Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 62 (24.8.1906)
- Date
- 1906-08-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 62 Nationätzeitung Seite 5 wand füiti die nun zu schaffende Institution deren gesamtes Einkommen aufzchven würde. Das eine ist gewiß, datz die neue Steuer unter den Wiener armen Juden eine Erbitterung Hervorrufen wird — eine Erbitterung gegen den Kultusvorstand, gegen: die reichen Juden, wenn> schon nicht gegen das Kultuswesen im allgemeinen ... Eine Wahlreform in der Kultusgemeinde kann nicht anders als auf der Basis des allgemeinen Wahlrechtes erfolgen. lieber die Details möge wohl Meinungsverschiedenheit herrschen. Als Hauptzweck aber imtft vor allem ins Auge gefaßt werden — das N a - t i o n a t b e w it ßtsein soll unter den Juden frische Nahrung beSoimmen, neue Elemente in den, Kultusvorstandi entsenden — Elemente, die, vom Volke kommend, dessen Bestrebungen und Nöten genau kennen und somit das Jüdische in den indifferent gewordenen Massen zu verpflanzen verstehenwerden. Mit Palliativen und halben Maßregeln kann man unmögliche der reif gewordenen Frage beikommen. Zum Schlüsse möchte ich noch auf die Stellung der Wiener jitJDifcf>en. Presse in dieser Angelegenheit Hinweisen. Zn diesem- Grdanken gab mir die redaktionelle Anmerkung Anlaß, von der mmi letzter Artikel in der „Nationa-lzeitung" begleitet worden ist. Die geehrte Redaktion kennzeichnet die in Bet.rachjt kommende Frage alseine überaus wichtige und aktuelle: und verspricht, in einem späteren Zeitpunkt ganz besonderszu, ihr Stellung zu nehmen'. Mit Bedauern, mutz konstatiert werden, daß die „Natibnalzeitung" das einzige jüdische Organ in Wien' ist, das sich mit der Frage den' Wahlreform in lder Kiultusgemeinde ernstlich befaßt. Die anderen: jüdischen Zeitschriften sch'enl'en, ihr nur leise Beachtung oder schweigen sie einfach tot. Als ob die jetzige Wahlordnung ein! Idealdessen: vorstellte, was die Juden in Wien von: d>cr Klrltusgemeinde zu verlangen: haben'. Als ob man wirklich ohne die Volksmassen über die wichtigste Fragen des Judentums entscheiden könne. Als ob .alles glatt von statten gegangen wäre! Ein Steuerzahler. Mährisch - schlesischer St»dent««tag. Wir erhalten folgenden Anfruf mit d>em Ersuch:en um Veröffentlichung:: August, 1906. Kommilitonen! Seit lange:n: ist sich die zionistische Studentensch:aft der Aufgaben! bewußt, die ihrer gemeinsamen Arbeit harren:, seit langem' ihrer Pflicht, durch stranune Organisation ihre brach liegende Kraft zuheben. Neue, in basjüdi-sch-e Volksleben! tief eingreifende Ereignisse haben zumal di-e nmhrisch-Weisische Studentenschaft vor nicite Aufgaiben. g-estellt. Beruht doch die zionistische Organisation: Mährens nno Schlesiens znnr allergrößten! Teil auf studentischen Korporationen. Deshalb sieht sich die jüdifch'-aka-d'emisckje Verdindung „Jvvia"-Wien veranlaßt, für Samstag den. 8. September d. I., 11 llhr vormittags, im Stratzmauuschen Brärchaussaale mich Mährisch-Ostrau eine Ziusamnreii'klmft der jüdischen. Studentenschaft Mährens rmd Schlesiens eiuzuberufen. Aus dev von der „Jvria" vorgeschlageneu und in einer Besprechung dev Vertreter der studentischen Korporationen! Mährens! und Schlesi>ens gebilligten Tagesordming ist der Beweis für die Notwendigkeit einer solchen- Zusammenkunft erbracht, und dürfte wohl ein einmaliges Appellieren an d-aszi-onistische Pflichtgefühl der Korporationen und jedes einzelnen genügen, mn in dem Zeichen: studentischer Disziplin rmd Opferwilligkeit an nationaler Arbeit direkten Anteil zu nehmen! T a g e s o r d n n n g: 1. Begrüßung. 2. Wühl des Bureaus. 3. Politische Erziehung des jüdischen Studenten. 4. Betätigung des zionistischen Studenten in Mähren rmd Schlesien. 6. Die materielle Lage des jüdischen Studenten. 6. Organisation dev Ferralverbindungen und ihre Alten Herren. 7. Eventualia. Jüd.-akad. Verbindung „Jvria"-Men. I. A. d. A.