Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 70 (28.9.1906)
- Date
- 1906-09-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 70 Nationalzettung Seite 5 kann, sich noch einige Monate — Vis zur Einfüih- -rung des neuen Wahlrechtes — über Wasser zu halten. Wir waren Zeugen einer Agonie, bei -er >man -en Leichengeruch nur zu »deutlich spüren «konnte. Oskar Keßler. Die Intelligenz-artei nach -en Wahlen. U n g.-H radisch, 23. September 1906. Wir haben über das jähe Ende der Ung.- Hradischer Intelligenz- und Beamtenpartei, das dieselbe bei den im Juni d. I. stattgehabten , Wahlen genommen hat, seinerzeit ausführlich ■ berichtet. Wir haben auch die Gründe angegeben, weshalb diese schon ihrem Begriffe nach in einer kleinen Land- und Beamtenstadt an sich so mächtige Partei nach so kurzem Bestände so ohne jede Redensart elendiglich eingegangen ist. Wenn wir heute von ihrem weiteren Auftreten sprechen wollen, so wollen wir uns nicht desavouieren und etwa behaupten, daß sie lebe, da ihre Tätigkeit gleich ist den mechanischen Bewegungen eines galvanisierten getöteten Frosches. Am Bauche liegend, mißachtet von ollen Bürgern ohne Unterschied der Nation und des Glaubens, meinen sie sich dadurch erhalten zu können und wallen so wieder die Macht erlangen, daß sie die gemeinsten Triebe des Volkes erwecken und mit dem nicht neuen und dafür um so geschmackloseren wirtschaftlichen Boykott gegen die Juden und nur gegen die Juden — obgleich dieselben bei den Wahlen nur der geringste Teil ihrer Gegner waren und ihre vornehmlichstell Gegner in der überwiegenden Mehrheit der autochthonen tschechischen Bevölkerung bestanden — in sehr sinnreicher Weise durch Maueranschläge, durch feinfühlende Artikel in ihrem Lciborgan, druch rohes Gewäsch in den Wirtshäusern, durch persönliche Attackierrmgen und dergl. nach denr bekannten Satze „variatio delcctat" hantieren. Eine Kleinigkeit fällt aber dabei auf und dies läßt, lote mls scheint, erraten, daß die gegenwärtigen Macher keine Intelligenz- oder gar Beamtenpartei, sondern viel eher eine Bouernfangpartei genannt werden können. Sie lassen nämlich unter bcn Juden die Großen grundsätzlich aus dein Spiele, beschäftigten sich nur mit armen Greislern und sonstigen für die wirtschaftliche lind kulturelle Entwicklung des tschechischeil Volkes sehr gefährlichell Elementen und außerdem noch hie und da unvermerkt mit der heftigen, Klagesührung dagegen, daß es auch noch Christen gibt, die sich von einem Juden vertreten lassen. Letzteres scheint uns des Pudels Kern zu. sein. Die Sache steht nämlich in. letzterer Beziehung so: Diese Intelligenzler haben, solailge sie im Besitze der unbeschränkten politischeil Macht waren, sämtliche rcchtsucheilden Juden in der Tasche gehabt, indem sie die jedcnl Recht uild jeder Ethik — also auch mit Verlaub, ihr Herren Christen, der jüdischeil Ethik — hohnsprechende Auffassung, sei es selbst durch hingelvorsene Bemerkungen: „Das werdeil wir scholl, inachen" oder ähnliche, sei es durch Gelteiilassen der Meinung anderer, sei es durch ihre . gezahlten Diener, in