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Nationalzeitung · 1906-10-09 · Heft 72 (9.10.1906) · p. Seite 6

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 72 (9.10.1906)
Date
1906-10-09
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr, 72 von Menschen gedrungen, der den Kummer und Schmerz tausender von Ddeinschen kennen gelernt, der fouiit wie kein anderer Gelegenheit hatte, den Menschen in seiger ungeschminkten Wahrheit ganz kennen zu lernen, er verstand den Lauf -er Zeiten. . . Dort draußen, außerhalb seines Reiches, drängt die Masse noch vorwärts, unbarmherzig alles niederstoßend, was sich ihm in den Weg stellt, unbarmherzig jeden hilflos zurücklassenö, der nicht mitkann. Rabbi Friedmann dürfte, vielleicht auch schon gedacht haben: Es dauert nicht lange, so zieht dieser Strom über mein Reich, alles mit- oder niederreißend.... Tausende von Menschen wallfahrten auf sein Schloß. Das was sie keinem Menschen mitteilten, das eröffnetcn sie ihm, dem Wunderrabbi. Er riet, wo er raten konnte, er half, wo er Helfen konnte. Und wo menschliche Einsicht und Klugheit auch beim Rabbi ihre Grenze hatten, machte den Hilfesuchenden die Worte glücklich: „Gott nnrd helfen" . . . Und der Glaube machte viele selig... Montag gegen 10 'Uhr abends verschied der Rabbi. Seine letzten Worte waren: „Genesung, Genesung, Genesung", aber sie kam nicht. Ein tiefer Jammer und ein lautes Wehklagen ging durch Sadagvra. Alles, was in Sadagora bebt, war tief ergriffen. In allen möglichen Lonarben wurden Klagelieder augestimmt. Männer schluchzten, Frauen heulten und schlugen sich in die Brust. Kaum hatte der Rabbi den Geist anfgegeben und schon wurden die Vorbereitungen für das Leichenbegängnis getroffen. Alle Anwesenden, die im Zimmer waren, entfernten sich. Nur zehn von den intimsten und gottessmrchtigsten Anhängern blieben zurück, um Gebete zu verrichten. Draußen sammelte sich mittlerweile eine tausendköpsige Menschenmenge an. Man wartete auf das Leichenbegängnis. Um 3 Uhr morgens wurde Rabbi Friedmann zu Grabe getragen. In der Zwischenzeit sah man eine lange Reihe von Weibern und Männern klagend und jammernd das Trauer- Haus umstehen. So verging die Nacht. Gegen drei Uhr morgens kündigte ein herzerschütterndes Jammern und Weinen den Beginn des Leichenbegängnisses. Ohne Sarg, in ein weißes Lernen gehüllt, trug man den Rabbi auf zwei Brettern zum Friedhof. Endlos war die Menge, die der Leiche folgte. Jammern und Stöhnen waren die einzige Unterbrechung der stillen, mondhellen, herrlichen Herbstnacht. Die Leiche wird versenkt, ein Helles Aufschreien der Hinterbliebenen, die Erdschollen kollern dumpf und schwer auf den Leichnam. Ter Rabbi hiriterläßt 9 Kinder, 6 Sühne und 3 Töchter. Als Nachfolger wird der älteste Sohn Aron Friedmann genannt. Vermischte Nachrichten. Wien. (Verein Oseh Tow.) Samstag den 29. September sprach Sr. Ehrwürden cand. Rabb. Dr. CH. Verlisch auf unsere Einladung hin im Bethause „Oseh Tow" anläßlich des Jom Kippurtages in einer über eine Stunde währenden Rede über die nationale Bedeutung des Tages. Im Verlaufe seiner Rede schilderte er mit gesühloollien Worten die trostlose Lage unserer Brüder in Rußland. Die Wärme und Rührung, mit denen Redner über diesen Gegenstand sprach, teilte sich der zahlreichen Zuhörerschaft mit, so daß man kein Auge tränenlos sah. Redner hob zum Schlüsse hervor, daß der Jom Kippurtag ein Tag der Versöhnung nicht nur mit Gott, sondern auch mit sich selbst und untereinander sein müsse. Unter der Fahne eines geeinigten nationalen Judentums allein könne Israel ein einig, in allen seinen Teilen versöhntes Volk fein. Die Macht des Willens eines ganzen Volkes räume alle Schrvieriigkeiten hinjwvg: „Ein Land, und solche traurige Tage, wie die unserer russischen Brüder gehören nur noch der Geschichte an!" Wien. (Vermählung.) Unser geschätzter Mitarbeiter Herr Dr. Marek Scher lag zeigt seine bevorstehende Vermählung mit Fräulein Amalie Ster n b a ch au. Tie Trauring findet Sonntag den 14. Oktober, um 2 Uhr rrachnrittags, im Tempel, 9. Bezirk, Müllnergasse, statt. Empfang 8—5 Uhr 2. Bezirk, Notensterngasse 7. Unsere herzlichste Gratulation! den 18. d. M. im Prachtsaale des Hotel ,-Franjz Josefs-Bahn" (vis-a-vis der Ankunftshalle) einen V'0 rtragsabe nd mit anschl ießendem Tanze. 