Mannheim
Compact Memory

Nationalzeitung · 1906-09-07 · Heft 65 (7.9.1906) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 65 (7.9.1906)
Date
1906-09-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2429839-2429840-2429905--465-2430576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Nr. 66 Seite J interessiert, und aus der Gemeinschaft der Interessen konstruieren wir die Realisierung des Territorial i s m u s. Als Realpolitiker wissen wir, daß ohne Vorhandensein des gegenseitigen Interesses die territoriale Frage im Zionismus nicht gelöst werden kann. Wir dürfen uns keinen Täuschungen hingeben und hoffen, daß man uns aus reinem Idealismus irgendwo (auch in Palästina nicht) ein Territorium zur Verfügung stellen wird. Auch dürfen wir uns nicht der Hoffeung hingeben, daß man uns bereits kultivierte Ländereien geben wird, wir können nur auf unkultivierte Territorien rechnen und das genügt uns. Sind aber die in Betracht kommenden Territorien geeignet, den Anforderungen einerjüdischen Ansiedlung auf breiter Basis entsprechen zu können? Ans diese Frage will ich nicht mit Mutmaßungen und Behauptungen, sondern mit einem übersichtlichen Auszug aus den offiziellen wirtschaftsstatistischeu Daten der betreffenden Territorien beantworten. Kanada. Ein gedrängter Neberblick über Kanada nach dem statistischen Material der Kanadischen Regierung: Kanada «nd seine Provinze«. Kanada, der nördlichste Teil von Nord- AMerika, Hat einen Flächeninhalt von 3,456.383 englischen Quadratmeilen oder 8,954.360 Quadratkilometern itttit z-ivka 6 Millionen Einwohnern und ist in folgende Provinzen eingeteilt: Prinee Edward Island (Prinz Eduard-Insel), Nova Scotia Weu-Schottland), New Brunswick {Neu-Bralmschweig), Quebec, Ontario, Britisch Colnmhia, Manitoba und North West Territories mit den Devritorieni «Assiniboiia, Alberta Saskatchewan und Ath«abaska. Eisenbahnen. Kanada hat ein Eisenbahnnetz von 32.000 Kilometern, «welches mehr als eine Milliarde Dollars (Dollars 1.000,000.000) gekostet hat. Im abgelaUficnen Jahre wurden 24,000.000 Passagiere auf denselben «befördert. Es gibt wenig Länder in di-fchöN! Köpfen. Die Herrschaften« lachen — aber die jüdischen sind von einer feinen! Socke! Bei meinem Gewissen! Nur kann nicht in jeden Kopf ckne große Weisheit dringmmanche sind ein wenig untauglich . . . „Enge, beschränkt?" Berl schnitt eine Grimasse. „Es gibt auch, beschränkte . . . aber da-W ist die Schule, nm zu probieren! . . . Gleich von 5kiudhleit an sicht man, ob der Kopf brauchbar ist oder nicht. Ist er tcru'öilicf}*, ist es ein solches Glück, daß der größte Reichtum Hm nicht gleichkommt." „Entschuldige die indiskrete Frage, aber sage mir, Verl, was denkst du von deinem eigenen Köpfe?" Der S'uibe zauderte. Blrrmenkarte» aus Jerusalem. (Eine Warnung.) Es werden in letzter Zeit von Jerusalem aus an Privatpersonen im Auslande sogenannte „Blumenkarten" versandt, denen nach einiger Zeit ein Zirkular folgt. In dem letzteren wird der Empfänger unter Berufung auf seinen Wohltätigkeitssinn gebeten, zur Unterstützung einer in großer Armut befindlichen Familie nach freiem Ermessen einen Gegenwert für die Blumenkartru einzusenden. Erkundigungen haben ergeben, daß es sich hierbei um eine in großem Stil betriebene Bettelindustrie handelt, die das Interesse für Jerusalem und die unter einem Teil der dortigen jüdischen Bevölkerung vorhandene Armut gewerbsmäßig ausnützt. Die Namen der angeblich oder wirklich bedürftigen Personen werden öfters von den eigentlichen Geschäftsleuten nur vorgeschoben, dafür erhalten jene einen Anteil am Geschäftsgewinn. Häusig arbeitet ein Unternehmer gleichzeitig unter mehreren Namen. Her Welt, welche besser mit Eisenbahnen versorgt sinh als Kanada. Sobald irgendwo im Lande neue Kolonien entstehen, werben von den Hauptbahnen aus Zweiglinien dahin gelegt, nnb «dadurch« die denikbar