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Nationalzeitung · 1906-08-31 · Heft 64 (31.8.1906) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 64 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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flr. 64 Nationalzerkmg Seite 5 Vertraitiem dcr russischem Juden,!!. Er selbst cMrckb in Zungwill einen der größten Geister, die daK Jndentu>Mi gegen^- wäckig emszuweisen hat. Z«gwM ist ein Ehrienmvnn und besitzt Mut, ein Mann, dem setzt jede Intrige fremd ist, u>n>d> der sich vom Pavteivornrteil nicht hinmißen läßt. Was das Verhältnis des Territovialismns zu m, Zionismus betrifft, so verdammt P'Mfessov Mandefftamm die 'Haltung der! Zionisteni gegeiniibev dem Territo-rialismus. Sie haben die Territoirialistcln! nnjaufhörlich beschimpft und angefeinidet. Niemand würde ein« Alvmugemient, welches HSin gemeinsames Vorgehen der zwei Bewegungen lcrinöglichcn! würde, freudiger begrüßen, als Professor Mandelstanrnr, aber die Zionisten haben sich! der Frage nach dem Prim zipe genähert : „Was! mir gehört, gehört mir, itivb was dir gehört, gehört — auch, mir!" Er sieht keinen Grund, weshalb! ein loyaler Zionist die territorialistische Bewegung Nicht unterstützeiii könnte. Z i o n i s' m n s ist für ihn a u s s ch, l i e ß l i chi e i n e j ü d i s ch - n a t i o n ei l e 23' e w e g u n g! Er Cjatt'c niemals viel Sympathien für ben Sentimentalismns als Fakto>r, obgleich, er ihn, als eitn'Cjn, der Hebel zur Erreichung der zionistischen: Ziele erkannt hat. Er würde uinter der Backschisch^ Ategierung des Sultans^ nicht nach: Palästina gehen, wollen. Dasselbe hat er in Rußland a uch, nnd> er sieht keinen, Vorteil darin, . das kranke, Bett gegen ein anderes kranke einzn?- tauschen. Sollte aber anderseits die Jnden'- srvge durch! die cu!ropäisch!elr Mäckstie, sagen! vnr vor dem! Haager Dribunal, zur Diskussion gestellt werden, und sollten die Juden Palast i n a auf dr e som Wcge erhalten!, so würde er sich vollkoimncin für P a l ä st >i n a, .als d a s T e r r i t a r i u m i n t e r r i - t o r i a l i st i s ch e m Sinne entschließen. Landeskonferenz der ungarischen Zionisten. Die ungarische zionistische Föderation hielt am 19. und 20. d. im Schießstättengebäude (Rottenbillergasse Nr. 37) ihre IV. Landeskonferenz, an der sich 20 Brrdapefter und 45 Provinzdelsgierte beteiligten. Im Verlause der Beratungen wurden mehrere Resolutionen angenommen, die Statuten festgesetzt und beschlossen, die Zentrale der ungarischen Zionisten von Pozsony nach Budapest zu verlegen. Dr. Alexander Gruber begrüßte die Delegierten. Präsident wurde Dr. Gruber, Vizepräsidenten Ingenieur Armin Beregi, Profesior Armin Bokor, Dr. Leopold Ostern und Sam. Rosner (Miava). Im Rechenschaftsberichte gedenkt der Präsident der Föderation Max Beitelheim (Pozsony) in pietätvoller Weise zunächst der in Rußland ermordeten Juden, derVerstorbenen des Aktionskomitees und der dahingeschiedenen ungarischen Zionisten. Nach Skizzierung des VII. Baseler Kongresses geht er auf die Schilderung der ungarischen Verhältnisse über und konstatiert mit Freuden, daß der Zionismus an Verbreitung stets gewinne. Die ungarische Organisation zählt heute an 3000 Schekelzahler. Die Ursache der Vermehrung der Mitglieder sei nicht nur in den russischen Judenverfolgungen, sondern auch in der ungarischen Politik zu suchen. Dis Juden glaubten im verflossenen politischen Kampfe die Ideale Ludwig Kossuths zu verwirklichen, haben aber nur der Volkspartsi znm Siege verholfen. Nachdem der Jahresbericht zur Kenntnis genommen worden war. führte Rabbiner Dr. Armin Abrahamson (Nagy--Tapolcsüny) in längerer Rede aus, daß die Juden nicht Parteipolitik, sondern jüdische Nationalpolitik zu treiben haben, und bezeichnete es als charakteristisch. daß im Parlamente, wo so viel Juden sitzen, in Angelegenheit der russischen Judenmassakers ein Csizmadia das Wort erheben mußte. Es sprachen ferner Samuel Rosner, Moritz Bifseliches, Alexander Horväth u. a. Die Nachmittagskonferenz exöffnete Ingenieur Armin Beregi mit einem Referat über die Agitation. Der Vortragende