Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 71 (2.10.1906)
- Date
- 1906-10-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite S Nationalzsitum, Nr. 71 „feinem 'JJicitjdKii in oa Ausübung seiner Religion nahetreten will", nm deshalb, weil eine Änzalsi von Juden ihren heiligsten Tag gefeiert hat und ihre Geschäfte ruhen lieg, ihre „Jom Ha-Kippnrim"-Betrachtungen in den frommen Wunsch ansklingen lägt: „.st au ft n u r Bei E h r i st e n!" . . . . Die „Deutsche Zeitung darf sich aber Butans, die Logik auf Ben Kops gestellt und der Wahrheit pim tiuzähligstenutal ins Gesicht geschlagen zu haben, uni nur zu dem orivähiileit Schlüsse zn gelangen, nicht viel ein'bilden. Es gibt eine Zeituu'g, die ihr die Lorbeeren! neidet, die ihr den guten :Huf im.streife der Dummen und PerfiBen nicht gönnt, und Bas ist unsere liebe „Arbeiter-Zeitung". Die „Aivb.-Ztg." hat nichts dagegen, lvemr die Inden ihre Geschäfte ruhen lassen, wenn sie nur nicht anshörcn. ihre Geschäfte in ihrem Blatte zu inserieren: die „Arb.-Ztg." hat auch dagegen nichts einzttwenden, wenn die reicheir Juden für einen Synagogeiiban spenden, nnnn sie um gleichzeitig ihre Arbeiterheime und andere Pa>rieianftalten reichlich subventionieren! Nein, die „Arbeiter-Zeitung" mit ihren getauften Nedakteuren hat am jiidischon Versölmungstage au- Baee Dchinerzerrl Ebenfalls am 9,0. September schreibt die „Arb.-Ztg.": „Die jüdische UuLtus.aemeinde für die konfessionelle Schule. Die offizielle Vertretung der Wiener Inden läßt sich in ihren: Bestreben, den katholischen .klerikalen in der systematischen Vorbereitung der konfessionellen Schule träsrigen Vorschub au leisten, nicht beirren. Von Jahr?,n Jahr steigt das den jüdischen Schülern airserlegte Pensum an öde in Ne l i g i o n s n n ter r ich t, der in Wahrheit eine nutzlose Quälerei durch hebräische Sprache und leeres Auswendiglernen bedenket: aber das ist eine Angelegenheit, die sich die jüdischeit Eltern selbst mit ihrer Kultnsvertretnng ausmachen sollen. Schwerer wiegt die Schädigung der Schulordnung, ja der interkonfessionellen Schule überhaupt. Tie Juden oerlangen eiue Austiahmsbestimmuug nach der anderen für 'sich,' es gibt für jüdische Schüler bald mehr Feiertage als Schultage überhaupt. Diesmal hat die Aultusgemeiude gar uicht nur die Freigabe eines hohen jüdischen Feiertages, deS Versöhntingstages, sondern auch tioch des vorangehenden Nachmittags zur „Vorbereitung" verlangt, und der christlichsoziale Bezirksschulrat hat sich beeilt, dieses Vierlangen zu erfüllen. Selbstverständlich. Weiß er doch ganz gut, daß auf diese Weise immer neue Argumente für die konfessionelle Scheidung der Schüler geschaffen werden. Ein ordentlicher Schulbetrieb ist so nicht aufrecht zu erhalten. Schon in der Volksschule nicht und erst recht nicht in der Mittelschule, in der in Wien die 'jüdischen Schüler einen großen Prozentsatz stellen. Der Lehrer kann, wenn er gewissenhast ist, in Abwesenheit eines beträchtlichen Teiles der .glaste neuen Stoff lischt durchnehmeu,' er müßte also die ganze Beit mit Prüfen, und zwar immer derselben Schüler vertrödeln. Nun »niiissen ja freilich die jüdischen Schüler an ifjrcn Feiertagen nicht der Schule sernbleiben, sie dürfen es aber, lind sie machen von dieser Erlaubnis ausgiebigen Gebrauch, 'Nicht aus Religiosität: sie füllen lvahrhastig au solchen Tagen auch uicht die Suuagogen. Aber der Glaubenseifer wächst im Verhältnis mit der angenehmen Möglichkeit des Schulsthwäuzeus. Tie Schüler aber, die uicht ausbleiben wollen, werden mehr oder minder ge- 'Mnngeu, teils durch fauste Vorhalte ihrer Religionslehrer, teils durch ungesetzliche Verfügungen. Tie jüdischen Psäsfen geben hierin den katholischer! nicht das geringste nach. Aber wenn sich! ihr Treiben auch meist in kleiuerein und verschwief geuem .