Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 65 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 65 NaLionalzeitung Seite 5 ,MÄwo pölski-e" vorsestellt. WeWers treten noch «Ls KamiöDaten auf: Wvökat Dr. Kornifelb in Wi-en uüd Rabbiner >Dr. Roseuimann in Florrösliwrf. Beide erklärten sich bereit, in Len Polenklub etnzutreten. Trotzdem find ihre 'Aussichten gering, weil deren Namen unbekannt nnld von «deren Tätigkeit nichts begannt ist. Lemberg, im Sepitember. Oskar Keßler. Vermischte Nachrichten. Unsere letzte Dienstagmnnmcr konnte ans imvorhergesehcnen Gründen, deren Beseitigung nicht im Machtbereiche dev Redaktion lag, nicht evschein'on. Wir bitten daher rmsere geschätzten Leiser um Entschuldigung. Die Redaktion. Wien. (Dreißig Semester „Jvria".) Anläßlich des jüdischen Hochschultayes, der auf Initiative der „Jvria" am 8. September in Mährisch-Ostrau abgehalten wird, begeht die „Jvria" noch ein besonderes Hausfest: das XXX. Semestrial-Stistungsfest. Wir begrüßen diesen freudigen Anlaß im Leben dieser rührigen Verbindung mit besonderer Genugtung und aufrichtiger Freude. Die „Jvria" gehört zu den wenigen studentischen Korporationen, die nicht nur eine Korpsbrudergemeinschaft sondern eine rigoros auserlesene Gesellschaft von jungen Juden darstellt, die durch ihren Eintritt in die „Jvria" die Pflicht übernehmen, sich in den Dienst der jüdischen Sache zu stellen, und sich für die Aufgaben, welche besonders eines graduierten Juden im Leben harren, gründlich vorzubereiten. Diesem Geiste und dieser Tendenz ist es zuzuschreiben, daß zu den meisten Erscheinungen im Leben der jüdischen Hochschüler Wiens, sowohl studentische Standesfragen wie auch, wenn es sich um praktische Gegenwartsarbeit handelte, die Initiative von der „Jvria" ausging. Wir heben hier besonders den „Verband der schlagenden Verbindungen in Wi-n" hervor, welcher zur Herstellung des Friedens unter den jüdischen Verbindungen viel beitrug, ferner die Arbeitsvermittlung für jüdische Studenten, an deren Zustandekommen nebst Herrn Dr. I. K r e n b e r g e r die * Jvria" ein bedeutendes Verdienst hat; ebenso war es die „Jvria" auf deren Initiative und in deren Lokale das studentische Emigrationskomitee gebildet wurde und viel Ersprießliches geleistet hat. Von der „Jvria" ging auch die Schaffung des ersten mährisch-schlesischen Studententages aus re. rc. Die „Jvria" ist auch die einzige Verbindung, die noch Agitationsreisen unternimmt und jährlich einige Makkabäerfeiern veranstaltet. Die „Jvria" hat sich die Stellung, die sie heute in der Organisation einnimmt, wohl verdient. Vivat, ereseat. tloreat! Wien. (Dr. Alfred Stern.) Wie wir bereits in unserer vorigen Dienstagnummer meldeten, beging der Präsident der Wiener Kultusgemeinde,' Herr Dr. Alfred Stern, am 29. August bei vollkommen hergestellter Gesundheit seiner: 75. Geburtstag. Herr Dr. Alfred Stern empfing aus diesem Alllaß aus dem In- und Ausland eine große Anzahl von Gratulationen. Men. (BeloblMa eines Mischen« Husarenzuasführers.) Wir hüben seinerzeit 'berichtet, daß ider Mische Hufaren'zu'gsführeer Alexander U ngar aus Effeüstaöt durch seinen Mut und seine GeisteWegeniwart wiederholt Menschenleben' vor dem sicheren Tode gemittet Hat. Herr Illexander Ungarn! Hatte' rinn die Genugtuung für seinen außerordentlichen Manuesmut eine besondere AusizeWnung seitens' seiner Vorgesetzten zu erhallten. Vor einigen Tagen «wurde iHUr in Gegenwart der ansgertickterl' Mannschaft tm Hofe der Breite useer Kavalleriekaserne das Belobumsde>kret des >k. u. k. Korpskommandaüten Überreicht, wobei der UnteraVteilungsko'mnrandant in einer Rede an die Mannschaft, die Verdienste' Ungars als Aüg'jährdger Soldat hervorhob und ihn als Muster eines 'Solidaten Hinstellte. Karlsbad. (Jüdischer Abituriententaß.) Der hier stattgefundene zweite jüdische Abituriententag für Böhmen war gut besucht. Als erster Referent besprach Herr Pollak-Prag die verschiedenen Versuche, die Judenfrage zu lösen, und kam zu dem Schluffe, daß eine radikale und endgültige Lösung nur auf nationaler Basis möglich sei. Die gegenwärtige Not der Juden erheische nebst dem Zukunftsprogramm auch eine planmäßige