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Nationalzeitung · 1906-10-09 · Heft 72 (9.10.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 72 (9.10.1906)
Date
1906-10-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 NatioiralAeikMk Nf. 72 wach werden, mm einen erfolglosen Kampf zu beginnen, oder ein wenig ruhnwolles Kompromiß einzugehen .... Wir wollen iit einer Reihe von Artikeln alle die Fragen beleuchten, welche mit der Institution der Knltusgemeinde im Zusammenhänge stehen, und einer gründlichen Besserung bedürfen. Heute sei bloß auf das allgemein Prinzipielle hingewiesen. Die Taktik in Sachen der Kultusgemeinde wird sich von Grund auf ändern müssen, an Stelle des Schlagwortes von der „E r o b e - r n n g", wird die tatsächliche Gewinnung der Kultusstube treten müssen, indem man sich unaufhörlich mit ihr beschäftigt, auf ihre Schmerzen eingeht, sie aber auch von außen her beschäftigt. Anstatt die zahllosen Programme zu häufen und sie in Archiven vermodern zu lassen, wird man an den Kultusvorstand mit konkreten Allregungen und Forderungen herantreten müssen, um ihn auf diese Weise zur Stellungnahme tut gegebenen Falle herauszufordern. Mit einem Worte: der Kontakt zwischen Volk und Vertreter muß hergestellt werden und ständig aufrechterhalten bleiben. Wenn dies geschieht, wird die Kultusgemeinde selbst zu politischen Aktioneil herangezogen werden können, ohne daß ihr gesetzlicher Rahme:: dadurch überschrittet: Mrde, abgesehen davon, daß durch eine konstante Wechselwirkung zwischen Vorstand und Gemeinde die gesetzlichen Befugnisse der Gemeinde auch von selbst sich erweitern würden. Um aber für diese nationaleil Forderungen im Kliltusvorstailde auch das nötige Verständnis und Wohlwollen zu finden, ist es gewiß notwendig, Männer von diesem Verständnis und Wohlwollen in die Gemeindevertretung zu entsenden. Und niemals war hierzu die Gelegenheit günstiger als fetzt. Der Ruf nach neuen, tatkräftigen Männern dringt aus allen Kreisen der Wählerschaft, die alte, altliberale, fanatisch assimilatorische Clique verfügt über keine Menschen mehr. Eiil Teil ist weggestorben, der andere weggetauft und der Rest ist zu kompromittiert, um noch in Betracht gezogen werden zu können. Eine gesunde, verständnisvolle und arbeitswillige Opposition hat es heute in der Hand, die Wiener.Kultusstlibe zu — gewinnen! Moralische Erfolge der Jto. Wenn von den bisherigen Wirkungen der füdisch-territorialistischen Bewegung die Rede ist, so bemerken ihre Gegner hämisch, daß sie nichts als Lehre Versprechungen und vage Hoffnungen gezeitigt habe, und auch die Freunde der Bewegung wissen oft nichts Ter Vater wird allerdings freigesprochen, während her Sohn Urteil und Opfer mit dem Opsermnte eines Helden auf sich nimmt. Dieser Sachverhalt konnte einem nur einigermaßen erfahrenen Richter nicht entgehen. Es gehörte wahrlich nicht viel Geist dazu, diese Tragödie in dem Strafprozesse -herauszufinden. Ich habe bereits bemerkt, daß beide Angeklagte orthodoxe Juden konservativster Richtung waren. Den jungen Sohn, -der sich für seinen Vater opferte, hat dieser Vater in »den Traditionen der orthodoxen Judenheit Galiziens erzogen, er hat ihn daher keinerlei modernes Wissen sich aneignen lassen, svnderll nur notdürftig deutsch schreiben und lesen gelernt, während er von talmudistischem und biblischem Wissen seinen reichlichen Teil erlernt hatte. Daß -also dieserArrgeklagte einer anderen Sprache als der indischen, die man fälschlich Jargon nennt, ldie Polen selbst sagen: ,/po zydowska) nicht mächtig war, versteht sich ja in Galizien von selbst. Und diesen Helden, dessen Tat jedermann Ehrfurcht einflößen sollte, diesen dreifach Unglücklichen l unglücklich, weil er im Bewußtsein seiner Unschuld die Qualen einer Verurteilung duldet, unglücklich, weil er ein Angeklagter ist und unglücklich, weil er ein jüdischer Angeklagter vor einem galizischen Senate ist) schnauzte