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Nationalzeitung · 1906-10-02 · Heft 71 (2.10.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 71 (2.10.1906)
Date
1906-10-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr.;i NatwimLzellung ö eite mdntf ch"! Czernowitz, am 29.September 1906. Die jüdisch-akademischen Verbind n a e n und V e r e i n <*. An die fecfttaVctt Hausierer! Ter 1. öfterr. tNechtsschutzverein für Hausierer in Wien beruft für Donnerstag den 4. Oktober l. I. um- 3 Uhr nachmittags im Laote gvld. Widder", 2. Bez., Tabvrstraße 36, eine allgemeine H a n s i e r e r - B e r s a m m l u n g ein und ergeht an alle befugten Hausierer ohne Unterschied der Nationalität und des Geschlechtes zu derselben die bösliche Ginladung mit dein Ersuchen, bestiurmt zu erscheinen nlld für den Massenbesuch zu agitieren. Tagesorduuug: 1. Stellung nähme gegen 8 12 und 16 des am 20. Juli l. I. vvur Netchsrate in zweiter und -dritter Lesung angenommenen Haufierg-esetzes. Neferent: Herr S. A. Freund. 2. Verlesung der Petition au das hohe Herreuhans. 3. Allgemeine Besprechung der Berufs inte ressen. Berufsgeuossen! Die Bestirumiing des 8 12'kommt dein allgemeine« Hausier'verbote gleich, daher erscheint in- Bkasseu urrd verte-idigt eure ohnehin kärgliche Existenz vor dein Untergänge. Mehrere Herren Abgeordnete haben ihr Erscheinen zugesagt. Die Bereinsleitung. Die reichsdeutschcn Zionisten gegen die innerpolitische Betätigung. Das deutsche zionistische Zentralkomitee veröffentlichte in der Abendausgabe der ,-Vossischeu Zeitung" vorn 26. September folgende Erklärung: „In der Abendausgabe Ihrer geschätzten Zeitung vorn 25. d. M. befindet sich ein Entrefilet über den Zionismus, in dem es unter a»derein heißt, es fei auf dem Tielegiertentage! in Hannover ein Antrag gestellt worden: „Das Zentralkomitee wolle die -Gründung einer uätionalj'üdischen Landesorganisation als politische und wirtschaftliche Interessenvertretuug der Juden in Deutschland einleiten." Mit Bezugnahme auf diesen Antrag wird dem Zionismus vorgeworfen, daß er die Zn,den in einen Gegensatz zur übrigen Bevölkern ng bringen wolle und geradezu 'Wasser aus die Mühle u der Antisemiten treibe. Die zionistische Bewegung würde in der Tat dieses scharfe Verdikt unwidersprochen hin nehmen müsfen, wenn sie darandächte, wie in dem Entrefilet a«gedeutet ist, im in-nerpolttischen Leben Tentischlanids jüid-ischnationale Pvliti-k ztltreiben. Das Ziel des Zionismus ist einzig und allein/ wie es in dem grnndlegendeni Basler Programm heißt: eine öfsentlich rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina. -Dieses Ziel kann den deutschen Inden nun und nimmer in Gegensatz zu 'seinen staatsbürgerlichen Pflichten bringen: das rvohlwollende Interesse, das -deutsche Bunde sfürsten und -Staatsmänner, -die über den Zionismus auf das genaueste informiert find, ihm entgegeubrinoen, sollte jeden Zweifel Hierüber aussch ließen. Auch die Zionisten 'kämpfen ulm die den deutschen Inden durch die Verfassung gewährleistete Gleichberechtigung nicht anders als z. V. der Gesamtverband der deutschen Juden,-in dessen Ausschuß denn auch die zionistische Organisation ihre Vertreter entsandt