Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 64 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 NationaLzskunk Nr. 64 Wenn wir also an die Gründung einer ncuietru Sied-lung fdjmeitont, müssen wi'v in erster Linie daraus bevacht fäu, -öajj w i r 11 i ch t gleichin Ai b h ä n g i gkei t 'ö e s inte rn atio n a l e n M a r k t e » g c ti a t c n, soubeun-, daß wir unsere drMFc-irdswn; Bedürfnisse and unserer Hände Arbeit selbst befriedb gen. können-. Wir müssen also unsere neue Wirtschaft auf agrarischer Basis aufbaueir. Die n a t ü r - l l ch e Eu-twicklu-n-g wiw uns sukzessive zum KileingrN'.-e-vbc- und zuiu Jndustvio führen. Bqn Br-mchel zitiert Oppenheimer, spricht von seiner Krebitbasis. vergißt aber, daß Oppenl).einrer es war, der uint& die LmrAvirV schuft als Basis unserer SK-ölung in® als Faktor zun Erlangung dernlotwondigen Kreditbasis, empfohlen hat. Ben Bemchel hat auch übersehen, daß Oppenheimer als Bodeurcfv.rmer prinzipiell für eine agwrzen'trische Wirtschaftsform. ist und daß sein Prinzip von! der zionistischen Organisation auch angenommen wurde. (Oiie'hr ein Referat aus dem- 0 Kongreß in Basel.) Ich gebe aber im voraus zu, daß die Ansichten^ von einzelneir Autoritäten für unsnicht m-aßgebend sind, sondern die o b j e k t i v e n P e r h ä l t n i s s e und Beschaffenheit des be-! treffenden' Territoriums, auf welchem die Siedj fang eingevrchtet rve-rS-cn soll. Ichwill aus die-! sem ('-denn,de hier die obiekkiven- Verhältnisse j Palästinas einer eingohendcln Prüfung unterj ziehen/.! Ben Bemchel schlägt entgegen den Erfahrungen, diein der Entwicklung der. Weltwirtschaft gesammelt wurden, vor, die neue jüdische SiGfavg hauptsächlich auf industrieller Basis, und zwar nur in- Palästina aufzubaneu. _ < Um Industrien in irgend einem- Lande einzuführen, müssen folgende Vorbedingungen gegeben, sein: 1. Schutzzoll bei Abfassung von Handelsverträgen. 2. Große Kapitalien. 3. Günstige Beschaffung Don Rohmaterialien. 4. Billige Wasser- oder Dampfkraft. 5. Ein konsumfähiger innerer Markt. 6. Ein. günstiger auswärtiger Markt. Untersuchen Win nun, ob diese! Be'dingrmgcn in- Palästina gegebensind. Ad 1: lltachdenr wir nach- Aussagen Ben Berachels auf Palästina, einen Charter nicht bekam nven können, so können wir auch keine Schutzzölle aufstellen, wir sind vielmehr diesbezüglich auf die lürkisch-e Regierung angewiesen. Als ein Land, welches, wie Ben Berachel selbst zugibt, in der Naturalwirtschaft lebt, kann die Türkei, wie ich in meinem vorhergehenden' Aufsatz nachaewicsen habe, unmöglich unserer Industrie Schutz bieten. Wieso Ben Bemchel die Behauptung ausficUon. kann, daß die Türkei als Agrarland unsere Industrie in Palästina schützenwird, ist mir ein Rätsel! Un'sere Iudustuie loürde irr Palästina der Willkür der Internationalen Konkurrenz preisgegeben werden. Ad 2: Nachdem wirkeine üfapita-lien besitzen, wendet sich Ben Bemchel an das internationale Kapital. AAm wissen'wir aber, daß das inlernalirn-ale Kapital nicht' abstrakt zu denken, ist, sondern bestimmte Jirduslriezweige vertritt und daraninteressiert ist, daß für die von ihm