Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 64 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Jfr. 64 Sötte «. Nachdoin aber Palästinp., wie er augenschomlich selbst überzeugt ist, bei einer agrarischen Wirtschaftsform. nicht geeignet ist, .eine große Immigration. auifzuinelMen, e»r infolgedessen mit Palästina die Judenlfmge, die er nur in dem Mangel einer selbständigen! Wirb schafts.einheit erblickt, nictjt zn lösen imstande wäre, und demnach den Territoria listen Recht geben, müßte, so konstruiert er lieber eine ganz neue Theorie von Wirtschastseinh.eiten auf industrielleu Basis. Wie er die Judmfrage durch die Industrie- Wirtschaft gelöst hat, habe ich oben gezeigt! Diesen. ganzengroßen Apparat wendet Ben B-erachel an, um nur bei Palästina zu. bleiben. Es ist ja vom Standpunkte eines Zione Zi!on sehr, schöne, wenn er sich mit alter Macht für Palästina, einscht, und ich würde es einem aiuch nie übel nehmen, wenn! er es tut, er soll aber offen afgen.: „Ich! Will Palästina um jeden Preis un!d nichts anderes", aber nicht eine materialistische Begründung der Judenfrage geben, rund Pa-lästina quasi nur! aus dein Grunde zu empfehlen-, weil es für die Schaffung der jüdischen Wi!rtsch,afts!oin»heit angeblich aus ökonomischen! G-räulden allchr anderen Territorien! vo-rz^uziehest, lväre! Wozu sich auf den reinen Materialisten herarlspieteni, und ein Wolfsfell astzieh en, womlit er nur seine eigenen Genossen abschreckeu undi unter ihnen.eiste nnheilvolle Verwirrung Hervorrufen wird? E r könnte Palästina, viel billiger beLommgn, indem, er -oukläveln' würde: ich! bm aus dem Grunde für Palästina, weil ich ein Zione Zion tirt! —dt. (Schluß folgt.) Prager Brief. Me von den, tschechMM Assrmilanten eingeleitete, und! <i!uch! in diesem Blatte bereits erwähnte Rundfrage über die Judenfrage ist fco* endigt. Sie hat den. Veranstaltern, wenig Erfreuliches! gebracht. Es wäre eine paffende Illustration zum Sprichwort: „Wer, einem, anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein." Die Herren erwartete von, den tschech!ischqn> Ä vokaten, Professoren,, Abgeordneten, eine Verherrlichung ihrer assimilatorischen BestrebunigM zu. Hörens Mr sie ist doch, die Laune eines jed.cn Nichtjuden ein, Faktor, mit dem sie rechnen müssen. Es war taiktisch richtig, eine Ueberprüfung anzustellen,, wcinn, arrch der „Rvzvoj", das Origan der tschech,isch.enfortschrittlichen Jnden, diese Estguete geradezu als einen, unglücklichen Gedanken, des. neuen, Redakteurs Dr. G it t h, hinstellt, da> nach, ihrer Meist'Ustlg selbst in den hellsten! Köpfen keine klare Anschauung über dte Juden, herrscht. Denn so arg haben sie sich! die Sache doch! nicht vorgestellt!. Von ein,i'M'lN.l vS-eitcnti eine direkte Abweisung. Die Erklärung, daß die Juden ein, eigenes Volk sind, imiödaß sie es bleiben, sollen. Von, anderer Saite müssen sie die vorwulvssvolle Frage Höven, ob sie es auch mit dem Tschechentum ernst nehmend! Man vertraut nämlich irr Politicis den. Juden, nicht mehr, und dies, wenn man die Juden nach den, Assim.ilant.en absä'ätzt, mit Recht. Ter assimilatorische Jude, der sich, heute als. XfcI),cicf)!Gi deklariert, erklärt sich morgen nach ei>n,er Uebersiedlung ins. deutsche Gebiet, als Deutscher. Ein Sohn der Familie ist ein strammer Germane, während der andere als radikaler Tscheche emhergoht. Dasselbe Mißtrauen, herrscht auch auf öc'ittfdfjic'c; Seite. Erwähnenswert ist die Antwort des Univevsitätspriofessors Dr. Kraus. Er war einst für den Rabbi na tsberuf bestimmt, hat, sich! aber später taufen lassen und liest jetzt über, deutsche Literatur an der tschechischen Universität. E t bez e i ch. n e t> d i e T a u f e als den, einzig möglichen! Weg, zur Assimilation. Er muß es doch, am« besten, wissen». Die grüßte- Bestürzung unter den tschechischen Juden verursachte der in Wien lebende, bedeutendste mod-erne tschechische Dichter M a ch! a> r. Er erkennt die Juden bloß als Nation an,. Sie können, sich! in Böhmen der tschechischen Umgangssprache bedienen und^ evem tuell dabei auch, Ätheisten! sein. Machar