Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 72 (9.10.1906)
- Date
- 1906-10-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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IS r. i 2 Nativnulzeitung Öeüt. mehr und mehr zur Einsicht kommen, daß der Fortschritt des Territorialgedankens ihnen und ihren Idealen nur förderlich, der aussichtslose Kampf dagegen ausschließlich für den Zionismus nachteilig sein kann. Während auf dem. siebenten Kongreß die Ugandisten verhöhnt wurderr und selbst noch nicht beit Mut hatten, sich zum Tcrritorialisinus sans Phrase, zur „Landsuche" zu bekennen, stehen heute im Vordergrund der Jto-Arbeit die besten der zionistischen Köpfe — ich nenne nur Z a n g - will, M a n d e l st a m m, I a s i n o w s k i, Sulz b e r g e r, K l e e, S i in o n f o h n — Mid jeder Tag bringt denen, die für die Jto tätig sind, neue Kunde voii Zionisten, die sich zunl TerritorialisuniS durchgerungen Habels trotzdem sie in der zionistischen Presse über ihn nichts gutes oder überhaupt nichts zu hören bekommm. Und Komiker, wie jüngst ein Artikelschreiber in der „Indischen Rundschau", der recht viel „praktische" Palästinaarbeit empfahl, um — „den letzten Rest von Territorialismus zu beseitigen", werden bald auch in ihren engsten Zirkeln nicht mehr ernst genommen werden. So darf man denn ohne Uebertreibung behaupten, daß die jüdisch-territorialistische Bewegung im besten Zuge ist, alle lebendigen Kräfte der Judenheit zu einhelligem Wirken ins Große zusammenzuschließen. Posen, 1. Oktober 1906. Dr. Karl Jeremias. Politische Rundschau. Eine politische Aktion zugunsten der russischen Juden hat der Wiener Kultusvorstand in seiner Sitzung vom 7. d. M. beschlossen'. Angeregt wurde dieser Beschluß durch folgenden, twn Kultus rat Dr. Maxi in. Steiner und Genossen eingebrachten Dringlichkeitsantrag. „Seit wir zuletzt hier versammelt waren, sind Hunderte unserer Glaubensgenossen hingemetzelt, taufende von Fa- Milieu ins Elend gestürzt worden und es hat nicht den Anschein, als ob die alle Schrecken des Mittelalters ü'bertressenden Katastrophen ihr Ende -gefunden hätten. Demgegenüber ruhig an die Beratung unserer «Gemeindeau^ellegenheiten! zu gehen, halten wir für Mlizutässig. Selbst der Wurm, der getreten wird, krümmt sich und wir sollen schweigend und regungslos .verharren? Es müsse doch mindestens noch einnmt versucht werden, einen Zusantmerrschlus; der jüdischen Großgemeinden — sei es Oesterreichs, sei es Europas — zustande zu bringen, nur die Regierungen, zu irgend einer Intervention zugunsten der russischen Juden zu bewegen. Die Schmach dürfen wir nicht über uns ergehen lassen, daß wir passiv bleiben, wenn der Vernichtungskrieg im Osten sortdauert. Sohin beantragen wir: Es werde ein fünfgliedriger Ausschuß eingesetzt, weicher über eine Stellungnahme in Sachen der russischen Inden beraten und diesbezügliche Anträge stellen, soll." Diesem Anträge wird stattgegeben und in das Komitee die Herren Dr. Maxim. »Steiner, Vau rat Marmorek, kais. Rat Leopold Sachs, Dr. Markus Spitzer und Baurat Wilhelm Stiaßuy gewählt. Die diesjährigen Wahlen in den Wiener Kultusvorstand wurden in der am 7. d. M. stattgehabten Vorstandssitzung für den 2. Dezember festgesetzt. Es kommen Heuer insgesamt 16 Mandate znr Besetzung, und zwar: 1. Allgemeine Kurie: a) E r s atzrv a h l für die verstorbenen Vorstandsmitglieder: kais. Rat Moritz H i v) ch (mit vierjähriger Mandatsdaner-, N o s n e r, Banrat F l e i - s che r, Gottlieb T a n s s i g und Dr. Schnabl smit je zweijähriger Mandatsdaner): bl Neuwahl für die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder: Dr. B e r g e r, Hermann Eltbogen, S. H o f f m a n n, D r. Gustav K o h n (1. Vizepräsident), kaiserl. Rat Wilhelm P ollaf, Dr. Maxim. Steiner, Dr. Alfred Stern (Präsident). Sämtliche mit sechsjähriger Mandatsdauer. 