Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 68 (18.9.1906)
- Date
- 1906-09-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 08 NaLior»alz-ikmg Seile* 6 mehr geb«n, der sägen könnte, für derr 'Sdüdcvteü gebe -es nichts 51t tun, er Hube «kein Arbettsjcld. Er legte folgende Nesvllitivuen vor, die auch zur Annahme gelangten: 1. ,/Ter am 8. September irr M.-Ostran tagende Sttlbententag hält es fiir natimmlle Pflicht, aller jüd.-nat. >Dt>u!degten die Forderungen der zivnistisch-pvlit. Partei nach n!at. Antoniviüie uüd voller Gleichberechtigung der Mden 'm den österreichischen Ländern mit allem Nachdrucke nub mit allen ihr verfügbaren agitatorischen Mitteln All unterstützen und unablässig für die unumgängliche diotwenldigkeit <cun*cr jüdischen Vertretung tu Reich, Land urid Gemeinden! tätig z«u sein. Ferner gibt der 'Stnbententagv den studentischen Delegierten für den am 9. -stattfindenden mÄhr.-ischlch'. T'istriktstag die 'Direktive folgenden Standpunkt zll vertretend: Mit aller Knast muß 'dagegen agitiert rverden, daß angeblich jüdische Kandidaten, die in Wirklichkeit nutt tut Düerrste delutsch-'polltischer Tendenzen stehen, 'der jüdischen Wählerschlast oktroyiert uNd als Erfolg einer jüdischen Jni!eresse »Politik hingestellt werden. Eine solche R'ücklehr znr alter: de>ntschli>deralen, abgewirtscha-ftcten Politi'k würde eine schwere- -Schädigung -der wirtschaftlichen Interessen der mährischen Juidcn bereiten und den: nationalen Gedanken) ÄireA zimv'iderlänfen. Daher muß von jüdischen Kandldaten gefordert werden-, daß sie inderr deutschen Landtagsklllb nicht eintreten und 'sich in ausgesprochen nationalen iFragen einer neNirialen Haltung befleißen." —' 2. „Im Hiüblick aiüf die >F>or!derung nach nationaler Autonomie wird die J-nangrijfn-ahme einer jüdischen >Statist!i!k beschlossen unid zu dieistmZwecke ein Komitee (Nassau, Dr. Zwieig, Gleitsnmnai, Löw, Winterstein) eingesetzt." 3. „Der Stüdententag empfiehlt der jüdiischen Stalden-schüft, sich die genaueste Kenntnis der tschechischen bez>w. polnischen Sprache angnckgnen." 4. „Der StnÄentag spricht der zionistisch politischen Parteileitung sein Vertralten aus." Als Korreferent sprach Herr Altar (Giskalah). Tech wurden seine Thestn z>Nm größten Teji'l als überflüssig abgeleihnit. lieber' „Materielle Lage des jüdischen Studenten" sprachen phil. Horner (Massada) und i-ng. Bnchiwalder (Veritas). lieber .Anregung des Herrn Flach wurde nach längerer Debatte beschlossen, zur Selbsthilfe zu greifen «unid die Gründung lokaler Zentralve reine auf gemerbs chaftlicher Grundlage zll propagieren. Das Präsidium des Studl'ntentages lvnrde beanstragt, zn diesenr Zwecke sich auch mit öcm bereits öesteheüden „UnenigÄklichen« Arlüeits viermitilungAbillrea ll für jüdische Stlldellten" irr Wien ins Gill vernehmen zu setzen. Zum tDckMrsse trat phil. Schmitz (Theador Herzl — Hofsiana) inwarmer Weise für die geistige und nationale Fördertung „Unsere Hoffnung" ein. Nach fast achtstündiger lebvorizüglichen Arbeit die Erlaub n-is erhielt, Borie'fnngen über die Zkechtsivlsserlschast zu halten!, noch in «seiner Vaterstadt Hamburg zur Ausübung der Advokatur zngelassen wurde, weil der Petent es ablehnte, seilten!Glan!beu