'Dve. unter der bewährten Leitung des verdienstvollen Ausschubnritglvedes Herrn Max Bellak arrangierten Vergnügungsabende dieses überaus humanitären Vereines erfreuen sich im 9. Bezirk bereits eines so vortrefflichen Rufes, daß wir gar nicht daran zweifeln, daß der wohltätige Zweck, dem der Reingewinn des Abends zugedacht ist, von den alten, treuen Freunden des Vereines auch diesmal durch zahlreichen Kartenverkauf und Spenden in ausgiebigiem Maße wird bedacht werden!. Für ein auserlesenes Farnilienprogramm ist vorgesorgt. Beginn der Vorträge 8 Uhr abends. Regiebeitrag 1 Krone. Ueberzahlungen werden dankend quittiert. Ein aufrechter Rabbiner. Aus Przmysl wird uns geschrieben: Im Briefkasten Ihrer letzten Nummer haben Sie einem Rabbiner, der den Sabbat-Schmvoh dazu beniltzte, unr gegen ein jüdisches Volksinstitut zu Hetzen, die gebührende Abfertigung erteilt. Als angenehmen Gegensatz zur Haltung dieses Rabbiners will ich Ihnen von der Haltung unseres ehrwürdigen Herrn Rabbiner Gedalje Schmelkes Mitteilung machen. Bekanntlich hat Se. Ehrw. Herr Rabbiner Schmelkes anläßlich der Wahl in Brody-Zloczow seinen ganzen Einfluß zugunsten des nationalen Kandidaten Adolf Stand eingesetzt, wodurch er sich die Feindschaft der Führer seiner Kultusgemeinde zuzog. Herr Rabbiner S ch m e l k e s benützte nun den Sabbat-Schuwoh, um im Nahmen seiner Derascha seinen Standpunkt klarzustellen. Es war ein mutiges, ehrliches Wort, das wir hier zu hören bekamen! Herr Rabbiner Schinelkes sagte u. a.: „Ich weiß, daß ich mir durch meinen Schritt viel Feinde erworben habe, doch wisset, daß ich diese Feinde nicht fürchte, und vor ihnen nicht zittere, auch nicht der kleinste Funke von Reue beschleicht mein Herz.' I ch binstolz aufmeine Tat, die ich mit Vorbedacht vollführte, u m meinen B r ü - d e r n i m K a mi p s e b e i z u st e h e n. Der Tag, an dem ich hinging, meinem Volke zu helfen, ist der teuerste meines LOens, den ich bis an mein Lebensende nicht vergessen werde. Auch in Zukunft will ich für mein Volk arbeiten und wirken, soweit nieine Kräfte reichen. Es ist wohl wahr, daß ich von m e i u e z G e\ii einde abhängig b i n; ihr Wille ist mir heilig, aber nicht in diesen und ä h n t i ch e n Fragen! Gott gebe," schloß Se. Ehrwürden, „daß alle Rabbiner mich um diesen Schritt beneiden, und mit nur an der Förderung des Volkswohles arbeiten wMen!" Volks-Vorschnßknsse in Prag, r. G. m. b. H., Königshofergasse 12. Im Laufe des Monates September wurden Darlehen im Betrage von K 157.544,10 bewilligt. Am 30. September betrug der Stand der Darlehen 677.483,39 K, der Spareinlagen 322.812.36 Kronen und der: Stand der Anteile 124.760 K. Der jüdische Gesang- und Musikverein in Prag, der einzige aus nur jüdisch e« Mitgliedern bestehende, teilt allen löblichen, jüdischen Vereinen, Gönnern und Interessenten höfl. mit. daß er im Laufe der nächsten Tage seine Tätigkeit in vollem Umfang anfnehmen wird. Der Verein besteht aus einer stattlichen Anzahl von stimmbegabten Damen und Herren, die sich bereitwilligst und unentgeltlich m den Dienst der guten Sache gestellt haben, deren Leitung einem bewährten Fachmanne übertragen wurde. Gleich- -zeitig wurde diesem ein aus geschulten Musikern gebildetes Orchester angegliedert. Der Verein hofft, hiermit allen Anforderungen entsprochen zu haben nnd