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Nationalzeitung · 1906-09-28 · Heft 70 (28.9.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 70 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nationalzeitunk ■Seite 2 gierung der wildeste Terrorismus gehandhabt wird, abbreche?"" Wien, 18. Septeinber 1906. Ernst Breiter, Dr. Straucher, Bojko, Pernerstorfer, Hybes, Eldersch, Ellenbogen, Taszynski, Rieger, Cingr, K. Seitz, Krenipa, M. Olszewski, Kubik, Hans Resel. Interpellation des Aüg. Sturm und Genossen. „Bereits wiederholt wurde auf die Gefahren aufmerksam gemacht, welche sich aus der massenhaften Einwanderung russischer Juden nach Oesterreich ergeben. Offenkundig wird die Revolution im Nachbarstaate mit jüdischem Gelde unterstützt, notorisch sind die Führer der Revolutionäre Juden. Die Elemente, welche aus Rußland nach Oesterreich kommen, sind eine Gefahr für den Staat und die Gesellschaft. Wiederholte Interpellationen in dieser Angelegenheit sind von Seite der Herren Minister des Innern nicht beantwortet worden. Unwidersprochenen. Zeitungsnachrichten zufolge lind bereits russische Banden in Galizien eingebrochen und haben Gewalttätigkeiten verübt; aber nicht nur die unnüttelbar angrenzender: Länder leiden unter dieser Invasion, auch in die Reichshaupt- und Residenzstadt Wien findet eine solche Einwanderung statt und leidet darunter die einheimische Bevölkerung. — Die Gefertigten stellen daher an Seine Exzellenz den Herrn Minister des Innern die Anfrage: 1. ob derselbe geneigt ist, endlich die Einwanderung russischer Juden nach Oesterreich zu verbieten und 2. die bereits eingcwanderten Juden aus den in: Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern auszuweisen?" Denn Patroklus liesit begrabe«. Herzl hat jahrelang Äve O-esseMUchkest getäuscht. Er ist vom Sultan stets nur als R-sbaikteur ber „Nöllen Freien Presse" empfangen worden, hat aber Hie Welt geflissentlich in dem Irrtum gelasserk, Haß der Sultan ihn zu Unterhandlungen über die z>ivnisti«schen Vorschläge_ berufen habe. Ans diesem »Trug war seine weitere Politik ausgebaut. Das ist, kurz gesagt, der Sinn 'der Auslassungen, die .man in Nr. 35 des «in Berlin erscheinen,den „General-Anzeiger für die gesamten Juteressen des Judentums", lesen konnte. Wer ist der Mann, der so über unseren Herzl zu sprechen wagt, über ihn, dem. nach der Ueberzeugung uieler Dausende mehr als irgend jemandem seit Esra der Name eines anderen Moses gebührt? «Das muß doch wohl ein Mann von gewaltigen, von unbestrittenen Verdiensten! um das jüdische Volk sein, ein Manu, dem das Bewußtsein eigenen überragenden Könnens und >der mit ihm aufzunehmen! Ich weiß all dies, ich weiß es sehr gut, so als wenn ich selbst dabei gewesen wäre! Dies sagend, glättete Bert sich den Bart und seine Augen glänzten vor Freude, daß er sich mit seiner Gelehrsamkeit produzieren konnte. Das Pferd verlangsamte den Lauf, denn der Weg ging bergauf, und das Wagengerassel störte nicht das Gespräch. „Und Sie wissen, wie das wirklich war?" fragte Verl. „Sie wissen, wie diese ganze Geschichte sich zugetragen hat? Sie wissen wahrscheinlich nicht, aber ich werde Ihnen erzählen. Ich weiß, daß Sie gerne von jüdischen Dingen erzählen hören." „Ja, sehr gerne." „Sie wissen wahrscheinlich auch, daß die Juden früher nicht solch arme Schlucker wie heute waren, sondern einen jüdischen König, jüdische Beamte und ein jüdisches Heer hatten! Und was für Soldaten. Lauter Gardetruppen mit Lanzen und Säbeln, mit Trommeln und Kanonen, wie ein großes Heer denn sein soll! Es waren Generale und einfache Soldaten. Sie führten fortwährend Krieg und am meisten mit den Philistern. Diese waren ein überaus abscheuliches Volk und unter ihnen befand sich ein sehr großer, sehr starker Bauernlümmel, Vaashlur I MasiftrdlehU Qaruebloi I «uniwiidersteWche innere Drang prophetilscher Inspiration hie Feder ht -öle Ha nid .gedrückt hat? — Nun, die Antwort lautet: Es ist Herr Davis Trietsch!