zll. „changieren". Nun erst .ivnrde er von stinerr 'dciltscheu Mitbürgern etwas unsanft gemahnt, daß er noch etwas anderes als eill Deutscher, daß er ‘ein- Ju.de sei. Allerdings «wies -ihn dieser etwas starke Wink mit .dem Zaultpfahle nicht auf die jüdische Ätativnalität hin. Er teillglleteenjschie>den alle Äiationalität der Hilden lllld erklärt es als ekven 'schlau«»- Kunstgriff der Gegner, daßsie das die Jn'den einigende Band fiir ein> nationales enklärien mrd das religiöse dallliit vermengen und änf die Vernichtmlg des religiösen Valides anSgeheu. Die Anwendung des Wortes „Volk" oder „Nation" aus die Inden geschieht itlur in eiltellt metaphorischen Ginne mild jederinaull 'iveiß, lvie das zu nehmen ist (Betrachtnngienüber die Verihalldlllngen in Badetl S. 27). Nur als Deutscher trat er immer wieder für die Gleichstellung aller deutschen Staatsbürger unabhängig von delll Betell.lltll'isse auf »lud es gelang ihm, llltd die Zeitverhältnisse, Jnlirevolntion nsw. 'kamen ihnl zll Hilfe, die E'lllantzipatioll der Jllden in DelltsMand theoretisch lnindesteus zll erkänlpsen. (Fortsetzung folgt.) Hafter Debatte schloß der Vorsitzende MC. -Hermalln Löw (Fvria) den ersten mähr.-schles. Stüde ntentag. Mähr.-Ostralr. iStiftuugsfest.) Die jnd.- akad. V'erbinjdlulrg ^Jvtzia" feierte am. 8. iurtö 9. September ilv sältttlichen Festräulllen des „Deutsche>r Hauses" in Mähr.-Osirall ihr 30sem. Stiftungsfest. Unter Überalls zahlreicher Beteilignug fand am Samstag der ossizielle Teil statt. Sü'mtliche Ferialverbindnngell. und ö>ie meisten H!a'hresverbinldlltllgen hatteil Delegierte geschickt. Vertreten waren auch offiziell die Lstraner Kultusgemeinde und süintliche jüdische Viereine aus der Umgebung. Ingenieur Emil Fried-Wien hielt die Festrede u-ll!d zog eilie Parallele zwischen der Zeit, wo er noch als LllkUver der „Jvria" in Ostraü die erste zionistische Neide hielt, uüd heute, lvo er mit Stolz unid Genligtll.nng aüf!die Erfolge seiner Verbillidung in Mährell. und Schlesien zn>- rückbllicken könne. Dozellt Dr. Artur Mahler a'lls Prag (a. H. d. Varissia) führte in einer glänzenden Tenldenzrede der Fugend Herzls Bild vor Allgell unid forderte die Ivriailer ziu-r rastlosen Tätigkeit «wie bisher ans. Techn. Otto K r a s n y sprach ans die alten Herren, und dankte Ihnen uameils der Aklibitas 'für all ihre Mlühe und Sorgen »in die Verbindung. Dr. Ehrllch^Bud- »veis danikte tm Namen der a. H. a. H., die sämtlich erschienen waren. Es toastierte auf Dozenten Mahler, die Förderer ülld die Kültusgemeinide Hnrist Beer. Glückiwünische überbrachten- 'der ,/Jvria" namens der Ostraner Bürge-rschast Herr Bankdir-Eor Czuczka, für das mähr.-schleif. D>istriktSko-m'itee der Tistrikts'v'b>mann, Friedriich Löw, Gallus (Uniitas), Gleitsmann (Hessia-na), Engel (iJlitd. Lesehalle Brünn), Büch- .walider (Veritas), Willinan-n. (Biarifsia) nn>d A l - lerhand (Emnuah) für die Ferialnerbindnngen. Die Fe-staika>delmie der Jvria beganirr Sonntag uin halb 9 Uhr. Nach dem von Fra'n Leontine Spira glänze tiid gesp rvch-e nen Prologe und nach Abisiugnug des Biluldeslieides durch den- Männerrhor ider „Jvria" gelangten durch Frl. Tauber und Herrn Otto Kohn-Kallner in vorzüglichster Wieijse Dniette