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Nationalzeitung · 1906-09-18 · Heft 68 (18.9.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 68 (18.9.1906)
Date
1906-09-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nationalzsitunb Nr. 58 1 Schilling jährlich all die Jtozentrale abzuführen. Dieser Beschluß luirb allen Jtovereinen zur Nachahmung empfohlen. Mr. B. H. H a r t o g c n s i s, Präsident der Jtogruppe in Baltimore, hat in der National Conceil os Jcwish Womeir (Nationalrat jüdischer Frauen) einen Vortrag über „Zanglvill und der Territorialismus" angeki'mdlgt. In Glasgow fand am 16. d. M. eine massenhaft besuchte Ito-Versammlung statt, in welcher Herr Meyer A. S p i e l m a n n, Präsident der British Federation das Referat hielt. Dr. I o ch e l m a n n hielt eine Rede in jüdischer Sprache. Ferner sprachen der Ex-Beilie Michael Simons aus Glasgow und Rer. I. R a b i n o w i tz aus Gdinburg. Von Zangwill langte ein mit Enthusiasmus aufgenommenes Begrüßungsschreiben ein. Berlin. (Von unserem Korrespondenten.) Die Jtobewegung hat in Deutschland wohl noch nicht zu einer regelrechten Organisation geführt, doch geschah dies bisher nur aus dem Grunde nicht, weil die Führer der reichsdeutschen Jto der Ueberzeugung sind, daß der offizielle Zusammenschluß aller Jtoisten im Reiche zu einer geeigneten Zeit von selbst erfolgen wird, da es bekannt ist, daß ganze zionistische Ortsgruppen durch und durch t e r r i t o r i a l i st i s ch sind. Wir nennen hier Posen, Hamburg, S ch ö n l a n k e, S a m t e r, D u i s b u r g, Franks u r t am Main, N ü r n b e r g - F ü r t, Würz b u r g, Mühlhausen, K a s s e l, L ü b e ck. Straßburg. Ueberhaupt sind fast alle Zionisten von Namen und Verdienst in Deutschland stramm politisch und zugleich territorialistisch und selbst unter deutschen Zione-Zion gibt es eine Anzahl solcher, die mit der Jto sympathisieren. Wenn die Jto erst ein greifbares Projekt bringen wird, so besteht kein Zweifel, daß 75 Prozent der deutschen Zionisten sich dafür enthusiasmieren und der Bewegung anschließen werden. Zkitunssschau». KorrchiwiikUM. Inland. Wien. (Eröffnung einer neuen billigen Küche.) Wir haben in der vorigen Nummer den Beschluß des jüdischen Nationalvereines „Einheit" für die strenggläubige ärmere und Mittelklasse eine streng koschere billige Küche ins Leben zu rufen, mitgeteilt. Sonntag ben 16. d. M. fand nun unter überaus zahlreicher Beteiligung der jüdischen Bevölkerung die sich hin, sie hat wenigstens einen, was ja Wort einen groben Fortschritt gegen die Allen bedeutet, die ihn nicht einmal dem bl amen nach) kannten. Diese Erckulgen-schäft müffcn wir allerdings dem Zionismus aufs Derbholz schreiben und können j mit diesem Anfang, der nicht dabei stehen bleiben! wird, zufrieden sein. Beim Anfang darf es nicht j bleiben. Wir müssen im Gegenteile, selbst ans die Gefahr hin, ein Jnviel zn tun, so viel als möglich das geschichtliche Bewußtsein wecken und so viel als möglich geschichtliche Per io '.-ck. n ns wären es auch nicht immer Gestalten erster Größe und alle Ereignisse, die ans unsere Entwicklung besonderen i 'Einfluß usthmen, unid wären fie auch bereits \ verblaßt, ans dem Dunkel 'und der Berborge-irhelt - hervorholen lind sie der» lebendigen National- > mnsenrn des jüdischen BolkSgdistes einverleiben, j Dazu dienen am besten die öffentlichen Centenarfeiern, wozu mehr oder weniger jedes Jahr Berj anlassnng bietet. Tie zionistischen Bersainmlunj gen, die oft genug Mangel an Vvrtragsstoff! leiden, haben Mittel, die ein Hörer zn belehren-, ' deren Nalivualgefühl zn stärken, deren Kenntnis! der -jüdischen Vergangenheit und jüdischen Leistnni gen ans den verschiedenften Gebieten z'n bereichern j und ik zii gewöhnen, von der Vergangenheit An- ' Wendung aus die Gegenwart zu machen, was uns Inden noch immer nvttnt. Für die Fugend aber werden solche Ceutenarseiern, ob sie jetzt bei Exhorten im Gottesdienste, oder in besonderen Ber- ' feierliche Eröffnung dieser hochwichtigen nationaljüdischen Anstalt statt. Unter den Erschienen bemerkten wir Se. Ehrw. Herrn Rabbiner S. F ü r