- Man muß es zuMben, e i n c n großen Vorzug hat Herr Trietsch vor «.Herzl: er lebt. 'Herz! aber ist tot, unö tote Löwen, so ist es immer gewesenerhalten« &ufytpitbc von« lebenden! Nichtlöiven. Herr Trietsch hat schon einmal zu einem Fußtritt ausgehM, das war auf dem 6. Kongreß. Aber damals war Herzl noch kein toter, sondern ein kranker Löwe, dessen Pranke noch Kraft zu gewaltigem Gegeuschlage besaß. Bon diesem Schlage hat -Herr Trietsch in. jaihrela-ngeir Betäubung gelegen. Als er sich endlich wieder so wert «erholt hatte, daß er aü-s halbgeöffneten Lidspalten scheu nach dem Löwen hinblingeln konnte, da sah er, daß der nun wirklich ganz tot war, und jetzt holte er zu einem zweiten, nunmehr ungefährlichen Fußtritt ans. Man soll nur Tatsachen und Handlungen bekämpfen und die Persönlichkeit «des Gegners aus dem Spiele lassen. Wenn jemand aber, wie Herr Trietsch, eine« Herzl.als nnchrlichen Faiseur und unfähigen ProjeEtrnacher «hinstellt, wernt er einen Zangwiü als Halbidioten «und betrogenen Betrüger abtut und dessen Arbeit, von der er nichts weiß, mit eleganter Handbewcgnng und überlegenem Lächeln beiseite schiebt, wenn er sich selbst dagegen als den wahren, an schöpferischen Ideen reichen und zu prnktilschem Handeln fähigen Leiter präsentiert, in «dessen Hand Herzl allenfalls ein «brauchbares Instrument hätte merden können, dann ist es nicht nur ein gutes Recht, nein, dann wird es zur heiligen «Pflicht gegen das gefährdete Volk, die A-ktivlegttiüiation des Mannes zu solchem Tun zu prüfen und an. seinen bisherigen Taten zu messen. Man liest jetzt von neuen Gründungen, die unter Initiative des Herrn Trietsch die Aera der „praktischen" Arbeit in Palästina einleiten sollen. „Praktische" Arbeit des Herrn Trietsch!! Drei Fragen «zuvor. Herr T r i>et>sch! Wo bleibt d«ie Bilanz jener ersten ,>Orie«nt«kolon r sa t io n sge se ll f chaf t", die Sie mit fremden Geldern gegründet haben, um Herzl und der Welt zü zeigen, wie man praiktrsch. kolo nifiert? — — Jener Gesellschaft, der-'der Kongreß nach Ihrem Willen den eventuell zu erlangenden Charter «ans die Sinarhalbinisel zur Ausführung überantworten Zollte? Ist es unbescheiden, «wenn die Oeffentlich- «ke'it nach einem halben Jahrzehnt etwas darüber zu Höven verlangt? Herr Trietsch! Wo ist der Rechenschaftsbericht des! ,J«ü«disch.eu Verlages", für dessen Geschäftsgebaren Sie als ze itmeilig er Geschäfts f ü«hrer wenigstens einen Teil der Ber- Nr. 70 antwortu n g tragen? Und wo bletbt der Spruch jenes Ehrengerichtes, das vor 3 Jahren vom Kongreß eingefetzt wurde, 'um die furchtbaren Anklagen« zu untersuche n, di e D r. Herzl gege n Sie erhoben hat? Die sollten 52 rumänischen Familien durch Versprechun.gen und unzutreffende Schilderungen /veranlaßt Haben, niach Cypern auszuiwandern und diese Leute dann hilflos im Stich gelassen haben, so daß sie dem Elend und dem Fieber verfielen, ,dem allein 12—15 junge «Leute erlagen. 'Das Nähere darüber kann jeder.im Protokoll des 6. Zionistenkongresses iS. 52) Nachlesen. Herzl schloß «damals: „Ich glaube, daß die Art, wie Herr Trietsch sich Um die Angelegenheiten der Juden« bekümmert, eine entsetzlich falsche Manier ist, ernste Dinge zu behandeln," nnd: „Herr Trietsch kommt «hierher und hält «uns Vorlesungen, über die Art, «wie man eine Besiedlung machen müsse, und wie mau eine Verantwortung für das ^Schicksal verderbender, elender Menschen übernehmen soll, «und darauf habe ich .Herrn Trietsch mit nollkräftigen Beweisen, die «die Kommission untersuchen wird, geantwortet, daß «bei Hm «in Mangel von Berantwortlichkeitsgesühl vorhanden ist, und daß jemand, der nicht «die Verantwortlichkeit fühlt, nicht eine solche