2. Kurie der Höherbesteuerten: a) Ersatzwahl für den verstorbenen Rudolf A u s p i tz und den demissionierten Th. Ritter non Tanssig «beide mit. sechsjähriger Mandatsöauer),' b) N e u w a h l für die ausscheidenden Mitglieder: K n r a n d a und E i tz - l e r (beide m>it sechsjähriger Maudatsdaner). In diesem Jahre wühlen die Floridsdorser jüdischen Steuerzahler auch, schon mit. Die Wahlen für die Kurie der Höherbestenerten sind für den 11. Dezember anberaumt worden. Die konfessionelle Gleichberechtigung in der Praxis nennt unser Czernowitzer Korrespondent die Eröffnungsfeier des dortigen neuen Justizpalais. Dieselbe ist dadurch bemerkenswert, daß die Eröffnung von: April bis heute wegen eines Konfliktes bezüglich der kirchlichen Einweihung verschoben werden mutzte. Das Obergericht Lemberg oerlaugte, daß die Einweihung zuerst von der katholischen Kirchenbehörde' vorgenommen werde, während die Ezernowitzer Gerichtsbehörden die griechisch-orientalische Kirche bevorzugten. Der Streit «zog sich in die Länge, und man glaubte den Ausweg damit gesunden, daß man, die Vervder Prosessoreukarriere zu erlangen, die sie als Juden niemals erringen. Um mm jedermann klar zn beweisen, daß sie nichts mehr mit den ehemaligen Stammesge nossen weder gesellschast- . sich, »och geistig, noch moralisch gemein' haben, werden sie Antisemiten, verfolgen die Inden, stimmen ein in' das lauteste" Gekläffe und Gejohle gegen die Juden, werden' ihre unverschämtesten -und verlogensten! Ankläger, und diese Charakterschlechtigkeit ivird daun noch von' 'den einsichtigen und besseren Christen' der 'jüdischen 'Abstammung auf Rechnung geschrieben. Vielleicht auch nicht mit Unrecht. Denn es mutzte doch dew 'Denkern im Judentum anffallen, warum gerade bei uns Juden die große Anizahk der Ueberläuser, die mau ' aus den Verhältnissen noch erklären kann, auch Hasser and Verfolger ihrer früheren« Brüder ivevden und nur ans deren Vernichtung bedacht « sind. «Di'eses Rätsel zu lösen wäre eine dankbare; psychologische Aufgabe, die uns auch in der Gegen- « n>art von größtem Nutzen' sein' könnte, .denn die! Pfefferkorns sterben nicht aus. Jedenfalls' aber sollte die Gegenjwart zur j alten Methode znriickkehreu und die Apostaten! meiden, sie zu keiner jüdischen Gesellschaft zulassen.! Wir haben noch genug charakterlose jüdische Ge-! sellischäften und Vereine, die zur Hebung ihres « Vermeintlichen Renommees glauben, wenigstens i einen Para deck) risten als Mitglied besitzen zu müssen, daß er ihnen, wie es von Moses gesagt j wurde, ganz Israel answiege, und die jüdische 'Gesellschaft durch 'diesen einen, 'arischen Anstrich erhalte, und ist die Not um Arier so groß, daß kein echter Vollblntarier auszutreiben ist, so gibt man sich mit einem Neuchristen' zufrieden, und der einzige arische Christ in dieser jüdischen Gesellschaft ist der getaufte Jude. Die getansten «Inden suchen uuerkkärlicherweise am liebsten die von ihnen gehaßte und verachtete jüdische Gesellschaft ans, denn da genießen sie wenigstens die Ehren eines Christen, die sie in der neuen christlichen Gesellschaft stattgesnu>dener Tause vergebens erstreben. Aber noch charakterloser ist es von den Juden, dieser Apostaten sich zuzugeselleu. Diese verderben den Ton' und den Geist der jüdischen 'Gesellscha'ft nn.d sind stete Missionäre, denn um ihr Gewissen, wenn es mitunter für« Augenblicke erwacht, zu beruhigen, wollen sie auch andere Juden für den Abfall gewinnen, ja sie möchten alle Juden zur Taufe zwingen, damit sie nicht vereinzelt dastehen und die einzigen E ha rattert ose n seien. Darum hinaus mit den Getansten ans den jüdischen Häusern, ans der jüdischen Gesellschaft und der jüdischen Kameradschaft! „ES tut mir in -der Seele weh, wenn ich mich in der -Gesellschaft seh'", würde gewiß an dieser Stelle R. Jsak b. Srheschel Barfat, der 1366 geboren und 1166 gestorben ist, ans rufen. Doch hat ihn das trairrige Schicksal der spanischen Iutreter beider Kutte gleichzeitig die Weihe, aber in verschiedenen Trakten des «Gebäudes vornehmen lassen wollte. Schließlich gab das Lemberger Oberprüsidittm. nach und die Eröffnung konnte vor sich gehen. Zuerst weihte Erzbischof Repta das «Gebäude nach griechi'sch-orientalischeur «Ritus und in Zwischenräumen von je einer halben Stunde der Prälat Schnridt nach römisch^katholischein, Dlomherr Kosteeki nach griechisch - katholischem, Domherr Kasprowiez nach armenisch-katholiischeim, Prediger Fronins nach 'evangelischem und Oberrabbiner Dr. Rosenfeld nach jüdischem Ritus. Ein Stückchen Ansliesernttgspolitik. Der Berliner „Jüd. Presse" schreibt man aus Frauiksurt a. M.: Einen komischLii Beitrag zur Ausltefernngspolitik hat der Jahreskongreß der Internationalen Kriminalistischen Vereinigung, die in der vergangeneic Woche hier tagte, geliefert, nämlich die Proklamternug des Satzes, daß es die Pflicht der Regierung sei, ans gesetzgeberischem Wege dafür zn sorgen, daß „unser Volk rassenrein von fremden Bestandteilen gehalten wird". Mlan wird sich vergebens fragen, was Rasfeureinheit mit der „Jinternationalen. 'Kriminalisttschen Vereinigung" zu tun habe. So viel wir wissen, will diese Vereinigung darauf hinarbeiten, daß, auf deni Gebiete des Strafrechts iw allen Kulturländern gerechte und veristän«dige, dem Empfinden' der Kultnrmenschheit angepaßte Grundsätze und AussührnngsbestiniM'ttngenPlatz greifen, und es klingt auch ganz plausibel, daß die Bereinigung in Erfüllung ihres Programms — was jetzt hier in Frankfurt geschehen ist — 'die Ausarbeitung eines Allslieserltngsgesetzes in Anregung gebracht und die Einführung eines solchen Gesetzes in allen Ländern, zu beantragen' be'fchlossen hat. Das Komische dieses scheinbar humanen und unpolitischen, ja scheinbar antipolitischerr Beschlusses liegt aber darin, daß die Hauptperson bei dem Anträge der Referent, «ein Tübinger Professor, den Eindruck erwecken mußte, als halte er ein Ansliefernngs'ge'setz nur deshalb für erforderlich, weil heute zn wenig A'Uslieserungen erfolgen, weil es an hiureichicuden Handhaben zn einer umisassen'- deren Iluskieserungspraxis N'och sthle. Selbstverständlich denkt jeder 'verständige Mensch, sobald er davon vernimmt, daß ein Auslieferungsgesetzentwurs beraten oder ausgearbeitet werden solle, nur daran, daß die Regelung der Anslieseruugsoerhältnisie im Sinne humaner, moderner An'- schauungen und «zwecks Verhütung von llebergriffen' der in ihrer WMVür heute kaum beschränkten Beamtenschaft erfolgeir solle, und nach außen hin findet die „Internationale Kriminalistische Vereinigung" auch nur deshalb in dieser Angelegenheit Beifall! und Danksagungen, weil eine anderweitige Auffassung, vor allem also ein Vorschlag, den besiehende>n Zustand zu verschlimmern, als ganz undenkbar erscheint. Ja, man kann, überzenigt sein, daß dte meisten' Mibglie!der den in noch schlechtere Gesellschaft Mb rächt. Er mußte die schrecklichen Verfolgungen erleben, die im Jahre 169t von Sevilla aus über alle jüdischen Gemeinden he re inb rachen, die schön'sten und größten Gemeiudru vernichteten, Hunderttansende dem Tode und ebensovidle' der Kirche, rvenu auch nur zmri' Scheine in die Arme trieben nnd das Heer der Marannen hervvrbrachtett, die die Inquisition in Spanien nnd die Vertreibung der Juden ans Spanien znr Folge «hatte. «Diese Katastrophe, die die Inden Spankeus ereilte, verankaßte auch Jsak ans Spanien zn wandern und im hohen Alter nach Afrika zn gehen, wo er znm Oberrabbiner von« Tlemren und Algier ernannt wurde. In Spanien wurde er, als „dio katalvnische Größe" bezeichnet, genoß wegen seines festen Charakters großes Ansehen. Er war «die feste Säule des Talmud, der i«hln über alle Wissenschaft ging, zu der er eine feindliche Stellung einnahm. Er wollte Naturwissenschaft nnd Philosophie gemieden wissen, weil sie die beiden Grundpfeiler der Thora, die Schöpsungs- und Vorsehnngslehre der Thora erschüttern, weil sie das Wissen höher stellen als den Glauben, und weil sie gegen die Wunder Z«meisel anregen. Als ein Zeitgenosse, der greise Rabbiner von Pampelnna, «Chapim b. Galipapa einige Neformen einsühren wollte, trat er mit der ganzen Macht seiner Autorität dagegen aus,' selbst die unbedetttendste Nenernng, die auch im Talmud gerechtfertigt war, wie die Vorlesung der Megillah KKCBS AFOTOCKC 5. niTTELB/ICn Wien, Hoher Markt Nr. 8 (Palais Sina) im Zsahumdsr Stadt. ♦ Fetroi-Haargeist. Ein hervorra^endeH Mittel zur Stärk« de^ Haarbodens und dar Haarwurzeln. Preis 1 FJascbe 2 Kronen.