Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 65 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mmcheitimg Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. RrdaKlion: IX/1, Walasajse 81. Telephon Nr. 14728. Cprechstuntrn: An Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Nattonalzettung" Wien. IX|1. BttclMperdeit wegen verspäteter oder gar nicht erfolgter Zu, stellung erbitten wir uns dringend. — Maauriirlpt« weräen viedt r«rSe»gr,te»t. Postsparlaffen-Konto 47037. In dar Abonnement kann man täglich eintreten. ,-d Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentum einer Sozietät. — Hernnsseber und Chefredakteur: Jakob Kraus;. Inserate übernehmen die firmen: 3. vanneberg, M. Vukes Nachfolger, yaasenftein & Vogler, Rudolf Masse, M. pozsonyi, ff. Schale! in Wien ferner alle klnnoncen.Lxpeditionen im Auslände. Einzel - Nummer in Wien 15 Heller. Administration: IX/l, Wasagaste 31. Telephon Nr. 14723. SkbonnementS'PreiS: Für Wie« u. Oesterreich- Ungarn f. Frankozustellung r Ganzjährig. . . . K 12.— talbjährig . . . . K 6.— ierteljährig . . . K 8— Fsür dar gesamte AuSl a d Ganzjährig . . . L 18,12 Preis der Anzeigen: Die Smal gespalt. Ronpareillezeile oder deren Raum 12 d. „Eingesendrt" dieSspaktige Ronpareillezelle 30 ««Her. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprochender Rabatt. Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entgegengenommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgasse 7; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Ur. 65. Mir». Freitag den 7. September 1906 (17. Mnl 5666). VIII. Jahrgang. Die Kölner Zahrcskonferenz. Tic Zionistische Jahveskonfevmz hat am 29. August. hv Köln» stattgefrmden. So sehr auch die „PalLstinensev" alles^ avfboten, um vor Jahreskonfereinz nach außen hin das Gepräge dev Kundgebung, einer 'einheitlichen, in sich, festgefügten, Organisation gn: geben, mißlang dieser „diplomatische" Schachzug, vollkommen'. Uebev deir Verhandlungen schwebte der Geist Herzls, der! Geist despolitischen! Zionismus!, den Ussischkin und! seine Getmum mit' oller. Gewalt zu bannen suchten und ließ sich nicht verscheuchen!. Das! große Loch, am 7. Kongreß durch! Fahrlässigkeit der Ussischkingjluppe! dem.« einigenden! Bande der großen Organisation gerissen! Wurde, ist seitdem, nicht nur nicht verstopft, sondern! womöglich nach größer und zu, einer Kluft. an gewachsen!, . welche die' dcsteni Männer frein O-rganisation! voneinander trennt, und es ist Miiedov nur dem widerspruchsvollen und> von> Widersprüchen' sich! nährend,ev Geist Ussischkins zu> danken!, daß gerade'! van zion^zionistischer Seite d«ev Kamps nicht mehr gegen Meinungen', sondern gegeir Personen geführt wird. Eingeweihte wüßten den Ausgangs sdür Jahres ko NifereuZ fchlon früher voMusiznsageU!. Schon in der russischen Vorkonferenz mlußte der Vorsitzende Ko gan- Börnste in die Verhandlungen mit der nieder fchnMttiernden Erkläru-'.'.g beginnen, daß die russisch-zionistische Partei' in ihrem« Grunde erschüttert sei', daß man in Rußland von einer zionistischen Partei nicht mehr sprechen könne', und die Arbeit von vorne begonnen werden« müsse. (Ehronlka Jewreiskoi Schini Nr. 31. Und als in derselben Konferenz U s s i s ch k i n Mit seiner Werbung für die Führerschaft der russischen! Zionisten, auftrat, würde er mit der Begründung zurückgewiesen, daß seine Führerschaft ein Hinüberleiten der Organisation in? den Ehowewe-Zivnismus' zur Folge haben müßte. Auf der anderen Seite lag das Ergebnis des Zidnistentagesl von Hannover vor, aut welchem nach! langen und scharfen- Deba!tten v i e r u> n! d v i e r z i g Zione^Zion über d r e iu n, d d r e i ß i' g politische Zionisten, einen fchwachm Sieg davontrugen. Rußland und Deutschland' sindcheute die wichtigsten' Faktoren im zionistischen^Leben. Unter solchen, Auspizien ist die Kölner Jahireskonferenz zusammengetreten. Bei diesenWo'ra,ussetzungen ist es nur allznseh>r verständlich, daß die Jahveskonferenz all die hohen Gesichtspunkte, deren« Erölrierung von «d'eni Zionisten der ganzen Welt mit Spannung erwartet wunde, vermissen ließ, daß in diesen Beratungen nicht, wie man dies' von jeher gewohnt war, die anerkannten Führer der Bewegung, die Bsgründen des Zionismus und Geheimräte Herzls, sondern Ussischkin und immer Ussischkin samt seinen alten, und neuen Anhängern das große Wort fiihrten, und daß dieses große Wort weniger dem Inhalte als der Länge nach groß war. Nur wenn man an das Wort K o g a n - Bernsteins von der Erschütterung der zionistischen Organisation denkt, wird