-E.: cand. jur. Hugo Löwy eand. jur. Hermann Löw dz. x dz. XXX Zuschriften sindzu richten an jur. Hermann L ö w, Mähr.-Ostrau, Gaswerk. Ans Rußland. Petersburg, 19. August. Stolypin erfuhr, daß Doktor Nathan, einer der Vorsitzenden des Hitfsoereines der Teutscheu Jnöerl hier sei. Zweck der Reise Nathans ist die Schlußadrechnu-n-g mit dem Zentratkonlitee fiir Unterstiitzung der bei den Pvgronrs. Geschädigten. Stolypin, läiußierte den Wünsch, daß Nathan ihn besuche. Die Unterredung fand heute statt und dauerte eine Stunde. Nathangab ans Stolypins Fragen Auskunft ü>ber die Aulschanuug -des A-uslandes über die russilsche Lage, ferner iiber die Meinung der deutschen Juden lind der zivilisierten Welt über die Unerträg- 1'ichIKeit der Lage der jüdischen Bevölkerung Rußlands. Berlin, 21. August. Der Leiter der deutschen Hi-l-ssovgan'isatio-n fiir die aus Rußland answan- .derUden Juden, Dr. Nathan, hatte am letzten Sonntag Gelegenheit, den russischen Minister- Präsidenten und 'Minister des Innern, Stolypin, zu sprechen. Nach der UMerzeugung d-es Ministers Stolypin hängt es zurzeit von den russischen Inden selbst a!b, ob sich die gegen sie -gerichteten Ausschreitungen der Ildministrativbehörden und des Pöbels verringern. Er, Solypin, habe sich zur Ausgabe gestellt, die leidt.ge jüdische 'Frage in Rußland in der weitestgehenden Weise und möglichst schnell zu lösen-. Aber eine Gleichberechtigungder Juden in -Rußland u-nd die Blewilliguttg aller von den russischen Juden gestellten Forderungen Wune bei den obwaltenden Verhältnissen unter keinen Umständen durchgesührt werden und würde auch nicht einmal im Interesse der russischen Juden sein. Was d-ie starke Beteiligung der russischen Juden an der revolutionären Bewegung in Rußland betrisst, so steht diese für Stolypin als erwiesen da. Kein Wunder also, daß der Haß gegen sie bei allen' regierungsfreundlichen Elementen zuvr krassen- Ausdruck komlme und oft sogar zu beklageuswerten Mordtaten führe, die aber von der russischen Regierung aus das tiefste bedauert werden. Es seien auchumfassende Vvr'Wruugen! ge,troffen) daßsich! Pogronrs wie in K-ischinew, Bialystok usw. nicht wiederholen. Zwar seien in diesem- Jahre schon etwa 300.000 Juden au sgewa ädert geigen 182.000 in dem vorigen Jahre, doch wolle die russische Regierung den auSwaudernden Juden behilflich sein. Stolypilr glaubt, daß mit denr Beginn der Reichsdu-mn-wnhlen die Auswanderung der Juden Nachlassen werde. Petersburg. (Auch eine Untersuchung.) Die llntersnchn'ng über Bialystok -unter Stolypin verläuft nach -dem Borbild der Kischiuewer Untersuchung unter Plehwe. Der Verwundete Lunsky erklärte dein 1 lntersuchungsrichter Vebitko-, daß er mit 'schwerer Sch-ädelwund-e den Oberst Schröter ans dom Bahnhof mn Schutz bat, dieser jagte ihn mit gezogenem Sabel zu den Versolgerli znriick. Der Untersuchllllgsrichter veriweigerte die Aiilialnne -dieser Angabe ins Protokoll. Lunsky ging wegen' Remednr znm Bezirksgericht Grodno. Dagegen wird der jiidische Soldat^ GUssiatsky verfolgt, da seine Berteidiguug bedrohter Ansge- Min'derter mit dein gtevvlver gegen die Hooligans als Bedr-vhlttlg christlicher Arbeiter gualisiziert »vird. Eirre hochgestellte Persönlich'ke-it erklärte, daß Stolypin durch ZurLickweisunü der Oktoberpartei die Gemäßigten den radikalen- Elemeu-ten auuäherte. Es sei ein absvlllter' ministerieller Mißerf-olg. Die Juden in Finland. Der GonverNour von Wibvrg, Geheimrat voll RecheNblera, hat, wie die Wiborger Zeitllllg „Ostra Finlaud" berichtet, scholl, vor lnehrerell Wochen den Billellbesitzeru im Goutrernellient bei einer St rase von 100 Adark -oerboteli, ihl'e Billell oder Zimmer in ihnell an Persollell nlosais-cher Kvll-fessivnaus Rußland zu verillietell, ehe düse Personen von ihm die Er- 'lanblllö, sich kürzere Zeit im G-ouvernemelli anfznhalteli, erhalteli habell. Der Gouverneur berllft sich ill seiner Bervrdllllllg auf üell 8 11 eines Reglements über das Paßwesen