Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 64 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite ü Nr. 64• unsere Worte in Taten werden umfttzen können, vis wir Gelegenheit werden haben, unseren Patrjotisinus zur Schau tragen zu können. Ml will jedoch bloß z«ivei Tatsachen ftstmrge-ln. Bor zwei Jahren haben die hier versammelten Kontzreßteilnehmer feierlich erklärt, daß sie politische Kroaten seien nNd Heuer hat ein Redner auf der Bürgerverfammlung unter Zustimmung aller betont, daß die 'kroatische Sprache die allein berechtigte im öffentlichen Leiben Kroatiens, also die Landessprache sei. Wie kann es daher Leute geben, die uns Hebräisieruiigsabsichten vormerfen, d. h. die da behaupten, wir Zionisten wollen die hebräische als die Landessprache Kroatiens einführen!! Ich beda'ure nur, daß so wenig Kroaten katholischer .und pra'vo«slanier Konft'fsion den' jliugsten KoNgreßberatUlllgens beige>wohnt haben, denn sie hätten eine himmlische Freude gehabt, 'so schön und korrekt kroatisch sprechen zu hören — wie es nicht einmal im kroatischen Landtag der Fall ist. Daß die alten Juden die kroatische Sprache nicht beherrschen, kann man «uns Aioiristen nicht vorwerfen, In der jungen Generation ertzäehen wir ftdoch Menschen, die gerades Mickgrät haiben und stoltz ihr Judentum bekennen, und die gewillt sind, in Anerkennung der den Kroaten gebührenden Rechte für die Durchsetzung «derselben gemeinsam mit «dem kroatischen Do«We zu kämpfen. Wir wollen ftdoch nicht als Scheinkroaten, sondern als Inden für die kroatischen Ideale kämpfen, da die Jdeäle des kroatischen Volkes mit dem außerhalb Kroatiens liegenden zionistischen Ideal nicht im Widerspruch stehen können. Wir Zionisten halten es mit 'unserer Menschenwürde und dem Stolze nicht vereinbar, daß wir die uns mit dem jüdischen Volke verbindenden innigen Bande, nufere Angehörigkeit zur Juden- 'heit und zum Judentum verleugnen, nur um als Bürger erster Klasse ebenfalls angesehen zu werden. Lieber möge man uns als Bürger zweiter Klasse anseihen, als daß wir uns als Nationabkroaten bekennenals gleichartige Mieder «der kroatischen Nation — nachdem man uns als solche ohnedies nicht anerkennen würde. In der letzten Nummer 'der „Nar. O'br." heißt es ja, daß sie die kroatischen Juden als Nationalkroaten nicht betrachten könne, daß zwischen den Kroaten und Juden eine Kluft bestehe, daß die Juden ein besonderes Element in der kroatischen! «Gesellschaft bilden. Wir Zionisten waren uns dessen' schon lange bewußt, wir Nannten bloß das besondere Element — jüdische Nationalität. Wir Zionisten sind «kroatische Staatsbürger jüdischer Nationalität, ebenso wie die in Kroatien lebenden' Deutschen kroatische Staatsbürger deutscher Nationalität sind. Der Unterschied besteht nur darin, daß die Deutschen nicht nur für die Anerkennung ihrer Nationalität, sondern auch ich rer Sprache hier Dämpfen, wir Zionisten jedoch bloß nach Anerkennung der jüdischen Nationalität streben — die kroatische Sprache hingegen respektieren und ihre Anwendung aus «kroatischem Gebiete ausnachmslos fordern. Stoch ein Wort unseren lieben A'ssimilänten, oder wie sie ein Witzbold nannte: Assimulanten! «Es ist noch nicht lange her, daß die fortschrittliche Volksp artet den Beschluß gefaßt hat, Zionisten als wirkliche Mitglieder in den Parterverband nicht aufzunehmen. Damals habt ihr euch vor Freude die Hände gerieben. .Heute soll nun die kroatische 'Rechtspartei diesem Beispiel folgen, ja sie will die Napredn«ja«ken noch überlreffen: Sie beabsichtigt, «überhaupt keinen Juden in ihren Parteiverband anszu nehmen. Sie verlangt von euch Assilnilanten, daß ihr euch selbständig organisiert: zu«m Schutz des Vaterlandes und zur Bekämpfung des Zionismus. Ob ihr euch tatsächlich