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Nationalzeitung · 1906-09-28 · Heft 70 (28.9.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 70 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. .0 Nallmmlzeitimg Seiu ersten Et-nführnnH H-crzls Stellung bot -der ,-Neuen «Freien Presse" benützt Haben bann, um dem Sultan die Sache plaujrcb-el zu machen. Aber Herzl ift in 6—7 Zähren wohl ein D-utzen.d Mal in Konstanit'itt-opel aeivesen, er ist -oft vom S'u'ttan, ViAwe'ilen sehr Plötzlich, zu Verhandlungen berufen rvvr'dener Hat inehrmals, einmal 16 Tage, als Gast des iPadifchach in Räumen -geweilt, die vor «ihm deutsche Fürsten beiwohnt Hatten, und in seiner -Begleitun'g -d>er Hämialige iP-iiäfident der Zionistischen Bank. Oder sollte Wol-ffsoHn vi'elleicht - auch heimlicher Feuilletonredatteur der „-Neuen Freien Presse" sein? Zum. Ueberfluß ist aus den i Mitteilungen einer Herrn Trietsch nahestehenden j Pevsönilichkc>it begannt geworden, daß im Jahre j 1898 der Sultan HerM bereits eine Distriktsj autoNomie zugebilligt halbe,' und daß die Sache - damals nur an der ablehnenden HaÜ'nng der jüj dischen Hochfinanz gesch>eitert w-üre. W-ahrschein-! lich handelte es sich um die Etablierung von Filiaj len der „Neuen Freien Presse" iu diesen! Di- ' stri'kten!! Aber Herrn Trietsch Passiert in seinem Eifer ■ das Malheur, daß er zuviel beweist. Er operiert ein wenig n'a-ch dein berühmten' Muster: „Erstens haben Sie mir überhauPt keinen- Topf geborgt, Zweitens hatte der Topf schon einen Sprung, als;- Sie ihn mir borgten". Nachdem er sich alle Mühe; gegeben, uns zwischen den Zeilen lesen zu lassen, der Sultan habe den F e u i l l e t o n redabteur der „Neuen «Freien Presse" nur benutzt, um die po - - litische Haltung dieses Blattes zugunsten der Türkei zu beeinflussen, zitiert «r weiterhin trium- Phierend Stellen aus Vamberys Bericht, aius denen hervorgeht, daß die Verhandlungen zu -keinem , Resultat geführt haben, weil der Sultan nur eine I zusammenhanglose Kolonisation in Kleiuasien und! Mesopotamien zugesteheir wollte, was Herzl vom ' StandpnnEt öes Baseler Programms natürlich > nicht annehwen konnte. Also: Erstens hat der Sultan überhaupt nicht mit 'dem Z i o niste nführer unterhandelt, zweitens haben die zionistischen Verhandlungen zu 'keinem Ergebnis geführt. Aber um dieses Geheimnis aufzuspüren, hätte Herr Trietsch nicht auf Vamberys Enthüllung zu warten brauchen, und es sei ihm hiermit eine! ältere Quelle verraten, nämlich das Protokoll des j 6. Kongresses (Seite 6, Absatz 2). -Dort steht in ' Herzls Eröffnungsrede geschrieben, zu. leselr für jedermann: ,/Seitde>rn wir Hier MM fünften'rnale bei-; sam'nreu waren, hatte ich neuerdings zweimal i die Ehre, von> Sr. Majestät dem Sultan n>ach KoNstanilinopel bernfen zu werden. Beide! Male, im- Februar wie im August 1902, blieben i jedoch die Unterhandlungen relfultatlvs. Ich 'konnte mich selb st ve r st ä ndl i ch auf ' n i ch t s e i n l a s 's e u, was m r t u User e m j Basele r Programm n'>i cht ve re in-, ' bar gewesen wäre, insbesondere 'k o n n t e e ine z e r st^en te, zu sa m m e nha n glo se Kol on ifatiorr. in verschiedenen Teilen des türkischen Re iches unseren - nationalen Bed ü rs n i ssen. n icht gen-ttgen". In derselben, in der antisemitischen Presse Heiimatsberechtigung besitzenden. Manier, wie gegen Herzl, bemüht 'sich Herr Trietsch Zangwill gegenüber, mitten Gegensatz zwischen, seinen früheren und 'set-n«n jetzigen Anschauungen zu konstruieren. Einst hat Zangwill in einem Vortrage vor englischen Kanfleuten 'hervorgehoben, daß Palästina auchjetzt noch das Land der Verheißung sei, daß Klima und Fruchtbarkeit es zu einer glänzende kl Zukunft prädestinierten, daiß das jüdische Volk geeignet und mit Begeisterung bereit sei, die Arbeit zu leisten. Und mit gespielter Naivität fragt Herr Trietsch: „Wie patzt das alles zu Zanglvills jetzigen Anfichten und Behauptungen?" Wir glauben nicht an die hier kundgegebene Begriffsstutzigkeit des Herrn Trietsch. Aber