der, geharnischte Vorwurf erklärlich, dm F e i w e l, also einer der! internsten,, gegen das engere A. C. erhob, daß es jede Initiative zu einer Kleinarbeit in Palästina verweigere. Cm Zeichen der inneren Erschütterung der zionistische Organifation war auch die unerquickliche Szene irr der Direktionssitzung der Kolonimbanik, in welcher die Ussischkin gruppe die Demission Cowens stürmisch forderten, während dieser mit kaltem Blute erklärte, daß er zu einer Demission keine Veranlassung habe. Aus allen diesen und vielen; anderen An>- zeichen geht es leider allzu« deutlich! hervor, daß die Spaltungen im zionistischen Lager noch lgnge nicht beigelegt sind'. Wir stehen nicht an, offen zu erklären, daß wir diese traurigen Erscheinungen in der Tiefe unseres, Herzens bedauern. Viel Arbeit! U'nd viel, mit großer Mühe und unter großen Entbehrungen zusummengelegtes Geld geht hierdurch, verloren, wenn es nicht gelingt, bis zum achten Kongreß einen Wandel zum Besseren herbeiznftlhren, wenn bis dahin nicht die kluge, nüchjterUe Einsiiht über die schimpfende, polternde Gewalt und den klemikrämerifchen Gleist die Oberhand gewinnt. Die politischen Zionisten, welche sich in unerbittlicher Konsequenz der historischen Entwicklung um die Fahne dev Jto scha'ven, Werden crul> dm E'rei'gnissen' in! Köln die einzig der- Feuilleton. Das Wunder auf dem Iudensrirdhof. Von Klemens Junosza. Deutsch von S. Horowitz. Berel Guzik pflegte zu sagen, die Gehorsamkeit sei das größte Gut, ein Schatz, welchein gogenübe'r der h,errli'chste Reichtum so, viel wie nichts bedeute. „Gnädi,ger Hem, bedenken Sie das selbst mit Ihrem sveien! Verstand! Sie kennen wahrscheinlich unsere reichen Leute? Wer kennt sie denn nicht? Das sind große Personen! Große Leute! Solch ein, David Jojue beispielsweise hat ein, Hans — und', wo hat er es? Mitten im Ringplatz! Er hat ein, Wirtshaus-! Und wo hat er es? An einer Straßenecke! Sie köniueu. es 'beurteilen, was das bedeutet: ein Hans ani' Rllngplatz und ein Wirtshaus an einer Straßenecke! Das ist ein Reichtum! Aber damit ist die Sache noch nicht zu Ende. Er hat reich geheiratest; die Frau hat i«hm> als AUtgift sechshlmdevt Rltbel gebracht und ün« Geschäft hat er Glück gehabt; er hat eine große Prozeßsache gewonnleu, hat an Getreide, an Holz ein Vermögen' gemacht! — und heute ist, er ein Herr! Ich bitte zu ihn: nach! Hanse zu gehen, und' sich seinen. Reichtum' anzuseheu! Er hat einen Sanrorarleuchter, Löffel cuuw Neusilber — und seine Frau trägt Ohrgehänge mit Brillanten, daß einem! die Augen vom Schauen weh tun! Und was hat er von all dem,?" „Wie denn? Er ist cbm reich." „Das ist richtig. Er ist der. reichste Mann der Gegend. Fahren Sie nach Lubartow, Firlej, Kam'ioirka usiv. und Sie lverden keinen! so. reichen Mann finden,. Aber blicken! Sie in fcnnen Kopf hinein! Her! Ha! Was ist dort in feinem Kopfe? Nichts, ganz und gar nichts!" „Etwas muß doch drin sein, — wenn er durch seine Arbeit! zu Vermögen gekomnim ist." Berel lachte hell anf. „Ich sehe, daß Sie von Geschäften nicht viel verstehen." „Das mag sein." „Ohne Ihrer werten Person, nahe zu treten, werde ich Ihnen! das erkllüen. Zum Geschäft ist ein Kopf ganz und gar nicht notwendig." „Nur!vas?" „Glück! Wer Glück hat, dem geht jedes Geschäft, flott vonstatten — und wer keines hat, dem, helfen auch zehn Köpfe nicht. Ein solches, G'esetz war seit dem, Anfang der Welt, so ist es auch jcht und so, wird es a,u,ch bis ans Ende, sein!." „In diesem! Falle möge. Berel miir erklären, wozu' der 5l'opf eigentlich nützt?" „Ha! Ha! Ter Kopf dient zur Gelehrsanrkeit:. Der Kopf ist ein Koffer, ein Felleisen, eine ganze Vorratskammer! ' Und« wissen Sie, warum der Kopf hart ist? Da'rnm, wei'l in ihm teure Lachen anfbewahrt lverden. B«edenken Sie: Wenn der Mensch zum Ausbewahren von Geld sich einen starken Koffer oder einim eifere neu Kasten spendiert, so hat muh Gott für solch einen Reichtmn, dev im« Kopfe steckm kann, einen guten, festen Koffer beschert." „Erkläre mir aber, auf welche Weise es stockdnmm.e Menschen gibt, da doch jeder Mensch einen Kopf hat." „Das ist richtig, richtig. Wer sehen Sie, ztvischen eiuenr Kopfe und dem anderen' ist ein Unterschied. Ich, will nicht von allen- Köpfen, sondern nur von den jüdischen reden. Wie glauben Si-e, kommt solch ein gewöhnliches Jndenjüngel klug oder d'mn,m zur Welt?" „Was für Frage!" „Ha!Sie glaubeir, daß dumm! Ha! Ha! Mitnichten, cs ist ganz und gav nicht dnnnu. denn es war vor dev Geburt! nicht nmssig, es «»-- Die kiichste Nummer erscheint Freitag den 14. September.