organisieren wollt, weiß ich nicht. Daß ihr über auch weiterhin für unser gemeittsames kroatisches Vaterland arbeiten wollt, davon bin ich überzeugt. Es wird euch daher auch «kein au'derer Ausweg übrig bleiben, als uns Nativuatjndeu, daß ihr nämlich als kroatische Staatsbürger jüdischer Nationalität an der Verwirklichung der kroatischen Ideale weiterarbeitet. Ihr werdet ebenfalls darnach streben müssen, daß die jüdische Nationalität in Kroatien anerkannt und für gleichwertig eingeschätzt werde, so daß es uns Inden ermöglicht wird, ohne Verleugnung unseres Stammes für die Interessen Kroatiens zu arbeiten. Ich bin der Meinung, daß die verschiedenen politischen Parteien zur Ueberzeugniig gelangen werden, daß unsere Mitarbeit und Tätigkeit dem Lande nur von Nutze»! sein «kann. Sie »verden vor» allein komwen nnd uns zur gemeinsamen Arbeit aufsovbern. Sollten die Kroaten wider «Erwarte»» auf unsere M:tarbeiter«schaft nicht! reflektieren, da»»n wird die kroatische Judensch«a>st, die sich politisch betätigen will — ohne Ausnahme, ob sie Zionisten oder Antizionisten siuld — gezwungen sein, eine jüdischpolitische Partei zu gründen, die unabhängig von den anderen krv'Mändischen Parteien Landespolitilk betreiben würde. Erwin Kraus. Vermischte Nachrichten. Die Anzeige einer Dienstmagd. „Hlas N«aroda" mebdet Uns Motzen bei Pardubitz: Hier herrscht große Aufregung infolge einer Anzeige der Wjähriigen DIienst!u»agd Marie Koszyua, der Tochter eines Eisenibahnavbeiters, gegen einen «hiesigen jüdischen^ Arbeiter. Das' Miäldchen behauptete, der Arbeiter habe sie i»n Schlaft ülberfallen, narkotisiert und „zu rituellen« Zwecken" mißbraucht. D«ie Staatsanwaltschaft in Chrudim ließ die Koszyna so«fort durch z«»ve!i Aerzte untersuchen, die am Rücken nnd> an den Armen des Mädchens Fleckendie von Ungeziefer hertühren, faniden. In Ehotzen macht sich eine starke antisein«iti«sch»e StröniNng geltend, es' «kursieren die un- 'stnnigsten Gerüchte und man befürchtet Ausschreitungen. Die Koszyna wird von ihrer Dienstgeberin als schwachsvnntitz, geschildert. Aus Prag wird uns «ferner berichtet: Zu den drohenden Judenexzessen in Ch'otzen, rvo ein 'schwachsinniges Mädchen angab, sie sei im Schläft von einem J'üden zu rituellen Zwecken mißbraucht worden, meldet die ,/Narvdnt Politika": D«ie Untersuchung in dieser Angelegenheit ist bereits erngeleitt worden: es hat sich Herausgestellt, daß die Gerüchte Äbeüha'u'pt jeder Grundlage entbehren. Tiie Aerlzte haben nächgewiesen, daß «das Dienstmädchen Koszyna eine kranke hysterische Personist, deren Hysterie an Irrsinn gvenizt. UÄberein-stimmend erklären die Aerzte, daß ihre Behauptungen grundlose PH-antäsien seien, da an ihrem Körper Nicht die minidöste Spur einer Verwundung sich zeige. D-ie Provinzblätter warnen vor Kundgebungen gegen die Inden. Die Gendarmerie in Ehotzen und Umgebung w«urde verstärkt. Jüd.-akad. Ferialverbindung „Emunah" in Bielitz. Winladung.j Die jüd.-äkad. Ferialberbindung „lEmlunäh" iw Bielitz, welche die älteste Ferialverbindung u«n«serer Monarchie ist, veranstaltet am 9. September «a. c. in den Ikdlepsälen ihr 20. Semester-Stiftungsfest. Aus Anlaß dieser Feier gibt die Verbindun«g eine Festschrift heraus, die u. a. Artikel von Se. «Ghrwüriden RÄbb. «Dr. Kirrrein (Teplitz), Dr. Krenberger (Wien), Ing. Van («Olmiütz), Dr. K'ad«disch (Wien) enthält. Der Kommers «selbst wird, den Vorbereitung«!: nach >zu« 'schließen, einiein recht amüsanten. Verlauf nehme»:. Wir laden auch ans diese»»« «Wege alle Bb. und Freunde herzlich ein. I. A. d. A. C. Phil. Mich. Steuer, dz. Präses, iug. Alfred Merory, dz. Schriftführer. Aus Suezawa, den 24. August, wird uns geschrieben: In der gestrigen GemeinderalSsitzung wurde die Errichtung einer vierklassigen rumänischen Volksschule aus städtischen Mitteln zum Beschluß erhoben. Dr. Popowicz beleuchtete lichtvoll die Notwendigkeit dieser Schule im nationalen Zentrum der Bukowinaer Rumänen, deren Kinder daselbst zu Rumänen und nicht zu Deutschen erzogen werden sollen. Die anwesenden jüd. Gemeinderäte fanden das Verlangen für berechtigt und stimmten dafür. Soweit die Tatsache. Die Bevölkerung Suczawas besteht aus zirka 42% Juden. 