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Nationalzeitung · 1906-10-02 · Heft 71 (2.10.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 71 (2.10.1906)
Date
1906-10-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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üeiio 4 Nationcilzeitrmg Nr. i\ selbst rottete wie er konn-te, mW Die?a'4ie bauen ist, Da)j wir bente. nach vier Jaimmnd-euer, vor derselben .Lawslropl)i slchen. Ich verurteile nicht die aenielt Flüchi-Iinge, von denender eine da har, der anidere dondin fiiVd>tetc, aber ich verurteile ihre Nachloinmin, :r.i! sie n-och immer uon dar Hand in den Bcnnd leben. Wir haben in jedem- Lande Triumphe geseirrt, min haben mehr oder weirig-er bürgerliche und religiöse Elleichiderechligiing erlangt, aber der Mangel jeder allgemeinen jüdischen- Politik lies; uns nach wie vm nngeeinigt, tlnarganisiert und passive, hilflose Attgeirzemg-eir organisietter Abschlachtungen' unserer Brüder rrerdene ltnD so sind wir nicht nur unfähig, dem Movdeu Einhalt zu gebieten, sondern Ivir [inb nicht einmal imstande, die Auswondeirnng so zu dirigieren, daß rmseve jüdischen Kräfte, anstatt zersplittert zll sein«, zn dem Zwecke konzentriert werden, rim die politische Bracht nütb Sicherheit unseres Volkes herbeiznführen. Diese fehlende, ober unbedingt notwendige Sr-ganisalions- Ntaschinerie der Answaudernngsbewegmtg will die Iw zunächst arsetzcn. Wir proklamieren von nettem den (Mnndsatz, daß die brennendste Tagesfrage die einzige Frage bildet: „W oh in?", und daß, wenn, die Antwort auf dieses Rätsel des Sphinx gefrmde-n ist, dar ganze Emigration^ström auf einnial oder stoßweise nach diesem einen Ziel gelenkt werden müßte. Das Prinzip der Iw ist die Honzenlirierung des Volkes und die Hintantzaltung einer Weiteren Zerstreuung des bereits zu sehr zerstreuten Volkes. Die Antwort aus die Frage: „Wohin?" muß irgend ein Land, und m»v ein Land sein, lind die Einwanderer müssen in diesem Lande Zumindest jene Freiheiten genießen, wie wir sic in England besitzen. Ist das zu wählende Land ein noch, wildes Territorium, so müssen sie eine .gewisse Form der Autonomie erhalten, ist das Land ein unkanstitutionollcs Land wie z. B. das türkißhe .Reich, so müssen ihnen die festesten Garantienfür eine lokale Autonomie gewährleistet werden. Mit einem Worte, wir sind der Ansicht, daß die Autonomie hauptsächlich darin zu bestehen habe, daß die Einwanderer in ihren' eigeinieti Angelegenheiten das ausschlaggebende Wort zn sprechen haben und nicht etwa beherrscht werden' dürfen wie die Russen, die Türken-, Hindus oder.Neger. Welches ist aber der Na m e n d i c s c s „W o h i n?" Wie soll die Antwort auf diese große Frage lauten? Das wird, hoffe ich, soweit menschliche Weisheit es übevhaupr zu entscheiden' vermag, i m n ä ch st e N' Fr ü h j a h r e n t s ch i e d e n s e i n. Der Oeffentlichkeit ist es ja bereite bekannt, daß ich auf der jüngstens Versannnl-ung unseres Conseils die Ermächtigrmg erhielt, Hannes Pfefferkorn, endlich fällt auch der Tod des R. Jfak b. Scheschet INiwasch) in dieses Jahr lnach Grätz t3N8'?j. So weit anch die Abstände dieser drei Namen voneinander sein mögen, der sie aneinander reihende Gedanke ist der Talmud. Es ist wohl die seltenste Gedenkfeier, die jemals veranstaltet worden wäre, ein Unilnm unter den