Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 65 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 M. U itünftige Lehre ziehen: sie werden UssiWm auf das Gebiet des persönlichen Kampfes nicht folgen, sie werden auch nicht, wie die Zionie- Zion nach einjähriger Llrbeit der Jto es getan, in Jubel ausbrechen, weil die Kölner Jahreskonferenz „nichts neues, und keine greifbaren Resultate -gezeitigt hat", sie werden vielmehr in edlem Kampfe mit all denen, die den Zeitgeist nicht verstehen wollen, ihre Arbeit für das bedri'lckte, bis anfs äußerste gepeinigte jüdische Volk mit aller Energie fortführen. Und dieser Wettstreit wird — nachdem ihn die Zione-Zion unbedingt wünschen — nicht nur die Kraft der Jtvisten stählen, er wird auch hoffentlich die politischen Zionisten im Lager der zionistische Gesamtorganisation zu erfolgreicher Tätigkeit anfpornen. Zum Schlüsse müssen, wir noch auf ein peinliches Intermezzo in den Beratungen der Jahreskonferenz zurückgreifen. Es ist dies die Affäre des „russischen! Hilfsfonds". Bekanntlich hat das A. C. anläßlich der großen, Judenmassakers im vorigen Jahre eine Sammlung zugunsten der durch die Pogrom,e geschädigten russischen Juden veranstaltet. Wie nun ans den Berichte des zur Verwendung der gesammelten Gelder eingesetzten Komitees bervorgcht, wurde ein großer Teil des gesammelten, Geldes zur Errichtung eines Jnformat i 0! ns ü u r e et u §• für Einwanderer! in Jerusalem verwendet. Niemand wird die Nützlichkeit eines solchen Jnformationsbureans, vorausgesetzt, daß es unter eine verläßliche! Leitung gestellt wird, bestreiten, aber jeder rechtlich denkende Mensch wird sich der Auffassung der Herren C o w e n - London und Kann- Haag anschließen müssen, daß durch den erwähnten Beschluß das gesammelte Geld nicht i m S i n n e der S p e n d e r, demnach widerrechtlich verwendet wird. Durchsolche Mißgriffe handelt man nicht nur gegen Treue und Glauben-, woraus e§. j a bei Spendensammlnngen hauptsächlich ankommt, sondern bringt das ganze Wesen der Hilfsaktionen bei größeren nationalen Katastrophen in Derrrrs. Man mag sich ja über die viel'gelästerte Philanthropie erhabendünken, man mag ja der Ansicht fein, daß „die Hilfsaktion der Zionisten eine andere fein" müsse, als diejenige anderer Vereine, aber das alles enthöbt niemanden der elementarsten Pflicht, das Geld ausschließlich zu dem Zwecke zu verwenden, für welchen es verlangt und erhalten wurde. hat nicht die Zeit vergeudet ..." „Was, zum Kuckuck, hat es denn getan?" „Der Bub' hat gelernt; an seiner Seite war ein Engel und der hat ihmdie Heilige Schrift erklärt, und hat ihm alles, wie dem besten Rabbiner, gelehrt. Er gab ihm, volle Weisheit; er füllte ihm der: ganzen! Kopf." „Und wozu schickt Ihr Kinder in die Schule?" „Denn so soll, so muß es fein. Ich werde es Ihnen erklären. Der Mensch ist eben eilt Mensch; er hat Glück und Unglück. D!er Herrgott gibt ihm gute Sachen! — der Teufel, Sie wissen,, solch eine unzüchtige Kreatur, will diese guten, Sachen dem Menschen; entreißen, will ihn ganz zugrunde richten. Bei jedem! Anlässe spielt er gern einen1 bösen Streich. Den alten Leuten setzt er zu und' die Kinder möchte er, wenn er es könnte (daß ich es nicht in einer Wechten Stunde ausspreche), auffressen. DaH ist ein kompletter Hallunke und durch ihn müssen Unsere Kinder in die Schule gehen..." „Durch ihn?" „Durch ihn eben,. Sehen Sie: solch ein kleiner Judenjunge ist, ehe er zur Welt kommt, schon so> klug« und in der Schrift bewandert wie ein Rabbiner. Kaum aber kommt er zur Weli>, wartet der Teufel auf ihn und versetzt ihm, als erste Begrüßung, einen