die Allgemeinheit eindringen ließen, als ob sie durch persönlichen Einfluß die vernleintlich sonst ilicht unbefallgene Betrachtiing der Rechts- oder Verwaltungssache eines Juden durch Geradmachung der verrenkten Glieder auf chirurgische Art lind Weise herzustellen vermöchten. Der Terror, den sie um sich verbreiteten, führte die verhetzten und verängstigten Juden dahin, daß sie ihre Feinde, die sich auch damals nicht schellten, wo ilunler sie öffentlich anstraün, gegen die Juden zu Hetzen, als ihre Vertreter bei deil Gerichteil und bei ben Verwaltungsbehörden ausschließlich oder doch nahezll ausschließlich eben unter dem Gesichtspunkte, weil sie mit denr „Poked" gut sind, wählten. Die Wahlen zeigten die verwundbare Stelle des gehörnten böhmischen Siegfried. Die Wasser, wir wollen sagen: die Juden begannen sich zu verlallfen und die große Geldsündflut beganil einzutrockneil, und da ist es natürlich sehr gefährlich, wenil der kleine Jude anfängt, die Augen aufzumachen und zu wissen, wo sein Feind ist, der ihnr niemals gut ist, auch wenn er ihm das Geld abninllnt. Daher die Berserkerwut, mit der, wie oben dargetan, über den kleineil Mann und seinen natürlichen „Meliz" hcrgefallen wird. Aber cs war ein Jude in unserer Gemeinde, der sagte: „Geschlagen ist geschlagen." Man erkennt es deil Leuten förmlich an den Mienen an, daß sie sich nicht mehr fürchten; aus dem Minotauros ist ein ganz gewöhnliches, zahmes Haustier geworden, und die sonst bestandene Angst darüber, daß es der andere hören könnte, hat nur die äußere Form der Ohreil des andereil zurückgelassen. So wackeln sie denn in ihrer Ohnmacht herum und haben in neuerer Zeit in der AnnlerkiUlg einen Kampf mit der Staatsgewalt ilnternommen. Sie haben sich nämlich an die sellae curules angepickt uild mußteil erst durch Auflösung des Gummi von dort weggebracht werden. Diesen Schlag konnten sie um so weniger leichthin verwinden, als nunnlehr auch der letzte Schein der Gewalt von ihllen genommen worden ist. Selbst die über das Maß der Amtsdauer angemaßte Gewalt wurde ihnen weggenommen, den Firniß von ihren in Liebenswürdigkeit überschäumenden Gesichtern, wenn sie dem Judeil Geld abnehmen wollt eil, haben sie sich selbst vom Antlitz abgezogen, rein oder besser gesagt, ullrein uild nackt stehen sie da in ihrem Bedürfnis nach Unterdrückung und Vernichtung alles dessen, was jüdisch ist, uild zugleich aber auch alles dessen, was geeigllet ist, das Wohl und Anseheil der Stadt, in der bei und trotz alledem die überwiegende Mehrheit der eingeborenen Bevölkerung ilicht ihrer Gesillnung ist, zu förderir. Kein ernster Mensch läßt sich von den sogeilannten Intelligenzlern in dem hier geschilderten Sinne täuschen, jeder geht ruhig seinen Geschäften nach, ihre bombastischen, hohlen, national sein sollenden, mittlerweile aber nur zur Füllullg des eigenen Sackes dienlichen Phrasen nimmt niemand ernst. , Die Einigung der friedliebenden Elemente, trägt bereits ihre Früchte, der Giftpfeil, den sie in die Bevölkerung in bezug auf den ersten Grundsatz eines Rechtsstaates und auch einer Gemeinde im Rechtsleben geschleudert haben, hat jegliche Wirkung verloren, jeder weiß, daß er bei deil staatlichen und den autonoinen Aemtern dasjenige Recht findet, welches seine Sache verdient, lüemand fürchtet sich vor Nebenwegen uild Schlichen — sie haben aus gespielt. Vermischte Nachrichten. Israelitische Kultusgemeinde Wien. (Schema für den Beginn! des Jugendgottesdienstes im Schuljahre 1006/07.) A. V v l k s - u n d Bürgerschulen. 