Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 64 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nationalzoikmg Nr. 64 demselben! Blatte: Das Gedicht verdient der Hymnus der Bewegung zu fein. Herr Vrchicky als tschechisch-jüdischer Vereins lyriker! Wir gratulieren! Die Dendcmlz ist nicht neu. Si-egfried K a p p e r hat bereits vor 60 Jahren, dieselben Töne angeschlagen. Die Aufnahme, die er bei feinen, Zeitgenossen gefunden hat, untersechidet sich durch nichts von der, welcher die Anbiederungsversuche der! heutigen Assimilantan/ begegnen. Das beste 9lbbikd gibt uns eure Kritik von dem tschechischen Publizisten, Karel Havlioek, dessen! 50. Todestag! vor kurzem von, den Tschechen gefeiert wurde. Erwähnenswert ist auch seine Ansicht über die Judenassimilation und die „2eskoLi!dovske Listy" sollten sie als Mschluß ihrer Enquete ihren Lesern nicht vorenthalteni. H a v l i c c f schreibt: „Was den Gedanken betrifft, daß die in Böhmen wohnenden Juden sich zu unserem Volke zählen und sich als Tschechen' erklären, so können wir sie nicht anders als falsch und ganz irrig bezeichnen. Denn bei den, Israeliten darf man nicht bloß auf den Glauben! und die Religion Rücksicht nehmen, als ob die Tschechen dem Glauben nach Katholiken, Protestanten, mosuiischer oder vielleicht gar mohammedanischer Konfession sein könnten, sondern hauptsächlich auf d i e A b st n m in u n g u m d Nattonal t t ä t. Und wie können da d i e Israeliten z u m t s ch e ch i s ch e n Volke gehören, w e r, n s i e s e m i t i - s ch e r A b k u n s t s i n, d? Da können wir eher die Deutschen, Franzosen,, Spanier, Engländer und! andere zu unserem Volte zählen als die Inden, denn alle diese Völker haben mit uns eine größere Verwandtschaft als die Juden. (Lide schreibt auch er mit großem „2".) Man darf also nicht sagen, daß die in Böhmen und Mährer: wohnenden! Juden' Tschechen mosaischer Konfession sind, sondern wir müssen sie für lein eigenes, semitisches- Volk anerkennen, das zufällig bei uns wohnt, manchmal unsere Sprache versteht und sie kennt. Und die Wirklichkeit zeigt, daß der Standpunkt, von dem ans wir das Judentum betrachten, richtig ist, Denn sicherlich betrachten sich alle Juden, in welchem Lande! sie auch immer' wohnen, als ein Volk, als Brüder und nicht bloß als Glaubensgenossen. Und dieses Band, welches sie zusammenknüpft, ist bei weitem fester als das, mit dem sie an dem Lande, in dem, sie wohnen, gebunden sind. Und daß man nicht gleichzeitig zwei Heimatländer! und eine doppelte Nationalität haben, daß man nicht! zwei Herren! dienen' kann, das brauchen tvir. so Gott will, - nicht, zu beweisen. Deshalb muß derjenige, der! ein Tscheche sein will, aufhören, ein Jude zu i fein. Gerade ein treffliches Beispiel dieser ' Seele können wir an, denr, Herrir Kapper selbst und seinen Gedichten zeigen. Mit einem A u g e blickt e r n a ch I e r it sale m>, t n d a s va r h eiß e ne L a n<d, in i t dem a n d e r e n a u f D t o b ö h irr i s ch e n A u> e rr uiid sagt, daß er sie liebe. Doch deutlich ist aus seinenr Gesänge zu crfcnnon, daß er das C&iigönc iNlehr liebt, was auch natürlichi:nd auch Lobenswert ist. Wozu.' sich also Gewalt antun. und