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Nationalzeitung · 1906-09-14 · Heft 67 (14.9.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 67 (14.9.1906)
Date
1906-09-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. <,/ Narivnulzeitung wa-nldcrnng in aroßcm Maßsw'be nutzbar machet wird. Warum treten dann aber die Fü-Hrcr der Jtv nicht mit der Rclkcr.imgin« Bevb-iuduim iist in-z-».üichcn schon pcschchcnj und lassen sich vo,:, H>v nicht einige Millionen Acres an einenr b>cr nördlichen I küsst' über geben'? Es steht fest, daß dieses Land an den Flüssen sehr fruchl'bar ist, ltniö das; die Ülegenhöhe dort jKhrUch m beträgt. Trockercheit ist in diesem Teile Australiens »»iiekarint. Es üvärc doch irenigstens der Milche wert für die Jto, eine Xrommiijsivn zur Pnüs-nng dieses Vorschlages nach Australien zu entsenden.Sicherlich 'würde die -Einiiva:n'd>er-un-gsllga, deren Vorsitzender ich bin, bei den, Wert' gerne iniicl-rbeiten. Man m-u-ßallerdings wohl beachten, daß ln- Australien Leute nötig sind, die sich auf dem Laude ansiedeln und ein produizierendes Element btldon-. .Für Ha-ndrvevker oder Händler ist dort jetzt dein Platz. Unsere Städte sind öier-elts alle ülberfnllt und einweiterer Beoöl lern ngsztliMchs würde daselibst den .Uamipf nms Dasein und die Nut noch härter ,wachen. Ader das Land wartet aus Millioneir Meujfchen, die es bebauen und ihm seine Schätze abgewinnen. Schafe und Rindvieh, Meisten und Mais, Butler und Käse, Fr-üchti: aller Art, Baum- «wolle, Kafste, Zucker, Reis, Tabak, das alles bann in ullbegrenstter Ausdechrru-ng gez-vgen und produziert werden . . . Astralien erscheint denen, für die -Europa die Welt ist, zn weit entfernt. Aber wir haben hier fast alles, -was Europa M'cku, kann, und viel! es-, was es nicht ge>währt. Wir habendas schönste und gesündeste Klima der Welt, unisere -Diaatssorm ist die freiheitlichste, und selbst dem Aermsten stehen die günstigsten Chancen o-ssen. Ein Jude, I. A. Jsaaes, ist Staatssekretär l-m> Ministerium- -für Gemeinwuhl, und kannleicht Prem'ieriNiniister von An-stralien werden,' .zwei andere, I. I. Cohen und D. Levy, sind hervorragende Mlitgljeder der ge!setzgebenden Versamlmlung von Neustidwales, und überhaupt, in allen Teilen Australiens gibt es Jüden, die hohe Steü-unige-n eirmehnren, darunter S-ir JullKn Salomons, ehemaliger Liberrichter vor, 9teus>iidw!a>les, und Justice Cohen in deurselben Staat. Ich möchte daher den Juden, d-ie sich mit dem Geschick ihrer leidenden . Brüder befassen, dringend empsehlen, obigen Vorschlag sorgfältig zn erwägen, und zu prüfenob nicht auf diesem Wege eine Lösü-n-g der ihnen vorliegenden ProAenie g-esundenwerden 'fruut." Ich glaube, daß dies-ev gedrängte Auszug aus vier Territorien, die in vier verschiedenen Weltteilen liegen, einenr jeden Urlbefangenen klar machen muß, daß imr es nicht notwendig haben, Territorien am „Mars" zu suchen', lv-ie nmnche G eg neu des Territorialismus ironisch! behaupten. Gewaltige Areal c von fvuchlbarcm, gesunden B'od'cn ivarten auf fleißige Arbeitshände und sind imstande, U! u r d n r ch L a u d' w i r t s ch. a f r j Millionen von Vienschen zu etimh-ren und den > Ansiedlern eine gesunde wirtschaftliche, soziale und politische Existenz zn verschaffen! Ja, aber warum tmchken dann Glicht die Territorialisten die jüdische Emigration auf irgend einesdieser jetzt sreien Territorien! zn lenken, so, wie es die Zione-Zionisten mit Palast Km machen-? Hier ist eben dev springende Punkt, hier liegt d-er Hauptti-nlersch-iedin der Auffassung der Jtldenfrage zwischen den Terriw-ria listen b'ezw. politischen Zionisten! und den Zione-Zion, oder, wie sie sich in letztar Zeit selbst gerne nennen-, C'howetre-Zion. Die Territorialisten b-ezw. die politischen Ziouisien sagen, und mit Recht, daß die Judenftage nur durch die Schaffung eines selbständigen Wirl-schgstsstaates gelöst werden kann:! Dieser Wireichastsstaat kamt nnv auf einem! freien Teirritoriu-m, dnrch eine,» Chact e r, ü e r n n s die a it s j chlietzli ch e E x p l 0! i t i e u tln g dies e s T e r r i t o - r i u m s Ui n d d> i e A u. s d e hrr u: m % s - m ö g l i ch k -e i t U ni s c r c r S iedl ui n g i m v o r a u sg a.