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Nationalzeitung · 1906-08-24 · Heft 62 (24.8.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 62 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 NationahMmg Nr. 62 Wirtschaft betreiben, so haben' wir ein Interesse daran, -daß die Einfuhrzölle auf Industrie-. artikel niedere sind, damit wir bei den- Importländern, wohin wir' unsere Agvarprodukte exportieren, auf Reziprozität Anspruch erheben können. Denn sonst würden die Importländer sofort den Einfuhrzoll ans unsere Agmrprodukte erhöhen, und unsere ganze Wirtschaft wäre dadurch unterbunden. Führen wir hingegen eine Jndustiiewirtschaft, so haben wir in bezug auf die Zölle gerade das entgegengesetzte Interesse, und zwar erniedrigen wir den Einfuhrzoll auf Agravproduktie und erhöhen den Einfuhrzoll auf Jndustrieprodukte, um unsere nationale Jndustrie zu schützen. Wenn wir ferner den Bari von, Eisenbahnen, Kanälen, Hafenau lagen und sonstigen! öffentlichen Arbeiten an internationale Kapital sg es ellfchafte n übertragen! und ihnen eine fiinfzig- oder hundeitjährige Konzession, (im Besitz eines Eharters erteilen w i r die Konzessionen) erteilen, so übergehen erstens alle diese Bauten in unseren gemeinschaftlichen Besitz, und zweitens können wir als Kon- Zessionserteilcr die Bedingungen diktieren. Als Hauptbedingung gilt dann die Verpflichtung der Gesellschaften-, nur heinrische Arbeiter zu beschäftigen usw. Auf -diese Weise schaffen wir im> Besitz eines Eharters durch, das internationale Kapital unsere nationale Wirtschaft und 'Arbeitsgelegenheiten für unser Proletariat. Haben, wiraber keinen- Charter, so aestalten, sich die Dinge folgendermaßen: Tie Konzessionenerteilen nichtwir, sondern die Regierung des betreffenden Landes, und diese sorgt bei Erteilung der Konzessionen dafür, daß ihre Untertanen (im Falle Palästina die Fellachen) 'Arbeitsgelegenheiten bekommen. Sorgt sie nicht dafür, sogibt sie der Gesellschaft die Möglichkeit, Kulis zu bringen, um billige Arbeitskräfte zu haben. Wir besitzen also gar keine Machtfakroren, um diese Verhältnisse zu unseren Grinsten nmzugestatten. Als, ein zweites und krasses Beispiel dient auch die Zollfrage. Tie Türkei ist bekanntlich kein Industriestaat, sondern ein Agrarstaat, folglich erfordert das Interesse der türkischen nationalen Wirtschaft, dag die Einfuhrzölle auf Jndustrieartikel sehr niedrig seien, damit auch, die Einfuhrzölle auf 'Agrarprodukte bei den Importländern, nach welchen die Türkei ihre Agrarprodukte exportiert, ebenfalls niedrige seien, denn sonst ist die ganze nationale Wirtschaft der Türkei unterbunden. Nun kommen, wir nach dem Rezept des Herrn Ben Bevachel nach, Palästina ohne wurde hier verhaftet. Wie es scheint, ist ein hoher geistlicher Würdenträger in diese schmutzige Affäre verwickelt. Tatsache ist, daß Schwartz sich mit Briefen und Zeugnissen des Bischofs Bonaoentnra F. Broderick von Staatsburg am Hudson ausweisen kann, mittels welcher Dokumente der Bischof Schwartz den Anstrag gibt, 150 geslinde und starke Arbeiter für die Holzfüllerlager anszutreiben. Außerdem hat Tchwartz noch Briefe von der Tauchern Agrioultnre Colonisativn Society und der Italian-A'meriean Agricnltnre Association vorgewiesen, worin den Leuten ein Tagelvhn von 1,50 Dollars nebst bester Behandlung und reichlicher und guter .ftoft zugesichert wird. Wilenski berichtet, daß er ant 5. Juni in Gesellschaft von 50 Leidensgefährten nach den Holz- Camps in Florida geschickt wurde,' das Reisegeld von 13 Dollars sollte vom Lohne abgezogen werden. Tatsächlich zog man ihm jedoch 18 Dollars ab. Cr wurde gezwungen, in Buffalo Bluff Terpentinsaft von Bönnien abzuzapfen, wobei er bis arr den Hüsten im Wasser stand. Um die Flucht der Arbeiter zu verhindern, waren mit Schußwaffen ausgerüstete Sieger um das Lager stationiert. T-'ie Arbeit daner-e 15 Stunden täglich, -und die Aufseher peitschten die Arbeiter in unmenschlicher Weise. Die als Lager dienenden Matratzen wimmelten von Ungeziefer, und die Nahrung war einfach ungenießbar. Die genannte Gesellschaft, welche Wilensti als die Hvdges Mling Cv. bezeichnet, betreibt auch eitlen Laden, wo die Arbeiter alle Bedarfsartikel zu unerhörten Preisen kaufen »rußten. So kam es, daß alle Arbeiter tief in der Schuld der Gesellschaft stan- Charter und begründen, dort Industrien. Damit diese Industrien sich entwickeln, können, müßten ivir Schutzzölle aufstellen, also hohe