wir wollen dentioch die Frage beantworten, um den der tatsächlichen Zusammenhänge unkundigen Leser vor Irreführung zu schützen, sllso es ist wahr, Zangwill H«at mit Herzl für die jüdische Kolonisation in Palästina gearbeitet, er hat geglaubt und glaubt noch, heute, daß das Land fruchtbar ist und an erster Stelle das ersehnte Ziel der Massen ist und bleibt, bis zur einstigen Erfüllung. Aber was •cir auch getan und gesprochen hat, die selbstverständliche Voraussetzung wär und blieb i h m mit Herizl und bis zum 'heutigen. Tage immer das Ba se le r P rog ra mm, d. h. die öffentl i ch - r e ch t l i ch e Sicher u. a g". Es hat sich gezeigt, daß diese in den nächsten Jahren oder JahrzehntenvoranSsichtlich nicht erreicht werden kann, selbst unter Voraussetzung des guten Willens aller beteiligten. M-ach-tsaktoren. Die Palä-stinafrage ist n-u-r ein Teil der vorderasiatischen Frage und wird nur i'm> Zusammenhänge ulit dieser gelöst werden. Die Mühlen der hohen Politik mahlen -langsam, aber die russische Mühle mahlt schnell und das Korn zwischen den beiden Mühlsteinen! des Zarismus und der Relvolution ist das - jüd ische. Bokk. -llnd gerade, weil sich alle DLiren der jüdischen Einwanderung verschließen, gerade welk selbst „die berühmte Freih-eitsstatne im Hafen von New Aor'k beginnt, ungnädig auf die jüdischen. Einwanderer herabzuschanen", geradedeshalb ift Zangwill zur Ueberzeuguu.g ge'la'ngt, daß es uotwendig ist, die zahlreichen kleinen Rinnsale der jüdischien. Wanderung, die sich im Sande zu verlaufen drohen, in große Staribecken zu sanlüretn, ans heuen, wenn die Zeit gekommen ift, befruchtende Ströme kultureller Machtmittel in das Land -u.u'sererW.äter und unserer Kinder geleitet werden können. Das jüdische Territorinim mit jüdischem Leben wird n-iemals - ein Hindernis, sondern -stets ein mächtiges Föl>! d>ernngsnlittel für die Schaffung einesöffentl'ich-! rechtlich gesicherten Knlturzentrll.ms in Palästina! sein. Resümieren wir: 1. Herr Trietsch, der gegen -Herzl und Zang-! rvill den Vorwurf der Unfä'higkeit n.nd der Un- - ehrlichkeit schlendert, ist der letzte, den. seine eige-! neu Taten zn einem solchen Richteramt ermäch- , tigen: denn aus ihm lastet der Vorwurf, durch i seine Usnr'pierung von Ausgaben, denen er nicht ge'wachlsen ist, nicht nur frew'de Mittel nutzlos veri tan, sondern auch traurige Menscheu'sch.icksale ver-! schuldet zu 'haben. i 2. Herzl mag znm ersten Male als Redakteur der „dienen Freien Presse" in Kon'stantinopel ein- - geführt worden sein, sicher ist, daß der Sultan! 6 Jahre lang mit ihm als Führer der zionistisch,e-n! Organisationverhandelt und ihn zn Unter.hand-! lnngetl oft nach 'Konstantinopel berufen hat. Wenn! diese zu einem Ergebnis nicht geführt haben, so : lag dies, abgesehen von der ablehnenden. Haltung j der jüdischen Finanz, daran, daß Herzl stets als! Maßstab das Ba'seler Programm vor Augen Hatte, j 3. Es besteht kein W-idersprnch zwischen der früheren TätigEeit Za.rlgw'ills für P.alästina und seiner jetzigen für den Territorialismns; denn alle seine Palästinaarbeit geschah unter der Vorauss-ctzuug der Normen des -Baseler Progranrms, i -und er arbeitet -jetzt für den. Terr-itorialismus, weil e r noch uuberbrüchkich aus dem- Boden deS! Baseler Programins steht und daher die Rückkehr j der Zionie-Zion, der jetzt im Zionismus herrschende u- Partei, zn-rn Ch.ow-eiwe-Zlonism.us riicht nlitmachen kann. — — — — — _____ E. S. Diese Zeilen warengeschrieben, als mir von Herrn Rabbiner Dr. Marens ans Konstanttnopel, der für seine Llugäberr die volle Verantwortung übernim-mt, folgendes mitgeteilt wurde: In Kon-sta-n-tinopel liegen augenblicklich' wieder ca. 76 jüdische Familien, meist aus Rußland, welche -erzählen, Herr Trietsch. habe sie aus ihre Anfrage dlrrch irresühren'de- Angabenveranlaßt, ihre Habe zu 'Geld zn machen und nach. Cypern aushuwandern. Als sie nun von 'Konstantinopel zwei aus ihrer Mitte zu Erkundigungen nach Cypern voraussch'ickten, brachten diese Nachrichten zurlück, nach -denen sie von Herrn Trietsch gröblich getäu scht wo rden sind. D ie La ndp reise seien wesentlich, bis um das dreisache, höher, als Herr Trietsch ihnen angegeben Hatte,' in den von ihm empfohlenen Gebieten herrsche das Fieber. Auch hat Herr Trietschden Leuten erzählt, die britische Regierung -wolle die Sache fördern, während doch bekannt ist, daß England es unter allen Umständen ablehnt, durch Förderung einer jüdischen Masseneinwanderung frommerer Mensch als selbst ein Rabbiner sein! j Alles ist in Gottes Hand, und es passiven . solche Sachen, die der Mensch nicht einmal zu ' fassen vermag. Sie glauben vielleicht, daß Elias, der Prophet, nicht voriges Jahr nicht; auf dem Jahrmarkt in Lubartow war? Bei; meinem Gewissen, er war."! „Aber!" „Sie glauben nicht! Bei Gott, das wun- , beut mich. Wissen doch selbst kleine Kinder, j daß der Prophet fortivührend auf der Welt j wandelt."! „Wozu?" „Er weiß schon, wozu! Sie glauben, daß er wenig arme Leute ernährt. Er ist sehr barmherzig, sucht selbst verschiedene arme Schlucker auf und unterstützt sie. Er ist sehr barmherzig. Sie glauben nicht?" „Wenn Berl es sagt ..." „Ich sage, ich weiß, was ich sage." „Berl glaubt an Wunder?" „Warum sollte ich denn nicht glauben, hat es denn auf der Welt wenig Wunder gegeben?" „Ich weiß — aber jetzt?" „Und auch jetzt passieren lvelche. Ich könnte Ihnen viel sagen, es ist aber besser, nicht zu reden — denn wozu reden, wenn jemand keinen Glauben schenkt..." „Ich höre doch zn." „Ja, gnädiger Herr, cs gibt eine Menge Wunder, jeden Tag kann ein Wunder geschehen und geschieht auch, obwohl, wir davon nichts wissen, denn wer kann alles'wissen? Und das ist schon ein Wunder, daß der Herrgott armen Leuten das Leben gibt und das, daß die Sonne um die Erde kreist . . . lväs Sie wollen, all dies ist ein Wunder." Berl hielt inne. „Wir waren schon in der Nähe von Lublin. Die Türme mehrerer Kirchen zeichneten sich am Horizont ab. Die Stadttore konnte man genau unterscheiden. Die Stadt, auf eine Anhöhe sich hinziehend, schaut malerisch aus und wird von einer schönen, westen Landschaft eingefaßt. Das silberne Band des Bystrzyca- Flusseö tvindet sich inmitten von Wiesen, und lvohin man den Blick wirft, sieht man weiße, saubere Weiler, die sich entiveder an den Höhenzng anschmiegen oder auch auf den Anhöhen zerstreut sind. Aus den nach der Stadt führenden Straßen herrscht ein reger Verkehr, und die alten Stadttürme und Mauern schauen imponierend aus. Besonders von der Seite, von lvelcher lvir ankamen, ist die Einfahrt in Lublin sehr hübsch. i Tann mündet die Straße in eine tiefe Schlucht > und enthüllt den Angen des Reisenden neue j Ausblicke. Der altertümliche Judenfriedhof auf einem hohen, an einer Seite ganz steil abfallendeli Berge, voll von alten Bäumen und nach orientalischem Brauch senkrecht aufgestellten Grabsteinen. Am Fuße des Berges, hart am Friedhofe, die Ruinen einer Kirche, die jetzt eine Seifenfabrik ist; dann das geräuschvolle Judenviertel. Dieser altertümliche Judenfriedhof auf dem „Grodzisko" genannten Berge reicht, wie die Stadtchronik Zeugenschaft ablegt, in das Jahr 1664 zurück, aber dies ist das Datum der Verleihnngsakte. In der Tat hat er noch früher existieren müssen, denn es gibt keine Spur, daß die Lubliner Juden noch anderswo einen Friedhof gehabt hätten, und doch wohnten sie in Lliblin seit Jahrhunderten. Mehr als einem der in dieser Richtung Vorübergehenden fällt es auf, daß der Berg an der Kirchenseite so steil abfällt, als ob Menschenhände dazu beigetragen haben oder ob dies durch eine lvunderliche Laune der 9llitur geschehen sei. „Berl, schau," sagte ich, „wie wunderlich dies anssieht!" „Wunderlich?" fragte er, „was ist da wunderlich?" (Fortsetzung folgt.) KREBWOTfieKE 5. niTTELBflCH Wie», I., Hoher Markt Nr. 8 (Palais Sinai im Zantiunklar Stuüt. ♦ Petrol-H^atgeist. Ein hervorruyen ie.-? Aliit-1 zur ^tai ke des Haarbodune urwi der RHurwurzeln. Piels 1 Flasche 2 Kronen.

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