zium- Vortrage. Im Lnistspiele „Die Heinzelmünnchell" und in' der Posse „Der Ilifri'lareüsende" machtensich besonders die Diämen: Jmmerglück, Tauber, Baron, Beer, Ebel, Neusekö und Presser verdient. Den Höh>eplnlckt des Zlb'erlds, der in idem verwöhnten Oftrau ein gesellschaisiliches Ereiigtlis war, bildetendie S0lo>vorträge des Herrn Koihn-Kallner. Jede ernzelue Nü«m>m>er winvde vom stürmischen Beifall begleitet, das Publikll'm kvunte nicht genug haben und Herr Ko'hn-Kattner mußte sich immer wieder z>n Zugabell verstehen. Seill herrlicher' Bariton Ullid -fein elegallies Spiel gewann! ihm sofort die Gll'llst aller. Lemberg. (Ersatzwahl Brody-Zloczow.) Wie alls den Tagesblättern Üe-kanint, wurde der Kandidat des Poleüklllbs, Dr. Gold, mit beträchtlicher Majorlität znill Abg.eordlleten für Brody- Zloczow „gelvühlt". Trotz deS Terrorismus des PolenAlrbs, rvelcher selbst in Galigien, d«rs sicherlich an das Unglailblichste gewöhnt ist, Eurpömmlg lllld Bestürzung hevvorgevnfen hat, erhielt der u-ativllalsüdi'sche K>an>diidat dldvls Stand eineganz respektable Anzahl von Stinmlell. Die allpolniische Presse schlichterte die jüdischen. Wühler >n. a. durch die offene Ssndrohlnrg voll Pvgronlen arnlb der Okm'luni der Jüdengesetze ein. Wie wir erfahren, 'tverden die Ab-georidneten Breiter und Dr. S t r a n ch e r die Vorgänge ihn Brody-lZloezow irr Form einer Interpellation im Abgeordnete.nhause zur Sprache bringen. . Lemberg. _ (Antisemitische Pfarrer auf Reisen.) Seit einiger Zeit unternahmen die zwei antisemitischen Landtagsabgeordneten, die P. P. S Z p 0 n d e r und S t 0 s a l 0 w s k y Agitatiansreisen im Lande, um die Batierir gegen die Inden allfzuhetzen. Es ist immer ein und derselbe Kohl, immer dieselbe Lüge, die dein unlvissenden, von der Schlachta ausgesogenen Ballern vorgesetzt wird: der Bauer trage sein Geld zunl Inden, der ihn answuchere, der Sozialismus, der die Religion llnd die Autorität allfhebm lvill, sei eine rein jüdische Erfindung mld stehe unter jüdischem Schutze; ,nan lnüsse sich schließlich schon deshalb vor den Jlldeil hüten, weil sie nach Zion lvollen, und lvie die böswilligen Dummheiten alle lauten! Die Hetzkapläne wissen ja am besten, wie unhaltbar ihre lügnerischen Anschuldigungen sind, veranstalten daher ihre Versammlungen nur für das „gut christliche Volk". In letzterer Zeit fanden sich jedoch einige Nationaljuden, die in diesen Versammlungen erschienen und das Wort ergriffen. Es war ihnen ein leichtes, die Ausführungen der pogromsüchtigen Patres Satz für Sah zu widerlegen, denn die Bauern wissen es ja zu gut, daß sie ihr Geld schon lange ilicht zum Juden, sondern in die ch r i stl i ch e n Genossenschaften tragen, daß sie n i ch t v 0 n Juden, sondern von den christlichen Darlehenskassen a u s g e w u ch e r t werden, und was den Sozialismus betrifft, so war cs gerade Pater S t 0 j a l 0 w s k y, der vor einigen Jahren noch sich stolz einen Sozialdemokraten nannte und diese Bewegung förderte. Nadantz. (GrünbllngAkvmttlie-rs.) Aus Ra- Ibautz wird uns bcrichM: Am 9. d. M. sanh her GrünÄu.nigs'k-vnl'nwrs bcr jüd.