st, und den Vorstand des Vereines „Einheit" mit seinem um das gesetzestreue Judentum verdienten Obmann, Herr S. M e st s e l s an der Spitze, ferner Herrn Kultusvorsteher Hermann E l t b o g e n, die Herren Rabbinatsassessor B a u m g a r t e n, Adolf H o f b a u e r, Dr. K o h n, Dr. Max G e l - b e r, die Vertreter zahlreicher humanitärer Vereine usw. nsw. Nach einer Eröffnungsrede des Vereinsobmannes Herrn Meisels, welcher die Notwendigkeit der neuen Anstalt hervorhob, hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner F ü r st, die Einweihungsrede. In der von ihm gewohnten geistvollen Weise wies er auf die Pflichten der Juden auf dem Gebiete der Humanität, welche mit den Satzungen der Religion im Einklang stehen müssen, hin. Er empfahl die nerle Anstalt der Unterstützung aller gutgesinnten Juden und flehte den Segen Gottes auf dieselbe herab. Nach der mit großer Begeisterung aufgonommenen Rede dankte Redakteur K r a u ß unter Betonung des Grundsatzes, daß ein Nationalismus ohne religiöses Bewußtsein nicht denkbar sei, Sr. Ehr- H'ürben Herrn Rabbiner F ü r st für die moralische Unterstütztmg, welche er der neuen Jnsistunon angedeihcn läßt, sowie den Vertretern der verschiedenen Korporationen für ihr Erscheinen, und versprach namens des Vereinsvorstandes, daß die Anstalt in dem Sinne geführt werde, wie es deren Charakter als streng religiöse Einrichtung erheische. In beifällig aufgenommener Rede erklärte dann Herr Hofb a u c r, daß die orthodoxen Gruppen jedes Bestreben unterstützen wollen, das den religiösen Satzungen nicht widerspricht und zum Zusammenschlüsse der gesetzestreuen Juden Wiens führt. Es sprachen noch Herr S. K o m e t, der sich um das Zustandekommen der Volksküche besonders große Verdienste erworben hat. Hierauf trug der Kantor der Schiffschul das hebräische Kaisergebet vor. Hernach wurde die Besichtigung dev Lokalitäten (2. Bez., Floßgasse 9) vorgenommen und die Küche ihrem Berufe übergeben. Wien. (Abstufungen, der Huld.) Anläßlich der Manöver in Dalmatien empfing der österreichische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand auch die Vertreter der einzelnen Religionsgemeinschaften. Sehr interessant waren die Antworten, welche der Thronfolger auf die einzelnen Ansprachen erteilte. Auf die Huldigungsansprache des Bischofs von Rägusa erwiderte der Erzherzog: „Sie haben mich, Herr Bischof, durch den Ausdruck der Gefühle, die Sie, Ihr Klerus und das Volk Ihrer Diözese Sr. Majestät unserem allergnädigsteu §kaiser und Herrn entgegenbringen, sehr erfreut. Die auf diesen Gefühlen beruhende Tätigkeit der Geistlichkeit im Geiste der Liebe und Eintracht wird — so Gott will — dem Volke Ihres Bistums zum Segen gereichen. Gott segne Ihr edles Pastorales Wirken und die Tätigkeit Ihrer Geistlichkeit, d i e S r. Majestät dauernder Gewogenheit u n d Gnade versichert sein möge." Auf die Ansprache des griechischorientalischen Bischofs von Cattaro sagte der Erzherzog: „Mit großem Vergnügen nehme ich den Ausdruck der Treue und Ergebenheit des von Ihnen vertretenen Klerus und des Volkes Ihrer Diözese entgegen. Mögen die Herren der Gewogenheit Sr. Majestät versichert sein und dies der Knltusgeineinde bekanntgebcn." Auf die Huldigungsansprache des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Ragusa erwiderte der Erzherzog: „Ich vernehme mit Genugtuung den Ausdruck loyaler Gefühle, die Sie im Namen der israelitischen Kultusgemeinde mir überbringen. Ich kann Sie der Gnade Sr. Majestät versichern." sMühr.-schles. Studenten tag.) lieber Anregung der jüd.-akad. Verbindung „Jvria" fand am 8. September in M.-Ostrau der erste mähr.