Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 71 (2.10.1906)
- Date
- 1906-10-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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iNr. 71 Nationalzeikmg!ö*cr Ito und der Leitung der zion-isti scheu Federation in London, serner mit der Jea in Paris, 'dem Hilsso-erein der deutschen Juden in Berlin A-nd 'd-er zionislischen Zentralleitnu-g in Köln. Herr Lvlllde ii'it'ökvk bereits die Lage d«r jüdischen Bauern in Palästina, woselbst er sich z-w-ei Jahre liaiNg anshiell, mrd oerschasste sich daselbst die Ueberzengung, das; -die Ariden sich sür die Landmirlschaft vortriesslich eignen und unter günstigen Verhältnissen Vortreffliches zu leisten imstande mären. Der ssztuldemokratische Parteilüg in Mrumhem. Gehö'ät der Mich in ein. jüdischen Interessen gewiOmeteS Blatts Das JlMvii-tum im allgemeinen und 'den Zionismus im besonderen, identlsiziewu sich doch mit keiner politischen Partei, sondern, stellen es jedein frei, welcher R'icztuttg er sich im. politischen Leb-cnanschließen will! — Das ist richtig. Aber eben deshalb, weil der Zionisinus v.v Konsequenz dieses Grundsatzes auch Sozialdemokraten in seinen Reihen hat, beabsichtige! ich, in folgendem auf eine Ana-loqi-e aufnrerksanr 31t machen, die zunäbst für die sozialdemokratischen, dann aber auch für die ziott-e-zio-nislisch-e.n Mitgliederunserer Organisation. Zugleich untechaÜ-end, nützlich! und belehrend sein wird. In dien Resolution D e b e l zunr Thema „Massenstreik" heißt es: Ti e G e -w e r k s ch affen; s i 11 d u n - u m. g ä n g l i ch. n 0 t w; e n d i g e O r g a n is a t i o_ n e n> f ü r d i e H -e b u. n g d e r K l a s s e 0 I >a g e d e r A r b e i t v r i n ne r- 'h a l b d> e r b ü t g e,r. l i ch e in Gesells ch. ä ft. Dies e t b e n st e h e n> a. m W i cht i lg feit h t n t e r V er [031 a I d e m. 0 - k r a t i s ch; e n P a r t e i n i ch t z itr ü ck, die den; Kampf für die Hebung bei: Arbeiterklasse und ihre Gllichberechfigung mit den. anderen Klassen der Gesellschaft auf politischem. Gebiet zn fü'lMni hat, im weiteren aber über diese ihre nächste Aufgabci hinaus die Bcsvemng der Arbeiterklasse von! jeder Unterdrückniig und Ausbeu>tun!g durch AMebun-gdes Lohttsystems und die Ovganisation einer! aus der sozialen Gleichheit aller beruhenden' Erzeulgunigs- und Austauschweise, also! der sozialistischen' Gesellschaft, erstrebt. Ein Ziel, das auchder klassettbewußte Arbeiter der Gewerkschaft notwendig erstuoben muß. Beide Organ>isationeu sind also öfters in ihren Kämpfen' ans gegenseitige Verständigung und Zusainmenlvivken angewiesen. Um. bei Aktionen, die die Interessen der Geiverkschaften und den Partei gle.i'chünäßig. berühren, ein einheitliches Vorgehen herbeizu.- führen^ sollen die Zeutralleitungen der! beiden Organisationen sich! zu> verständigen suchen. Die. Einladung zueiner solchen Beratung hat diej-enige Zentrallei hing, ergehen zu lassenvon der die- Anregung zu der Beratung ausgeht. Vergleichenwir: Auch in der sozialdemokratischen! Arbeiterschaft gibt es eine der G e g e n w a r t s a -r b e i t gewi-dmeie Organ isaki-on, das ist der Verband der Gewerkschaften. Dieselben; Arbeiter, die ihr angeboren,, sind zmn größten! Teil zugleich auch Mitglieder der Hauptorganisatiou, deren Arbeitsgebiet ausschließlich der Kampf um das Endziel ist. Sie erklären, daß sie uneingeschränkt auf dein Boden der Pa>rtet stehen, und das genügt B e be l, der doch dev Führer der radikalen,^ für die „reine Idee" kämpfenden Richtun-g ist. Er sagt nicht zu L eg i e n: Du Führer der Gewerkschaften' bist ein Sozialdemokrat zlreiter Klasse. Er gibt rückhaltlos zu, daß die Organisation der G e >g e u ln a r t s - avbeit uuuuuzänglich nötig, ist, daß sie au Wichtigkeit hittter der Partei des Endzieles nicht zu- 'rücksteht. Das ist loyal, und das beweist zrigleich Disziplin auch bei den Führern. Es zeigt aber außerdem auch Klugheit, dennso erlangt