30% Deutschen und 28% Rumänen. Der Andrang der jüdischen Kinder zu den Schulen ist, wie bekannt, ein sehr starker, so daß dieselben in der Suczawaer Volksschule die relative Majorität bilden. Solange nun die jüdisch-deutsche Volksschule bestand, hatten es die jüdischen Kinder gut: Sie hatten Samstag und nicht Sonntag Feiertag, wurden im Hebräisch ziemlich gut unterrichtet und wurden nicht (»vas man jetzt fast täglich hören kann) von ihren Mitschülern mit „Jud" und sonstigen Schmeicheleien traktiert. Als nun 1902 die Baron Hirsch sche Stiftung entzogen wurde, mußte die Schule aufgelöst werden; die Stadt wollte nicht eine genügende Subvention gewähren, um sie zu erhalten. Das ließen sich die „jüdischen" Gemeinderäte gefallen. Und NM «UN auf den vorliegenden Fall zu kommen: die Rumänen besitzen nun eine eigene Schule. Wir gönnen sie ihnen au» vollem Herzen! Sie bilden aber bloß 28% der Bevölkerung unserer Heimatstadt. Den Juden, die 42% der Bevölkerung ausmachen, soll nicht einmal eine Subvention (zur Erhaltung einer eigenen Schule) gewährt werden? Zahlen die Juden nicht ebenso gut Steuern wie ihre rumänische« Mitbürger? Und liegt nicht auch für sie die Notwendigkeit einer eigenen Schule vor? Unbestreitbar ist die Antwort auf die letzte Frage zu bejahen. Gerade in der Volksschule, da in die für alles so empfängliche Seele de- Kindes die Basis für alles Spätere gelegt wird, sollte das jüdische Kind in die Sprache und Geschichte seines Volke» eingeführt werden. Die Eindrücke au» dieser Zeit lassen sich sonst nie ganz verwischen. Wie schmerzlich nun muß man eS empfinden, wenn man hört, daß jüdische Kinder viel eher die Bedeutung vo» Weihnachten als von Pafsah kennen und viel mehr von Christus als von Moses zu erzählen wissen. Und kein einziger jüdischer Gemeinderat hatte angesichts der Errichtung einer rumänischen Schule de« Mut, auch eine jüdische zu fordern. Ich sage: fordern! Denn gleiche Pflichten, gleiche Rechte, wenn auch noch überdies die gleiche Notwendigkeit vorliegt. Doch noch ist es nicht zu spät. Ich appelliere an die Suczawaer jüdischen Gemeinderäte, daß. sie alles dransetzen, auch eine jüdische Schule oder wenigstens eine genügende Subvention für die Errichtung und Erhaltung einer solchen zu erhalten. Ein Jude. Berlin, 26. August. AuS Petersburg wird berichtet: Der Vorsitzende des' Hiilfsvereins der deutlichen Juden, Herr Dr. Paul Nathan, hätte Fre«itag abends eine erneute längere Unterredung »n«it dem ruiffischen Pvem«rerm«mister Stolypin«. Die B«e'de'utun'g dieser u>nd der ersten Unterredung am Sonntatz ist nm so «höher an'zn'schlcrgen, als gerade jetzt die Jiu«ö«en>fxaige nnd ihre Lösung im Mrnisterrat einigehenido»: B«erätnn«gen unterliegt. Aus der gestrigen Unterredung ergaib sich, daß im. Rahmen .der großen russischen Probleme Stolypin der Frage der «§ün>ftigen rockOUchen nnd «MirtischaMchen Stelku-ng der sechs Million'en« Juden schr ernste B«e>deuünn«g beimiißt. Es beste«ht die Teüdenz, vor dem Zu,fam«mentritt der Dn.ma den Juden gewisse Erleichterungen zu gewähre»:,' der neuenDuima soll älsdann, wie es vevsassun«gs'»näßig vorgesehen ist,, «die prinzipielle Entscheidung überlassenwerden. Ein-ese«»et. SilB mm TvuW MW Heinrich Neugebauer j—-rp vormals MoInAr Optiker -W« Wien, I. 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