bezeichnete die jüdische Statistik als das allerwirksamste Mittel, um neue Anhänger zu werben. In diesem Sinn unterbreitete er auch eine Resolution, die einstimmig angenommen wurde. Den nächsten Beschlußantrag unterbreitete Hugo Schey, laut welchem wohlhabende Kaufleute und Handwerker veranlaßt werden mögen, sich in Palästina ansässig zu machen. Sowohl dieser wie auch der Antrag Moritz Künstlers, wonach die ungarische Föderation 'ihren bemittelteren Mitgliedern zur Pflicht machen möge, je eine Aktie der „Jewish Colonial Trust Limited# (Jüdische Kolonisationsbank) anzukaufen, wurden angenommen. Der zweite Tag der Konferenz begann mit dem Vortrage des Rabbiners Dr. Abrahamson über die Organisation, in dessen Rahmen er auch den Statutenentwurf verlas. Die Statuten wurden angenommen, desgleichen der Antrag des Referenten, daß die Organisation den Gesellschaftsreisen nach Palästina ihre Aufmerksamkeit zuwenden möge. Nachdem auch die Anträge David Kohns und des Ingenieurs Moritz Bifseliches angenommen worden waren, meldete der Föderationspräsident Max Bettelheim seinen Rücktritt an. Sodann schritt die Konferenz an die Wahl des neuen Bureaus. Landespräsident wurde Dr. Ferd. Gruber. In das Exekutivkomitee wurden gewählt: Dr. Alexander Gruber, Dr. Ludwig Dömjen, Oberingenieur Max Straßer, David Kohn, Soma Wertheimer, Samuel Bettelheim. Mitglieder des Landeskomitees wurden: Bernhard Weiß (Pozsony), Heinrich Grünhut (Debreczen), Samuel Rußnyük (Vassa), Max Eskeleß (Beßtercze), Rabbiner Armin Abrahamson (Snrbogärd), Josef Steiner (Kapuvür), Moritz Grauß (Nagytapolcsüny), Wilhelm Kohn (Budapest), Moritz Blau jun. (Abaujßänto), Emil Neumann (Nyitra). UichtigsteNnng der Statute« der Israel. Kultasuemeinden Ungarns. Der Minister für Kultus nrtl£> Unterricht hat in A ngelege nheit der Richtigstellung der Statuten der israelitischen Kültnsgemein'den uitlö Bethausv>e reine an die israelitische Landeskanzlei und die Kanzlei der nngarlüudischen autonomen orth. isr. Kostfe'fsion eine Verordnung gerichtet, mit welcher de r Mts n iste r verfügt, daß die Statuten, welche häufig die hinsichtlich des Unterrichts'wesens festgesetzten Bestimüinngen nicht enthalten, irr folgender Weise ergänzt werden: Die Age n de n des Sch u lstniyles iin A l lg e me i ne n. a) Der Schnlst-uhl überwacht die innereit Angelegenheiten der Schule, besonders in Hinsicht der Ordnüng, des Systems und der Richtung des Unterrichts, des körperlichen and geistigen Wohles de'r Schüler lind der dlnfrcchterhaltnng der Disziplin: er überwacht fernerden Religionsnuterricht sowohl irr der Schule der Neligionsgemeinde, wie in den von israelitischen Schülern frequentierten Elementar-, Bürger- und Mittelschulen. b) Er setzt den Status der Lehrer der Religion sgemein'de fest nnd stellt Propositionen betreffend die S yste miste rnng 'neuer Le'hrerstellvn, wie auch in bezug ans die Dotierung der Lehrer. c) Er wählt die Lehrer. d) Er bestinmlt für jedetl einzelnen Lehtxr die Klasse, weiche der betrefseltde Lehrer im ttächsten Schillisälrre leiten^ -ivird. e» Bei den Einschreibungen ist er durch ein Btitglied vertreten. ff) Er bestimtnt die Letz Micher tmd läßt die notwendigen Lelirm>itte<l beschaffen. g) Er bestellt Blücher zn:r Jtigenld- und der Lehrerbiblidttiel. >h) Er verhatvdelt lind stellt 5en Lehr- \mb Stilndenplan definitiv fest nrid überivacht desselr Einhallting. >i) Er bestimtnt die Unterrichtszeit und die iFeriattage. j) Er weildet gegen dieseniigett Schüler, tvelche die Schtile oersälmneli, die gesetzlichen Ataßnahinen an. l) Er ist bei dent Besuch des Schillinspeliors anivesend Mid legt die angekailsten- Blücher und den Stmidenpl'an vor. l) Er sorgt 'dafür, daß ivöchentlich je ein Mitglied die Sch'nle be'fnche. m) In de!,i >feitenS der Eitern oder der' Lehrer erhobenen K lagen geht der Schlllsttthl als erste Instand vor. n) Er übt 'über die Lehrer Dislziplilt. Falls seine Emnahnlungen oihne lEvfdlg bleiben, erstattet er beim- VeirwaltungsanAschuß die Anzeige. o) Er bestimmt den Termite der Jahres- 'Schlnßpriifnng, welche er durch eines seiner Mitglieder leitet, er setzt die Qualität