1. Stadttennpel (Knaben) m\\b Mädchen) 18. Oktober 11 Uhr 20 Min. — 2. Bez., TeMpelgasse 5 (Knaben) 18. Oktobers 11 Uhr 20 Min. — 2. Be?,., Tempelnasse 5 Mädchen) 20. Oktober 11 Uhr 20 Min. — 2. Bez., Zwerg nasse 2 (Knaben) 18. Oktober 2 Uhr nachm. — 2. Bez., Zwerggasse 2 (Mädchen) 20. Oktober 3 Uhr nachm. — 8. Bez., Unt. Biaduktgasse 18 (Knaben» und Mädchen») 18. Oktober 11 Uhr 20 Min. — 5. Bez., Margarete Nstraste 78 (Knabe n und Mädchen) 13. Oktober 2 Uhr 80 Min. — 6. Bez., Schnialziwfgasse 3 (Kbaben und Ntädchen) 13. Oktober 11 Uhr 20 Min. — 7. Bez., Neudeggergasse 12 (Ktiaben und »M ädche n) 18. Oktober 11 Uhr 20 Min. 0. Beiz., Milllliergasse 21 (Knaben und Mädchen) 13. Oktober 11 Uhr 20 Min. — 10. Bez., Hu'mboildtgasse 2« (Küaben iMb Mädchen) 18. Oktober 2 Uhr nachm. —»11. Bez., Brannhubergasse (K'nabe'tl» und Mädchen) 10. Oktober, Freitag abend. — 15. Bez., Turnergasse 22 (Knaben und Mädchen) 13. Oktober 8 Uhr nachm. — 10. Bez., Hnbergasse 8 (Knabell und Mädchen) 13. Oktober 3 Uhr 15 Min. — 18.!Bez., Schopenhauevstmße 30 (Knabell und Mädchell) 18. Oktober' 3 Uhr 30 NUn. — 20. Bez., Klnckygaffe» 0 (Knaben) 18. Oktober 11 Uhr 20 Min. — 20. Bez., Kluckygaisse 9 (Mädchell) 20. Oktober 11 Uhr 20 Min. - B. Mittel schule n. 1. Bez., Stadttempel 13. Oktober 3 Uhr nachm. - 2. Be»., Tempelgasse 6 18. Oktober 3 »Uhr nachm. — 9. Bez., Müllnevgasse 21 18. Oktober 3 Uhr nachm. — 16. Bez., Turnergaffe 13. Oktober 3 Uhr nachm. — 16. Bez., »Hnbergasse 6 13. Oktober 3 Uhr 16 Min. — 18. Bez., Schoipenhauerstratze 39 13. Oktober 2 Uhr 30 Min. — Die Schuljugend erscheint im Festgewande. Nach »dem Gebete für den Lauidesvater wird voll den »Schülern bei offener Vnndeslade die erste und vierte Strophe der Vvlkshynme gesun»gen. Wien. (Bibelschnle Nsllibrandkstraste.) Die Elnschreibuldg zunr Unterrichte an der Bibelschule 2. Bez., R»e'mbran>dt!stratze 34, »findet ami Sonntag deil 23. September 1006 uild Sonntag den 30. September a. c. non» 10—»12 Uhr vormittags im Schukklokale <2. Bez., Rembranidtstraße 34) statt. Wien. (Bibelschnle für »Mittekschnleil» 1. Bez., Seitenstetten gaffe 2.) Die Einschreibungen au der Bibelschule für Mittelschüler, zu fl« meinsich Schüler norr der 1. Klaffe auswärts bis einschließlich der 4. Klaffe melden» können, 'finden am 30. September zwischen 9 und 10 Uhr vornrittags» imb am 1. Oktober zwischen 4 und 5 »Uhr nachmittags, 1. Bez., »Seitenstettengaffe 2, 2. Stock, in der „N-eligion»sschnle" statt. Wien. (Konkurs.) In dem Spitale der isr. KNltuZ-gemeilide Wien, 18. Bez., Wühringer Gürtel 97, gelangt an der gynäkologischen Kran'kenäbteilttnig die Stelle eines Zweiten Sekundärarztes mit 15. November 1006 »zur Besetzung. D»er JahreSgehalt beträgt K 1400.