- schles. Stndententag unter überaus zahlreicher Beteiligung aller in Betracht -kommenden Studenten'ko'rporakionen statt. Laut Präsenzliste waren bei 'den Beratungen 115 Studenten aniwesend. Nach Eröfsnüing durch JUC. Adolf L a n z e r würben ins Präsidium die Herren Löw (Jvria), B >u ch w a l d e v tBeritas), Enge l (Lesehalle BLünn), Flach (Lesehalle Wien), G l e i t s - m a n n lHe-fsiana), St >e r n (Gamala) gewählt. Der erste Vorsitzende Lö!w besprach das Programm des Sündententages nnd verlangte als erste Forderung die '3lner!ke,n'.n>ung der jildischen Nativ-, nalität unid die Errichtllng einer Lehrbanzel für jüdische Geschichte n.nd- Literatur. Namens 'ö-er Kültusgemeinde sprach Herr Vizepräsident Friedländer: der Versammlung die Sympathien aus und versicherte, die Ostrauer Kultusgemeinde stehe den Bestrebungen' sympathilsch gegenüber. Willkomrnengrüste boten nach die Herren Gleitsmann, Weiß und Stern. Hierauf. wurde die Sitzung bis nachmittags unterbrochen nüd es fand in der belebtesten Straße Ostraus, der Hauptstraße, ein -imposanter Bummel 'statt. 3lm Nachmittag erhielt als erster Herr Weiß (Rede- und Lesehalle Wien) das Wort, iöer -schließlich irr einer Resolütio-n zur Reorganisation irnd >3ln!schkust an die bestehenden Bildun-gsvereine an-fforderte. In überaus glänzen-der und übersichtllicher Weise besprach J'UC. Winter ste i n (Jbria) die politischen Verhältnisse. Er -w-ies den jüd.-uat. 'Stnidentelr oiir weites Ilr'beitsseld Dl und betonte, es -dürfe keimen an'sta'ltungen begang-eir werdet!, ein Ansporn sein, ' der jüd. Geschichte mit besonderem Fleiße sich zuj ziilivendon unid sich Muster und I,deale unter den j jüdischeu Geistesgrößen zu wählen. Tabei ist es! absolut uicht notwendig, tendenziös vvrzngehen. | Es eignet sich vielmehr für die F-ugend, ivie für! die dllten, die biblische Methode beiz-libehalten UlN'd i die verschiedenste'!! Charaktere zu beleuchten, denn ' wo die Kritik sich geltend macht, da erhöht nnd be- ' lebt sich das Interesse. i Das Jahr 1906 hat unseren Zwecken nicht ' geringe Dienste geleistet. Es brachte den 'hundert- ' jährigen -Geburtsiag Gab viel Rießers, der jüdischeir N-otabeltt-Versalumltlng in Paris, die! 000jährige Verbannung der J'ndenans F-rautk- \ reich unter Philipp delu Schönen, den 600jährigen j Todestag des J'sal ben Scheschel, den 400jährigen i (Äedeniktag des tzieluetzels 'der Marannen in Lissa-! bvn, den 4l)0>jübrigen <Geburtstag der he!bväischen Grainimatik von RenchliN und die ebenso alte i Tän'fe des Apostaten Johannes Psesserkorn. ' lleberblickt inan Namen und Zahlen, so geben i sie ein hübsches Geschichtspenflun, rvelrhes den Schülern eine ivillkonuuene Zutat zn ihren geschichtlichen Kenntnissen, den Evivachseneu eine interessante Bereicherung ihres geischichilichen Horizontes bringen rvird. Tie Centenarseier Äiießers und der Notabelnüersännulnng als allg-enieine jüdische Gedenkfeier dürste vielleicht in zion'isti-schen Kreisen - mit -manch! bed-emllichen! K'opfschütteln anfgenvmln>en lwerde.n, denn mit obigen Narnen sind die Markksteille des traurigen- J-ahvhnnderts derj Slssinrilalion des jüdischen Vlvlkes gegeben. In der Tat waren es auch die Vertreter der Assiiuilatiou in Teilt fehl and, rvelche ihrem Hort sowohl in össentlichen Versammlungen, die allerdings nur veveinzlelt rvaren, als auch in deu Gosinnuugsbezw. Ihichtgesiun'n'ngsblälterrl ihre iiberlanteu Huldigungen darbrachten. Ganz stille war's in den zionistischen Kreisen, die als berechtigte Geg- N'er der dl'ssinlilativn, ihre Urheber wie Tote, die inan nicht »rißachten, aber auch nicht anszeichnen -will, tot-schwiegen. Ob mit Recht? J>u 'unfevem kritischen Zeitalter ist totsrhiiveigen das rvirklsalnste Nkittel und röden zur rechten Zeit ein unschätzbares ltz-nt — eine Tat. Und -welch treffliche Äkutzanw-eudnug für unsere Zeit läßt sich selbst voll Zionisten ans der Centenavseier des Gabriel Riießer ziehen. Dr. Riester war ein vvrtreffticher- Chavaiter, ein ganzer Mann, und lväre er anchein solch ganzer Jnde ge-ivesen, hätte m-it -ihm der Zionismus begonnen. Das hieße aber die •3*<it das den- Kopf stellen. Er ivar ein Sohn sein-er Zeit, ein- Jnde NöendelssohNischer Schule. In erster Linie war er und ftthlie sich ein Deutscher nn-d er iväre ll'ielnals zinn Beumßtsein gekonlilnelll, daß er auch ein Jude sei, ivenn er ans seinen!- Lebens-rvege nicht übe-r -den J-nden gestolpert wäre >urid -rv'e'der in- Heidelberg trotz seiner V«»chbar1 tvafcsordlcit! Qtiruchla» 1 Policnz echte efornt-$chwei$$i)läiter a\m:

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