vertretenen Iudustrieir- Absatzgebiete geschaffenlverden, nicht aber Kvnkurmnten, d. h. das internationale Kapital ist daraninteressiert, aus uns leicht industrielle Produzenten, sondern industrielle Konsumenten zu machen. Tann ist cs klar, daß das internatioinale Kapital uns zur Begründung von Jndnstmen nicht zur Verfügung steht. Ad 3: Wie steht es nun mit der Bechap fung von Rohmaterialien in Palästina? In Palästina mangelt es an- Holz, Metallen und sonstigen für eine große Industrie in Betracht kommenden Nohmalln-ialien.. Di-r Rohmaterialien müßtan demnach von auswärts bezogen lverden, wodurch die Fabri-ka:t'ionsk'0>sten. sich natürlicherweise kolossal erhöhen. Ad 4: Die Wasserkräfte sindin- Palästina zu gering, nur für Betreibung vongroßen Industrien ausgenützt werden zu können-. Kiohte ist im. Lairtdefast nicht vorhanden und müßte importiert werden, daraus ergibt sich wiederum eine Verteuerung der B-etriebskosten. Ad 5: In jedem- Lande bildet die Landl rürs schaft betreibende Bevölkerung den iniwren. Markt für, die heimische Industrie. Nunsollen aber nach dein- Rezept Ben, Bera-chels die Juden keine Landwirte werden, folglich h-a-benwir in ujiiserer Wirtschaftseinheit keine Konsumenten für Indus-ri-ea'rtikel. Bon- Bemchel wird aber sagen, daß die Landwirtschaft betreibende Fellachen unsere Konsumenten werden. Diese Fellachensind aber infolge ibras „kulturellen Tiessta.ndes" sehrbedürfuisles, so daß ihre Ko-usrimfähigkeit eine sehr garinge ist. U-eberdies würdentmv nöchdiem wir durch. Einfuhrzölle nicht geschützt.sind, die auswärtige Kvnkuvrunz um Halse haben». Derinnere Markt wäre demnach gleich. Null. Ad 6: Nachdem' teil' Maschinen-, Nobmalerialieir, Kohle risw. von auswärts beziehen müssen,, und infolgedessen mit höheren- Siegten arbeiten, sind wir nicht konkurrenzfähig rmd werden ain internationalen Rc-urkte durch die Ken-kurrou-z einfach erdrückt. Folglich haben wir auch keinenauslvävtigeu Markt. Es. geht aus km Obigen kla.r hervor, daß die objektivm V-erhäUnisfe in Palästina! diD' Einführun-gder iltdustri-elleu- WiirtfchaftsfoeW^ nicht begünstigen, ja gemdezu nls unrnügliH erscheinenlassen. ' Und lven-nichauch von den objektiven. Ve-v hältnissen in Palästum abstrahieren loürde. .UW> anuehmen! lviollte, daß die Industrie in VaMstina bereits begrün.dct und involler Funktion ist, so könnteauch dann, die Judoii-frage keinesfalls als gelöst betrachtet werden. E-rftenslvürde die lllormalrsierun-g uu,d Verteilung der jüdischqu! Berufe, loelche von proletari schell, und auch, bürgerlichen- Kvaiseu durch deili Zio-iüsliuls -erhofft und angestrebt lvird, ausbleiben, zlveit-rN-s. lv-ii>r-de die Bindrin-g des jüdischen Proletariats an das Land ausbleiben-, wei-l -das Falbrikspro-ter-a-r-ia-t ein sc-hr fluktriierendes Eleimnt darstellt, lvahreu-d d-i-e Lan-dloirtschast au den Baden, kettet; indi-eßnr Falle loürde.Ben- Berachel uri-r b-iic- Felliachenau b-cni Boden ketten, unddrittens gcii'-lügt eino!d-er zlvei Jahrelnrgrinstigc-r- Konjrur'ktureu!, od-er gar K-riseu-, lind unsere ganze Jirdustrie wird stillgelegt, die älrbeiterschast sreiges-etzt und das