Gegenwartsarbeit. An das Referat knüpfte sich eine lange, anregende Diskussion, in deren Verlaufe auch Herr Rabbiner Dr. Z i e g l e r-Karlsbad das Wort ergriff. Seine mit Beifall aufgenommene Rede gipfelte in dem Satze, daß die westeuropäischen Juden die Intelligenz, die sie in dem tausendjährigen Kampf mit der Majorität erworben, dazu benützen sollten, um unseren Brüdern in Rußland und Rumänien eine Heimstätte zu schaffen, uns selbst aber hier bei uns die volle Gleichberechtigung zu erwerben. Das zweite Referat: „Was lernt der jüdische Student aus seiner Geschichte?" hielt Herr Wolf-Teplitz. Referent verwirft das heutige Erziehungssystem unserer Jugend, welcher nur die schwere Pflicht der Autoemanzipation von verderblichen, unser Volkstum schädigenden Vorurteilen obliegt. Zum Schluffe wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „D.'r am 14. August in Karlsbad tagende 2. jüdische Abituriententag gibt einmütig der Ueberzeugung Ausdruck, daß eine Lösung der Judenfrage nur auf nationaler Basis möglich sei und fordert alle Teilnehmer am Abituriententage auf, in ihrem nunmehrigen Wirkungskreise an der Hochschule in diesem Sinne aus allen Kräften an einer Regeneration des Judentums mitzuarbeiten". Israelitischer Landeslehrerverein in Böhmen. Am 27. v. M. fand unter dem Vorsitze des Oberlehrers Herrn S. Springer bei starker Beteiligung vonseite der Mitglieder die Generalversammlung statt. Nachdem der Obmann die Anwesenden aufs herzlichste begrüßt, der im abgelaufenen Vereinsjahre Verstorbenen in pietätvoller Weise gedacht und der warmen Teilnahme aller für die armen Glaubensgenossen in Rußland Ausdruck gegeben, erteilte er Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner'Dr. Schwartz aus Prag das Wort zu dem angekündigten Vortrage „Ein Blick in die Werkstätte des Predigers". Der Herr Redner hat seine Aufgabe in gediegenster Weise gelöst. Hierauf erstattete Rabbiner Freund den Tätigkeitsbericht und den über die „Mitteilungen", in dem er das Elend der Rabbiner und Lehrer in den Gemeinden schilderte, die bisher ihren Funktionären weder ein Definitivum noch eine Altersversorgung gewähren, ferner berichtete er über alle Schritte, die der Vorstand zur Stärkung des bestehenden Pensionsfondes getan, der wegen seiner unzulänglichen Fonds seinen Pensionären nur 480 Kronen nach 40jähriger Arbeit jährlicher Pension bietet, den armen Witwen nur 240 Kronen. Der Kassier. Herr Löwy, erstattete den Kaffabericht; beide Berichte werden genehmigt und dem Vorstande für sein zielbewußtes, selbstloses Vorgehen der Dank votiert. Ueber Antrag des Herrn Rabbiners Thorsch (Schlan) wird hierauf der Vorstand per aeolamationem gewählt. Die Generalversammlung beschließt eine Huldigungsdepesche an Se. Majestät nach Ischl abzusenden, auf welche noch am Nachmittage der telegraphische Dank der Allerhöchsten Kabinetskanzlei einlangte. In der konstituierenden Vorstandssiitzung wurden gewählt zum Obmann Oberlehrer Springer, zum Obmannstellvertreter Rabb. Abeles (ZiLkow), zum Schriftführer Rabb. Freund (Bodenbach), zum Kassier Religionslehrer Löwy (Prag), zum Rechnungsführer Direktor Schwarzer (Weinberge), zu Ausschüssen die Rabbiner Stein (Radnitz), Hoch (Caslau), zu Ersatzmännern die Rabb. Knöpfelmacher und Neumann (Prag) und Kraus (Wsdnian), zu Revisoren Richter und Munk (Prag). Nachmittags fand unter Vorsitz des Rabbiners Thorsch (Schlan) die Generalversammlung des Pensionsfondes statt, in der Rabbiner Abeles (ZiLkow) in eingehender Weise das Referat über die Statutenänderung erstattete. Alle vorgeschlagenen Statutenänderungen wurden mit Stimmeneinheütgkeit angenommen. Loschen. (Der Kaiser in der Synagoge.) Anläßlich der Wi'ftrnranö-ver in Schlesien fuhr der Kaffer auch vor der hiesigen' Synagoge vor, welche Se. Majestät mit ihrem Besuche beehrte. Beim Verlassen 'des Wagens begrüßte der Vorsteher der Kultusgemeinde Glesinger 'den Monarchen. Dev Rabbiner sprach 'den rituellen Segensspruch, 'worauf sich der Kaiser, geleitet von dem Vorsteher, dem Rabbiner und den vier Mitgliedern des Kultusvorstandes zum Tempel begab. Auf dem Mittelpodest liberreichte ein Mädchen aus dein von jungen Damen gebildeten Spalier einen