war der Abgott der: tschechischen Asfimilanteni und g,crade er sollte ihnen freiti tiefsten. Schlag versetzen. Gleich schickten sich einige Herren an., ihn» zu widerlegen.. Unter ihren auch, der Rabbiner Dr. Kr ans ans Beneschan, der sich durch seine Bestrebung, auf Einschränkung des hebräischeir Unterrichts, öinien- Namen, gemacht hat. Er behauptet, die Zargehörigkeit zu einer Nationalität fei eine Pstivatsaiche, in» die ein anderer nicht hiiueinzureden habe. Er fühle sich! als Tscheche und. er kümm,ere sich nicht dm rum, ob dies jemand anerkennt oder nicht. Der Herr Rabbiner mag ja .recht haben,. Wer kann ihn hindern, sich als Franzose, Spanier oder Russe zu fühlen.? Ferner sagt er: „Wenn auch die Juden eiu,e eigene Religion haben, so trachlt.cn. sie, dieselben von der nationailein Eigenart zu. befreien, das heißt, der Rabbiner hält von der jüdischen. Religion,, was ihm. paßt, was ihm nicht paßt, ist ein. nationales Moment, das mit Stumpf und. Stiel ausgerottet werden muß. Das Hebräische hätte er doch schien gern über Bord geworfen,. Er ist ein „Lid." mit kleinem! „2", während Machar das Wort als Name eines Volkes mit großem „2" schreibt. So haben wir einen, weiten1 Eim teilungsgrund erhalten. Esgibt Juden mit „L" und mit „2". Doch wie ist es, Herr Doktor, wenn die Gasse „Silbe" ruft 8 Wenn es heißt, „Lioy "brauchen Chrtstenblut, die „Lidy" beuten, das Volk aus und so weiter. Glaubt man uns oder Ihnen.? Das gesprochene Wort kennt nicht diesen Unterschied. Ich glaube, der Pöbel auch nicht. So ha.bc.nl viele Assimilanten den Wirrwarr über dir Zugehörigkeit der Juden zu irgend einer Nation, den, sie in den Köpfen anderer vermuteten, in ihrem eigenen, entdeckt. Viele sind genug aufrichtig, es. zu gestehen. Als Genugtuung über die Enttäuschung und zum Tröste der Leser bring,ein die „2eskozidovske Lisch " in der letzten, Nummer ein. Gedicht des .großen tschechischen Dichters Vrchlieky. Er tröstet darin die Juden über den> Verlust ihrer Heimat. Sie haben in. Böhmen, eine andere gefunden. Für den -K a r m e l bietet er uns den Vyfe H r a b an, für den Z i o n s borg sollen wir den. Rip Georgberg eintauscheir,, für den Jordan leistet uns die Moldau. hinreichenden Ersatz ustd füir Jerusalem, könnest wir uns ganz gut miit Prag zufrieden stellen.. Herr Vrchlicky glaubt die Juden, an der richtigen Stelle gepackt zu hüben. Er hätte poch, berechnen, können, was für einen Profit wir bei diesem. Tauschgeschäft machen. Wir haben von dem, Dichter des „Bar Kochba" schon andere Töne gehört, bie sich mit diesen nicht in Einklang bringen lassen. Er hat sich, nach, vielen seinen Dichtungen zu schließen., intensiv mit dem Judentum!e beschäftigt, er ist in das jüdische Gefühlsleben .clingledrunigen, hat die jüdische Psyche in ihren geheimsten Regungen, bloßgelegt, .er sollte deshalb wissen,, daß dem Juden das alte Stanunland heilig ist, daß es ihm erschlich ist, wenn es. auch jetzt, so wie das Volk, brach, liegt. Der wahre Jude wird das Land seiner Mtev selbst sür Böhmens schöne Aum, für den. sa.genuntwobenien Bysehrad. und das golden.e Prag nicht eintauschM: .Was -würde Herr Vrchicky dem sagen., der ihm für seine Heimat eine andere aubietet? Und wir hängen mit gleicher Liebe an den vom. Blute unserer Väter getränkten Scholle. So oft wir beten, flehen wir Gott um den Wiederaufbau. ZiolnZ. an.. Selbst im tschechische jüdischen Gebetbuch sind» diese Gebete zu finden. Vrchicky weiß als Ueberscher Morris- R o s e n f e l d s-, daß dev wahre Jude auf d.en großen Aufe!rstehuin,gAtag seiu.es Volkes und feines Landes hofft, daß. er mit allen Kräften zu diesem Ziele strebt. Uebevhaupt macht d.as- Gedicht, das auch, formell nicht aus der Höhe der Kunst steht, den Eindruck, als ob es nicht dem inneren Drange des- Dichters entsprungen wäre, sonderst! auf Bestellung für den tchechisch^jüdischeu Kalend.er gemacht sei. In einer Besprechung des Kalestdersheißt .es in „. . . . Wem »der Warakter des jtiMjcfycn. Volkes nur eiuiaerstratzen bekannt ist, der .weiß, daß dieses Voll sich erst dann z'U,fxie>denaeben! wird, wenn in Nn.