Judentum' muß, um Erwerbsgelegeiiche-it zusuchen-, wiederum zum Wand-ersta-b grc-iferr. Die ganze Wirtschaft, weil einseiti'g aufgebant, stürzt in sich z.u.sanrm-e-n und die Judenfrage bleibt lvieder -dort, wosie vo-r. der B>clgründ-nu-gder Jud-uftrie Ben B-era-ch>els> gestandenist.. . Wenn solche Eirschrin-uu-g-eil! im seih langem bestehenden, tliächtig-eu> Staaten Nla-ffowEnligration zur Folg-e haben, so könnmwir unsvorstellen!, welch-e Erschütterung eine fo-lch-e Erschoiniung inrmsever jungen Siedlung hervori-ufcn müßtie, welche« hau-plsächitich! auf 'der Industrie aufgebalit wurde? Wie immer diese Frage betrachtet werden mag, spricht alles gege'ir eine ind-ustriezentr-ische Wirtschaftsfor-m, in unserer neuen; Si-cdluivg in Palästina. Was veranlaßt aber Ben Berachel, gerade aus diese Wiirtschafts-form zu best-ehen-? Ich! glau'be, daß der. lvahre Grund, lva-vmn Ben Berachel für Äi-e industrielle Wiirtschaiftsforur ist, nicht dariilzu suchen ist, daß er. von den Vonzüg-endieser Wi-rtschaftsform! überzeugt ist, oben daß er ernst glaubt, daß die Iud-e-ufür iw Landw-irtsch-aft nicht geeignet siuld- — ein Hinweis auf die jüdischen- Kolonisten, gerade in. Palästina, fern-er ans die Kicloniisten, in SüdDuh-- land, A-rgentilliien, Canada> Süddeutschland, Uust'ra-lien>, Nordamerika usw. genügt!, ri-m. die Ei'gnnn-g der Ilwen fi'u- Lablvi-rtschaft zu belveisen — ich bin vielmehr 'der Ansicht, -daß Ben B-e-rachel aus deineinzigen Grunb-e a-rff biiie indnst'vielle Wirtschaftform, drängt, lmeiX er die S-iedlrin-g nur in, P a. l ä st i ila und u-icht anderswo begründeilmöchte. -schichte der Völker, nicht nur Ruhlands allein, n-achweisen läßt." Und was die Klagen der Juden über Unter-drückung anbet risst, so liegt natürlich nach In.sefoiwit'sch nicht der geringste Grund z-n ihnen vor. Sie haben nichts dazu beigetra-gen, um das große, mächtige russische Reich zu schaffen, mit schweren Vlutopsern. hat Rußland die G-ebiete erobert, in denen die Inden wo-hn-en, und indenen sie „gegeritiber der eingeborenen russischen Bevölkerung lediglich als Werkzeug fungiert haben. Und diese jlldischen Massen, die als kranikha-st-er Parasit sich am polnischen Organismus festgesogen hatten — sie wollen nun, m-it der ein-gebor-enen russischen Bevölkerung gleichberechtigt, ja wollen die -Herren d-e-r r-uis.sis.chen Erde sein. Die Protlanlierung! einer solchen GleichberechtiMNig wäre „ein dlkt der größten N-ngerechtig-keit, die die russische Regierung und die russische Gesetzgebung vor deni Antlitz der -Geschichte begehen konnte." Die Juden, meint Jusesowitsch, be-klagen sich, daß die russische 9tegier-ung wie die russische Msellschast, ihnen gegenüber so wenig christliches Mitleid an den Tag legen. Wie kön-nen sie, die Christnnr ans! fttieiuft geschlagen itnjb ihm. den Banditen Barrabas vorgeizogen haben, von christlichem Mitleid reden? C-Hristliches Mitleid heischen sie die fanatischen Ankag-onisten Christi, vom russischen Zaren und vom russischen- Volke nur, um ihre Handelsbe-zi-ch«ungen und sonstigen spelkulativen O-pevaiivnen über ganz Rußland ausznbreiten. > dlber die Machtreprä'se-ntan'ten