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Nationalzeitung · 1906-10-09 · Heft 72 (9.10.1906) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 72 (9.10.1906)
Date
1906-10-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Air. 72 Nationalgettung Sertt S fation besitzt bereits eine große Broschüren- und Flugschriftenliteratur. Unsere Organe sind: „Das neue Leben" und „Das jüdische Arbeiterwort". Außerdem gehen wir daran, ein neues Wochenblatt in jüdischer Sprache herauszugeben. Im S e l b st s ch u tz bildete unsere Organisation die Avantgarde, und wird mich, in Rußland allgemein als solche anerkannt. Den beiliegenden Aufruf in Sachen des Selbstschutzes stellen wir Ihnen zur Verfügung. (Der in russischer Sprache abgefaßte, besonders interessante Aufruf wird in der nächsten Nummer unseres Blattes veröffentlicht werdenRed.) London. In einer Massenversammlung in Norwich wurde folgendes Schreiben Zangwills verlesen: „Ich hoffe, daß Ihre Versammlung den Erfolg haben wird, Ihre Mitbürger davon zu überzeilgen, daß es dringend notwendig ist, ein Asyl für diejenige:: Juden zu finden, die in ihren gegenwärtigen Wohnsitzen nicht bleiben können oder wolle::. Der Bericht über die neuesten Barbareien in Rußland enthält so viele Scheußlichkeiten, daß man den Ausdruck tierisch anzuwenden sich scheuen muß. Tiere zerfleischen einander im Kampf um die Nahrung. Die in Rußland begangenen Schändlichkeiten aber haben nur den einen Zweck, einen geradezu teuflischen Hunger nach Scheußlichkeiten zu befriedigen. Der einzige Lichtblick, der in dem Dunkel gefunden werden kann, ist der Mut unid die Hingebung der jüdischen Selbstschutzorganisation; der tapfere Widerstand einer Handvoll juilger Leute hat oft ganze Stadtteile zu retten vermocht. Unter diesem beispiellosen Schreckensregiment sind sie zu Helden geworden, würdig ihrer makkäbäischen Vorfahren. Es ist die Pflicht aller unter güllstigeren Lebensbedingungen lebenden Juden, ihren Brüdern zu helfe:: und durch Unterstützung der jüdischen territorialistischen Organisation -dafür zu sorgen, daß die unglückselige Legion von Flüchtlingen sicher in ein freies Land geleitet wird." Zcmgwill schließt mit den Worten: „Ich bin erfreut, daß Ihr Meeting die Teilnahme hervorragender Christen findet, die Anteilnahme derselben wird verhüten, daß die Judenheit Christentum und russisch-griechische Kirche verwechselt." Austritte aus dem Judentum in Wien vom 26. Juni bis 22. September 1966. Henriette Kohn, 16. Bez., Auhosstraße 186a. M'tce Beneblet, 4. Bez., Theresianumgasse 26. Selig vel Sigmund Czeikel, Czernowitz, Ingenieur, 4. Bez., Fleischmmmgasse 4. Mmdl (Mrna) Ezeilkel, geb. Radeln: esfeir, Zokkiew, 4. Bez., Fleischmanngasse 4. Ernst Spiegel, ,k. k. Rechnungsvsfizial, 3. Bez., Salesianergasse 25. Johann (Joachim) Kreuz, Arad '(Ungarn), Kutscher, 16. Bez., Ha'bichergasse 0. Berta Lampel, 8. Bez., Lercheugasse 23. Anna Specht, 7. Bez., Bnrgg. 