üreise abspielt, ist es darum nicht minder gefährlich. Ihm Einhalt zu gebieten ist auch nicht mehr die Angelegenheit der jüdischen Eltern allein, sondern aller Freunde' der interkonfessionellen Schule." Die „Arb.-Ztg." übertrumpft also noch Die „Deutsche Zeitung". Die verBvcht nicht! nur Bit' Tatsachen, sondern Bennnziert und ver- > tenmBel die In Ben in: allgemeinen und die jü Di schon- Schüler im besonderen. Sie ist bestrebt, Die jüdische' Religion und deiit jüdischen Religionsunterricht — dessen Wiener Methode mir sicherlich nicht verteidigen wölben — in dein Allgen der Andersglättbigen unB in den Augen i der IniBeur selbst verächtlich ztl machen. Eie' j hetzt Ben christlichsozialen- Bezirksschulrat gegen die Inden nmdeshalb, weil Diese ihrer cigciren R'eligion gegenüber die elementarste Pflicht erfüllen'. Die „Arb.-Ztg." beurteilt die jüdischen Schulen nad> ihren eigenen jüdischen Redakteuren, die in ihrer Jugend wohl die Schule schwänzten, ohne die Synagoge aufzusllchcn, und henke — als „aufgeklärte Ehristen" das Judentum verhöhnen. Tie „Arb.-Ztg." lvird akii trotz dem die Dreistigkeit haben, von den Juden zu verlangen:, daß sie ihre Parteipolitik mit Geld itmib durch ihre Stimmen unterstütz^'. Sie dairf es wagen, denn die „tnaßgeibendeni" Jndön sind noch immer verblendet genug, nicht zu begreifen, daß die Politik der „Arb.-Ztg." Ben Juden womöglich noch schädlicher und gefährlicher ist als diejenige der antisemitischen Presse.... Im Zeichen des Judenhasses, im Zeichen der Dummheit und Verleumd nng haben! sie sich gefunden: die' „Deutsche Zeitung" und die „Arbeitor-Zeitnng". Unr nobtlo iratrum! Politische Rundschau. Anerkennung der jüdischen Nationalität an der Czernowitzer Universität. Die jüdisch-akademischen Verbirrdungen und Vereine von Czernowitz versenden folgenden Aufruf: Kommilitonen, Volksgenossen! Die jüdische Studentenschaft kämpft seit Jahren an dieser Universität um die Anerkennung ihrer nationalen J-udividualität. Juden gibt es nicht! sagt man uns, wenn es sich um die Fabrikation der Statistik handelt. Wir werden Völkern zugezähft, die von uns nichts wissen und denen wir uns uicht zuzählen wollen. Juden gibt es nicht k sagt man uns, wenn wir verlangen, daß unser nationales Recht geachtet werde; mit verbindlicher Glätte wird uns erklärt, man kenne nur eine mosaische Konfession. Gehen wir nun hin und verlangen, daß die mosaischen Feiertage gehalten werden, da wir vier Zehntel der Hörerschaft airsmachen, dann teilt man uns mit, daß darüber die Instanzen erst entscheiden müssen. Wir sollen und wollen mit uns nicht dieses Spiel treiben lassen, wir werden die geschichtliche Tatsache unseres nationalen Lebens nicht den akademischen Behörden zur Ueberprüfung vorlegen und wissen auch nur zu gut, baß die Ignorierung unserer Nationalität nur aus Gründen der Zweckmäßigkeit geschieht. Wir wären aber ein niedriges Sklavenvolk, nicht Söhne einer tausendjährigen Kulturnation, wenn wir mit Gleichmut derartige Praktiken erduldeten. Jüdische Kommilitonen! Zu Beginn des neuen Semesters treten wir an euck) heran. Wir fordern euch auf, den Kampf um Anerkennung unserer Nationalität von neuem anfzunehmen, die erprobte Taktik, mit der wir unsere Widersacher an der empfindlichsten Stelle treffen, fortzusetzen und euch den einhelligen Beschluß vor Augen zu halten, den die jüdische Studentenversammlung nm 17. Jmu 1906 unter stürmischem Jubel gefaßt hat: „Die am 17. Juni 1906 in der Czernowitzer Universität tagende Versammlung der jüdischen Studentenschaft erklärt die bisherige Einrichtung des Nationales ebenso wie den Usus in den Semestralberichten der Universität, die Juden als Deutsche auszuweisen, als mit dem Ehr- und Nationalgefühle