gedenkt schon in Bälde eine Aufführung zu veranstalten, uni einen Teil -des Reingewinnes wohltätigen Zwecken znfiihren zu können. Leider ist derselbe bei Beginn seines Unternehmens aller Mittel entblößt und wäre nicht imstande, seine Bestrebungen so zu verwitk-- lichen wie er möchte, weshalb sich der ergebenst unterfertigte Verein die Mildherzigkeit edler Wohltäter anznrufen gestattet, die es ihm ermöglichen, ein dauerndes Bestehen durch eine' rasche materielle Hilfe zu erleichtert. Derselbe will auch der armen, jüdischen Jugend Gelegenheit bieten, in ihrer» Mußestunden durchs oerschiedenartige Veranstalturrgeni bei mäßiget' Zutrittsgeb nhr genußreiche Abende zu bereiten, um so zu heben und zu fördern. So¬ Mgemeiner ttrankennnterstützungsverein „Menschenliebe" in Wien. Das Vergnügnrrgskomitee des Vereines veranstaltet am Samstag Herr jüdischen Geist mit hoffen wir, ein edles Werk zu beginnen, was gewiß die vollste Anerkennung bei 'unseren Glau, bensgenossen finden dürfte und dieses Unternehmen bet allen mit Fronde begrüßt werden wird. Indern wir für die 'kleinste 'Gabe im voraus ein tausendfaches „Vergelt's 'Gott!" znrufen, zeichnen wir mit aller Hochachtung: '^itr die Ferialveitung des Jüdischen Gesang- und Musikvereines Prag, 2. Bez., Clisäbethstr. 6, 2. Stiege: gez. E r n st B l o ch. Geldsendungen! übernimmt aus Gefälligkeit Herr Moritz Löwy, Prag, 1. Bez., Zeltnergasse 9 (Mezzanin). Proßnitz. (Todesfall.) Unter zahlreicher Beteiligung aller Kreise der Bevölkerung nnd der Funktionäre der Kultusgenreinde fand am 4. d. M. das Leichenbegängnis der im Alter von 83 Jahren verstorbenen Frau Cäcilie T ü r k l, einer ausgezeichnetere und allgemein beliebten Frau, statt. Rabbiner Dr. Leopold Goldschmied widmete der Dahingeschiedenen einen warmen Nachrrrf. Bndweis. (Todesfall.) Die israelitische Kultusgjemeinde Budweis gibt trauernd Nachricht von dem am Ilbend des 6. Oktober 1606 im 82. Lebenswahre erfolgten Hinsrhciöerr des Herrn David B u l l a t y, Ehren'mitgliied der israelitischer: Kultusgemeinde in Budweis. Der Verblichene wirkte durch viele Jahre als Spnagogenvorsteher und Vorsteher dieser Kultusgemeinde. Seine Verdienste tmDienste derOeffentlichlkeit und des Gerncinwohles, insbesonders am den Bau un'seres Tempels sichern ihm ein ehrenvolles, dauerndes Gedenken.. D'ie irdische Hülle des Dahlugeschiedenen wurde Montag den 8. Oktober 1606, um 2 Uihr nachmittags, bestattet. Krakau. (Ein Rabbiner in der Stadtrepräsentanz.) JnSolkwa wurde Herr Rabbiner Pinkas R i m a l t im zweiten Wahlkärper in die Stadtrepräsentanz gewählt. Diese Wahl ist deshalb irrteressant, weil Herr Rabbiner Rimalt der einzige ist, der sämtliche abgegebenen Stimmen, auch derjenigen der Nichtjuden, welche die Majorität bilden, auf sich vereinigt hat. Budapest. (Bau einer neuen Synagoge in Ofen.) Eine Deputation der Ofener israelitischen Kultusgemieinde unter der Führung des Gemeindepräsidenten Isidor Szabolcsi erschien am 1. d. M. beim Bürgermeister Dr. Stefan Barczy rnit der Bitte, er rnöge das Bestreben der genannten Kultusgemeinde, in Ofen einen neuen Tempel zu erbauen, unterstützen. Die Kultusgemeinde hatte schon vor längerer Zeit an die Hauptstadt das Gesuch um die geschenkweise Ueberlassung einer Baustelle gerichtet. Da jedoch die Hauptstadt in Ofen über ein hierzu geeignetes Grundstück nicht verfügt, so bat rrrm die Deputation den Bürgermeister, zu erlvirken, daß die Hauptstadt den Tempelbau durch die Gewährung einer Subvention unterstütze. Der Bürgermeister sicherte bereitwillig seine nachdrückliche Unterstützung der Bitte der Oferrer israelitischen.striltusgemeinde zu. Eirrgeserrdet. mUavUetor alkalische» MM mim EU Großer MvbelverkanfN Preise konkurrenzlos!! Vas gegenwärtige kotossab Lager mod. 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