ßlan>d nicht seine Gleichbcrechtignng, sostdern seine enölstliküge Herrschaft durchaesührt sein .wird. Weiche Konzessionen, auch die rNsistsche Regier>nn.g nnÄ das russische Voll den. Juden machen mag, sie werden sich nicht berNhig.cn, werden um so lauter nn»d nn.verschänrter über Nnterdriicku.Ng schreien, je mehr tliechte ihnecl gewährt werden." .So weit Herr B. Jst.sefo.>oit!sch., EWellenz.. D>as grausige Echo seiner Aussührnngen hallt von Hvmel, Kiew, Odessa, Wialystoik wider — und wird auch in Zlillnift noch von vielen Ortenrviderhallen, an deuen rNssi.sche Juden -rvohueu. X. Huntes Feuilleton. Schrimm (Posen). (Arischer Aberglaube.) Tateir, in.spiriert vonr fiustereu Aberglauben, lvie er wohl kallmi iiü Mittela-ltor grassiert haben dürfte, bitdeten den Gegemstastb einier Verhandln,n-g, mit der sichdie Strafkamiin-er zu beschäftigen hatte. Angeklagt Ivar der Landlvirt Franz Ogrodowski aus Roh-eim- (früher Baranowo-Hauland), dein die Anklage zur Last legte, zahlreiche Leichenschändimgen verübt, Friedhofsanlageu und Gegenstände, die zur religiösest, Verehru'ng bestrm,mt siud, in mehreren- Fällen vorsätzlich besch-ädigt bezw. zerstört zu haben,. Die Totem -des- Augeklagten! hüben, zmi Zeit! ihrer Begehststg eine ungeheure A-ufveg-ulig, an, den, Tatorten hervorgerrrfen-. D-ie erste Leichenschändung wurde im März 1905 j,n, Moschin-, ei,nestr klemeir La-ndstädtchen mid Ausslugsort in, der! Nähe" von Posen, verübt. Der in-, uststrittclbarev Nähe des jüdischest Friedhofes. Woh-nhafte Mühlenbesitzer Karl Rei-chelt bonrerkt-e zu der angegebesten Zeit meh'r'ere Tage hindurch ein offenst.chcndes Grab-. Als d-ieses^ nach, lästigerer Zeit sticht zur Benützung gelangte, machte er von, seiner Wahun.eh.instirg dem» Kau-fmanu Lcvy, Vorsteher 'der Syniagogestgenreinde, Mitteilung, worauf sich dieser nach! dem Tatorte begab und bierbe-i die Feststellung machte, daß das Grab de-o etw-a dwi Wochen, vorher, beerdigten Tischlermeffters und- Handelsmannes Markus Rosen-berg gstvaltsa.m. geöffnet, und aus dem Sarge von. der Leiche der Kopf abgatvennt und entivendet worden, trar. An seiner Stelle befand sich ein, Klumpen gefrorener Erde. Man stand vor -einem, Rtz'itsel: Feinde hatte der 82 Jahre, alt gewordene Verstorbenst nicht gehabt, im Gegenteil, er batte sich allgemeiner B>clirMeit e-vsreu-t. Die Staatsanwaltschaft, die von der Entdeckunig sofort in Kenntnis gesetzt r worden, war", stand gleichifalls vor einem Rätsel, da außer den Fußsp-u-ven», von, demen. Gips- I äbdrücke genommen, wurdest!, nichts darauf j schließen ließ, wer als Täter in-, Betracht ko^nm-en, könnte. Da, der Veisto.rbenie trotz seines j hohen Alters, stets, gesund und ent kurz vor; seinem Tode plötzlich gänzlich erblindet war, i so na-h-m. man an, daß es sich um ein-en. Leich-entraub ausnwdi z i n iscG lvi ss.e.n.fcha ft lichiem Jnteri esse handelni könniri. Tatsächili-ch wurde nach : dieser Richtring hin monatelang das Ermittei lungsv-erfahreu geführt. Zu positiven' Ergebi nissen führte esnicht. Der» geraubte Leichen- \ köpf blieb verschwunden-. Die Oeffentlichkeit . hatte den, Fall beinahe vergessen., und nur noch! in, den Kreisest, der nächsten Anrerloa-ndtenblieb! die Freveltat. ist! -lebhafter Erinuer-ung. Eine! noch größere Erregung bemächtigte si " der Belvohner von. Moschin. und Uiugegend, als im Herbst 18)05 sich die Kunde verbreitete^ auf dein Friedhof in. dein Dorfe! Hivschfeld sei ein 1 bp'ab geöffnet und Nnederuw: der Korr einer ' Leiche geraubt. Jnr Februar 1906 sollte das i Dunkel gelichtet loerden. Frau Ogrodowski tvar von, ihrem- Ehemauu mißhandelt worden, deshalb, verließ sie die Wohnung und fand Ausnahm-e bei ihrem. Gevatter, dem Fischer Baezoivski in» Roheim. Diesem offenbarte sie Tatenihres Ehemannes, die Nnederzugeben sich die Feder sträubt. Danach sollte Ogrodolvski KRCBSdPOTtlCKC 5. niTTELDflCn Aromatisctios Pflnster, Wien,!, Hoher Merkt Nr. 8 Anzuwenden hei allen schmerzhaften Zu- (Paiais Sina) kn Zentrum der Stadt. ♦ ständen. Preis eine Schachtel 2 Kronen.