sich zur geliebten tschechischen Heinrat und zuden Tschecheu notigen?!" Havlstek geht dannauf die spezielle Kritik! dev Gedichte ein, tiir er verurteilt, da sie ihm nicht aufrichtig zu sein scheinen. Er sagt rii. a., der Dichter war gewillt, fein Blut für Böhmen erst dann, zu verspritzen, als er einen. passendeui Reim auf (Krev) Blut gefumiöeni hat. Ferner hält -mi dem Dichltelv vor, -warum! er in sodrängter Zeit noch deutsch schreibe, wen!n! er das tschechische Volk so sehr liebe, und er auch wisse, daß die tschechische Literatur in Gefahr ist, von« der deutschen -erdrückt zu werden, rmd daß die Tscheschen im 5karnipfci ans niem-anld-üirverzichten können. Es iväre wirklich dankbar, einmal den ganzen Artikel, der 1846 ilm der Zeitschrift „2 es kg Vcela" -erschien ist, und einen trefflichen Beweis'. von der logischen Schärfe H nvlic -eks gibt, abzu'dru'cken. T-ie „2eskoLidovske Listy" werden nattirlich sagen, in seinem Kopfe herrschte über die Juden-srage tiefes T-unkel. Aber ihren Lesern sollten sie ihn als feierlichen Ab-schllnß ihrer Rundfrage nicht vorenthalten-, zumal er auch! die passendste Würdigung ihres von Herrn! Br ch! lick y verfaßten Verc'insihym>n!us enthält. Julius Steiner. Dr. Mar Mavdelstamm über den Territorialtsmns. Prof. Dr. Ma-x M a n d e l st a m' m wurde anläßlich, seiner Anwesenheit in: London von einem Vertreter 'd-es „Jewtsh Eh-roniele" über d'eri! Territori-alisrnvs und seine Verbreitung interviewt. Irr' seiner' bekannten Offenheit hat der über die Grenzen Rnßlands hirraus, rühmte Verfasser seine Ansichten über den Territorialisinns und die Verbreitung der Bewegung rin! Rllrßlaüid sich: ausgesprochen. Aber Professor Mandelstamm! hat feine Rechnirmg ohne die offizielle z i on i st i s ch c! P resse gemacht. Er kon-nie nicht darandenken-, daß die zionie-zioniftischen Ollgnine arid denr Zusammenhang seiner Ausführrmgen. einen Saß heraus reißen und ihn: als die Anfcha'Ming, Professor Marrd-elfta-m'rns! dien vollständig nninformierten' Lesern! ei,ngeben werden'. Nur so | ist es zu erklären,, daß die zioire-zidniistifchen Blätter, besonders- „Der jüdische Arbeiter", „Lenrbor-ger Tagblatt" rstw. in die Welt hinauspofarl!N!on, Manidefftiaimm, hätte erklärt, daß irr Rußland für den Ter v itorialis - nr n s k e i n> B o d e ni fei (!), die „Natimlalzeitnng" daher auch bezüglich R'rlißlgnds — ,timt Jrrtunw war!" Um diese Meldungen aus ihren nahrerr Wert AUi reduzieren, reproduzieren wir hier der? gaiizeir Wortlaut des Interviews: Professor Mandelstaiii'm. konstatierte zunächst, daß für eine organisierte Tätige keit der territouialiftischen Bewegrrn'g, wie fü.r jede Bewegung iiberharilvt, die Zeit iir Rußland jetzt rmgünstig ist (dies vcrspm ren ja die Zionisten anr meisteir. Annv. d. Red.), da die Organisat-icin in ihrer P roll a g a rr d' a g e h r n, <d> e r t i ff. E s i st n i d> t g e st a t t e t, V c r s a nr' :rr l in n g e n ü b e r h a u p t a b z rr ha l t e ir! Nichtsdestowenjiger fühlt das irussisch-e Jridentum teirritorialistisch!, und -er ist überzeugt, daß, sob-a-lid d-i-e T-errito-rialisten in' die Lage kommen weriden, sich mit d-e'r Fra'ge eines ko-nkreten Tevrito-riu-mS praktisch! zu