und beioahrt die Partei sich den notwendigen moralischen Eiuflliß auf die Gewerkschaften, durch den verhindert lvi-rd, daß die Nichtsvzialisteu das Uebergelvicht! in ihnen erlangen und den' Geist der Gelverkschastenbestimmen. Im Zionismus haben wir auch eine Organisation der G e g e n w a >v t s a r b e i t, das ist die Ito-. Wie Legi e n und andere Führer 0er Gewerk schäften, so erklären auch Za ngwi ll und die übrigen aus dem Zioniisln.us h.eroorgegaugc'neu Gründer und Funktionäre der Fto, daß sie nilwerändcivt auf dem Boden des Endzietos stehen. Aber das genügt unseren- Torquemadas bei: „reinen Idee" nicht. Sie errichten vielmehr scheiten Hausen für die zionistischen Itomitglieder- und suchen sie durch Kietzergarichte hernuszudrängen. Weil in der Itoaneh nicht nationna-l gesinnte Juden Mitarbeiten, fallen sie über diezionistischen; Riitglieder her, statt durch massenhaften Beitritt und durch ehrliche Mitarbeit dem Zionismusden wi'mschenslverten moralischen und tatsächlichen Einfluß zu sichern. Also', ihr jungen Bebels, gehet hin und lernet von. eurem Meister L 0 y a l i t ä t, D i s z i p l i u und politischen Ta kt! Dr. Emil Simonson. Offener Brief au Herrn Ingenieur Ussischkin, Mitglied des engeren Aktionskomitees. Anläßlich der vorjährigen großen Judenmassakers in Rußland haben verschiedene jüdische Organisationen' zugu-nsteni der Hinkevblieben-on der Opfer dieser Massakers sowie zugunsten derjenigen unserer Sta.mmesbrüder, ivelche wohl ihr Leben gerettet haben, aber ihre -ganze Habe verloren, Geldsamml-ungeni veranstaliet. Auch! das zionistische Aktionskomitee. Während mm alle anderen größeren Organisatiouen nach! Ab-schluß der Hilfsaktion in richtiger Erkenntnis ihrer Pflicht den Spendern gegenüber, selbst in Tagesblättern über die Verwendung der gesammelten Gelder Rechnung legten, ist dies bezüglich der von der zionistischen Organisatiou gefam-melten Spenden bislier nicht geschehen. Ta aus den Belichten über die letzte Kölner zionistische Jahreskonfevenz hervorgeht, daß das Aktionskomitee behufs Verteilung der Gelder ein.eigenes Komitae eingesetzt hatte, und es beka-unt ist, daß Sie, Herr Ingenieur, au der Spitze dieses „russischeu Komitees" standen, so obliegt naturgemäß zunächst Ihnen die Pflicht der. ösfentlicheu Rechuun'gDleguug. Mit Rücksicht nun darauf, daß in nichtzionistischen und selbst in ziouistischen Blättern eine scharfe Kritik über die bekauntgewordene Art der! Veirwendung dev von dev ziouisti schien Organisation gesammelten und von Ihnen verwalteten Spendeu laut gewvlden ist, sehe ich mich als einer derjenigen, der seinerzeit mich selbst cüii bei" Zionistischen Sammlung sowohl durch eigenen Beitrag wie auch durch Agitation für dieselbe beteiligt hatte, veranlaßt, Sie. auf diesem Wege zur öffentlicheu lRechnungslegung hieirmit aufzufordem. Ich muß dies im Interesse der Verunglückten Stanunesbrüder und im Interesse der nationalen Sache fordern. Hochachtll!Ugsvoll Ben Ammi. (/£a Ruine des Einseudcrs ist der Redaktion bekannt.) Eike Nncerreduug mit Prsseffor Vsurdsri. Vom Herausgeber der „Uugarischeu Wochenschrift", Herrn Julius G a b e l in Budapest, eirhalten wiir -eine Zuschrift, in welcher dieser zunächst seine.Entrüstung über das Verhalten des Herrn Triers ch, lvie es in dem Artikel „Denn Patrokitis liegt begraben" von Herrn Dir. S i m -o n f 0 u dul.gestellt wurde, zum Ausdrucke bringt. Dann heißt, es weiter: „Ich besuchte heute sofort den sehr verehrten Prof. Dr. Armin Vamberi, dev immer ein wahrer Fvenuld lind Baschüver des Judentums ist —- natürlich dovt, Ivo er es tun kann. Vamberi tvar es, der Herzt beim- Sultan als Zionist, als den Präsidenten des z i 0 u. i st. A k t i 0 u s k 0 m i t e e s v 0 r - st e l l t e. Vamberi war, als ich ihm Ihren Artirol zeigte, traf entrünet. „In meinem Namen sagen Sie es-" — rief Vamberi n. a. aus — „es ist eine besondere Geumuheit, den Toten derart zu beschimpfen. D e r S n t t