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Nationalzeitung · 1906-09-07 · Heft 65 (7.9.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 65 (7.9.1906)
Date
1906-09-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nationalzettung Nr. 65 Se i n e k ö n i g l i che Hoheit der P rinz von Wales Hielt am 7. Dezember 1901 in London die «folgende Rede, als er von seiner Reise nm die Erde, ans welcher er insbesondere die ausgedehnten Ländereien Kanadas persönlich in Augenschein genommen hatte, zurückgekehrt war: ,/Jn Kanada gibt es unernrctzlrche, noch nicht kultivierte Länöerstriche, verborgene Reichtüimer, die chrer Ausbeutung Harren, unermeßliche Flächen fruchtbarsten Utbodens, die dem Ansiedler günstigste Erträgnisse bringen müssen. Aus diesen Vorzügen des Landes kann jeder Nutzen ziehen unter den angenehmsten Lebensbedinigungen, liberalen Gelsetzen und völliger Freiheit, ganz im «Gegensätze zu den übervölkerten ««Städten und Ländern -und -des -fast aussichtslosen Kanrpfes ums Dasein, welches Los ja leider den meisten so oft in der alten -Heimat zuteil «wird. Ich erlaube mir daher, mich an meine Hier befindlichen Landsleute zu «wenden, daßsie ihre Anhänglichkeit an ihr Mutterland dadurch beweisen, daß sie die besten ihrer Söhne Nach Kanada senden, u-m «ihnen auf diese Weise eine glückliche Zukunft zu sichern." Was bietet Kanada seinen Ansiedler«? 1. 160 Acres freies Land. 2. -Ein gesundes Klima. 3. Gerechtigkeit und Ordnung. 4. Ein Schulwesen und ein EvziehungKsysrem, -welches sich mst den besten Einrichtungen aller anderen Länder in jeder Hinsicht messen kann. 5. «Ausgezsichnete Transportmittel zur Beförderung der LaNdesprodukte. 6. Lokale Märkte, die guten «Msatz ifür alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu den besten Preisen ermöglichen. 7. Vollste Anerkennung jedweder bürgerlichen und religiösen 'Freiheit. Religion. «Es gibt keine Staatskirche in Kanada und keinen -Religionszwang,' es herrscht -vielmehr vollständige Glaubensfreiheit. «Jeder kann« glauben, was er «will, und niemand hindert ihn an der Ausübung seiner Religionsgebräuche. Kanada zähst zirka 12.000 Gotteshäuser säst aller Konfessionen. Schulwesen. «Es «werden^ fvrt-währenid von den ProvinzialregierUngen große -Summen verwendet, um das Schulwesen immer mehr anszudelhnen, und man findet gegenwärtig rm «Lande gut geleitete Schulen. Kanada steht in dieser Beziehung auf einer sehr «höhen Stufe. Der Unterricht ist Vollständig .kostenfrei. Es gibt in Kanada: 17.284 Volksschulen, und 924 Höhere Schulen irtkl. Universitäten,' «es werden von zirka 33.000 Lehrern zirka -1,120.000 Schüler unterrichtet. Erlangung des Bürgerrechtes in Kanada. Ter Neuankömmling -findet in «Kanada das liberalste Entgegenkommen, und «kann derselbe jedes Geschäft betreiben, -sowie eigenen 'Grundbesitz erwerben, ohne, «wie in -den Vereinigten «Staaten, erst Bürger werden zu «Müssen. Nach dreijähriger Anwesenheit im Lande kann jeder, der das 21. Lebensjahr überschritten hat, -kanadischer -Bürger werden, indem er einen einfachen Eid ablegt, der keinerlei -Entsagung von politischen und anderen Rechten in seinem Heimatlande birgt. Die Naturalisation des Vaters gibt auch allen seinen minderjährigen Kindern das Bürgerrecht. Erleichternngen für die Einwanderer bei -er Ankunft in Kanada. «Es Herrscht die Ansicht vor, daß die