Festlichkeiten, eine Erinnern na an eine vierhnndertjührige Grammatik, die weder zu den großartigsten Schrister?.etlanissen gehörte, noch als Grammatik einen besonderen Rang beanspruchen konnte und die heute kaum mehr in einer Bibliothek auffindbar sein dürfte. Sie hat aber die Bedeutung, da-ß sie von einem Ehristen, vor, einem gelehrten Philologen wie Renchlin geschrieben war und den Zweck hatte, die Ehristen nun Sind in in des Hebräischen zu führen. Diese Liebe Renchlins zum Hebräischen rettete den Talmnd, das; er nicht durch die Niedertracht des böhmischen gelansten Inden Pfefferkorn nrid seinen Helfershelfern, deil Dominikanern, in wöln verbrannt ivrirde. Sv traurig und für uns Juden beschämend die Nolle des Apostaten Pfefferkorn erscheint, der schon?,u den typischen Gestalten der getauften Delilln-Ja Uten gezählt werden mns;, so erhebend für das jüdische Be-wnßtjeiil ist das selbstlose Eintreten Rench'lins für den Talmud und das jüdische Schrifttum. Bei allen Mißgeschicken, die das Jndenlnn, and das jüdische Volt im Laufe der Zeiten lu-imman n, ist es doch eil: ivahrer Trost, das; -es doch von Zeit - zu Zeit vorurteilsfreie und erleuchtete Geister gegebell hat, die sich selbst durch äußere Ansechtungen und Verfolgungen llicht irremachen ließen und der Wahrheit die Ehre gaben. Dieses Berbcliufs Ansfinbigumchung der besten« Löslmg eine Kommission! zusaiinnenzustellen. Ich bin, min in Dir glücklichen Lage, der Bersemuillung die Mitwiiung zu machen, d a ß e s »r i i g e - g l ü ck t i st, d i e Bl i t a r b c i 1 s -u l eh e r Bl ä it n e r z n g e w i n n e n, d e i e n N am e n, sobald sie veröffentlicht werden, d e m j ü d i j ch e n B o l k i n d e r g a ir z e ir W e l l di e voll e tä 0 m a h r o a f ü r b i e t e uw e r d e nd a ß dies e ü b e r - a n v s eh! lv i e r i g e F r a >g e s o g u t n n b s o i e ck) t )v i e n li r i >r g >e n d in ögli ch j w i r d b e a n t )v o r t e t >v e r d u n, j Die Aufgabe! dieser Männer wird es fein, I es herausztlifmdelr, lme -unfeve Emigmlion am! besten organisiert wiilü, um e i n- Bl a x i m n in i d e r m o m e nt a n c n R' e t t it n g m i t i e i n e m Bl a r i m u ur v o n p o litis ch e r! L i ch -e r h e i t n n p o liti s che r Bl a ch! t! f ü r d i e Z ti k n n f t z u v e r b i n d e n . Es! ist ein beklagenswertes Blißgefchick, daß der - grüßte Teil der jüdischen Massen in i Allißland dem elend-eßenaller Länder lebt, j denn! unter and eilen 11 mftainben. mih-ben! sechs Millionen! Inden eine ungehen.re! politische Macht bLd-eullm. Würden! diese i sechs Alillionelr- Bl-enschen in ihrem eigenen i Lande oder alich nur im einem konstitutionellen; Laude leben, so wären sie für die übri-g-rn Juden! nicht Il-ur feine Last und ein immerwährender j Alpörluk, b-ct übrige Teil des Indentnins wübde i vielmehr von jenen Alraft und Lebenslust holen, i Stellen Sie sich> d-mural die Macht von sechs! Millionen! freien Juden vor-! Diese Millionen; Itwen aus dem Land>e der Knechtschaft in ein i Land vor Freiheit zu führen' und daselbst diese I politische Macht ansznbauen: das ist die rieseni hafte, aber allmählich anszlisühr-ende Ztusgaibe,! tvelche die Ito sich vorgesteckt un'd für welche sie bereits die Sympathien des größeren Teiles! des jüdi'schen Volkes besitzt.; Eine Bersammlrrng in Wiülyftok. \ In