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Nationalzeitung · 1906-09-11 · Heft 66 (11.9.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 66 (11.9.1906)
Date
1906-09-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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■Seite 2 Nationalzeitun^ iNr. ,(>,6 worden. Und wenn selbst der Willen, Verbreche zu verhindern, bei bestimntten Ministem vorhanden ist, so haben doch die Tatsachen erwiesen, daß die Zentralregierung nicht die Kraft hat, dm- Standpunkt absoluter Gerechtigkeit gegenüber den Abschlachtungen festzuhalten. Dr. Nathan meinte, nach seiner Ansicht sei so lange jede ministeüelle Reforinpolitik ein Ding der Ilinnöglichkeit, als nicht das Ministerium innerhalb der öffentlichen Meinung und vor allem in der Duma selbst einen Stützpunkt finden könne. Das Ministerium habe sich falber aber anch durchdie Auflösung der Duma die Hände für jede entscheidende Reformtätigkeit gebunden. Bis zum Wiederzusammentritt der Duma könne-es sich nur um Palliative handeln. Er hat betr Eindruck gewonnen, daß man besten Falles auch in der Iudeu.frage Neigung für gewisse Palliative innerhalb des Ministeriums hege. Man könne zurzeit aber nur von Neigungen sprechen. Es erscheine nach den ministeriellen Aeußerungen, die Tr. Nathan geworden, nicht einmat sicher, o-b diese Neigungen sich würden zu Taten verdichten können, obgleich dev Ministerpräsident ihm gesagt hat, daß zweifellos zu den wichtigen politischen Fragen, die in Rußland zur Entscheidung kommen müssen, die Frage der fechs Millionen! Juden gehöre, und daß man zugeben müßte, die Vergangenheit halbe in bezug auf die Judenfrage schwer gesündigt, aber wie balddiese Schwierigkeiten. zu beseitigen feien — wen könne dafür eine Garantie übernehmen? Tr. Nathan schloß seine Ausführungenfolgendermaßen: „Die russischen Schwierigkeiten sind riesenhafte, sie liegen nicht nur in -dev revolutionären Bewegung, sondern im fast ebenso hohem Grade darin, daß alle seit Plehwe aufeinanderfolgenden Ministerien Dr jede konsequentei Tätigkeit nach irgendeiner Richtung unfähig waren, weil mächtiger als sie sich im onjtsch eidenden Augenblick gänzlich unkontrollierbare Einflüsse erwiesenhaben!. Dieser Zustand kann nur der Anarchie zugute kommen." Bon der Jto. Der Territorialism-us auf der Kölner Jahreskonferenz. Eine merkwürdige Nachricht enthält Nr. 67 des „Neuen Lemberger Tag-blattes", sie lautet: „Köln. In «der zionistischen Konferenz wurde sehr-viel üller-Territori-cvl i s m u s g >e is p r o ch e n. Einige devVersammekten Halben sich als entschiedene AnHänger des T!err it or ial rs m ns erklärt, die Majorität Hai sich -jedoch dagegen ausgesprochen, und es wurde beschlössen, den T e r r i t -ö r i a l i s - m-us zn ignorieren (!) Und -die ganze. Debatte über diese Angelegenheit ins st e n o g r a p h i s ch e Protokoll — n i ch t a nsz u niehnre n." — Glaubt die Majorität wirklich, -atz sie auf diese Weise den Territorialis- Ni-us aus der W-olt schafft? London. Baron David Günsburg, St. Petersburg, ist der Jto beigetreten. — In einem: Massenmeeting in Kapstadt ist eine von Reverend Bender und Rechtsanwalt Lemis ein-gebrachte Resolution! lzngunsten der Jto angen-vinmen und zugleich vom Kapitän Walker eine -lokale Jto-Organifation begründet worden. Ebenso ist eine nene Organisation in Perth fWest-A-ustralien) begründet worden. — Dr. Si-monson, Berlin- Veröffentlicht in -der „Deutschen lBolts-stimlme", dem Organ des Bundes deutscher Bodenre'sovmer, einen Aufsatz -über: „Dr. Wilhelm, die Jto und das Klima von Ostafr-ika". Dr. Wilhelm w-ar der Leiter der berühmten Hertzka-Expedition nnd hat in einer der Vorhergehenden Nummern der BölEs-stimme sich Wer die Chancen weißer Arbeit irr Oftafrika geäußert. — In dievom Rat der Jtobeschlossene Kommission, die -Über die definitive Auswahl des -Landes dem- Rat der „Jto" Vorschläge machen soll, siüd u. a. die Herren -Dr. Paul -Nathan, Berlin, und Oscar Strauß-New Aovk eingetreten. London. Einem aus Budapest hierhergelangten Berichte zufolge -hat sich dort ein ans den ersten jüdischen Kreisen bestehendes Komitee zur Gründung einer I t o - O r g a -n i s at i o n -in Ungarn gebildet. An der Spitze der Bewegung steht Professor Dr. Blau vom Budapester LaUdesrabbinersemin-ar, >dessen Persönlichkeit uns dem Gebiete der Wissenschaft und des jüdischen «Lebens eine Gewähr dafür bietet, daß die Bewegung ernste -Formen annehmen wird. Stryj. Wie das „Nene Lemberger Tagblatt" berichtet, wurde in Stryj eine territorialistische Gruppe gegründet. Wir -sind nunneugierig, ob der „Jüdische Arbeiter" auch diese Meldung -als unrichtig bezeichnenwird?! AZe Ersatzwahl Hrody-Ztoczorv. Brody. Hier fand eine WählerversaMmlunig zu der bevorstehenden Reichsratswahl an Stelle des -verstorbenen Dr. Byk statt. Kandidatenre'den hielten Rabbiner Rosenmann und der Zionist Doktor Adolf lDtand, ersterer in deutscher, letzterer in polnischer Sprache. Stand erklärte, erwerde im Falle seiner Wahl dem PoleUklub nicht beitreten, er erklärte sich ferner für die PoloUisieruug des Brodyer -deutschen -Gymrmsiums -und spmch: sich gegen die Sonderstell-nng Galiziens aus-. Die zwei anderen KaUöida-ten, die das Komitee einlud, Dr. Gold aus Zloczow und Dr. KorUseld aus Wien, 'entschuldigten -ihre Abiw-rsenhett. -Ersterer erklärte, .dem PoleUklub heizutreten, «Dir. Koynseild ist entschlossen, nicht zu kandidiereu, falls Abg«K oltscher -kandidiert. Ernst genommen werden nur die Kandidaturen des Zio-Uisten Stand uUd polnischerfeits des -BÜirglermeisters Nittel, -dessen- Kandidatur in diesen Tagen auftauchen wird. Gold und Kovn- -seld -haben keine Aussicht, bei der Wahl durchzndringen. Zloczow. Die Siegeszuvevsicht dev jüd-ischnct-tiomilen Partei wächst von Stunde zu Stunde. Einen sehr günstigen Eindruck macht der nciigcgi'itnibcta Wähle rn-erein, dem die gesamte hiesige Intelligenz angchört, und der fick) fti r die Ka nd-ida-t-ur S t a rt; d s au s sp rach. An der Spitze dieses W-ählerveines steht dev Advokat Dr. Alter. Lemberg. Jni der vorigen Nummer des „Monitor" fordert der Reichsratsabgeardnete Dr. Ernst Breiter sämtliche ehrlichenchristlichen nnd jüdischienl Wähler auf, den jitibifdj* nationalen Kandidaten- Adolf S t an d zu Wahlen, weil die Politik der Jüdischnationalen und die Persönlichkeit Staadseine Gewähr dafür biete, daßer für die Freiheit aller Völker eintreten werde. ZeitunMaii v^Korrksponiikiljell. Wie». (Ge bet stunden.) Vom 10. September bis iukl. 13. September abends um 6 Uhr. Freitag be-n 14. Septewber abends u:m 5.45 Uhr. Samsta-g den 45. September abends um 6.45 U-Hr. Vom 16. bis inkl. 18. September abends um 5.45 Uhr. Mittwoch 19. Sept., Neuijahrsborabend, 5.45 Mr. Dtonnerstag den 20. Septeimber, erster Neuj-ah-rstag, morgens u-m 7 Uhr, ab-ends um- 6 Uhr. Freitag den 21. September, zweiter -Neujahrstag, morgens um 7 Uhr, abends um: 5.46 Uhr. Samstag den 22. -September abends um 6.30 Uhr. Vom 23. bis 27. September abends 5.45 Uhr. Freitag den 28. September, Vorabend des Jowkipur, um 5.30 -Uhr. Samstag den- 29. Sleptewber, Jomkrpnr, morgens um. 7 Uhr, abends um 6.40 Uhr. Bom -30. September bis iükl. 2. Oktober abends 6.45 Uhr. Mittwoch -den 3. Oktober, Vorabend -des S-ukkothfeftes, um 5.30 Uhr. An Wochentagen um -halb 7 Uhr früh, an Samstagen um 8 Uhr früh. Wien. (Die Zionisten in Palästina.) Es ist Heuer das erste M!ale, daß Zionisten in größerer Gruppe den Boden Palästinas betreten, um unter den dort wohnenden S-kammesgenossen Umschau zu halten, um sich in den- Kolonien Z-u überzeugen, was diese bisher geleistet und wasman -von -der Kolonisation Palüftinas erwarten kann. Noch nie wurde eine Studienreise mit 'größerer W!e- .geisteru-ttü organisiert, als diese Paläst inasahrt der christlicher Baron auf ihn aufmerksam wurde, undsich, entschloß, den W-underknallen -aus d-en Händen des jüdischen Lehrers