hat. Darüber hinaus bleibt es selbstverstälidlich jedem Zionisten völlig unbenommen, sich innerhalb des hiahmens derjenigen politischen Partei im innerdeutschen politischen Leben zlr betätigen, die seinen politischen und wirischastlichen Anschauungen entspricht,' von der Absicht, eine jü-dischnationale Fraktion in Deutschland zu bil- H'it, kann absolut keine Rede sein. Das Zentralkomitee hak denn auch in Uebereinstimmung mit den eben entwickelten Grundsätzen der in Hannover gegebenen Anregung keinerlei Folge gegeben." Die Schwarzen Hundert sind regierungsfähig geworden, so schreibt Herr Julius Löwy im „Prager Tagblatt". Stvlypin, ihr Protektor, hat seine Vollmachten erweitern lassen, in: Warschau setzt General Skälvu, wie Siedlce gezeigt hat, -die Taktik des weißen Schreckens fort und seine Lorbeern lassen d-en Pazifi-kator voll Odessa, General K-aülbars nicht sch-lafeu. In Odessa droht e-iu neuer Pogrom, der ans-brechensoll, svlvieein Attentat au'f einen Tschiriowu'ik verübt wird. Es kann also jeder Lockspitzel eine Metzelei verursach'eir. Natürlich werden dann die Juden wieder das Ztgrn'icke-l sein, daS angefangen -hat Die-He B'ialystok. Die amtliche von Dtolypin veraulaßte Unkersn-chung der FUnimetzeleien hat ergeben, daß sich die von der Dnmakvm-mi-fsivu seinerzeit verhörten Zeugen heute an n-ichts mehr erinnern können. D-ie L-e-iter des dainaligen Pogroms, Generalleutnant Bo-gasewsl'i und Oberst Djajelnikow Haben denn auch bereits den Wladimirordeu erhalten,^ eine Auszeichnung, die sonst n-u-r für Tapferkeit vor dem Feinde verlie'hcin wird. Unbewaffnete Jttdeu sind eben keine- Japaner. Das zipilisierte Europa, das während der armen-ischen Massakers nicht genug Tatkraft -und diplomatische Interventionell an Dringenkouute, sieht mit verschränkten -dirmen d-e-rn Witten des T-schinS zu. lind so lauge — das ist die politische Weisheit StolypinS — die Pogrome möglich sind, so l-ailg-e brauchen die- Fnd-enge'setze nicht relvi'dierk zu 'lverderl. Ti-e jüngste Entscheidung des Ministe rkvnfeils lautet: „Die Erweiterung der Nechteder Juden 'lv-ird llicht eher stnttfinde-u, als bis die jüdische Jugend Rußlands einen mehrgesetzliebenden Gesst beweist." Stvlypin setzt also die- --Politik Pl-ehwes fort: ein etwasblutiges Nech-enexempel. Die J-ude-n sind revolutionär. Wennnl-analso so und o viele J'U-den erschlägt, sind so n-nd so viele Revolutionäre iven-iger. Daß die revolutionäre Stimmung der Juden gerade eine Folge des aus -ihnen la st e »»den gesetzlichen Druckes ist, ivill matt in Petersburg nicht einsehen. Bäuul-elt sich die Juden dagegen auf, daun werden sie einfach ll-iedergcschtagell. Die Kosten -deckt der „zivilisierte" Westen . . . ." Das neue amerikanische Einwandcrnngsgesetz. Ans London roird uns geiueldet: Am 28. September trat in den Vereinigten Staaten das neue Eiitwauder ungsgesetz in Kraft, de»»;llfolge j-ed-er N-ichkainerilaner, der in eiliem aw-erikanijchen Hafen entrisst, mag -er ein Kajütenpassagier sein oder ans dein Zivischendeck ankonunen, i>en Einiva»dernii-gs-inspektor-en ein vvll-lvm-rne>»es, -bis ans die kleinstell physischen Details gehendes 9lativnäle abg-eben muß. Jeder Nenangeko-rn-M'elre