Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 66 (11.9.1906)
- Date
- 1906-09-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ministerp'räfid'enten zweimal empfangen; imbi auch, sonst Gielcigenheit! hatte, eine Reihe hochstehender, cinflnßreich'er russiischer Per-fönlichkeiten Mi sprechen, ist von dem Vertreter eines großen! deutschen aSIaf tc^ interviewt moateiti und hat sich dabei in sehr bemerkenswerter Weise über die cmgenibMliche poili'- tische Lage Nußlain;ds. geäußert. Wie er" salgt, taste a>uch er sich erklärlichevweife durch! die scheinbare Ruhe, die gegenwärtig iw P-eitersbnrig! herrscht, nicht täuschen, das« tue ja auch kein einsichtiger! Beurteiler der augenblicklichen Lage. Ejv Wies! darauf hin!, daß die Ministcir' selbst den außerordentlichen Emst der Situation durchaus zugeben und mit der Tatsache rechnen, daß eine wesentliche Verschlimmerung iri' den' Provinzen Mitte September, Oktober oder November eintreten könnte. Aber der Premierminister Stolypin! sei der Alnistcht, daß die Regierung neuen, noch gefährlicheren Unruhen gleichwohl gewachsen bleiben werde. Dr. Nathan meinte, diese UeberzeuguNg sei bei dem: Ministerpräsidenten selbstverständlich. Dr. Natha'N! ging alsdann! zur Erörterung der Fraige über, welche Hoffnungen man! ans organische Reformen zur Beruhigung; des Landes! fetzen; könne. Das: müsse untersucht Wert Feuilleton. Eine Sonnenthal-Legende. Die jüdische Volks maste bekundete stets eine naiv-rührende Dankbarkeit für diejenigen ihres Stammes, die sich in dev großen Welt einen Namen gemacht haben, sei es als anerkannte Künstler, sei es als Märtyrer . oder als Philanthropen. Unzählig sind die Legenden über Alfred Drenfus, ebenso die frei erfundenen Geschichten über M 0' nt e - f i o r c und ein großes Stück Poesie liegt aluch in den fürwahr ausgegebenelr: Erzählungen über H e r z l s Verkehir mit den Potentaten'. Und alle diese: Legenden sind in Siebe geboren; a:ris allen diesen halben Erfindungen spricht ein gewisser Stotz und einle gewisse Hoffnnng auf die Zukrurft, die sich oft! in d>ein Sähe Luft zu machen pflegt: „Lo al'mon Israel!" Nrm ist mir eine recht köstliche, taufrische Legende über unseren lieben! Sioinnenthal in die Hände geraten, die ich hier weiter geben Null. Eine der jüngsten Nrimmern der in Nero fjork erscheinenden' „Jüdischen Gazetten", einer in jüdischer Sprache gehaltenen' Wochenschrift, enthält folgenden Artikel: den; denn die These her Minister sei die, mit starker Hand alle Unruhen! zu. unterdrücken:, aber alsdann durch! eine parallele Aktion die Bevölkerung mittiels refolrmato rischer Maßregeln langsam! zu, gewinnen. Dr. Nathan meinte, selbst wenn, man, die besten Absichten bet1 den Ministern voraus setzen wollte (Stolypin war sehr entgegenkommend bei Beseitigung kleiner Schwierigkeiten' in: bezug auf die jüdischen, Waisenkinder, die der deutsch-jüdische, Hilfsverein in Rußland übernommen hatte. Ein diesbezügliches Ersuchen wurde sofort erfüllt) , so bleibe es! doch! durchaus' unwahrscheinlich, auf solche W'eisezu einem guten Ergebnis zu gelangten. Als politisch! reale Kräfte seien in Rußland! di'e folgenden zu betrachten: die starke revolutionäre Bewegung in ihren' verschiedenen Nuancen', : die noch weit stärkere bäuerlichi-agrarlsche Bewegung, die heute schön nicht mehr' allein! agrarisch! sei, da: neben dem Rufe „Land!" immer häufiger der Ruf: „Land nnd Freiheit I" ertönt, fermer seieine sehr reale Macht die konstitutionelle Opposition!, welche die letzte Duma, beherrschte. Diesen Kräften ständen' gegenüber: die vorhandene Bureaiukratie, welche in den Traditionen der Vergangenheit groß geworben' sei, und das Militär, das' zwair von Monat zui Monat mehr an Festigkeit verliere, aber im Augenblick noch eine' respektable Macht darstelle. Bureaukra-tie und' Militär blicken: auf Peterhvf und auf jene bekannten Elemente, die afö Interpreten des