Bialystok fand vorige Woche eine s große Territorialiftenversammlung statt, in welcher j der Schriftsteller und Redakteur des Jto-Organs i „Jewreis kij Golos“, L. Paperin, der als! Mitglied des Conseils an der Londoner Konferenz! teilnahm, das Referat erstattete. I Nach einem ergreifenden Nachrufe für die i Opfer der Judenmaffakres im verlaufenen Jahre, i führte Herr Pa per in folgendes aus: i Unsere Gegner machen sich der Oberflächlichkeit i und Leichtfertigkeit schuldig, wenn sie ausstreuen,! daß das Programm des Territorialismus aus- > schließlich auf die Pogrome basiert sei. Die Motive, j aus denen der Territorialismus hervovgegangen ist, entspringen vielmehr aus den tiefsten Bedingungen i des jüdischen Lebens. Allerdings sind die Pogrome j geeignet, das jüdische Selbstbewußtsein zu wecken,! bienst um das Jude nt um unb den Talmud erwarb sich Renchlin nub -den Z'luögaligspuntt bildete seine hebr. Granmmbkk, in -welcher wir Neu-chlins Verdienste -ehren rrnd anerkennen. iSchlutz folgt.) Die jüdische Volkssprache in Jernsalem. Ein Korrespondent des Londoner,.,Ha-jehvvdij" schreibt ans Jernisalem: Wo immer man aus der Straße -geht, Hort man die Juden kein einziges Wort Hebräisch sprechen, alles 'spricht Jargon. Selbst nus-ere Ausgetläriereu und die Hörer unserer Lehranstalten bedienen sich mit wenigen Ans.'.ahmen des Jargons als Verkehrssprache. Ich war bei einer HerM'ier anwesend, da tonnte man säst alle Modernen beisammeusinden und alle sprachen Jargon. Nur die Reden wurden in hebräischer Sprache gehalten. „Ist das nicht eine Schande!" ruft der enttäuschte Verichlerslatter ans. „Als ich noch in stiußlan-d war," heißt es zum Schlüße, „da dachte ich, daß man in Palästina, und byonbers in Jerumlem, nur Hebräisch spreche, und ich lein Jargonwort zu Hörer, betvmmcn werde'. Als ich aber hierher kam, sah ich, ivie arg ich mich getäuscht habe! ..." Solche Tänschnngen sind schon andere >l anch pa-jsi-crt. Karlsruhe. Zlian Anden-le,l an die Jllbetseier des Grvßherzrnzpaares -haben Oberrat uild Synodakansschnß der badischen Israeliten den Elitschlllsi gefaßt, tu dem Svvlbade Dürrheiin eirr Hospiz für israel. .Kinder ,lnd rninderbemitkelte Erwachselie zu errichtell. ) und besonders die Bialystoter Kacastrvphc hat auf die Judcn einen miauslöschüchen Eindruck geübt, wie die Inden ja überhaupt leider dar schärfsten Mittel bedürfen, um zum Verständnis ihrer eigenen Lage, zu gclangen. Die Wirkung der Pogrome darf nicht so sehr nach der Zahl der physischen Opfer als vielmehr nach dem Anwachsen der Emigration gemessen werden. Und biefe Emigration, ohne Ziel und Plan, zerstört unseren ganzen Volksorganismus. Die Notwendigkeit, der Emigration S-nrn, Fornr und System zu verleihen, dringt immer mehr in das Bewußtsein der jüdischen Massen, und dieses neu erwachte Pflichtgefühl erklärt das gewaltige Interesse für die territorialistische Bewegung. Dieses Interesse erreichte zurzeit der Londoner Konferenz einen besonders hohen Grad. Wir waren uns dessen bewußt, daß man von uns gute und genaue Nachrichten erwartet, und dieses Bewußtsein hat uns die Pflccht, im Interesse der Sache den einen oder anderen Plan vorläufig nicht der Oeffentlichkeit bekanntzugeben, nur schwerer gemacht. Die Praktik des Zionismus hat uns bewiesen, wie schädlich es ist, voreilig Mitteilungen über obschwebende