inuß nämlich, ahgeseheli von seinem Alter, a-nch noch fein Gewicht, -die Farbe feiner Augen und Haare, die Zahl seiner Zähne und die Länge seiner Füße anchebcn. Auch Damen -werden nicht verschont. Für Passagiere erster Klasse besorgen die Osfizvere -der Ozeau-da'mpfer während der -lleberfährt die Zttsam-lnen-stettnng des 'Nationale,' doch muß jeder Aukomuieude das 'Nationale persönlich ab-geben. Bon der Jto. Zangwill über die Ziele der Jto und über die jüngsten Pogrome. In- G la s-g ow fand- -vor ein-igen- Tagen eine nmsfenhaft besuchte Versmumlung der Jto statt, in 'Melcher ttliiid): eim Brief Zairgwills an die Vevsa-lnmlung zu-r Vevliesimg gela>nigt-e. Aus denr Blrivfci, lvelcher auch für die breiteren Massen -von, h-ervo>r.rag-en-dem Interesse ist, hebenlvir die sotgenven' wichtigeren- Stellen hervor: „Seit Der Neil-öffentlichting meines Anfrnf-es, mit welchenr ot-e eigentliche Attioln P»r Barbvei-tunig der lüD-ifchJerritoriali'stischen- B-ewranng in der ganzen Welt ihren! Anfang genommenhat, ist o—-- em Jahr verflossen!. Di-esev inein Sainmelrns begann! nrit den Worten!: Dastm-gischie- 4^ reble in des wandevnden Juldein wi-rdtäglich! überwällig-end-eir. Die Frage -dev Stnnide lautet: „Wohin?" Diese Worte ionrdenl vor -de'M' Beginneder schrecklichen Poig-vomPe-rii-ohe g-eschri-eben-, und waren sie schon dcmt-alswahr', u-m. wie-v-i-el mch-r entsprechen sie heute den traurigen! Ber-h-ältnissen-. Ineinem Zeitrairnne vonsechs Monatieln sind 300.000 Inden in Wi-ldein, panikartigem! Exodusaus RuUand geslo>h-en!. Wir sprachen! von der Beritrei'brmg der Jnid-en, a>us- Sp-a-nien im Jaihre 1492 wie boin! dem! größten Ereignisse der jüdischeir Geschichte, aber selbst dieses Ereignis traf laut der Geschichte nur 200.000. Inden, wenn! auch! die Schlächterei, von tvelcher es 'begleitet war, N'icht minder schrecklich' -war. In fcnieni Tagen b-eantwor-teten! d-ie Jnd-en. die Frage: „Wohin?" damit, daß jeder sich leben-d-ig dem Scheitevhgltfen >übergeben. Schwangere Frauen umr-d-en aus den- F-c-nstern geworfei» und voir Drn-ußen'stehend-en o-nf Spießeir au-fgefange-ll. Schändungen au Fra-u-eu n-li-d Ju-ngfrau-en fehlten nicht. Ei« lna-ranuisches Ällädchen tötete eiliell- Mönch mit dessen eigenem, Blesser, als er einen Au-griff auf ihre Ehre versuchte. Tiefe mit einer gemisseli Negelmäßigkeit stets wlederkehren-öen Grenettatell gegen die Inden in a-llell Län'derll, könueli fast jeden Tag im Jahre zu-m Gedenktage ina-cheu und dauri ivüröen dve 365 Tage deS Sonnenja-hr-es noch nicht auSreichen, aber mau llin-ß sie von Zeit zu Zeit doch wieder ans der Vergesseli-Heik reißen, um zu sagen, wir Judeniverden iu»mer und überall nur der Prügelknabe d-er Länder, der Völker und der Negierungen sein imd bleibe»!, ob auch die Kultur noch so große Fortschritte mit den -2-ieben-meil-en-stie-felu macht, ob jeder Mund von Hn-llraliität überfließt: mie vor dem Kloster hört vor dem Jndeu jede Btacht des Fortschrittes, der -Bild-n-ng und Humanität auf, soilange lvir Juden nicht eine von den Völkern nrid -hiegieruug geachtete Selbständigkeit genießen und auch eine äußere Macht darstetten. Die letzte»» Eelltella-rs-eieru gehören der ersten hebräischell