günstigsten Transportgelegienheiten 'für Personen und La ndespro dritte geschaffen. Einfuhr «nd Ausfuhr. Während der Dauer eines Jahres, endend am 30. Juni 1906, betrug die Einfuhr in Kanada 261,011.465 Dollars. Die Ausfuhr betrug im gleichen Zeiträume 203,316.872 >Dollars. Klima und Fruchtbarkeit des Bodens. Das Klima ist äußerst gesund und ähnelt im allgemeinen demjenigen der mitteleuropäische!» Länder. Kalte Winter, welche «wegen ihrer Trockenheit mit Hilfe von warmer Kleidung leicht erträglich sind, wechseln mit sehr schönen, warmen Sommer«, welche nngesähr von April bis Oktober dauern. Die Tnrchjchn'ittstemperatur in der Provinz Manitoba beträgt im Sommer + 12 Grad, im Winter — 13 Grad Reaumur. Infolge des warmen «Sonnenscheins, welcher, von April an mit regelmäßigem, reichlichen Regen abwechselnd, tägliche zlwei Stunden länger als in irgend einem Landwirtschaft betreibenden Lanide anhält, kann schon gewöhnlich nach drei Monaten mit der Ernte des im Ilprll gesäten Kornes begonnen werden. Gutes TriNkwasser «wird «überall in mäßiger Tiefe gefunden, auch enthalten fast alle Seen gutes Trinlkwasser. Landwirtschaftliche Produkte, Viehzucht und Jagd. Die größte Erwerb sq'uelle Kanadas ist die Landwirtschaft inlkl. Viehzucht, Meierei und Obstbau. Heber 23 Millionten 'Acres «werdenj für Feldbau benlitzt, und etwa 20 Millionen Acres sind Weideland, 3 Millionen Acres >werden mit Weizen bebaut. Mit dem Vorteile, ein. günstiges Klima und fruchtbaren Boden zu haben, ist es dem Landwirte Kanadas möglich, neben, dem in «Europa vorkoiumenden Getreide auch das geschätzte indische Korn zu pflanzen. Ganz Kanada besitzt zirka 4 00 Millionen Acres kulturfähigen Boden, wovon bis jetzt nur zirka 35 M i llionen Acres bebaut sind. Die Provinz Manitoba sowie die No rd-West-Ter ritovien besitzen insgesamt 200 Millionen Acres kultursähiges «L a n d, wovon bis jetzt zirka 3 Mil I i o n e n Acres unter Kultur sind. Diese letzten brachten im vergangenen Jahre eine Erntte von weit über 100 Millionen «Bufhels G e t r e t ö e. Der Gssa«mtwert dieser Ernte in Geld nmgesetzt veläuift sich au!f zirka 55 Millionen Dollars. Aus der pan>am>erikan'i>schen Ausstellung in Buffalo im Jahre 1901 erhielt das Kanadische Ackerbaummisterinm «für Weizen, Hafer und Mehl zusammen 3 große goldene Medaillen und eine silberne Medaille nebst Anerkennungsschreiben zuerkannt. Die verschiedensten Sorten Früchte und Gemüse «werden mit größten: Erfolge gezogen und auch nach allen Weltteilen versandt. -Es .wurden irn vergangenen Jahre allein f>ür zirka 30 Millionen Dollars Ackerbanprvdntte von Kanada nach England exportiert. Butter und Käse Kanadas werden als die besten «Produkte der Welt anerkannt, auch kanadischer Speck, Schinken sowie Nindfleifch, rrelche ebenfalls großartige Exportprvdntle bilden. Die Biehzncht «ist ein sehr einträglicher Erwerbszweig, und die Landwirte Vönnerr ausgezieichriete Resultate Nachweisen. Auch die Fischereien in Kanada sind bedeutend und die l bekannten Fischsorien, wie Lachs, Makrielen, Stockfisch, Schellfisch, Hellbnt, Stint, Häringe u. a. vertreten. Kanada besitzt auch Mineralreichtmn: Gold, Silber, Kupfer, Blei, Graphit nfw., andrerseits werden Petroleum rrnd Salz in Kanada gewonnen, auch! bedeutende Kohle nnri ne« sirid vorhanden. Die Jagd ist fast vollkommen frei, es existieren nur einige lwen>ige Einschränkungen, die sich auf die Jagd auf gewisse Wilbarten während der Schonzeit beiziehen. In der Nähe der Ansiedlnngen findet man Hirsche, Füchse, Hasen usw., Waldschnepfen, Tauben, Rebhühner, Wachteln, Regenpfeifer, Präriehühner, Gänse Enten, Brandgänse, Brachvögel usw. In größerer Entfernung trifft ’nram noch! Bären, Waschbären, Minks, Kiöferrrmarder, Ottern, Zobel usw. an. Zunahme der Einwanderung. Innerhalb der letzten Jahre hat sich eine ganz bedeutende «Einwanderung nach Manitoba und den Nord-West-Territorien