Nasem stübev! Sie glauben nicht? Nun bemerken Territoriald Politik. Siehe NMonalzettuntz Nr. 68, 04 III. In den ersten zwei Artikeln habe ich mich mit der Widerlegung der These I Ben Berachels in puneto Palästina befaßt. Ich will nun die zweite These Ben Berachels, welche die Unmöglichkeit der Gründung einer jüdischen Wirtschaftseinheit auf einem anderen Territorium behauptet, eingehend erörtern. Wie ich bereits im vorletzten Artikel erwähnt habe, stellt Ben Berachel den Satz auf, daß auf einem anderen Territorium, welches uns von der englischen Regierung zur Verfügung gestellt werden könnte, für die englische Metropole nur ein Hinterland geschaffen werden würde, welches die englische Metropole mit Agrarprodukten zu versorgen, und welches gleichzeitig ein Absatzgebiet für ihre Jndustrieartikel zu bilden hätte. Wenn ich nicht wüßte, daß Ben Berachel ein Antiterritorialist ist, so würde ich nach diesem Satze glauben, daß ich einen Territorialiften vor mir habe. Denn diesen Satz stellen nämlich die meisten Territorialisten zur Begründung des Territorialismus auf! Wenn wir irgend ein Ideal aufstellen und dasselbe verwirklichen wollen, so müssen wir uns immer fragen, ob außer unserem subjektiven Willen auch in den objektiven Verhältnissen Tendenzen vorhanden sind, welche zur Verwirklichung dieses Ideals führen. Sind diese Tendenzen in den o b j e k t i v e n Ve r hä l t n i s s e n vorhanden, dann können wir b e i V o rhandensein eines starken organisierten Volksmille ns mit'' Bestimmtheit auf d i e V e r w i r k l i ch u n g des aufgestellten Ideals rechnen. Sind nun beim Territorialismus die erforderlichen objektiven Tendenzen vorhanden? Ganz entschieden! Als Konsequenz der ökonomischen, sozialen und politischen Unterdrückung der Juden ist ein kolossaler Jmmigrationsstrom entstanden, welcher sich jährlich aus Rußland, Galizien und Rumänien nach den freiheitlichen Ländern, wie England und Amerika und in letzter Zeit auch nach Afrika und Australien ergießt. Durch diesen starken Emigrationsstrom werden die Emigrationsländer übersättigt und infolgedessen fangen dieselben an, sich im Interesse ihrer eigenen Volkswirtschaft gegen eine weitere Einwanderung abzusperren. (Allien-Bills in England und Immigration Laws in Amerika.) Die jüdische Emigration wird also vor die Frage „Wohin" gestellt. Nach dem Muster eines Bergstromes, : Sie, daß jeder Mensch an der Stelle«, wo der « Teufel ihm einen! Stüber versetzte, ein« Grübj chen hat." - „Aber was folgt daraus?"! „Wie denn: was? Solch ein Kind ist doch j zart, es fürchtet. Wie es dieses unflätige Ge- - schöpf erblickt, schreit es, und, wenn es von ihm « einen Stüber kriegt, erschreckt es so, daß es! alles, was es gekannt, was es vom Enge«! ge^ j lernt, sofort vergißt'! Darin; steckt die ganze Kunst! Wenn nicht er, wenn nickst dieser Lump, hätten die Kinder nicht nötig gehabt, zu lernen — und alle wären sogleich! sehr gescheit!. Sie lachen, Sie! gla«rtbm nickst, daß dies wahr ist? Ich weiß . . . die Herrschaften haben ihren Aberglauben. Sie werden vielleicht sagen, daß es keinen Teufel gäbe? Oh! Daß ich! so kein« Unglück mehr sähe, wie ich ihn mit meinen eigenen! Angen selbst gesehen habe! Ich weiß nicht, auf welche Weife er in die Stube kam." „Und wie hat er ausgesehen?" „Daß er zugrunde gehe! Daßmeine Augen ihn nicht sehen'! Er hat ganz wie eine schwarze Katze ansgesehen! Pfui! Pfui! Lachen j Sie nicht, denn es kann, Gott behüte ein Urv-! glück passieren« l" j „Ich lache auch nicht — nur sind wir von nnferem Gegenstand abgeko-mmen. Berl, du ' hast mir nicht erklärt, warmn — obwohl jeder