beschäftigen, s ä m t> l i ch e I rr d e n di it ß l a u d s s i ch d e m, Ter v i - t o r i a l i s m: rr, sa n s ch ließ e n w e r - d e n. E r kann an-ch heute schonfeststollen, daß e i ne b -e t «r ä cht l i ch e A inz a' h l Z i o n i - st e n i rr s t e r r i t or i a l i st i s ch: e L a g e v it b c r g e ga n g -e ni st. (!) Professor Mandclstanini erklärt ferner, daß -er selbst dm aktiver Zionist, war. Heute zähle er Wohl einige Zionistenzu Frerinden., miit der zionistisch'an Bewegung jedoch habe! er jedwede Ve-rbiind-imga-bgebrocheir>. Zu dieseln Sch>ri-tte wriirde er durch, den unverarrtwo-rtlicheii! Fehlgriff des z-io-rrtsti'schje-n Kon-gvesses belvo-gen, der das Ostafrika-Zlngiedot zri-rückivies, trotzdelm Dr. Herzl erklärt hatte, daß der Sultan es! ablehnte, bezüglich Palästinas einen Entschbriß zu fassen. Zu. jener Zeit gab es Noch wenige Weiße in Ostafnika-, erst dadurch, daß die Aufmerksamkeit auf dieses Gebiet gelenkt tvrride, entst and eiuie stct s z.in>n>eh in,end e E i n w a n d e t u' n g. Professor ■ Ma-nidelstamni' b-etrachtct die ,ganze Frag-e vorn praktischen Gesichtspu-nkte. Er ist kein Phrasenheld! Voir: Palästina rvird offen erklärt', -daß esverschlossen ist, soll er etwai warteri, bis dem Bo-lke -der Mem vollenids ausgeb lasen feini wird-?! Vor allem und jedem nuiß dem Volke g-cholfen! werden! Der B o d e n, k a rr m t o t s e i n f ü v u n s, a b e r das Volk lebt! Gl-eich, nachd-e-m> Zarrgwill die Jto ins Leben geriufon hatte, hat sich ihr Pro-sessor M-andelstanini an-gesch-lossen. Nll'. Z arr g >vi l l b e sitzt d a sa b s o l u t e aus Aberglauben -eine Anzahl von Köpfen und verschiedene andere Ldchcnteile ans den um mitternächtlicher Zeit gewaltsam geöffneten Gräberrrgeraubt rmd in seinem Pserdestalle verscharrt Haben, um Glück in der Tiebhaltung zrr haben. Auf die spätere von Baczkowski erstattete Anzeige ordnete die Staat-sanwaltschalt die Bornahme einer Haussilchung an. Bei dieser wurde in unmittelbarer Nähe des- Einganges zum Stalle, etwa ein Meter tief vergraben, ein .Stopf gefunden. Die Beobachtung des Angeklagtenauf sei-n-err geistigem Zustand hat keine Anhaltspilnkte ergeben, die darauf schließen, taffen könnten, daß er feine Taten in einem den freien Willen ausschließeiriden- Zustande begangen hat. Das Gericht verilrteilte deiri Leichenfchän-der 31t. 7 Jahren Gefängnis und 6 Jahren Ehrverlrist. Der Streit wenen eines Inden. Ueber den leprakrarüken Mlanri metd-et -cm Berichterstatter: Borr Lorl'd-vn' Uber No-tterda>m—Kölnkam am Abend des 31. J-uli der angeblich am 4. Mai 1858 in Braiia g-eborene Nrl-mäne D-aoi-d Eise-maninin grani-furt an. Hier wurde i'hnr voneinem Mitreisenderl, einem Italiener, -seirr Kösserchen mit Wäsche erltwerrdet. Er nächtigte in einem Hotel irr der dlltsta-dt und ging andern Tags zu 'dem Jsraclitiicherr Hitfsvereirr, wo er um Unterftritzung bat rrn'd angab, er sei leprakrank. Diiefe Erklärung rief natürlich große Bestürz-ung hervor. Man benachrichtigte -die Polizei, die den Transport des Aussähigeri irrs Stüidtische Krankerthaus verarckaßte. Dem Israelitischen Hil-fsvereirr gelang es, die erforderlichen Mittel aufzntrei-ben, u-nr eine Weiterfa-hrt zrr