eine Unannehmlichkeit, ich lverde sogar die Wahrheit sagen — ein reeller Verdruß ..." „Weshalb?" „Darnber. ließe sich viel ve-den> . . . undich weiß nicht einmal, ob Sie das richtig verständen. Sie glauben, daß ein Berstobbener keine Leiden hat? Seine Seele verspürt Leid. Sie gefunden, und -cs rvird als -sicher -angenommen, daß das 'demnächst zlu'sam-lNVNtvcten'd-c! Z-entrallvahlkomitee für die Knltnswohlcn diese Kandidatur sich zu eigen -inachen wird, vorausgesetzt, daß Herr Dr. Schreib e r eine solche Kall'didailuv armimmt. Wir -erwähnen nochmals, daß wir gegen die Person llN'd »die Q-ualitäten -es Herrn Dr. Schreiber nichts einznwenden haben-, zur Kandidatur aber erst dann Stellung rrehmen werden, wenn -diese bereits -seststelhen und uns das Programm des 'Kandidaten, bekarlnt sein rvird. Der Knltnsvorstand hat, wie uns von wohl,- informierter Seite berichtet wird, von verschiedenen Persönlich'keiten, denen er eilt Mandat antrug, ein entschiedenes Refus erhalten. Ein Kultllsmandat gehört ebenb>er dem heutigen. System nicht mehr zu jenen begehrlichen. Ehrensiellen, um welche man sich gerne bewirbt. Man wird wohl die Richtung ändern müssen, man wird vor allem die Herrschaft des Bertreterkolleglu-ms ein'schräuken Miissen, weil nnr wenige -sozial und wirtschaftlich una-bhäng'ige Menschen die Lust elnpfinöen, bloß Zustimmlungsorgane einiger weniger Bevorzugter, die in diesem Stadtrat sitzen, abzugeben. Kon der lerriLorLalistischettKewegung. Gründung eines territorialistischen Bürger- Vereines in Wien. Eine Anzahl jüdischer Bürger in Wien beschloß, an die Gründung eines territoriallstischen Bürgervereines zu schreiten. Das vorbereitende K'omitee hat die Ab-fafsung dev Statuten in -Ilngrisf genontmen, und sobald diese eingereicht werden, wird das Komitee mit einem Jtufruf an die Wdischieni Bürger Wiens' herivortreten. Die jüngste Meldung, aus London über die Zusa>m>mensetzung ikx geoghaphtschen Kommission zur Ueberprüfung der; vorliegendes Ilnbote -hat in den hiesigen bürgerlichen Kreisen einen äußerst günstigen -Eindruck herv-orgeVU-sen. Da an der Spitze der oben erwähnten bürgerlichen territorialistischen Bewegung' in Wien, ebenfalls Männer von guten' politischen Namen stehen, ist es zweifellos, daß der zu gründende Verein in kurzer Zeit eine große Anzahl von 'Mitgliedern! zählen wir»d. Budapest. (Zionistisch^sozia-listisch-e Arbeiterpartei.) Wie uns nnser Büdapester Berichterstatter meldet, existiert in Budapest seit fünf Monalten eine zionistisch-sozialistische Arbeiterpartei, deren wichtigster Program'mpunkt die Förderung der territorialistischen Bestrebungen ist. Die Partei ist agitatorisch sehr rührig und wird täglich größer. Die Büdapester Gruppe steht mit der Wiener Zentrale in enger Fühlung. 'Ein aüsführlicher Bericht über die Tätigkeit der Partei in Budapest ist uns für die nü-ch'sten -Tage in Aussicht gestellt worden. fürchkek — wozu sie alson»och evschveckeir? Wozu' läuten?' Ich sa'ge Ihnen, esgab genug» Vövhruß . . . Die froinmen. nnidgeleh-rtien Juden s-ngten, da-ra>us' werde ein* Unglück entstehen; nberes wa,r keius. Ich» wu-n»dere mich nicht, -daß es keins gwb-, so lange m»a-n sim'p-le Leute, einfache -L-chneider», Schuster, Hänidler beerdigte — aber einmal ereignete es sich, daß ein, großer, sehr großer Raibbi starb!" „Weiß Berl nicht, wie er geheißen hat?" „Ich weiß 'es' nicht — genug 'daivan, daß er ein) großer Rabbiner wm-! Als er sta>rb, müßte er gleich b-oerdigt! werden, denn wie Sie wissen', ist es so -bei uns Bva'uch. Dieser To'desfall fa-nd an einem- Sonntag Vo-rmitta-g statt. Merken Sie, wasdas bed'e'utet?" „Um diese Zeit findet 'bei lms» G'üttes'dien'st statt nn'd in j-ed'vr Kirche -wird' goläutet." „Das War obon, das- Minze U-n-glück! Als der Mibbimcv auf ben Kirchh»o»f gebracht wurde, begaim' man eben, in, dev Kirche zu: läuten. Sie verstehen! Alle -erschrocken, zitterten, dennsie emiieteni, es lverde etwasgeschehen'. Ilnd wissen Sie, lra-simmer in der Welt passiert, ist für -die Inden» schlecht!! Sie» surchl-eien'! Berstch-en Si'e, lva'vum sie frirchtetelr? Das ist eine ganz einfache Sache.' Ein Rabbi ist eben ein Rabbi. Wenn di-e Glockenihm, lästig fallen', können sie S-ckpden> nehmell-, können sich l-osreißon, mt KKCBSflPOTHCKC 5. niTTCLP/ICH Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 (Palais biaa) im Zeatrumdor Stadt. ♦ Petrol-Haargeist. Ein hervorragendes Mittel zur Stärke des Haarbodens und der Haarwurzeln. Preis l Flasche 2 Kronen.