des rufsischen Vo-l- : kes sind vor Gott und der -Geschichte verantwortliche Verteidiger und -Beschützer der russischen na- > tiona-len Rechte und Interessen, die ihnen voni-hren erhabenen Vorfahren über-anklwortet sind, und di-e sie nicht z-u-g-u-n-st-en eines fremden Vo'lksstannnes, d.e-r z-w-ar im ruffis-chen Reiche wohnt, aber j der einA'sessenen Bevölkerung vvr'w-iegend feind- \ lief) gesinnt ist, willkürlich ans ihrem natürlichen- Bett Üble rite n 'können. Während dieiibrig-en Völker, die Polen, Derrtscherr, Finnen, Tataren, llarckasier rtsw. s-oz-u'sagen. Mitbesitzer vom russischen Äie'iche sind, können die heimatlosen J-riden, die sich kein eigeries Vaterlan-d m gründenv-ernrochten, in dern g r oße n- Re iche höchste ns in der -sekrnid ü ren Rolle von Q-nartievgä-sten existieren, Nr.it beschränkten Slntzunns-i'echtett, olirre jedes Dispositionsrecht an einem Besitz, -der Nieder ihrige rv'ar. -Die Zeitung „N-owoje Wrem-ja", führt J-nse- -foimitsch fort, veröffentlichte seinerzeit eine Anekdote von z'wei tapferen jüdischen Solidaten, die in 'den Ää-mpsen bei Tinventschen einen' schwevverwuudeten russischen Priester ans dem Feuer getragen -hätten. Der Ver>fasser der Itot'iz zog aus >der erzählten Tatsache den Schluß, daß all 'die vertschiedenarttgen Volksstämme Atußlands, inslbe-- sondere die siinssen und Juden, sich einan-der -hechlich nähern sollten. Die Anekdote von -der selbstlosen Tat der Heiden Juden i-st gewiß sehr -l-tzhr- -reich, sagt J-nsefoivitsch, zeigt sie doch, 'welchen tiefen erziehliclu'-n Einfluß die gesunde Atmosphäre des Krieg siebe ns selbst auf die Bekenner des mosaischen Glaubens ausz-u'ü-ben vermag, in -dene-ir sie die ihnen 'svli-st fremden» Eharaktevziige der selbst losen -Ansopsernng -und Tapse rte-it weckt. Um aber eine „'herzliche 'Annähern.n'g" herbeiznisüihren, 'dazu liegen die Ursachen des A-n'l'agvn'islnus Kmischen den J>n-den und-den audereu-Völkern doch z.n tief. Dieser Antagonismus wurde an jen-enr Tag-e begründet, als vor dem Willensschwächen Pilatus der w-ilde Schrei der Mtznge ertönte: „ÄUelizig-e Je'snm, und den Barrabas gib ll-us frei!" Seit jener Zeit verblieben durch ueunizelhu Ja-Hr-Hnnderte die>se Worte -un-oeräll-dert als Au-f-! schrift ans der nationalen Fäh ne des j'üdischeu - Volkes, als ein Protest gegen selbstlose, aus- - opfernde Tugend und als ein Ansrn-f z-ur Ver-; teidignn-g -und z-Um Schutz alles Bösenn-nid ' Schä-ndliche-n ans Eöden. lJm Original durch \ Dkuck a-nsgezeichnet.) Und a>ls Vertbündete der! J'iilden in diese-nr erba-rnmn-gslosen Haß gegen das Gute und dieser -heuchlerischen- Verteidigung des Bösen evschoi-nen heut roie vor neü-nze'hu-h-nnidert Jabreu die „S-chrlftg-elehrten un>d Pharisäer", die! an den verschmitzte n Rä Uken der Jnlden teil nehmen, Re darauf ab-zielen, durch «das Ei-ntretenfür alles Böse und Schän>dti-che schließlich -die ganze christliche Leben'sordnnng zu uutei'graben und aiüf ihren Tstünmnern die At-acht und Herrschaft des jüdischen Kapitals au'szurichton. ffMChbari WMMHNlIefcll OtmoblH I Polleoz echte Reform-Schweissblätter shifttetM IMmnU Mhftltl