30. Lev Plvlni, Kaufmann, 0. Bez., Glasergasse 4. Kvustanze Gabriele Glaser, 0. Bez., Liechtensteinstwße 66. Richard 'Meininger, Galinsaihrn-, Pri^ vatbeanlter, 7. Bez., Karl Schlveiglivfergasse 0. Friedrich Ziffer, Friedc'k (Schlesien), Assistent a»n Hvs-Gewerbenlinsenln, 0. Beg., Porzellangasse 22. Auguste Julia Nkirjam Füchs, geb. Styka, 9. Bez., Hahllgasse 12. Anna Hahn, 1. Bez., Grand Hotel' Karl Lud,oig Weizmaun, Papa (Ungarn), 3. Bez. Nenlinggasse 24. Arpad Teri, Budapest, ÄMaufJ "'an», 1«. Bez., Dünken schanz st rnße 2. Hugo Schnchl, Totis (Ungarn), 'Vertreter, 6. Bez., Stnnrpergasje 65. Ernicstiae (Tino) Lendeco, Mitglied des l <f HvfbnrgtheaterS, ü. Bez., Porzellangasse 27. Emilie Kassowitz, geb. Rosenthal, k. k. a. ö. Ilninersitätspvofessvrsgaltin, 1. Bez., Dteindelgasse 2. Max Kasfvkvitz, Preßburg, t f. a. b. Unioersitüts- Professor, 1. Bez., Steinlde'lgasse 2. Berta Heinrich, Weißnäherin, 15. Bez., Mariabilserstraßo 170. Jda Berg, Tescheu, Frisenriu, 20. Bez., :llanscherst rnße >11. Eugenie Aincee Löbel, 13. Bez., Leopold Müllergasse l0. >Med.->Dr. Arthur Schön» selb, Horscherz (Böhmen), w. Bez., Kuudratstraße 3. Rudolf Freu, Ge werbe sch ü le r, Brunn, 3. Bez., Svfieubrückeugasse 11. Alfred Grüuwald, Techniker, 8. Bez., Hamerlingplatz 10. Arthur Liebet, Jügerudvrf, Bankbeamter, 8. Bez., .Lerchettselderstraße 02—li4. Alice Tandler, geb. Brun:, D-omhooar lNngarn), Mnsikersgattin, 20. Bez., Wallen steinst ratze 32. Robert JvnaS, 7. Bez., MariahUferstraße 76. Robert Groß, Gefchäfts- Siener, S. Bez., Embelsasfe 54. Arnold Fried, Agent, 10. Bez., Keplerplatz 4. Gertrud Freisinger, geb. Breslauer, Lipine (Ob.-Schlesien), 12. Bez., Schönvrunnerstratze 286. Moria StvcmSky, geb. Meiner, 8. Bez., Lenaugasse 17. Richard Buchbinder, Prag, Buchhalter, 6. Bez., Gtumpergaffe 46. Hugo Fischer, 1. Bez., LandSkrongasse 1. Valerie Plohn, Nagy-«Sarany («Ungarn), Kausmanusgattin, 9. Bez., Glasergasse 4. Josef Richard Kugel, stud. phil., 16. Bez., Kutschkergasse 44. Elsa Jsckkiewicz, geb. Frankl, Likörsabrtkantensgattin (Austritt in Bvünn). Irene Witrofsky (Uebertritt zum vöm.-katholischen Glauben in Prag). Rudolf Neumann (Uebertritt zü'm evangelischen Glauben in Leltmeritz). Jenny Deutsch, Brtmn, 7. Bez., Lerchenfelderstraße 9. Pauline Spitz, 0. Bez., Ufergasse 8. Hermlt:re Ruberl, -geb. Hirschmann, 12. Bez., Ehrenfelsgasse 16. Josef Ruberl Trebttsch, 12. Bez., Ehrenfelsgasse 16. Fanny Engel, Stanipfen, Bevkäufarin,^. Bez./ Glockengasse 24. Nathan Feldmann, «Goldarbeiter, 2. Bez., Sterneckplatz 19. Julius Scharf, Ingenieur, 1. Bez., Ebendorserstraße 6. Gustav Reil, Protznitz, Privatbeamter, 7. Bez., Neustistgasse 67. Gisela Szigeti, geb. Keppich, Budapest, Eisenbahnbeamtensgattin, 9. Bez., Kinderspitalgasse 1. Paula Wei-ninger, Modistin, 3. Bez., Hißgasse 8. Mor (Martin) Fried, Duserl (Ungarn), Goldarbeiter, 6. Bez., Gumpendorferstratze 89. Ernst 'Spitz, 2. Bez., Kurzbauergasse 4. Leopold Jelinek, Olmlitz, Psaidler, 3. Bez., Marxevgasse 6. Rudolf Mansch, Eisenbahndirektorsgattin, 2. Bez., Negerlegasse 4. Karoline Wilhelm, Boskowitz, 2. Bez., Nooaragasse 44. Valerie Bräunidel Horschetzky, Gr.