- r a n. t i e r t, e r r i chte t! tv e r d e \i. | Wir müssen in der Lage sein, schon -beim i ersten Spatenstich den Plan für den Ausbau - 11:1110'. die Entwicklung dev ganzeir Siedlung nn-! gestört entwerfen und ausfüihreni zukönn-en. Die Zione-Zion aber wollen ohne Charter und angeblich nach einem vesiimmten Plan auf Palästina ioSarbeiten. denn ist aber ohne vorherige Garantien jede planmäßige Arbeit auf zediem Territorium und -auch in -Pä-lästina gänzlich ausgeschlosten. Weiin man eine Siedlung planmäßig grün^- deir lvill, so mu'ß ma-ni über das' Terrain-, auf lvelchs-m' di'e SKidlun-g gegründet werben soll, ungehindert verfügen kömreir. Dies ist ohne Charter und bei bereits mehr oder weniger stark bevölkerten Territorien nnj möglich. D i o it n t c r n e h m u. n g e n , k ö n r e n n u r o h n e j e d e n i n n e v e n-! Z u f a m> ine. n ly a n g n n d oh n e G e -! s a mt p l a m g e g x it n d e t w e v d -e n. \ Uebcvdies haben wir keine Garantien, daß, lüicun man uns auch die Ein,Wanderung gestatten I würde, und wenn mich die betreffenden Regiej rnngen es fchmungelnd^ zusehen würden, wie wir j die Werkle des betveffenden' Land-eshoben, daß l man! z,u einer Zeit, woman unsere H e - b n n v s d i e n st e nicht, me-hir braucht, dio Regierung des betrciffen'den, LaubeA -entweder die weitere- Einwanderung von Juden v-erbiietet, oder um unsere l os e n n k o m Pakte S i -e d l n n g eine' derart enge Grenze zieht, d-aß wir im Interesse d-ieser -Siaötnng jede weitere Zuwanderung selbst hintanhallen müssen? Zeichen, ein drittes Zeichen! Denn ich bitte Sie, vor jedem Unglück ist, wie bei einer Lizitation, dreimal ein Ausrnfen, und nach dem dritten wird zugeschlagen. Ich bitte Sie, es waren kaimi ztvei Monate verflossen — und es Hub gleich an ..." „Was Hub an?" „Das Unglück! Geometer, Ingenieure kamen angefahren; sie begannen Messungen vorzunehmen . . . kurz gesagt, nach zwei Jahren ivar schon eine Eisenbahn." ,,Jst das ein Unglück?" Berl lächelte ironisch. „Ich bitte Sie — das eben ist der ganze Ruin, davon ist die Stadt heruntergekommen, und lvir alle verarmten. Bedenken Sie das mit Ihrem feinen Verstand. Ich lvill Gdalie, den Fuhrmann, nicht richten, aber es scheint mir, daß er. viel hat sündigen müssen. Auf seinem Haus zeigte sich eine schwarze Katze, neben seinem Haus stand ein schwarzer Ziegenbock, aus seinem Hans ist ein Mädchen geflüchtet — und schauen Sie, wer ist zuerst verarmt? Wen hat die Eisenbahn zuerst ruiniert? Gdalie, den Fuhrmann. Wer kam zunächst an die Reihe — die anderen Fuhrleute. Ich habe es auch so erlvartet; denn ich bitte Sie, Fuhrleute sind grobeMenschen; sie sind fortwährend unterweg, und lvo kann man am leichtesten sündigen? Unterwegs! — Die Fuhrleute verarmten, dann die Kaufleute, Schneider, Schuster . . . alle. Rur der einzige David Jojne ist ein reicher Mann, aber was haben wir davon? Es ist schlecht auf der Welt, es ist sehr schlecht, deshalb, weil die Menschen viel Schlechtes begehen . . . und die schwarze Rätze ist fortwährend aus der Hut, ihnen Verderben zu bringen." Dies sagend, senkte Bert sein Hau.pt und verfiel in ein Hinbrüten. Es war dies auf der nach Dublin führendeu Landstraße. Berl tvar in meinen Wagen mit eingestiegen, da er überhaupt ein solches System hatte, zn reisen. Wenn er eine Reise anzntreten hatte, sorgte er sich gar nicht wegen einer Fahrgelegenheit. Er ging zu Fuß zur Stadt hinaus, schritt fürbaß aus, und wartete, ob er nicht wird irgendwo einsteigen können. Es ist dies ein ebenso gutes System als ein anderes und dabei nicht teuer, llebrigens könnte dieser denkende Atensch in Anbetracht j seiner Vermögenslage weder in einer eigenen j Equipage, noch mit Extrapost reisen. Die jü- I bischen Fuhrleute mochte er als grobe, ungebil j bete Menschen nicht leiden und vermied jegliche > Beziehungen mit ihnen. Und so zog er es vor, ' zu jemandem