zu nehmen' und ihn durch verschiedene Lehrer rm-tervichten zu lassen. Später kam er ins -Kioservatovium, wo wr alsbald solche Fortschritte machte, daß er bald darauf — kais erlicher Operns ä n g e r i N' W i e nwu.rd-e. Vor einigen: Jahren entschiloß sich, der alte Sonnenthal fein'c letzten- Lebensjah-ve in Je- 'rusalem zu'verleben. Auf der Reise nach- Je- - -rusalem kam er auchnach Wien. Er verständigte mittels- Postkarte seinen- P-flegesohn, daß sein einstmaliger Pfl-egevador den Wunsch habe, ihn noch einmal zn sehen. Balddarauf hielt eine elegante Equipage vor dem Hotel, in welchem der alte Sonnentha-l Absteigequartier nähMl, und der ^lutsche entstieg der berühmte Künstler Sonlnenthal in höchsteigener Person'. Als er seines Pflegevaters ansichtig wurde, fiel er ihm uni den Hals und iveinte ioi-eein kleines Kiitid. Er bat' den 3tlten, ihn in seiner Woh? nung zu besuchen:, denn' er ivohn-e — a m kais e v liche n H of e. T!er Alte fügte sich dem Wtlnsche seines berühmlen: Sohnes nnd führ mit ihm in dessen Wohnung. So oft mir der Ätlte diese Episode erzählte, konnte er gar nicht genug von dev Pracht und den Herrlichkeiten erzählen, die, er hier zu sehen, bekam.? Ter Künstler evgmg: sich in Dankesworte für 1 seinen Pflegevater, dem allein er es zu verdanken habe, daß er diese, hohe. Stufe erklo-lw men habe, die nur wenige zu erreichen -v-orinögon. Er erzählte ihm auch!, daß er trotz alled-eln . ein gutciv Jude geblieben ist, d-er seine- R-oli-gion - n-ieinals verlassen werde. Tann: frrlg er d-en - Alten, ob er seiner-- bedürfe, oder irgend einen; Wunsch habe. Hieraus antwor'tetle Vater; Sonnent-hal: , „Hör mal, Abraham! Ich fahre jcht nach i Jerusalem, an Geld fehlt's mir nicht, ich halbe mir einiges erspart unddas lvird für meine bc- - scheidenen Bedürfn-isse hinveichen. Aber ich fahre! in eine Gegend, wo es kein Theater, keine . Oper und keine Klubs oder and-eive Bergnii'v- Ü gun-gslokalitäten gibt; ich werde abgeschlossen . leben, feinevon allen! irdischen: Seligkeiten.! C'h-e ich nn>n, in d-i-eses Leben emziiehe, habe ich nur noch das eine Verlangen, dich, mein 5tind, l wen-igstens -rimna-l spielen! zu hören. Eswird j das erste und letzte Mal sein, und daran will ichmein ganzes Leben lang zchilen als Lohn für die Mühen, die ich! mit deiner Erziehung , hatte. Ich werdeinich freuen mit d-eni- Glücke, das nur wenigen beschieden ist." fügung." Er folgte ih-nn sofort die Kürte aus-, undbezeichnete ihniden Abend, an ivel-chiemer — dem Pflegevater zuliebe sp-ielqn -wöride. Alls der Alte mir in Jerusalem diesen Meud sch-ilderte und erzählte, wie er in der mit S-amt und, S-eide überzogenen Lage gesessen, ivie seine Füße auf teuren türkischen Teppichen richten, und daß anstoßend an seine Loge sich die Lage des- Kaiserpaures und der kaiiferlichen Familie befanden, und wie er versunken in all' diese Pwcht! da-gesessen:,. ivie or vor Eriegung die Augen schließen mußte, als „sein Awrämele" die Bühn e betrat und p singen begann: da flUtem sich die Augendes Alten imüniev mit Tränen bei dein Gedanken, daß er, der unansehnliche Jude, dazu beigetragen hat, daß Sonnenthal so ein berühinter — Opernsänger geworden. Weil ich vermute, daß alle d-i-e Zeitungen, welche jetzt über Sannent'hals Juibilä-um! schreiben, n!icht au:ch d-es' ciitcni Juden gedenken werden, welcher der Haupthelddieses: menfchlichen Lebensd-m-lnas ist tmd schon längst das Zeitliche gesegnet h-a-t: d-eshallb halte ich es für angezeigt, Jhrrn Lesern -diese wahre (beschichte Vekauntzu-gcheii, die ein wichiti-ges Ma>teiial für die Geschichte bildet. Ben Zion." „Vater!" evividerte der Künstler, „mit Perguügen will ich dir diesen kleinen WuNßch orfüllein; - ich -stelle' dir -nwme- Loge-zur-Ben- So tw.it dev Artikel! Ich balle dieses ,-'!vkhtige Ma-terial für die Gefchichtle" den wost- «aiohbar I «$B«$ordich> 1 3»rucblo» I ^Reform ■$c()wei$sblätter

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