vollzogen, und ist die Zahl der Einwanderer in stetem Steigen begriffen. Auch irn vergangenen Jahr ist die Auswanderung aus Europa nach Kanada gegen die vorhergehenden Jahre bedeutend gewachsen. Aus allen Teilen Europas 'kamen die Ansiedler in großen Mengen, urrd sogar aus den Bereinigten Staaten von Nord-Amerika haben sich iw vergangenen' Jahre 46.000 Personen in Kanada angesieöelt. Der Grund dieser immerwährend zunehmenden «Einwanderung lieigt in den. Vorzügen des Landes, wie sie 'kein anderes Band dem Ansiedler zu bieten vermag. Kanada hat noch Raum für über 100 Millionen Einwohner! Landarbeiter «nd Dienstboten. In Kanada ist außer g r o ß e r N a chs r a g e nach Landarbeitern zu Tageslöhnen von 2—2/5 Dollars noch besonders starke Nachfrage nach weiblichen Dienstboten. Allein tu Manitoba könnten sofort 800 Hausmädchen zu Monatslöhnen von 10—16 'Dollar ankommen. Europäische «Dienstmädchen sind dort sehr beliebt. Freies Regiernngsland. Die Heimstättengesetze von Manitoba und den Nord-West-Terrilorien geben jedem« Familienhaupte sowie jedem über 18 Jahre alten männlichen Ansiedler das Recht, 16 0 Acres freies Land zu beanspruchen, und nach drei Jahren «wird ihm, sofern die Bedingungen der Ansiedlung erfüllt sind, von der Regierung eine Eigentu'msurkuNde ausgestellt, wodurch! er 'der rechtmäßige Eigentiimer des betr. Landes wird. Die einzigen Auslagen, welche der Ansiedler hierbei hat, sind 10 bis 16 Dollars für Eintragungsgebühre n. Außer dieser freien Liandbervilligung, welche jedem über 18 Jahre aMn> Einwaniderer von der Regierung gelwährt wird, gibt es noch! tausende von Acres, welche zu billigen Preisen (je nach Lage und Ausdehnung 2.6 bis 3 Dollars pro Acre) sowohl bei der Regierung selb«st, als auch von den Eisenbahn- und LaudbelbaNungsgesellschaften, oder von Privatleuten gekauft werden können. Europäische Ansiedlnngen. D eutsche A ns iicdlu ngen. «Neben vielen anderen bedeutenden! deutschen A'üsiedlnngen neunen wir nur: Gretna, Altona, Rosenfeld, Plum 'Conlee, Gbenezer, Ro«sthevn, Neudorf usw. «Deutsche Landwirte finden wir in Manitoba, den Nord-West-Territorien und' British' Columbia sehr zahlreich!,' überall, wo «Eisenbahnen das Land dem!Verkehr eröffnet haben, sind «deutsche Aüsiedlungen entstanden. Sie breiten sich immer weiter aus und erzielen reiche «Erträge. «Die Bevölkerung hat darum in den letzten Jahren ganz bedeutend >zu!geno!M'men. Während im Jahre 1881 die BevöUevung dieser Provinzen 168.165 Seelen betrug, zählte mwni im veraangen>en Jahre bereits 800.000 «Seelerr, und inlz>w«ischen «hat die Bevötternng lioieider errorm zugensömmlen. Wenn erst di>e wunderbaren Eigenlschaften des vorzüglichen Lartdes den tausenden von Leuten in den iibervötkertcn Teilen der ältere«» Lürrder bekannt sirid, so wird 'die' Zunahnre n«och rapider «wachsen. J«n Kanada ange«siedlie «Europäer lassen ihre in 'der alterr Heimat zurückgM'iebenen Verwandten und Freunde nach Karrada «korrrmen, da sie sicher sind, daß auch die neu Ankommenden rmch kurzer Zeit gleich grlte 'Erfolge zu erzielen inista>n'de sein werdet!, wie sie selbst erreicht haben. Herr Speers, Agent der 'kanadischen Negierung in Winnipeg, schreibt, er «habe bei seiner jüngsten amtlichen Rundreise sich persönlich von den großen Fortschritten der in den« letzten' Jahren von Europa ange komme neu Larrdleute überzeug, auch «daß alle in guten, festeu Häusern wohnen. Beispiele v o n dein schnell w ach se reden W ohlstände der K!olvnisterl «könnten wir zu tausenden anstihren, rvenu der Mangel an Raum uns hier nicht verhinderte. KRCBSdPOTlICKE 5. niTTELP/ICH Wien,!, Hoher Markt Nr. 8 (Palais Sina) im Zantrum der Stadt. ♦ Hühneraugen-Pflaster. Preis pro Kuvert 50 h. Preis pro Sohaehtel 70 tt. Hüh*<ira«0«iilials«ai (Tinktur) _ -■ i,.1.-; Prot* pro FlMoobobom 70 «allar. ■«=-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.