Gra-muiatik voll Neilchtin, welcher diese als sein „Deukmal, dauernder als Erz" bezeichneke, die iui -März 1506 erschieli, ferner der i-m selben Jahre in Kölu vollzögenei» Taufe -des Jo- Jüdische Centenarien im Jahre 1906. (Fortsetzung.) Das aber -köuut-e nufer Urteil trüben und wir Juden, die 'wir leicht geneigt -siud, die oft ungerechtesten -it-nd -verlogensten Att-kla-genn-nsel'er Feinde gegeu n-ns Juderl uns zu eigen zu machen, besonders imenn lvir gerade nicht davon betrvffeu werden, köllllten leicht -den rn'ssi'schen-Anschnldigullger» gegen unsere Kvuuationalen inNußland, werlu auch llicht vollen Glauben schen'keu, so doch Zn-ge- -ständnisse einrältlnen. Da muß die 'Geschichte uns b-clehr-en: 'Gibt es eilte Zeit, eilt Volk und ein La-nd, das nicht Bt'ord!nu'd Raub -lind Ptttu-derung U'ltd Vergewaltigung gegen das jüdische "Volk übte, wenn- »»itr irgend ei» Anlaß gegeben war, nl>'betü»l»wert, ob es gerecht oder lnig-erecht, begründet oder lrubegrUind-et wart' Der König von Fraukreich Philipp der Schölte braucht Geld zu seiue-r Fehde mit dem Papste und durch die Kriege mit den ausständigen Flaut-! län'de-rlt sind seilte Kass-ell geleert, -all!ßerdeln er- 'hebt der Kaiser Albre-cht -als -Nachfolger Titlls : li'nd Karls des Großen, Anspruch auf einen Teil j der ElMtahmeir von den Jtvöelk. Grund ge-nug,! deu Jlldert ihr Hab niltd Gut zu lldhuten -und sie; mit nacktem Lebert — doch ueilt! die Kleider, die sie aür -Leibe trugen, dttrften sie -behalte», sollst - aber nichts — und mit 12 Groschen Reisezehrung aus dem Lande zu jagen. Etwa nach Levi v. Gebsou -über eine Milliou, nach anderen 100.000 Jüdeu, die schon mit den Nö'mern vor der» Christen int Lande 'lvareu, wurden wie die Vagabnnden ans deur Lande getrieben nnd vonden» im Schweiße des dlugesichtes Jahrhunderte hiltdurch faner erworbenen Hab ln»d Gut füllten sichdie Kassen Philipps. -Man 'kann sich eine Borstellnng von der Beute Philipps ,wachen, -weuu: der V-erkauf der jüdischienj Güter »n iderj Vvgte-i, von Orleans 367.000 -Fratike»- abgeworfeu -hat. In Portugal gab es im Jah-re 1506 keine Jndeu, mehr. Es waren Btaran-nen. In Ermallglniig wirklicher Juden sind a-nch zu Btord n-nd 'N-altb Bkarann-e» gut. Die Jngnisitionslvr-b-eerelt der Dolninika-n-er in Spanien ließen die Ordensbrü-der il» Portugal llicht schlafen' »l-ltd eilt 'Pogrom nach portugiesischer Art rvllrde bald arrangiert. 'Eine B-emerkuug eines Btarannen über eilt lien-es Wnuder in der -Kirche bringt die vonden Doininikauierll- -sanatisierte Bteuge in- Anfreg-itug und in weuigeu Tgeu wnr-derl etrva 4000 Bla rau neu ei-n Opfer der Volksmut. Be im Lese»» jener Vvrgäli-g-e glaubt lu-au rnntatis mutaudis ZeitttugAberichte ans Kischell-erv, Hvmel ntt-d Bialystvk vor sich zu haben. Unter Voraittraguug des Krelkzies durch die -Möllche lvurder» die Mara»-l>eu aus ihre» Verst-ecken bei Cbristen »ntd selbst -alts 'Kirchen hervvrgezoge-n n»id tot oder KKCBS-rtFOTHCKE 5. niTTELB/KH Wien, I . Hoher Markt Nr. 8 (Palais Siua) im Zentrumder Stadt. ♦ Pelrol-Haargeist. Bin hervorragendes Mittel zur Stärke des Haarbodens und der Haarwurzeln. preis 1 Plascbe 3 Kronen.

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