der jüdischen Studentenschaft unvereinbar und drückt ihven Entschluß aus, im Kampfe gegen die Verletzung ihrer nationalen Ehre von allen ihr zustehenden und mit ihrem Gewissen vereinbarlichen Mitteln den rücksichtslosesten Gebrauch machen zu wollen." In-diesem Sinne rufen wir euch zu: Jüdische Kommilitonen, tuet eure Pflicht! Schreibet in euer Nationale ,Rut he n is ch" oder „Rulichen Menschen wie Berl?! Sie haben gesagt: Sonnenuntergang! Sehen Sie, jetzt ist akurat Sonnenuntergang, und Bert steht Punkt wie auf einer Uhr. Nu, ich! glaube, Baß Sie mich eine Strecke mitnehmen werden. Warum hätten Sie mich nicht mitnehmen sollen? Ich Hab' doch nichts schlechtes getan." „Und wie wird's mit dem Berg sein?" „Ich habe geglaubt, Sie hätten daran schon vergessen! Ein Berg ist eben ein Berg! Möge er stehen, denn er ist ein Berg, und mir fahren, denn dazu sind wir Menschen. Ein Berg kann nicht fahren, und für uns schickt es nicht, zu stehen. Schauen Sie, selbst das Pferd versteht das, es rührt schon mit den Beinen, es zeigt, daß es Zeit sei, zu fahren. Fürwahr, ein gescheites Pferd! Dies sagend, kletterte Bert auf den Wagen. Wir setzten uns in Bewegung. Auf dem alten Friedhof rauschten die Bäume, wir hatten sie bald passiert, ebenso die Vorstadt, die über den Byotrzyca-Fluß führende Brücke und die Sonne war schon ganz untergegangen; von den Wiesen stiegen phantastische Nebeldünste auf und zerflatterten in seltsame, unbestimmte, fortwährend sich verwandelnde Formen. Am Hirmnel begannen goldige, schalkhalft blinzelnde Sterne aufzutauchen und ein Windhauch brachte von den Wiesen den Duft frischgemähten Heus. „Nun, Bert," fragte ich, „du sagst, der Friedhof sei älter als dreihundert Jahre?" „Ha, ha! Viel älter!" „Zum Beispiel?" „Ich weiß nicht, aber er ist sehr alt. Er ist so alt miic! Lublin selbst, vielleicht noch älter. Sind Sie je dort gewesen?" „Nein." „So haben Sie nicht gesehen, lvas für alte Steine dort sind?" „Und Berl hat gesehen?" „Ich Hab' auch nicht gescheit, aber die Leute sagen. Die Leute sagen, daß jegliche Schrift, die auf beit Grabsteinen eingemeißelt war, vom Winde verweht und vom Wasser weggelva scheu wurde! Bedenken Sie selbst, wieviel Wind und Wasser nötig war, nm eine Schrift aus dem Steine zu verwischen — und lvas für Schrift? Wie ausgehauen! Jeder Buchstabe wenigstens ein halber Zoll tief. Man sagt, daß manche Steine schon so tief in den Boden eingesunken sind, daß man sie kaum merkt. Erlvägen Sie mit Ihrem feinen Verstand, wieviel Zeit erforderlich ist, daß ein Stein von selbst in die Erde einsinke und sich dort verstecke — das ist keine Bagatelle!" „Auf diesem Gottesacker ruhen wahrscheinlich viele berühutte und gelehrte Juden?" „Ja, berühmte, gelehrte, fromme Rabbiner und viele reiche Männer! Eilte ganze Gemeinde. Wemt ich eilt Prozent des tausendsten Teiles ihres Verdienstes, beit sie vor Gott haben, hätte, daun lväre ich sehr, sehr glücklich! Dort liegen große Männer, große Köpfe! Dort trifft man sogar, einen Grabstein, auf lvelchem nicht viel und lticht lveilig, nur eilt Name geschrieben steht! 11 ttb wissen Sie, lvas für ein Name? Ha! Esther! Und miffen- Sie, wessen Name das ist? Das lvar eine Jüdin, sogar vom geriitgen Staltde, die Tochter eines armen Schneiders, aber dann lvurde sie eine jiidische Königin ..." „Eine jüdische? Du bist schlecht unterrichtet, denn sie war ganz und gar keilte Königin." „So? Sie werdert vielleicht sagen, daß dieser König gar kein König und diese Jüdin keine Jüdin lvar, daß er nicht an ihrer Seite gesessen und sie nicht neben ihm. Bei den Herrschaften ist alles umgekehrt!" „Aber, im Gegmteil, ich gebe zu, daß sie existiert hat und neben dem König gesessen ist." ltzorRetzrwg folgt.) Pollenz achte Reform -Scbwcissblätter «MitrAfihd