-äka'd. F>crmlv-evejniü'mrg „Ch.evmonia" statt. In idem föstlirch bewuchketen >lln>d g-efchmückiisn Schützen'saaw fandensich BÜrigerim-cilsker Znikoiwsktz tLanidtagsir>bg>eiolibnlei>ev von La'nÄwchr, bi« KüttusipräsildentLn. B>cbl,Derne r iunid Nathan Harth, der Ob!M!a»;n des Vereines „Dorsche Zion" Dr. Joses Brerev, ferner Vertreter der akädsmischen- Verb'iüdungen ,Madrmäh", „Hechkonra", ,-Jü!dtsche Küttur", ,-Emjunah", „Hasmorrae-a", „Hebronlia" uüd- „Zephiöa" u. v. ü. eilt. 'Eröffnet wllröe der Komimers vom Präses -der „Chermioniä" stüd. me'd. David Dernstr. Hilevaiulf Wett sttrid. exp. Jäkob HorVacz die Festreide, die unter Hrniweis aulf die- Schäidort der Assilmil>atjon'speri.oiöe dilo NotweüdMeit eiines' ZüsaMmenschkusses lalle r Julden M'm Gegeüstanide Hatte. Dann entwickelte stulb. phil. Isaak Mene,zier irr seiner Tenöenzre'dedie Ziele der „Ghermontia", «die in der Fövder>nn>g der Eilii-gkeit unter den J'Nden uüd in «der Hebnn-gdes jüdischen Stamnllosbeilvnßtseins bestehen. Auls «derr von stüd. jur. Lapajowker äüf die Stabigemei-nide Raldnutz a>usgebrachte'n Töalst erwiderte BlütrgjrrMeÜster Zutowski, er achte als Krtldurmeüsch >die Bestrebün-' gen aller derjenigen, die aulf Ibie Stärknng des eigenen Bottes abzielen uüd es freue ihn, haß die „Chermoüiä" diesen Tenldenzen huldigen-. Aibg. v. Landwehr fmid in seinem Toaste auf die ,/Chermvn'ia" kräftige Worte für natimnäte Arbeit. Auf den 'konisefsionellen Friedeil trank KultlusprÄsWent Terner, aüf das Wühl Seiner Majestät «des Kaisers Kuttusöizepräsident Nathan Harth. In deütscher ün>ö hebräischer Ne'd-e begrüßte Rabbiner Basfeches die neue Verewigung. Es sprachen!noch iDöktor Hürth, Dr. Josts Vierer namens des Vereines „Dorsche Zioll" und die Vertreter ider eingangs erwähnten ärade.miischen Mrbündllllgen. In später Nachtstnnide schloß die st erhebende Feier. Czernowitz. (Heranbildung jüdischer Lehrer. ) Dank gewissen Praktiken wurden in den letzteir Jahren die Ausnahme jüdischer Lehramtskandidaten in die Präparandie derart erschwert, daß sich bereits ein fühlbarer Mangel an jirdischen Lehrkräften einstellte. Die weitere Folge dieser Tatsache ist nun die, daß bei Besetzung von Schulleiterstellen auch dort keine jüdischen Bewerber in Betracht kommen, wo das Reichsvolksschulgesetz — und jetzt auch eine Entscheidtlng des Unterrichtsministeriums — denselben die Berücksichtigung an erster Stelle sichert. Um nun auch jüdische Kandidaten zum Bestich der Lehrerbildungsanstalten anzueisern, hat der Czernowitzer Kultusrat über Antrag des Kulttlsrats^Tiekel beschlossen, vorerst zwei Stipendien ü 300 X jährlich zu kreieren, ftir rvelche die Koiiktirskuudinachtmg bereits erfolgt ist, und sind Gesuche bis Ende Oktober beim Ezeruolvitzer Kultusrate zu überreichen. Dies ist tvohl nur ein wem: auch bedeutsamer Schritt, run den Juden in der Bukowina zu ihrem Rechte 31t verhelfen. Sache der anderen Kitlttlsgeuteindeir in der Bukowina wäre es nun, dein von der Czernowitzer Kultrisgemeinde gegebenen Beispiele je uach Maßgabe ihrer Mittel ehenstens zu folgen und gleichfalls solche Stipeudien für jüdische Lehramtskaudidateir zu griinden, auszuschreiben. 2. MnrmB/iai Wien, I., Hohar Markt Nr. 8 (Palais Sina) im Zsutrumder Stadt. ♦ Bitterer Magenwein. Zur Bekämpfung dor Appetitlosigkeit Magenbegehwerden, der Blutarmut. Preis 3 Kronen SO Heller.