der Vorsitzende des Gerichtshofes mit den: liebenswiirdigen Zurufe an: „Was sprechen Sie hier für eitle schweinische Sprache, bei uns mrn—hbmr« tfasserdlcha! QttruchloaI Besseres zu sagen, als daß die Jto in allernächster Zeit sicher alle Zweifler und Hasser zuschanden machen werde. Gewiß, auch wir glauben mit aller Bestimmtheit feigen zu dürfen, daß in recht absehbarer Zeit ein wertvolles Tcrritorialprojekt allen: Gerede und theoretischen Diskutieren praktisch ein Ende setzen lvird. Inzwischen aber lohnt es doch, einen Blick auf die ur o r a l i s ch e n Eroberungen zu Wersen, die die Jto in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon gemacht hat. Ich exemplifiziere zunächst auf die leitenden Persönlichkeiten des Hilfsvereins deutschen Inden. Der unermüdlich tätige Dr. Paul Nathan hatte sich vor Jahresfrist, unter allerlei Vorbehalten noch, für das Programm Zangwills erklärt, aber noch nach den Oktobermassakers ausdrücklich sich zu der Auffassung bekannt, daß die russische Jndenfrage nur in Rußland selbst ihre Lösung finden müsse. Inzwischen ist diese große und kraftvolle Organisation mit fliegende:: Fahnen in das Lager der Jto übergegangen; das erhellt deutlich ans einem uns zur Verfügung gestellten Antwortschreiben, das Herr James S i m o n auf private Anfrage postwendend ergehen ließ. Es heißt da, „daß der Hilfsverein der deutschen Juden mit den anderen Organisationen zur Zeit ernsthaft damit beschäftigt ist, die Frage von Massenverpslanzungen russischer Glaubensgenossen in geeignete Länder zu studieren. Es sind uns bereits Kapitalien zugesagt worden für den Fall, daß wir plausible Pläne vorlegen können. Sie dürfen also überzeugt sein, daß in der Bearbeitung dieser uns allen am Herzen liegenden Frage weder Zeit noch Mühe gespart wird". Noch interessanter ist ein völliger Umschwung in der Haltung der I c a. Man erinnert sich Wohl, daß H e r z l beim ersten Austauchen des Ugandaprojektes vergeblich bei den Verwaltern, der Baron Hirsch-Stiftung um gemeinsame Ausrüstung einer Forschunczserpedition anklopfte. Es wurde ihm bedeutet, daß man sich darüber erst verständigen könne, wenn die — von der englischen Regierung glatt zugestandenepolitische tu t on omie aus demi Projekt ausgeschiedeu, dieses also auf die Basis der reinen Philanthropie gestellt würde. Mau denke: der vortreffliche ideelle Bestandteil des englischen Angebots, das von einer christlichen Großmacht großmütig offerierte politische Privileg für eine Judenausiedluug wurde von der größten jüdischen Wohlfahrtsgesellschaft perhorresziert. Jetzt ist die Jca selbst dabei, für ein größeres Terrain in Argentinien sich die Autonomie zu sichern und sie versuchsweise den neuen Ansiedlern zu gewähren. Darüber hinaus aber isc die Jca nunmehr im Prinzip bereit, wie das Organ der englischen Jto wiederholt berichtete, Zangwill in der Ausführung seiner Pläne zu fördern. Aehnliche Wandlungen wie bei diesen bedeutenden Gesellschaften hat der politisch-territorialistische Gedanke nun auch bei führende!: Persönlichkeiten der Judenheit hervorgebracht. Lord R o t h s ch i l d hatte an: Ende vorigen Jahres den Mut, in Gemeinschaft mit mehreren Häuptern des englische!: Judentums ein Pamphlet gegen Zionismus und Territorialismus in die Welt zu setzen; es schloß mit der Feststellung, daß nach wie vor in der Wohltätigkeit allein die Heilung der schweren Schäden gesucht werden müsse. Nun hat sich auch dieser „Fürst des Golus" für die Jto erklärt. Noch interessanter ist die Mauserung von Lucien Wolf, der der höchsten Geistesaristokratie der englischen Judenheit angehört. Bis vor einigen Jahren ein Assimilant ersten Ranges, war er einer der erbittertsten Vorkämpfer gegen beit Zionismus und befehdete ingrimmig auch den Ugandaplan, dem. er die urkomische Idee jüdischer Großkolonisation in Rußland entgegenstellte. Als es Zangwill dam: gelang, de:: bisherigen Antipoden für die Jto zu