a n h a t H e r z l n i ch t n u. r a l s Z, i 0 n i st e n e m p f a u lg -e n, s 0 u b e r n i ch u u d c t s i n d m i t d e m t 0 ß e n H e r r u" s 0g a r s ch 0 n z n -r B e s v r e ch u> u g ü b e r - g e g a n g e n, Ir i e v i e l d e m t ü r k i s ch e n t'l c v a r f ü r j e d e n n a ch P a l ä st i n a e t n w u n d e r n de n> I u de n ffcivi Kopf zu zahlen sein würd." Inder am 4. Oktober erscheinenden Nummer, meines Blattes wird die Sache genauer betiaudelt werden. M;it hä fl. Gruß I u l i u s G a b e l Chesvddakt-eur der „Uugarischeu Wochenschrift" Budapest. Hilfsderein Zer deutschen Juden. Ter soschäftssbhrende Ausschuß des Hilfsoereitts der deutschieu Jud-en 'hi-elt am 16. Legtember unter Vorsitz von Herrn- Jalues S-imoneine Sitzung -ab, in .d-er zunÄchst Herr Dr. Paul Nathan -über seine N-eife nach dcnßland, seine Unterredungen mit d-e-m Ministerprägdenten Ltolygin und dem Fi>n-anlanrinisLle'r Kv-ko-w-zew, dieauf -spezi-elle Au.ffvrderung des Ministers erfolgt lwaren, sowie über -seltne Rücksprache mit einer Reihe. anderer einflußreicher Persöulichteiteu -nähere Mitteilungen 'machte, -die in einer 'se-hr pe'MmM'schen Arvffassu-ng über -die nächste Zukunft -des Zarenreiches g-ipseilten. Er b-erichtete gleichzeitig über dieans dlnl-aß ö-er -Unglücksereignisse in Siedlec und des ör-o-heuden -Pogroins in W'arschan seitensdes H-il.sslvereines unternommenen Schritte. -Es -wurde -sodann für Schulen eine Reche von Bewi-lligung-en v-orgenommen und die Notwendigbeit betont, trotz -der furchtbar-en 'Verhältnisse in Rußland, b-ie eine dauernde Hilfsleistung erfor- -Lern, in -der Förderuttg der K-ullur und der roirts-chaftli-chen L-eist-ungsfäliigkeit der G-lanbensgenossen i;m östlichen Europa und im Orient fortzufahren, soweit es die regulären Mittel des Hilssvereins irgendwi-e g-estatt-en. -Nachdem Kinder-g-ürtelr in Jernfalem (-hier wird bereits der dritte Kindergarten eingefich-rt), Jaffa (2 Kindergärten) und Safed ins Leben gern f-en sind und nachdem durch sein Lehr-ers-emi-n'ar in Jerusalemgeeignete L-ehvkräfte b-erangebild-et sind, geht der H'ilfsiverein daran, Schulen >z-u begr-ünid-en, die den lna-nnigfa-ch-eu Ved>ürfniüen der verschiedenen Bevöltiern-ngsblassen Rechnung tragen. In Jeruisalem ist im Herbst vorigen Ja'Hves eine Alädchenschnle eröffnet worden, die- -sich des lebhaftesten Zn-sprnchs erfreut, und die -Errichtung einer sechskl-assigen Knabenschnle in Jaffa hat im April stat-tgesttnden. Auch die in Palästina bestehenden Bildnngsanstalten fördert der Hilfs>verein nach; bestem Können. — Für die Lernelchnle, eine sich des höchsten Anse-Hells erfreuende Lehranstalt in Jerlcsalem, die in diesem Jahre ihr öOjähriges Jubiläum feierte, hat der Hilssoerein eine S-ndverrtiou voll 5000 Mk. zullächst für das Jahr 1007 bewilligt. Es ist in der Sitzung des geschäftsführenden Ans-schnsses ferner beschlossen worden, in- Jernsakni eine dreitlassige Mittelschule mit eingefügten 'kvmmerzicüen Kursen zn begrü»l-den als Fort-- setzllng der Lernelschule. Da die Lehrer, die am Seminar ansgebildet -worden sind, zum erheblichen Teil in die jüdischen Kolonien gehen iverden, so sollen a-nch ferner in -kürzester Zeit theoretische und praktische la-ndivirtschastliche Kurse in a ll s gebe Hute re m Ntaße am Seminar eillgesühri.werden. Als L-ehrfä-cher der Aliitelschnle mit kvnlmerzielien Kurseg sind in Anosiclu genommen: Hebräisch, :)kli0kuixViuitereicht, Deutsch, und zwar Deutsch und Hebräisch als Unterrichtssprache, im übrigen soll der L-ehrpkan dein der nloderne.n deutschen Real- und HandelSschllle entsprechen. Ferner wurden beivilligt: Für die Zentralbibliothek in Jerusalem 200l) Fr. Für die Talnlnd-T-hora-Schnle der Setzhardirn in Jerusalem, die dalnit urngeht, unter Wahrung ihres spezifisch religiösen EharakterS de,n Uliterricht dem Ersvrderllissen der Zeit anzupassen, hat der Hitssoereill für das biö znln April 1007 lansende; Schuljahr 550 Fr.