der Prämien 'fest nirid teilt dieselben unter die 'betreffenden Schüler aüs. p) Er gibt einen Jahresbericht tiber sämtliche Verhättn'dsse der Lehranstalt heraus. r) Jnr Notfälle verfügt er hinsichtlich der Vertretung 'der Leh rer. s) Er stellt in der GeueralversämMlung einen Antrag betreffend die Feststellung des Schulgeldes. t) Er entscheidet in Sachen' der Schltkgeldbe'sreiüng. n) Gegen die Beschlüsse des Schulstu!hles — ansgenvmimen die Wahl- und DiszipliNlarangölegetiheiten — kann an d'ie Generalverlfa'mwlüng rekurriert werden. Organisation des Schnlstnhles. Der Schnlstuhl besieht aus 7, von der Generalverisantmlung gewählten. Mitgliedern. Der Oberrabbiner, der Präsident der Religionsgemeinde und der Schirldirektor sind' von 2tmtswegen Mitglieder des Schnlstuhles. D>er Schülstnhl wählt aus seinem Schoße im Wege geheimer Wahl einen Präsidenten, Vizepräsidenten und Schriftführer. Clara pacta, boni amici. Essegg, 25. August. Es ist eine sehr undanWare Pflicht, die ich N'tm zu erfüllen habe. Ick) soll zu Leuten sprechen, die dingen haiben und nicht iehen wollen, die Ohren haben und nicht höreN' woüdn! — zu den nichtsüdischen und jiüdischen Gegnern «der Monisti!- scheu Bewegung. Nur ungern^ komme ich hiermit de!m Wünsche vieler meiner Gesinnungsgenossen nachda ich mir n'ur wen'ig von meines ausllärenden Worten lver>sp reche, weil sich die Gegner bereits ihre irrige Meinung gebildet hab'en' und von ihr trotz besserer Einsicht nicht alblassen wollen. Die Gegner der zionistischen' Bewegung bekunden eine, unverständliche' Ignoranz in dieser Frage und da ich m!ich in d>en Zionisnrus 'für zumindest 'so eingeweiht halte w!ie diese, glaube ich au!f die bekannten Zlnsfälle antiworten! zu dürfen. Ich tlie es jedoch iw eigenen Na-men itirtö gebe meine individuelle Auffassung wieder, die aber Amnselsohne von allen Zionisten geteilt wird. Vor allem will ich noü)m>als betonlen, daß der kürzlich hier ins Leben gernifeue zionistische Verein „'Theodor Herzl" kein' politischer Verein ist. Die zimiisti'sche Organisation als' solche — da sie eine die ganze 'Welt umspaiinende Orga- Nii'fation i!st — tann sich mit Landespolitik nicht befasset!. Sie wird mir aus denn Grmide als „politische" Organisation bezeichnet, weil sie >dcm Ziele der Schäffung ein'er öfferttlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Pälästina init politischen Mitteln 'z>ustrebt. Das heißt: das jüdische Volk schließt sich zu diesem Zwecke zusanimen, deklariert durch' seitie ans sich selbst heraus gebildeten. Organe seinen Gesamtwillen und sucht ihtl planmäßig zu vürwieklichen. Mit der inneren Politik der einzelnen Staaten, in denen die Inden leben, hat der Zivnis'lmls nichts zu tun, was schon daraus hevvvrgeht, daß der Zionisimis bestrebt ist, alle Jüdon ohne Unterschiedihrer Meltan'schamtng, ihrer sozialen Verhältnisse und w'irtscha'ftlichen Interessen — und folglich ohne Unterschied der ans diesen F'äktvren. sich ergeben'den politischen Gefintmug —, auf Grund des heikanuten Basler Progralnines zu vereinigen. Jeder Zivnist kann sich daher politisch betätigen, wie er will — selbstverist-än'dlich jedoch darf seine Betätigung nicht mit dem fortschvittliche'n Geist des Zionismus im Widerspruch und mit dein jüdischen, dtationalgesiihl unlverieinbay seiri. Was heißt das'? Das heißt: Der Zionist darf keiner reaktionären.' Partei angehören, sondern soll sich den sort'schrittlichen, liberalen Parteien, anfchilietzen!: eine anlifeinitische Partei kanin er lselblstredend auch' tlicht unterstützen. Woraus jedoch liniere nichtjüdischen Gegner die Kons-equenz ziehen, daß wir Zion'isten mit denr Lande, in welchenr. wir geboren! wnrde>n, sowie mit denr Volke. "> küssen Mtitte wir leben, nicht sympathisieren können — ist mir völlig unverständlich. Ich glaübe, daß unsere dleutzernngen in dieser Frage soiivie un.s'er'e bezügliche Betätigung allein maßgebend sein können, rutd daß daher die Ans» fälle gegen den Zionismus ganß u'nbegr'ündet sind. U'Nsere nichijüdischen Gegner «lögen mit ihre« Beschnldign'ngen zurückhalten, bis wir

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