erm'ögllichen. Der Kr-aNke wollte -zun-ächst nach Wien. Die Frankfurter Bebör-de benachrichtigte die österreichi'sche Polizei von der Abreise Ei-s-ern-anns. Alls er in Passau anika-nr, rvurde er angehalten und zllvücbge'wiese'n. Es blieb nichts übrig, als ihn nach Frankfurt ins Kra-Nkenharis' znrückßribringen. Der Nngtlickliche niöchte g-errrnach London zurrick. Aber dazu fehlen ihm die Vti-tte'l rm'd außerdem, ist es sehr fraglich, ob England ihn ins Land lassen würde. Ter Biaililist weit in der Melt herrlm-- gekomrnen: er 'spricht acht Spracherr-. Seit ziwanM Jahren 'hat er feinte Heimat nicht gesehen, so daß ihn rv-vhil arrch Runr-ün-ien zurlickmeisenwird. Es wird wahrscheinlich nichts arideres übrig bleiben, als den- Kr ante rr ins Leprah-e-i'm bei Memel .zu brirrgerr. Die Sanitütspolizei Hai selbstverständlich alle Maßnahmen getr-osfen, die bei einer dev- - artigen Kranikheit geboten sirrd. Vor allen Dingen fuhr Gise-marrn irr einem Extra!wa-gen, rrach Passau rrrrb -zurück. Die Hotels in Frankfurt und Köln, in den'en er gewohnt, wurdengründlich desinfiziert. Man glarrbt, daß Eisemann in Messynierr, wo er am Bahnb-au tätig war, angesteckt worden ist. Seine Kra-rrlkheit ist übrigens, -wie ebwährrt, relativ leichter Natur. Hohensalza. In Weytlschin ist der j-ndifche Gaßwirt Bafchwitz zrtnr Vvrstarrdslmlitg'kie-d der katholischen Schlll-lgenrein'de gewn'hlt worderr. Das Dorf ist durchweg polrl-i'sch, und es wohrrt dort rr'nr eirr sü-disches -Schulsbzietäis-m'itglied, der genannte Gastwirt. Herr Ba'schwih teilt rrnn dem „Dz-ien-rtik Krij." nr'it, daß, er die WaA ablehne, rrm den dlngri'fsen der polrri'schen Presse ein Ende zrr rn-achen. Im ribrigen habe er an der 'katholffchen Schicke in- Weyischin dasselbe J-nteresse, wie jeder andere Biiirg-er, da er zu -derr .K'osten derselberrbeisterrere rr-nd als .Kirrd 'selbst die Schule besucht habe-. Eine Entscheidung der Einwanderungsbehörde in New Nork. 30 Kinder, die irr-folg-e der Jrr-denrnetzeleicic in- RrrUand i-hre Eltern verloren, rvairerr auf denr Dampfer „Amerika" ans Rußland irr New Avr-k eillgetr-offen- und die jüdischen W-ohltä'tü'gkeitsbereine sollten ft'ir sie sorgen', bis sie irr MNschen Familierr A-uistmlh-nr-e' firrden! würden. Di-e'sen- Kinderrrist, rvie die „^ib-litlfthe- A-it-u-tl-g" meldet, drrrch Weschlrr-ß der Eiirirvau-derür-u-gsibehöride die Bewittigrrng zrtrn Landeriverweigert worden, rveil sie der bs-serltlicherr Arrrrer,pflege zrrr Last fallen körrrr-terr. Gegen dielst Erckscheidrl-ng rvurde Berrrfung eingelegt. Anszeichnnng deö Agranrer Oberrabbiners. Se. Majestät hat derrr. Oderrabbliner Dr. Ho'sea Jacvbi irr- Agm'rrr, irr- AuerkeiruNNg seirrer Tätigkeit auf dein K'u-ltlllsgebiete, das sttilterlkrerilz. des Fr-arrz Jo'seph-Ordens verliehen. ('B-äkan-lückich wlrrrde s. I. auch der -verstoribene Esseg-ger Oberrabbiner -Dr. Sa'rn. Spitzer n,it de-m g-leicherl Obderr delkv viert. Anw. d. Red.) Saaz, 24. 'A-rrg-rr-st. Mjähriges Dienstjrlbilarl'rrr.) Der Obevkarrtor der Saaz-e-r isvael. K-nltusgenreinlde, Herr Ignaz Erder, begeht a-m Sarnstag den 1. Se'ptenrber l. I. die Feier seiiner 25jä>hri-gen dllrntswi.rksarn-keit bei der hiieisi-gen Genreistde.