einzusteigen. In einem fremden ' Wagen fahrend, fühlte, er sich verpflichtet, den: , Was soll daun der große jüdische Emigrati-onsstrom machen, wohin soll er sich dann ergießen? Es ist doch klar, daß das Pvograumr der Zione-Zion, die mit p a p i e r e w e n P l ä - n o n a tu g r ii n e.n D i) ch, a b e r oh n e G a x a u t i e it. f eite m s d e r b e t r e f - f e u -d e n a ch. t e i n e L ö s u n g d e r I n d c iii f v a g e n i ch t h e r b e i f ii h r e n k a nu! Von diesen Erwägungen ausgehend, hat Hevzl, )vie er unsin seiner Eröffnungsrede am <>. Kongresse mitteitt-e, das Anbot des Sultans, welches in einer zusanimeicha-nglÄseu! Jni'miiMtion nach Mesopotamien gipfelte, als mit dem B a s e t e r P r o g r a m m u nv e r e i n - b a r. abgelehnt. Hingegen glaubte Herzt, und mit A'echt, gegen das Baseler Programm nicht ■5iM_ oerftoßen, wen-n eu territoriale 'Anbote in Ostasrika und dlegypteu-, zur BegrüiMing! der von ihm a-n-gestuebten Heimstätte!, in Erlvägung zieht, weil in diesem Falle das Prinzip' der garantierten Heimstätte bewahrt bleibt. Aus den selben Eiiioäguiigen würden auch wir jedes territoriale Anbot ohne Autonvm'ie-- U'djtc ablehnen. Herzt, als der Inspirator des Baseler Programms und Schöpfer der zionistischen Bewegung, hat das Baseler Programm! in ke-ustquenter Weife nur vom StandpuiEle'. der g a r a n t i e r t e n H c i m ft ä it e intelvp-retiert. In seinem „Judenstaat" äußerte sich Herz! zur territorialen' Frage des Zionismus wörtlich mie folgt: „Ist Palästina oder Avgentlnien vorzuziehen? D i e Society o f Jew s w i r d n e h m e n, w a. s m a n i h-r a i b t, und wofür sich die öffentliche Mem-mig des Judenoolkes erklärt. D i e S o c i e t y!v i r d b e i d e s s e st st e l l e n." , -denn hat uns Herzt am 6. Kongreß mitbsieilt. daß di-e türkisch!e RVgie-run-g nicht gewillt ist, uns Palästinazur Gründ-u-ng einer gaaan-- tierten jüdischen: Heimstätte zur Verfügung zn stellen. Rach den Veröffentlichüngen Professor Bamberys, der einpersönlicher Freunddes Sultans ist, und der d-le BerBindungen. zwischen Herz! und d-enr Sultan vermittelt hat, motiviert d>er Sultan seine Weigerung mit der Angst, sich ans d-er jüdischen Siedlung ein zweites Makedonien zu schaffen, wodurch den eriropäischen Großmächten bei eventuellen- Differenzen, die zloischeu der jüdischcn Siedlung und b'cuttürkischen Beamten, deren Neigung zum Bakschischnchmen er bcstätigt, nur eine gesuchte Gelegeniheit zur Einmifchnng in die in-neren dtngclegeiihciten der Türkei geboten'wäre. Boi der türkischen Ziegievun-g! besteht demnach gegenwärtig gar kein- Jntciresse an der Gewährung eines Territoriums für eine jüdische Siedlung im Sinne des- Baseler Programms. Eigentümer der Fahrtgelegenheit die Reise durch eine freundliche und belehrende Unterhaltung angenehm zu machen. In dieser Beziehung war er unermüdlich, er konnte, ohne anszusetzen, einige Stunden hintereinander reden . . . . Die Wahl des Gesprächsstoffes war ihm gleichgültig. Er redete gerne über Politik, über Geschäfte,^ verschiedene Klatschgeschichten der Gegend, über den Bürgermeister und Sekretär, worüber man wollte. Aber ein Thema, das ihm Gelegenheit bot, seine tiefe Gelehrsamkeit hervorzukehren, lvar am meisten nach seinem Geschmack. Da blendete er den Hörer mit seinem Wissen. Und was für Gclehrsamkeit war das! Ein pele mele, ein lvahres Kunterbunt! Legenden, Ueberliefernngen, Ritualvorschriften, die Namen gewesener Propheten und zeitgenössischer Gelehrter und Rabbiner, Vorurteile, Aberglaube, die sonderbarsten Gaukelbilder — all dies war in diesem Kopf. Und Berl trug ihn hoch, stolz, daß er solche Schätze beherberge. Er hatte kein Glück zum Geschäft, hatte kein Vermögen, besaß aber Gelehrsamkeit und Ehren. tFortsetzung folgt.) %r KEBS APOTHEKE 5. niTTELB/iai Wien, I , Hoher Markt Nr. 8 (Palais Hin.si iiu £<?utrum(tei‘ Stadt. ♦ Bitterer Magenwein. Zur Baktimpfu.ut de- Appetitlosigkeit, Magenbeaehwerden, der Blutarmut Preis 3 Kronen 50 Heiler.

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