Pläne zu machen, und daher ist es auch nicht zu verwundern, daß gerade die Zionisten sich über unsere „Geheimtuerei" lustig machen. Doch wird uns dies von unserem vorgezeichneten Wege nicht abwenden. Das Material, das der Londoner Konferenz vorgelegt wurde, ist ein Beweis dafür, daß das erste Tätigkeitsjabr für die territorialistische Sache nicht erfolglos vorübergegangen ist. Es ist eine breite Volksbewegung geschaffen, welche wohl in Rußland zufolge der allgemeinen politischen Lage noch nicht überall in die äußere Form der Organisation hat gebracht werden können, aber bereits tief in alle Schichten der Bevölkerung gedrungen ist. Auch in anderen Ländern hat die jüdische öffentliche Meinung eine gründliche Aenderung erfahren, man beginnt dort schon anzuerkennen, daß an Stelle der systemlosen Philantropie das politische Programm des Terrttorialismus zu treten habe. Die hervorragendsten Persönlichkeiten von Amerika, England und dem übrigen Europa haben sich dem Territorialismus angeschlossen. Es soll hier ausgesprochen werden, daß uns die zugesagte Mitarbeit des „Berliner Hilfsvereines" (mit Herrn Dr. Paul Nathan an der Spitze) und der „Ion* (mit Claude Montefiore) für unsere Bewegung sehr wertvoll werden wird. Der Aufruf zur Gründung einer Privatgesellschaft behufs Besiedlung eines Teiles des zukünftigen Territoriums hat in den weitesten Kreisen Anklang gefunden. Die Londoner Konferenz hat die-Behauptung, daß keine Territorien zur Verfügung ständen, glänzend widerlegt. Tatsache ist, daß der Konferenz mehr ernste Anbote zur Verfügung standen als viele Außenstehende zu ahnen vermögen. Ja, die Konferenz war in der Lage, aus den Anboten eine Auslese zu machen und diese behufs Ueberprüfung einer Spezialkommisston zu überweisen. Der Bericht hierüber wird im nächsten Herbst fertiggestellt sein. Leider hat das jüdische Volk schon nicht einmal die Gelegenheit, ein Territorium zu erlangen, ungenützt vorübergehen lassen. Ein großer Irrtum geschah auch bezüglich des englischen O st a fri k a-! Projektes, man machte aus ihm ein Ugandaprojekt, obgleich das englische Protektorat gute, unbesetzte Territorien umfaßt. Es wird noch die Zeit kommen, da es jedermann bekannt werden wird, auf welche Weise dies damals geschehen konnte. Jedenfalls kann ich konstatteren, daß das Ostafnkaproj'.'kt noch nicht als endgültig von der Tagesordnung abgesetzt betrachtet werden darf. Zum Schluß hob Herr P a p e r i n hervor, daß auch die äußeren und iimeren Lebensbedini gungen des Judentnrns für die Erreichung eines! Territoriums 'günstig sind, doch müsse ihr eine j angestrengte Arbeit vvrangehen, wenn wir nicht! wollen, daß dem jüdischell Volke wieder für lange Zeit die Erlangung eines eigenen festen Bodens unmöglich gemacht werde. Redner forderte daher Die Ai'.weseukien zu einer ellergischen agitatorischen und organisatorischen Arbeit ans. London. Ans Sidney (Anstralien) kommt die inter-essaul-e Büldung, -daß Herr Lvnde, der Begriinder der auslralischeli Einioandirlili-göliga, ans -eiri-er R-eise nach Eltrvpa begrisseu sei. Er beabsichligt mit solgelwen jüdischen Orgalüsativnen iveaeii Jördernng der jüdische» Answail-dernn-g nach An-straliierl stiiickspvache ztl pflegen, nnd g-iva-r: Mit der Board vs DepntieS, der Zentralleitung

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