Einwanderung in Kanada 'fast ebenso erschwert ist, wie in den Vereinigten Staaten. Das «ist vollständig falsch. In Kanada -wird jeder -ohne irgend -welche Schwierigkeiten eingelassen, sofern er gesund und nicht mst einer ansteckenden Krankheit behaftet ist. Ferner gibt es immer noch Leute, welche glauben, daß nur diejenigen freies Land -in Kanada erhalten, «welche auch in der alten Heimat Landbesitzer waren. Das ist ganz falsch. Jeder mindestens 18 Jahre alte Mann, -welcher bei der Larldung erklärt, daß er sofort oder später freies Land voll der Negierung anfzunehnieu wünscht, wird dementsprechend irr die 'Eintwanderungs- «büche: eingetragen und ist jederzeit berechtigt, von der Negierung 100 Acres -freies Land zu verva-ltgen. -Unbemittelte Einwanderer, welche sich in der ersten Beit einer anderen Beschäftigung als der Landwirtschaft znweuden wollen, z. B. einem Handwerk, ll-ln Mittel 'für die Bewirtschaftung des freien Regierungslaltdes zu erwerben, -werden auf ihre «Erklärung hin, daß sie die Absicht nn-d den «Wunsch haben, kanadische Landwirte zu «werden, durch dementsprechende Eintragung irrdie' Regiernngsbücher zur freien Empfangnahme von Land zu einer späteren Zest berechtigt. Die RegierungsLeamten in -Msan-itoba und den W0rd-Mest-Territorien Haben den Ansiedlern beim ANfsuchen einer Heimstätte behilflich zu sein und ihnen jede «Auskunft zu erteilen. Auf dem Bahnhöfe in Winnipeg, der Hauptstadt Manitobas, -werden die Ankommenden von besonderen Beamten, welche von der kanadischen «Regierung angestellt «sind, empfangen,' diese Beamten sprechen deutsch und sind den« ANkommenen in jeder Hinsicht behilflich. In «Winnipeg und «verschiedenen Eisenbahnstationen, nämlich: Brandon, Dauphin, Edmonton, Calgary und Prince Albert 'befinden sich m der Nähe der BahnhZ-fe Hallen, wo die Leute die erste Unterkunft finden: a-uch befinden sich dort -Bureaus, welche «kostenfrei, jedoch ohne Verbindlichkeit für den Erfolg, Stellen vermitteln. «Wenn 'Leute zu einer ungünstigen Jahreszeit ankommen, so erhalten sie vollständig freie Unterkunft «bis zu«m Eintrisst der Al/öeßts-zett. Ein« von der Regierung bezahlter Arzt untersucht die Leute täglich, unentgeltlich für dieselben, anr ihren «Gesundheitszustand. Nur ifür das -Essen haben die Einwanderer zu sorgen, und die Ausgaben Hierfür sind in 'Kanada «sehr gering. Auch wird für das Gepäck «de« Leute gesorgt, sowie für deren bestmöglichstes Fortkommen nach «dem Bestimmungsort. Sämtliche Beamten sind instruiert, alles Erforderliche zum Schutze der Ansiedler zu tun. (Schluß wegen Raummangels in der nächsten Frestagnum-mer.) D«s Erbe Dr. Emil Bhks. fZnr Ersatzwahl in Brody-Zloczow.) «Es gab -im zioni«sti«schen Lager lange Zest eine Meinu-ngs>versch ieden«heit, ob «man «wegen der K'ürze der Mandatsda«uler, und bei dem Umstande, daß die jetzige Wahl noch nachdem- «weltbekannten galizischen Wa-Hlsch-wiNde-lsyst-em -wiürde drirchgeführt «werden, überhaupt an die Au!fstellun!g eines eigenen Kandidat-eu schretten solle. Doch entschied sich eine «bedeutende Mehrheit «für das Eintreten in «den Wahlkampf, -auch -wennsichnoch so große Schwierigkeiten diesem Schritte -entgegenstellen sollten. Und es war recht!fo. Denn die Wahl -in Brody-Zlocz-ow, «dem« Wahlkreise E-mil Byks, des prononcierten Vertreters der galizischen Assimilations-politik, be«de«ute't gerade in diesem