—. Außerdem erhält der Sekunda rarzt »freie Wohnung und Verpflegung in der Anstatt. Berverber m»üffen an einer österreichischen Universität promovierte nnd zur Praxis »beriechtigte Dloktoreu» der« geislanrten Heilkunde sein, haben praktische Verwendung auf einer gyn»ä»kolvgi'sch»en Kl»in»i!k oder Krankenabteinng n»achzu'w»eisen und »dürfen das 35. »Lebensjahr n»icht überschritten haben. Die näheren Westinrm'ungen» können im >S»ckretaria»te der israel. Kultnsge'meinde eingesehen w»cr'deii. Mit den Personakdokunienken, Stildien- und »Ver»w»endungszengnlssen belegte Gesuche »find bis spätestt^lis 31. Oktober 1006 inr Einreichnügsprotokolle der israel. Knltusge>m»e'iüde Wien, 1. Bez., »Seitenstettengaffe Nr. 4, 1. »Stock, zu übergeben. Wien. (Sistterte Ausschreibung einer Oberlehrerstelle.) Die» Ausschreibung der Oberlehrer- »stelle an der Volksschule, Werdertorgaffe 6, erregte b»ekanntlich »vor kurzem leb'haftes Befremden, weil die »Ausschreibu»ug »fiir katholische Be'werber erfolgte, ob»w»vhl die »Majorität 1>»er »Schüler dieser Arrstalt der isr. Konfession au»gehört. Die seltsame B»erechnlu»lig »der Schülermäjoritüt hat Abg. Dr. Ofner auch zum!Gegen»staNde einer Interpellation im Reichs rate ge lll»acht. In folge einer Beschwerde der israelitischen K»ultilL»gemeinde> hat der niederösterreichische Land-esischlulrat nunnlehr die Sistieruttg d»e»r A'ilAsch»reibun»g an»geordliet. Wien. kAeuiderllngen »der Gebetstnüden für J»onr-Kippur.) Freitag »deil» 28. September (Borabc»u»d des Iviu-Ki»pp»ur) mit 5 Uhr 45 Min. Sainsta»g den 20. Sept»e»nib»er (Je»iuMiPpnr-Zlnsgaiig) u»llr 6 Uhr 24 »Mill. Wien. »Vonl »Vvrstan»de der israelitischen K»u'stllslgemeinde Wien »wird hiermit b»ekannkgegebelk, »daß arn Scheln'tni-Slzeres, Donnerstag den 11. Oktober d. I. im Sa»ale d»es 'Hotels ,/Post", 1. V»az., »Fleischmarkt 16, mtb im Saale des Hotel „Zentral", 2. Bez., Tabor st raste 8, u»rn halb 9 Uhr vornrittags, anlästlich der Maskirandachteu seierliche Gvttes'dienste abgehalten »rvevden. Die Berattstaltu»ll»g dieser Gottes'dien'ste erfolgt zirr Abhaltung des »großen Andrallges ziltn ,M»askir" in »dorr Gellueindetentpeln. Der Eintritt ist frei. Karten» werdeil nicht ausgegeben. Wien. (Die ru»s»sifchen »Wa»is»enkiu»der.> Wie w»ir erfahren, sind voll »den acht russischen Waisenkindern, toelche die „Israelitische Alliali'z zu Wien" Ende Juli d. I. zur 'Erziehllng übernomiueü hat, drei iiach «Wien gebracht w»vrdeli, ein Kn«a»be km Alter von 16 Jahren und 2 Mädchen von 18 bezw. 8 Jahren. Das ältere Mä»dchen wurde im Mädchenwaisenhallse der »Charlotte Bterores-Jtzeles- Stiftung, »das jüllgere inr Glltnraunscheu Mädchenwaiselchans in dea Ruthgasse ilntergebracht. Der Kliabe »wird eiilenr Beruse zügeführt, »welcher ihm ermöglichen lvird, sich rmch »wenigen. Jahren eine Existenz zu grlinden. Andere fünf Kirlder, und zwar vier Mädchen »im Alter von 10, 8, 6 und 4 Jahreti, »sowie »ein» Knabe von z»lveiein»halb Jahvetl, »Geschwister, deren Vater 'während der