Riesenbewegnug wie die unsrige, aüch nur mit einem Worte beeinflussen darf, «sondern daß er sich nicht einmal um die Ortsverändernng einer einzelnen Familie bekümmern «darf". Sollte die «Kowimssjon nach Herzls Tode Mts Opportunitätsgrün'den. beschlossen Halben, die Angelegenheit e inschlafen zu lassen, so hat sich Herr Trietsch angesichts .der schwer ans ihm« laste nben Vovwürse «doch nicht etwa dabei beruhigt, er Hat doch wohl energisch immer wieder ans Durchführung der Untersuchung gedrängt? Aber wo bleibt die Entscheidung? In. einem .geordneten «Staatswesen «hält es doch jeder Beamte für selbstverständlich, daß er angesichts so schwerer Beschuldigungen, selbst wenn er sich für unschuldig Hält, vorn «Amte suspendiert bleibt und in der Passivität die «Entscheidung nnd die «spätere Genugtuung abwartet! Soviel über die «Berechtigung des Herrn Trietsch zu seinen Vorwürfen. Sehen« wir sie uns trotzdem näher an.. Professor VaMbery hat nach Herzls Tr»de belauntgegeben, daß dieser von ihm nicht als Chef der Zionisten, sondern als Redakteur der „Neuen Freien Presse" beim Sultan eingesühtt worden sei. Für dieses „eingeführt" substituiert Hvrr Trietsch nun stillschweigend die Vorstellung. — und operiert «mit dieser Täuschung — daß der Empfang überhaupt und immer nur dem Redakteur der „Neuen Freilen Presse" gegolten habe. Nun mag ruhig zugegeben werden, daß Vambery vor «der einfach ein ungebildeter Bauernknecht, ein Grobian!" „Goliat!" „Das war ein ganzer Räuber. Er schlich in einem fort um unser Heer und suchte Händel, wahrscheinlich war er auch ein wenig betrunken und machte gerne Krakehl. Er schimpfte, fluchte, brach Streit vom Zaun, aber man reagierte darauf nicht. Schließlich meldete sich ein junger Bursch — er war höchstens sechzehn Jahre alt, war nicht einmal schon verlobt — und Sie glauben vielleicht, irgend eine Persönlichkeit! Ein einfacher Schäfer, ein einfacher Ziegcnhirt. Er sagte: „Lasset mich an diesen Dickschädel heran! Ich werde es ihm zeigen!" Die.Krieger lachten. „Davidl," sagten sie, „duscheinst wohl den Tod zu suchen!" Und er war so ingrimmig, daß er gleich laufen wollte, aber ohne Erlaubnis des Königs ging das nicht. Man mußte zum König gehen." „Und er ging?" „Was sagen Sie? Bei uns, wenn man zun: Bürgermeister geht, wird man auch nicht gleich vorgelassen, sondern man muß warten — mi was ist bei einem König! Und wer hat mit dein König reden wollen? Ein einfacher Schäfer! Aber der kleine David wendete sich an eine Mittelsperson, an einen Menschen, der über die Hintertreppe überall hingelangt. Anfänglich wollte der König nichts davon wissen, schließlich aber gab er nach. Der junge David verschmähte jede Waffe und erlegte den Necken mit einem Stein, daß im jüdischen Lager großer Jubel herrschte. Ja, das waren Zeiten! Wir hasten unsere Soldaten, Ehren, und was haben wir heute? Jetzt ergeht es uns schlecht, sehr schlecht, und wenn nicht das, daß unter den Juden sich immer sechsunddreißig Gerechte befinden, die das Gesetz befolgen und beten. — , weis; ich nicht, was noch mit uns geschähe." I „Warum nur sechsunddreißig?" „Weiß ich, es muß so sein — so ist es von Gott bestimmt. „Und wo sind sie, diese Gerechten?" ■ „Das, mein Herr, kann niemand wissen ---; genug daran, daß sie vorhanden sind." I „Eh, mein Berl, du schwatzt, ohne selbst zu; wissen, was." „Ich schwatze! Ha! Mag's drum sein — aber ich weiß das Meine. Sie glauben, daß es auf der Welt nur diese Rabbiner gibt, die die Menschen kennen? Es gibt auch solche, die . niemand kennt und die, kann man sagen, die; Welt erhalten. Weiß ich, in tvelchen Personen ihre Seelen hausen? Weiß ich es? Manchmal scheint es, daß ein armer Fuhrmann cinhergeht, und das kann eben ein weiserer nnd Pollenz echte Reform-Scbwefesblätter

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