Momente nicht n«nr eine Kraftprobe «des galizischen Zionismus u-n-d aller jene«r Elemente, die die bisherige Lakaienpotstik verdammen, sondern sie ist auch nach anderen Richtungen von printzipielleinschneiiöenüer Bedeutu'ng. Zunächst ist sie ein großes Intermezzo.für die «kommenden« Mahlen, die wahrscheinlich bereits ans der «Grundlage -des allgemeinen gleichen Wahlrechtes «werden dnrchgefiihrt werden und das voraussichtliche Getingen dieser «Wahl würde -sowohl der: verschüchterten Juden, als auch den «Polen, Ruthenen und der Negierung die Augen öffnen und sie überzeu-gen, «daß die Juden n«unme-hr die «bisherige Politik bis znm «UeberdrUsse satt haben und jiüdische Politik, die Politik der nativn«alen -und -wirtschaftlichen Selbsterhältung einznschlagen gedenken. Der Ausfall «der -Wahl in Brody-Zloczow wird -u«n-d muß richtu-u'ggebend sein« für die -künftigen -Wahlen lin den Reichsrat, und kann in einem bedentenden Maße aüfkl-ürend -und entscheidend auf die Gestaltung der österreichischen JNdenpolittk wirken. Die Zionisten und die Jüd«i schirmt to nalen müssen deshalb zeigen, daß sie selbst unter diesen Verhältnissen, d. -h. nach dorn alten« Wahlm-vdus die Majorität «der Inden für sich «haben nn'd schlimmstenfalls, -wenn die F>e«ig-Heit der «Ju-den Korruption und Wahlschwindel «sich stärker erweisen sollten, als die Kraft 'des nationalen Gedankens, zumindest über eine ansehnliche Minorität aller aufrechten, selbstbe-mußteu -lind «selbstlosen Elemente des «Judentums verfügen. Auch dies -wäre ein Sieg und -würde uns nur überz-e'rrgen, wie viel noch an Arbeit zu verrichten ist, -n«nr den «wunden «jüdischen Volkskörper von -den Bazillerr der Assimilation 'und Korruption zu befreien. — Die Lr a ndi da te nf ra ge konnte nicht glücklicher gelöst werden. «Sie fiel ans Adolf Stand, -das Mitglied des Aktionskomitees. Adolf Stand ist ein Mann, der 20 Jahre aufopferungsvoller, selbstloser Arbeit im Dienste des Judentums hinter sich 'hat. Fast noch aüf der «Schnlban-k, stiirzte er sich in das jüdische Leben und agitierte «und schrieb und arbe«stete an der lNegeneratton« seines Volkes mit M-ut, Ausdauer und feste ne r H ingabe und Treue. Niemals scheute >e«r fei«tie Nüttel, wo es galt sie i-m Dien-ste seines Ideals, «feines Volkes zu verwerten. Deswe'gen «fand «seine Kandidatur «überaus «freundliche Aufnahme selbst in jen«en «Kreisen, die dem Zionismlrs «fernstehen, aber R-espett «n-ird Hochachtung vor einem unbeugsamen Eharakter 'besitzen. In «Bvody, wo es ein sehr reges, stark en-lwickeltes ziomstiwo es ein sehr reges, «stark entwickeltes zton-istifches Leben gibt, stellte sich vom Momente, alS die Kan-dida!t«ur Stands be>kannt wurde, die ganze Studentenschaft, die ,,Poale Zion" «nn-d« die Mirgerlichen Zionisten in den Dienst 'der Agstation uüd es wird eine Tätigkeit entfaltet, wie« man sie in «Galizien in ldiesem Matze und in dveifer selbstlosen Art noch «nie gesehen hat. «Noch! stehen mir am 'Anfang, aber die Agitation« verspricht «geradezu grotzartHge Dimensionen anznnehlnen. «Die Lembevger -nn«d Tavnopo'ler Organisationen haben sich sämtlich in den Dienst der Sache -gestellt nüd aridesten mit großem Eifer: die «hervorragendsten Parteihäupter -und Zlgitatoren «wurden -mobilisiert und gehen aüf den W'ahlPlatz: Dr. Bra-üde, «Dr. Malz, Dr. -Zipper, Wern'h-avd Jähr, -Dr. Pordes, Löbel Taubes« und andere Hielten vor tausendköpfigem -Pub-liknm große WaHlversammlungen ab, in denen die «Wähler begeisternd der Kandidatur «Stands zuigestimmt haben. Und nun z-u -den W!