Willens' von Petephof gelten. Auf die Adolf Sonnenthals arme Jugend. Unser Jerusalemer Korrespondent entdeckt einen alten Juden, der den weltberühmten kaiserlichen Opernsänger (sic!) als armen Waisenknaben erzogen hat! Schon als Kind ein Genie! In den europäischen: Zeitungen' lesen wir jetzt viel über Adolf S o n n ent h a l, kaiserlicher O p e r i st (wörtlich Red.) in Wien, Sonneuthal feiert letzt, sein! Jubiläum. Aus diesem Anlässe will ich hier eine Ge,schichte erzählen, welche die Juden der ganzen Welt interessieren wird'. In J!evrl>salem, lebte ein alter Jude, mit Namen S o n n e n t h a> l, der mir die folgenden Einzelheiten! über Sonnenthals- Jugend erzählt hat: Sounenthal wrirde in Ungarn geboren nnd verlor frühzeitig seine Eltern; der alte Sonnenthal, der mir die Geschichte erzählte, nahm mm, den Waisenknaben (er hieß' Abraham) aus Mitleid zu' sich! nnd erzog ihn wie sein 'eigenes Kind. Der! Waisenknabe besuchte das Eheder, woselbst er ganz, fleißig Ehumesch nnd lltaschi und später Talmud lernte-, wie dies bei orthodoxen Inden in Ungarn' Sitte war und noch ist. Das Kind nahm dann den Namen Minister, die kommen und gehen', blickt weder Bür-eaukratie noch! Militär. 'Er habe diese Erfahrung immer erneut gemacht. Sv' verfügt denn das Ministerium: über absolut keine realem Kräfte. Es findet wedereine Stütze im der Bevölkerung noch in der Bureaukratie und' im Heer. Es ist absolut angewiesen ans kn: Zaren und auf die Einflüsse, die sich des Zaren zu bemächtigen wissen. Das' Ministerium, d'as also, tatsächlich' in der Luft schwebt, wird: schwerlich: im dcr Lage sein:, eine konsequente und durchgreifende Reformtätigkeit zur Ausführung zu: bringen, dafür fehlen auch alle Vorausfetzunrgen: in Peterhof selbst, wo Dr. Dubrowin, dev Fühlrer des „Schwarzem Hunderts", als wohb gielitiener Gast wöchentlich fünf bis fädj# Mal aus- und eingeht. Unter diesen: Umständen ist cmzunehmen, daß, was sich, schon einmal ereignet hat, sich wieder ereignen kann. Auf das Oktobermanifest, das Witte, den Ultrareaktionären in schwerem Kampfe abgerungen hat, folgten> Massakers in ganz Rußland, und zwar nicht nur gegen die Juden, sondern auch gegen die Intelligenz, und sollten neue liberalisierende Maßregeln ins Leben treten, so werden: dieselben' Elemente, die heute, wie zuverlässig! feststeht, noch besser gerüstet sind als früher, den: Fortschritt wieder in Blut zu 'ersticken suchen:. Der Mord' von Herzenstein ist ein Symptom nnd' es ist ja bekannt, daß das „Schwarze Hundert" weitere fünf Todesurteile gegen angesehene Abgeordnete -eirlasseu hat; es seien diese weiteren fünf Namm schon, genannt seines Wohltäters' an: und nannte sich Sonnenrhal. Ter Waisenknabe verriet jedoch ba'ld' besondere Fähigkeiten für Gesang und Musik (!). So oft e>v einen: Ehasan singen hörte, stand er wie a:ngewurzelt bei dem Vorbeterpult und seine Ohren' sta'nden. spitz und' steif wie das Schallroihr einest Phonv>graphen:, und sog jede Nuance des- Gesan'gcs in: sich auf. Bekam er einmal Musik zui hören', besonders, Zigxunerm'usik, fa blieb' ein Wie; verzaubert stehen und lauschte inbrüusiig. Mit Vorliebe zog, er sich' in die- Karpathen zu:rück, lvo er uubelanscht nach Herzenslust singen konnte! wie ein: Kan'arienvogel, und' auf seiner hölzernen: Flöte rmgestört spielendurfte im: Konzerte mit den> singenden! Vögeln: des, Waldes. Einst kam nun in jene StM, in; lvelcher Sonnenthal lebte, ein: berühmter Ehasan'. Auch unser Awrämele ging hin', ihn zn hören. Er konnte nitch lviderstehen, in den; Gesangs des Ehasans mit einzustimmeu. Als der Ehasan die Stimme des Küaben hörte, war er so entzückt, daß er den alten Sonneuthal bat, ihm den- Jungen zur weiteren Ausbildring ln Gesang rmd Musik zu überlassen. Der Alte gab seine Zustiminnng. Bon diesem Tage angefangen lvurk der Kleine so be-rühmt, daß ein «••■* Die nächste Nummer erscheint Freitag den 14. September.