getvinnen, verband Wolf mit derartigen Plänen immer noch die Vorstellung, daß sie vor allen: daraus abzielen müßten, russische Juden in einer englischen Kolonie zu „guten Engländern" ZN assimilieren. Heute ist Lucien Wolf Leiter des hervorragenden englischen Jto-Organs „Jewtsh World", das auf jeder Seite modernes Judentun: atmet und seit kurzer Zeit regelmäßig eine Jargonbeilage' bringt, mit Beiträgen von Sokolow, Frischmann, Asch, Perez und durchaus nationaljüdisch gefärbt. Und der alte Zionistentöter erklärt heute freimütig, daß er, wem: auch immer noch nicht Nationalist, bereit sei, den Zionismus zu unterstützen, sobald er Palästina als autonomes Territorium darbrächte! So hat der Territorialismus die führendcu Kreise der Judenheit dem Gedankeninhalt des nationalen I u d e n t u m s immer näher gebracht und sie zugleich für eine Lösung der wichtigsten Gegenwartsausgabe gewonnen, die voi: vornherein nicht nur philanthropisch, sondern auch politisch ist und die am letzten Ende nolens volens der nationalen Kultur dienen muß: K o n z e n t r a t i o i: der j ü d i sch en ln s s e n a u s w a n d er u ng unter de n B e d i n g u it g e n der p olitis ch eil Frei h e i t und selbstv e r w a l t u n g. Auch die Z i o n i st e n, die in dem Meimmgswirrwarr sich soviel Klarheit bewahrten, im: vorurteilslos die Entwicklung der Dinge um sich herum zu beobachten, müssen spricht man entweder polnisch oder ruthenisch." Daß das Gesetz viel menschlicher ist, wie dieser Vollstrecker seiner Befehle, indem es konform der der Bibel den. Richtern befiehlt, mit den Angeklagten in seiner S p r a ch e zu reden, und wenn dies nicht tunlich ist, einen Uebersetzer beizuziehen, ist bekannt, ebenso bekannt ist es, daß in Galizien jedermann, der nur -einigermaßen mit der Außenwelt Verkehr hat, also ganz besonders eiic Richter des Indischen soweit mächtig, um zu verstehen, was der Jude sagt. Aber was gelten Rücksichten auf Verkehr, Humanität und derlei Kleinigkeiten in Galizien, wenn .es sich um einen Juden handelt! Diese, mit dem Gesetzein Widerspruch stehende Rücksichtslosigkeit und Roheit des Vorsitzenden füllt aber im Lande, wo sie geschah, nicht weiter auf! Angeklagter und Verteidiger haben also auch diese Episode des Strafprozesses als selbstverständlich hinge nomnile-n. Und in diesem Lande sind die Juden Mameluken der Polen und ficiilcn ihnen zur Erreichung lhrer Despotie und Unterdrückung aller anderen Nationen blind Gefolgschaft! Gerade die Wahl in Brody-Zlaezow 'hat diese Erinnerung in mir wachgernfen nnd ich erzähle sie meinen Glaubens- und Volksgenossen, damit sie bei den nächsten Wahlen hingohen und nicht desgleichen tlln. Ms zum Jnskeben treten der Wahlresorm werde ich noch manches schöne' J-udengeschichtchen aus Galizien erzählen, um die Juden auszurütteln. -Sie mögen anshören, jüdische Polen zu sein und wieder polnische Juden werden. Jüdische Certtelwrien im Jahre 1906. (ScWiiß.) Das Schandmal, das Pfefferkorn dem. jüdischen Rainen ausdrückte, .wolle:: wir so wenig der Vergessenheit anheimgeben, wie die Griechen ihren Herostrates vergaßen. Im Gegenteile, wir müssen 'heutzutage wehr als jemals unser Augenmerk ans die Apostaten richten. Waren schon in: ganzen Mittelalter die Apostaten gehaßt und verabscheut, uiieil ans ihnen sich die Nievlaus Donin, Pablo Ehristiano und Hieronymus de Sta. Fe rekrutierten, weil sie das Material zu den Denunzianten abgaben nnd um sich so recht bei den Christen gesellschastssähig zn machen, die größtmöglichen Lügen -nnd Verlenmd-nngen gegen ihre Stammesgen offen vorbrachten, so setzt sich dieses Manöver in 'der Gegenwart fort. Alle jüdischen UeberlÄnser und Täuflinge werden Antisemiten und müssen es in: naMrliche-n Lause der Dinge sein. Denn die getaufte n 'Juden sagen sich von den Juden nur kos, um leichter irgend eine Stelle in der Beamten- Sf Reform -Scbweissblätter

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