äh«lchaneen. Die einflußreiche und angesehene B>ürger!scha«ft B'rodys erklärte« aus einer vor einigen Tagen abgehailten«e«n B!ü-vgerversammlung, nur einem «solchen Kandidaten -ihre Stimmen zu -gebecr, ider mutig und offen jüdische Bolkspolstik zu betreiben sich erklärt: «für eine Kandi- «datnr Stands 'würden sie «sich -ohne weitereserklären, «wenn er in den PoleNklübeinzutreten sich bereit erklärt. Vo-lkspvlitik und «P-olenklub, wie reimt sich das «zusammen? D«er Polenklnb ist eine n'atiou«a>lpolnische Jn-teressen«ve!rtretnng, der w«0h«l polnische «Politik betr«eibt, der es aber niemand zn«mjuteu,«wwö, jüdisch^ «Nationakpolstik zu «betreiebn. .Wie «man- «solche z«wei divergierende Forderungen a'nisstellen «kann, von denen« -die e-ine die andere ansschlietzt, ist gera-dezu '.unbegreiflich und niur a-Nf das- Konto der alten Furcht vor -den Polen -und «jahrzehn'telan-gen 'Erziehung von festen der Zliffimilations'juden zusetzen. «Die «Polen selbst neh«men nämlich bisnun eine zu'warteNde Haltung ein «und -wollen es selbst «w-isseil, nb-er welche Anhängerschaft die Zi«on«isten verfügen und wie west ihre Kräfte re«ichen, Um «darnach ihr Verhältnis zu ocn Juden! einz-n-richten. Denn das »v-ifsen die Polen gut, nn'd wenn-« sie es nicht wißen, so mögen sie es wissen, daß die Zionisten «keine antipvlnische Politik «betreiben wollen, wie sie überhaupt gegen keine einzige Station aüftreten und jedermanns -gerechte« «Wü.Nfche gerne «unterstützen, sondern nur -für die «Interessen des jüdischen Volkes und die -Ehre des jüdischen- Narnens jederzeit einzntreten geivillt sind. Entweder sind wir eine «Station und Haben eigene Interessen, o«der u>«iv sind keine und haben «keine eigenen Interessen, iertiirm non datur. Wenn wir aber — was auch von den bürgerlichen Spitzen «der Brodyer Jlrden'sch-aft z-ugestanden wird, eine Nativr,« sind, so müssen wir als solche lnid nicht als verborgene Zuwage einer anderen anft-reten. Es ist selbstverständlich, daß «Stand die Zltmutnng, inden Polenk-lub einzutreten, nnt aller 'Energie znrückwies nltd es wird noch der weiteren: «Agitation Vorbehalten sein mlüssen, die Brodyer «Bonrgeoisie zu überzeugen-, «daß ein -offener Jude, -der sich selbst 'Fessettt aulegen «läßt, ein «Ding der U'lint'öglich-keit ist. Hiltgegen stecht -daLs «Gros .des Brodyer -J-n-dellt-nnis der «Kan-didatcir «Stau'ds «mst großer Sympathie gegertüber «und tm allgemeinen sind die -Wählchaueen in Brvdy durchaus g-ün«stig. '-Anders verhält sich die Sache in Zloezow. Hier Hat -der Lokalpoliliker lni'd «Wahlkorrnptiouist Dr. -Gold seine Kandidatur alifge-stellt« llu-d «hat es bei dern Ulnstan-de, -daß seine «Kandidat-nr bei den Brodyer Inden allgenwin -verhaßt tst, nicht einlnal gewagt, seilte Kan'di'datllr offiziell! bekanntzllgeben. Seill-e A-gitat«i«orl Hat der M!a«n-ll daln'i-t b-egonaen, daß er di/e «Wahllisten- 'fälschte ustd etwa 200 «Namert iu die -Wählerliste ei-nfügte. Dr. Gold, Bizebür'g-ermeister voll Zloezow, erklärt in eirier vevschärftell Touart, die Politik Byks «betreiben zll «lvotten ull-ö hat sich vor einiger Zest in einem Artikel deö allpolliisch-alttifemstischen

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