vom 25. Juni 1888, wonach Ausländer, wenn sie in Finland reisen und sich dort anshalten, einen Paß besitzen Müssen, sowie ans eine Verordnung, die ein früherer Gonverneur von Wibvrg am 1. Juni 1897 erlassen hat. Dazn bemerkt die deutsche „Petersv. Zig.": Ob sich diese Verordnungen auch speziell auis die Inden beziehen, können wir eben Nicht seststellen. Wohl aber kennen wir allgemeine Bestimmu-ngen über das Ausenthalts-vecht der Juden in Finland: Fremide Juden dürfen diesen Bestimmungen gemäß in Finland nicht zngelaffen werden. Auch die in Finland lebenden Inden sind nicht finläudische! Staatsbiürger, obgleich die meisten von ihnen im Lande geboren sind. Seit 1889 haben sie einen alle sechs- Monate zu ernoueruben Ansenthaltsschein zu lösen. In russi- 'schen Blättern w'nvdc unlängst Mer die Schwierigikeiten geklagt, die den russischen Inden in Terij-oki und andeve-n finländischen Billenorten bereitet wiirden. Diese Plackereien sind wahrscheinlich! durch die vom 6. (19.) Juli datierte neue Verordnung des Gouverneurs von Wibovg veranlaßt worden. Vermischte Nachrichten. Przemysl. Ueberwindun-g von schweren Hindernissen ist es uns gelungen, in Przemysl eine territo-rialistische Organisation zu, schiaffen, u-nd: ist es die Organisation der zionistischl-sozialistischen Arbeiterpartei, deren Verein den: .Nainen „Freiheit" führt. Er bestoht aus- Arbeitern- und Handelsantzestellten, d-ie' früher zum größten: Teile zur Organifatilon „P!oale-Zio-n" gehörten. Mit d-iese>r O'rganisativ-n hatten wir den schwersten' Kampf zu bestehen, de'r, obzwar die Poale-Zion: ihre besten Leute, wie Pasmanik, hierhersendeten, mit dev vollständigen! Vernichtun-g der Poa-le-Zion endete. Unsere Organisation, arbeitet rege und zählt bis 100 Mitglieder. Unser Einfluß wird immer stärker undwir sind' schon in der Lage, unsere Tätigkeit auf bie Umgebung ausdehnen zu können. Jeden Samstag finden Vorträge statt rmd es werden jeden Abend Schreib- und Lesekurse geftihrt. Wir können weiter mitteilen, d-atz wir in vielen- Städten Galiziens unsere Organisationen und Gruppen haben und daß wir andie Herausgabe eines Organes in jüdischer Sprache in der kürzesten Zeit schreiten werden. In unserem Vereine bestcht eine Ziemlich große Bibliothek, die sehr in Anspruchgenommen wird; es wäre wünschenswert, daß die verehrten Leser dieses Blattes uns entbehrliche Bücher zuseuden wollten. Uieb-er unsere Tätigkeit wird nächstens -ein genauer Bericht eintreffeu. Wien. Samstag öen- 25. bs. wird bei der „Poa'le-Zion" im Cafe Stefanie, Stesattiestraße, Herr Ben Arje bas Thema: ,-StröminnMü i-m jüdischen Proletariat" behandeln-. Gäste sind willkornimen! Vöslau. Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde im hiesigen Bethmisvereine besonders aus-gezeichjnet -durch! die Spende eines von Frau R-ofa, Acarmorek, dern tzlndenken ihres seligen Mannes S. Ma'vmorek gewidmeten S-efer Tho-ra: nebst Kli-Kvdisch, wie auch einespr-achtö-olleu Boirhanges für Lie Bundeslade, lvie ja überhaupt diese edle Dame bereits vor drei Jahren anläßlich der EilUveihung dieses Betlokales' die meisten Einrichtungen a-nschaffen ließ. Anlaß zu dieser Spende gab di-e tags darauf stattfindeude Vermählung deren Tochter Frl. Lea Marmorek mit Herrn Leopold Abeles im, großen Saale des Hotel Schweizerhof, der die zahlreich, erschienenen vor^ nehmen Gäste kaum zu fassen vermochte. Di-e Traullugszeremonie vollzog Rabbiner Papo unter Assistenz des Herrn Rabbiners Reich von W. Baden, und den gesanglichen Teil versah Oberkantirir Bauer mit dem Chor des türkischen Tempels unter Harfen^ und Harmvniunrbegleitrmg. Nach Absingnng der Segenssprüche und Erteilung des Segens empfing das Brautpaar die herzlichsten Gratulationen seitens der anwesenden Verwandten und geladenen Gäste, und in freudig gehobener Stimmung verließ alles die improvisierte Stätte dev Andacht. — Der Reinertrag des von Herrn Mor. R. v. Gu'tmann am?Rittwoch abend in