der sich durch alle Hindernisse einen Weg bahnt, wird sich auch der jüdische Wandererstrom nach der Richtung des schwächeren W'i dje rst an d es einen Weg bahnen und eine Abflußstelle für sich schaffen. Wie und wo wird aber diese Abflußstelle geschaffen werden? Hier hilft uns wiederum eine zweite in den objektiven Verhältnissen vorhandene Tendenz. Es existiert eine große Anzahl von jungen Staaten und Kolonien, für welche ein frischer Zufluß von Einwanderern Bedingung ihrer weiteren Entwicklung ist. Wir wissen, daß beispielsweise Kanada und sämtliche südamerikanische Staaten, insbesondere Argentinien, in ganz Europa Agenten unterhalten, um Einwanderer unter den denkbar günstigsten Bedingungen für ihre Staaten zu werben. Die gleiche Tendenz, Einwanderer aufzunehmen, besteht auch in den unbevölkerten Teilen von Afrika und Australien. Welches Interesse haben nun alle diese Staaten an der frischen Einwanderung? Dieses Interesse ist ein zweifaches: Erstens wird durch eine intensive Bearbeitung der noch unkultivierten Territorien der Wert des ganzen Gebietes gehoben, und zweitens sind die Metropolen und hinter ihnen das Großkapital, wie Ben Berachel richtig bemerkt, daran interessiert, Absatzgebiete für ihre industrielle Überproduktion zu schaffen. Solche Absatzgebiete kann nur eine Landwirtschaft treibende Bevölkerung bilden. Aus diesem Grunde sind die Metropolen im Interesse des Großkapitals bemüht, auf den noch unkultivierten Gebieten starke agrikulturelle Ansiedlungen zu gründen, welche ihre Agrarprodukte nach den Metropolen exportieren und im Umtausch ihre Industrie- Produkte importieren. Dank dem Vorh and ens ein dieses Interesses hoffen wir, den Territorialismus realisieren zukönnen: Wir streben die Schaffung einer Heimstätte auf freiem Territorium an, welches das in der Wanderung begriffene Judentum aufnehmen soll. Nachdem die von der Immigration bereits übersättigten Länder eine weitere Aufnahme von Emigranten im Interesse ihrer eigenen Wirtschaft nicht zulassen können, so werfen wir uns logischerweise auf diejenigen Länder, welche an einer starken frischen Einwanderung interessiert sind. In diesem Falle sind es Kanada, die südamerikanischen Staaten, die englischen Besitzungen in Afrika und Australien. Wie wir oben nachgewiesen haben, sind diese Gebiete an einer Einwanderung interessiert, wir sind an den Einwanderungsländern M«n>sch> einen' Kopf hat — es dochcm dummen Leuten kein Mangel ist." „Kein-Mangel?! Ha! Ha! Wenn. ich so -viel Groschen im Vermögen hätte, wieviel dumme Menschen man antvifft, so! würde ich fragen, was ganz Dublin kostet!" „Also?" „Nun, so wäre ich sehr reich«. Was Gescheite und Dumme betrifft, werde ich! Ihnen gleicherklären. Wenn auf der Welt nur Kluge wären, dann gäbe es keine Dummen, und wenn bloß; Dumme wären, dann' gäbe es. keine ..." „Gescheiten." „Nein, dann. gäbe es keine Dummen, denn jedem! Dummen, käme es vor, er! sei klivg. Erwägen! Sie mit Ihrem feinen Verstand-, jede Ware muß ihr Maß haben. Essig, wird mit einem Quart gem>esfen, Zucker antf Pfunde gewogen«, Tuch oder Schnittware wird amf Ellen gerechnet. Nun, was für Elle werden' Sie zum Messen! von Klugheit finden? Ein dummer Mensch ist ebejni jjollchj Äste Elle! Wenn Sie einen Gescheiten neben' einen Dummen hinstellen' und beiden heißen, daß sie reden, wird ein- Maßstab sein. Entschuldigen Sie, hören! Sie weiter. Auf der Welt ist alles notwendig — auch verschiedene Köpfe. Gewöhnliche sind viele nötig, große wenig, beim. ein großer Kopf denkt für kleine. Ich erzähle Ihnen nickst von fremden, ausländischen und von jü- Reform-Sdweissbläfter gfS