-Kanizsa (Ungarn), Lehrerin, 2. Beiz., Valeriestratze 44. Juda Leib (Isidor) Hölzel, Czernowitz, Stadtkurier, 4. Bez., Wienstraße 35. Isaak Rothenberg, Drohobycz (Galizien), 26. Bez., Greiseneckergasse 8. Katharina Friedmann, Budapest, 2. Bez., Körnergasse 5. Max Rauch, 16. Bez., Türkenschanzstratze 19. Josef David Waldmann, Großwardein, Redaltionsbeamter, 6. Bez., Bräubausgasse 51. Leo Schidlof, Antiquitätenhändler, 6. Bez., Schönbrunnerstraße 78. Geiza Szigeti, Budapest, Eisenbahnbeamter, 9. Bez., Kindcrspitalgasse 1. Elsa Schrenzel, Elisavethpromenade Nr. 1 (Rotzauerlaserne). Ignaz Schrenzel, Elektrotechnilker, lEliisabethpromenade Nr. 1. Witwe Leopolidine Margaretha Mahner, geb. Zeitelberger (urspr. Proselytin), 9. Bez., Währingergürtel 118. Dr. Hugo Kantor (Uebertr. zum evangelischen Glauben in Grotzogg). Sigmung Bürg, Photograph, Budapest, 18. Bez., Mart inst vaße 29. Dr. Felix Weiser, Advokat, Kairo, derzeit 1. Bez., Neutorgasse 6. Adolf Haeutler, Straschlau (Mähren), Bankbeamter, 18. Bez., Wallrißstratze 46. Ignaz Kurz, Bankbeamter, 8. Bez., Alserstraße 53. Boris Kendler, Odessa, 3. Bez., S1«oiugasse 9. -Ella Herlitzkia«, 3. Bez., Thongasse 11. Rudolf Klein, Budapest, Geschäftsdiener, 7. Bez., Neustistgasse 52. Otto Eisler (Uebertritt in Böklabruck), 1. Bez., Neichsratsstraße 27. Rudolf Steiner, HandelSanigestellter in Graz (Uebertritt in Graz). Dr. Friedrich Reumaun, Advotaturslottzipieut, 8. Bez., Lercheu'felderstratze 124. Margit Goöin (früher Grosz), Budapest, 9. Bez., Glasergasse 4. Dr. M. Alfred Goldschmidt, Arzt, 9. Bez., Berggasse 39. (Sch ln tz der Liste iu der nächsten Nummer.) Die Krffeu der Kesten. In Wien iintaY am Jom kippnr-Tage das großartige Dentschmeisterdenkina! eitthnllt. Natürlich fehtten bei dieser Gelegenheit auch schantnslige Inden nicht, und selbstredend haben die _ anfrnarschierenden Sinnpermassen ihre „Witze" über die festtäglich gekleideten Juden geinacht. Die geistreichen Herren werden lvüten bei der Kunde, daß an dein. Denkmal auch noch ein Beispiel treuer jüdischer Pslichterfüllnng verzeichnet ist. Die Tafel, auf lvelcher die Namen von etlva 20 heldenmütigen Regimentsnütgliederi: stehen, trägt auch folgende Worte: „Nachod 1 S(K>: Feldwebel Wolf Marktbreiter." Was dieser Jude aus der utährischen Stadt Nikolsbnrg geleistet hat, wissen lvir nicht. Sicher ist wohl eines: es müssen Heldentaten gewesen sein, lvenn inan ihn, einen Juden und llnteroffizier, unter einer Menge hoher Militärs verewigte und lvenn das antisenütische Denkinalkomitee dies duldete. Sollte es aber lvieder ein Frechling wagen, von jüdischer Feigheit zu reden, dann werden wir auf ein klassisches Beispiel für jüdische Tapferkeit verweisen können — es ist nur ein Exempel von vielen hunderten in Oesterreich und anderswo — auf die Tafel am Deutschmeistermonument mit der Aufschrift: „Die Besten der Besten." Kauhen. Ein Dorstoß gegen das Schachten. Vorige Woche tagte in Nürnberg die zehnte Versammlung der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches, an welcher auch mehrere Rabbiner teilgenomnien hatten. Den Verhandlungen wurde seitens der reichsdeutschen Juden besonderes Interesse entgegengebracht, da es bekannt tvar, daß ein Antrag auf Einführung des Betäubungszwanges für sämtliche Tiere zur Beratung kommen