Blumenstrauß, den der Kaiser dankend entgegen nahm. Ilm 'Portal erwarteten die übrigen Mitglieder des KültusauAschusses den Monarchen, 'welcher «zur Estrade geleitet wurde, ans der ein iFauteuil für .den Kaiser 'bereitstand. Der Rabbiner trat nunmehr vor die Bundeslade und hielt folgende Huldigende Ansprache an den Monarchen: „Eure 1 und k. Apostolische Mjajestät! Allergnädigster Herr und Kaiser! Wohin immer die Kunde von >dero allerhöchstem Besuche unseres Gotteshauses zu den Ohren meiner Glaube nöbrüder in diesem unserem herrlichen Waterlande dringt, überall werden freudige Dan- «kesgefühle sich regen und ich, ein Knecht meiner Religion, bin nur das schwache Sprachrohr der Segnungen all dieser Hmrdevttausende. In deren aller Namen lege ich, lgemätz den Geboten unseres Glaubens >(>Pr. XXIV., 21), die Gelübde unserer begeisterten Liebe und nie 'wankenden Treue für Eure Majestät und das ruhmreiche Kaiserhaus an die Stufen des allerhöchsten Thrones in diesen heiligen Räumen, wo wir bei jedem gegebenen Anlässe 'für allerhöchst öero Wohl und Glück beten. Und muß ich es heute besonders, wo wir zum zweitenmal während Eurer Majestät glorreichen Regierung den gnädigen Beweis erhalten, daß Eure k. und k. Apostolische Majestät auch unsere Religion als vollwertiges, von Gott bestimmtes sittliches Erziehungsmittel 'würdigt, auch über nns in gleicher Meise wie über alle anderen Allerhöchst Seine Liebesgaben ausstreut, deren wir uns würdig zeigen wollen, wie immer seit jener Zeit, «da uns durch -Eure Majestät Wille das Feld rühmlicher Betätigung im Kriege «wie im Frieden erschlossen worden ist. Und darum Wehe ich! jetzt mit 'der Sogn'nng: O iWelten'lenker, mögen die Worte, die ich z!u dir emporsende, sich erfüllen! Gewähre die Wünsche, die das edle Herz unseres allergnädigsten LaNdesvaters 'bewegen, -denn sie enthalten Tugend, Recht «und Frieden, Leben, ungezählte Jahre verlangen wir für ihn, o gib es, dauiit er, der Fels und Hort seiner Völker, der Schutz und die Wehr seiner Länder, seines erhabenen Herrscheramtes mit Jugendkraft walten möge!für und für, Amen." — Mit einem vor geöffneter Bnndeslade gesprochenen Gebete schloß der Rabbiner, woraus der Kaiser unter den Klängen der vöm Temipelchor Monierten Volkshymne das Gotteshaus verließ, in welchem eine Gedenktafel an den dem Tempel vom Kaiser vor sechzehn Jahren abgestatteten Besuch -erinnert. Der Kaiser sprach dem Kultusvorsteher und dem Rabbiner beim Verlassen des Gotteshauses seinen Dank Kr den schönen Empfang aus. Petersburg. (Zum Attentat auf Stolypin.) Airs Anlaß des Attentats auf der: russischen Premierminister schreibt der Petersburger „Fraiud": „Die Zeitmlgen „Nowoje Wremja" und „Russin" fordern jetzt die Bürger auf, offen herauszutreteu gegen die Revolution, welche so grausam geworden, daß sie nicht einmal mehr die Unbeteiligteil ilnd die Kinder schollt. Sie weisen auf die zwei Kinder hin, die anläßlich des Atteiltats auf ihren Vater zufällig verwillldet luurbcn. Es ist wirklich sehr, sehr traurig, daß der Streit zwischelt dem russischen Volke ulld der Regierung einen so rohell Charakter allgeilomnlell hat, lvobei lücht wellig ullbeteiligte Menschell, ja sogar Kinder zum Opfer falleil. Wo warell aber diese gar so barmherzigen Blätter zurzeit der Pogrome in Kischenew, Homel, Baku, Tiflis, Tlver ilnd Tomsk, wo hunderte lruschllldiger Mellschen, unter ihlleil viele Killder, in so grausamer Weise durch die Hände „patriotischer" Mörder xutb Räuber ums Leben gekommen süld? Warum vergaßen sie damals ihre Stinllne zu erheben für die Unschuldigen, für die Killder, die verwulldet ulld ermordet wurdeil während der „patriotischen" Schlächtereien? Ulld bei der: j ü d i s ch e n Pogromen sind diese unschuldigell Mellscherl, unter ihnen viele Frauen wld Killder, llicht zufällig um ihr Lebeil gekonlmell. Nein, die Huligane und Mörder haben gesucht Unschuldige, gesucht Fraueil ulld Killder ulld sie auf die herzloseste Weise ermordet. Warum Haber: die „Nowoje Wremja" und die gleichgesinnten Zeitungen damals ilicht eil: Wort des Mitleids gefunben für diese Opfer, feinen Ausdruck des Zornes gegen die Mörder? Warum wäre:: alle diese Mörder in ihren Augen