werde, dessen Annahme einem Verbot des S ch ä ch t e n s gleichkäme. Nach längerer, stellenweise sehr erregter Debatte überreichte Rabbiner Dr. C o h :: - Kattowitz in Begleitung einer glänzenden Rede folgenden Antrag: „Der Verbandstag wolle beschließen, daß in den Antrag auf Einführung des Betäubungszwanges der Zusatz hinzugefügt werde: „D a s S ch ä ch t e n d e r I s r a e - liteu bleibt von dem Betäub u n g s z w a n g a u s g e s ch l o s s e n." Trotzdem dieser Antrag auch von zahlreichen nichtjüdischen Delegierten mitunterfertigt und in der Debatte im Interesse der Gewissensfreiheit nachdrücklichst unterstützt wurde, siegte dennoch die unbedeutende reaktionäre Majorität, und der Antrag aus Einführung der Zwangsbetäubung, d. h. des Schächtverbotes, wurde unter Ablehnung des erwähnten Cohnschen. Zusatzantrages mit 45 gegen 30 Stimmen zmn Beschluß erhoben. Sowohl die Vorbereitung dieses Antrages iüic auch der ganze Verlauf der Debatte, besonders aber die gegen das Schächten vorgebrachten Argumente beweisen deutlich, daß es -der Majorität nicht mu Bekimdung der Humanität und der Tierfreundlichkeit, als vielmehr um einen gegen das religiöse Judentun: geführten antisemitischen Schachzug zu tun locir. Die Hetze gegen das Schächten sollte von den Ticrschützlern sanktioniert werden. Es muß nun abgewartet werden, ob der Anschlag auch in der Praxis gelingen werde! Rabbi Israel Friebmann gestorben. Alls Czernow'itz -wird uns geschrieben: Morrtag rrachts verschied auf seinem Schloß in Sadagvra, der, wie man ihn narrnke, Wnnderrabbr Friedmcum. Mit ihmstarb einer jener in Gniiziell und der Bnkowina noch immer weitverbreiteten Repräsentanten jenes Systems, das im Gegensatz zll dem gewöhnlichen Lauf der Dinge in seiner Entwicklnng den. Krebsganig nahm. Aus der einst kn'ltnrell hochstehenden :rnd vor allem ttlit Iiücksicht an-f sein Milien bedeutsamen Institution des Chassidismus, einer Institution, die Jahrhllnderte hindurch zu Zeiten der graufalmsten Drangsalierungen der Juden für Iberen moralische Allfrichiung und Stävkung von unschätzbarem Werte war, entlvickelto sich ein System, das das früher begdündete Vertrauen zn einer Persöullichkeit auch gegenwärtig unerbittlich für sich in Anspruch nimmt, unbeschadet darnrn, daß :vvt)l so lnanche Boralissetznug für dieses Bertrauen langsan: im Lause der Zeit geschwunden war. Ans der Schar, die kechzend nach- Worte»: des Trostes, vor de»l Fußtritten ihrer barbarische u Mitbürger, z»r ihrem Rabbi flüchtete, rvnrde eine Palladinenschar, die mit nnerweichlicher Konsequenz anden übernatürlichen iFähigteiten ihres tRabbi sesthält. Aus denkendell, kniturfreundlichen Menschen wurde eine oft fanatische Schar, die zufrieden mit ihrem Geschick, durchaus uicht ihre Niission darin erblickt, Mnerungen Eingang zu schassen. Ein kleiner Staat, mit selter: gern ertragener Autokratie. Ein Herrscher in diesem Gemeinlveseit ist nlln gestorben. Der Person -des Rabbi Friedmann speziell wirid Güte, Milde und vor allem Einsicht nachgeElnt. Als ein- Mann, der irr die geheimsten Herzensfalten tausender

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