Einfuhrzölle auf Jndustrieprodukte. Ohne Charter können wir keine Zölle aufstellen,. Wir wenden uns also an die türkische Regierung. Nachdem aber die Nationalwirtschaft der Türkeit als eines Agrarlandes gerade das entgegensetzte Interesse hat als unsere Industrie, so wenden wir äbgewiesen und unsere Industrie wird durch diel internationale Konkurrenz niedergetretcn. Unsere nationale Wirtschaft wird also in ihrer Existenz unter-- bunden, unser Proletariat steht wieder arbeitslos da, die Judenlfrage bleibt ungelöst! Dev Charter bleibt also die erste Vorbedingung für die Schaffung der Kreditbasts und der jüdischen, Wirtschaftseinheit. Nachdem aber Herr B!en> Verachel uns selbst logisch nachgewiesen hat, daß unter den, gegenwärtigen Verhältnissen die Erlangung eines Charters bei der Türkei unmöglich ist, Ehrend ich auf der anderen ^eite nachgewiesen habe, daß auch, die von Ben Berachel an Stelle des Charters vorgeschlagenen kleinen, Konzessionen zur Gründung der jüdischen Wirtschaftseinheit nicht führen, so muß man, wenn man konsequent sein will, gestehen, daß Pälästinn unter den, gegenwärtigen Verhältnissen keine Möglichkeit zur Gründung, einer jüdischen Wirtschaftseinheit bietet. Und wenn wan die Konsequenz noch weiter zieh,en will und die Schaffung einer jüdischen, Wirtschaftseinheit als Lösung der Judenfrage (womit ich anH einverstanden bin-) hinstellt, so muß man für diese Wirtschaftseinheit ein anderes Territorium. suchen, welches' zu diesem Zweck alle Möglichkeiten bietet — man, muß Territdrialist werden! —dt. (Fortsetzung folgt.) Zur Wahlreform in der Kultusgemeinde*). Von den verschiedenen Projekten, die in der Angelegenheit der Wahlreform aufgetaucht sind, verdient noch! eines besprochen zu werden. Danach solle man sämtliche Jti-öen Wiens mit einer obligaten Zehn,krön,enfteuer belegen. Die mit 10 Kronen, Besteuerten stellen keine neue, erst ins Leben zu rufende Institution . in der .Kultusgemeinde dar, sondern haben ihren Vorläufer in den, sogena!nntcn „Fünfguldenjuden". Das Interessante an der Sache ist nur, daß im Gegensätze zuden übrigen Knltussteu,ern *) Siehe „Nation alzeitung" 56 und 60. den, so daß sie nach den Gesetzen Floridas, daß ein Schuldner verhaftet werden kann, das Lager nicht verlassen durften. Drei Wochen nach seiner -Antm-nst wurde Wile-nski dazu verwendet, den ganzen Tag schwere Fässer rohen Terpentins eine Meile weit bis zu einem Flusse zu schleppen. Es gelang Wilenski, durch einen, der BbotSbedieusteten einem- 'Freunde in Skew Uork eine kurze Schildernng seines Sklaven lebe ris z-ukourmenzu lassen, worauf dieser ihm 30 Dollars in einem eingeschriebenen Briefe sandte. Bon, diesem Getde, mußte er 20 Dollars als Abzählung seiner „Schuld" an die Gesellschaft ab treten, worauf er gehen durste. Der Rücken Wiilenskis weist schwere Wunden ans, außerdem erkrankte der Manu gleich nach seiner Ankunft tu New?)vrk an Typhus, den er sich offenbar bei der entsetzlichendir beit in jenen ungesunden Gegenden zngezvgen hat. Diese Angaben Wileuskis werden, von einigen Arbeitern, -welche auch in der betreffenden Gegend gearbeitet hattet,, vollinhaltlich bestätigt, wogegen Schwartz sie entrüstet in Abrede stellt. Nichtsdestoweniger wurde er verhaftet, und -die Bunde sbohorden sind fest entschlossen, der Sache ans den, Grund zu tonvmen und die Verhältnisse irr beit betreffenden Hozsällerlagern einer grttnblichetl Nntersnchu'n-g zu nuterziöhen. Die Juden der Schweiz. Stach dem statistischen Jahrbuch -der Schweiz woihuten »ach der lebten Vvlksjchhlung in der Schiv-e-iz im ganzen 12.264 Juden. A-m meisten, beivölte-rt von ihnen ist der ftantvn Zürich mit 200:1 Inden, dann folgen Basel-Stadt 11807), Danton Bern (1645), Waadr (1076), Stenchatel (1020), Aargau (000), St. Gallen und hoffentlich auch zu allen möglichen Steuern dev Welt die Zehnkvonenstouer freiwillig enkMftet wird — genauer, entrichtet werden s o l l, -da in unserer praktischen Zeit niemand freiwillig -daran -geht, eine nicht «olbligate „Steuer" abzuftiagen. Die Naivität des Kultusvorstandes warseinerzeit so groß-, daß er es nicht einmal für nötig gefunden hat, den freiwilligen. Zahlern das- Wahlrecht in den Kultusvorstand einzuräumen. Man hoffte offenkundig -darauf, daß in Wien eine erhebliche Zahl von Jaden -geben werde, die mit den ihnen etwa übrig -gebliebenen zehn Kronen nichts anzufan!gen -wissen und das Geld in die Seitenstettengasse hintragen wmdeu. Diese Hoffnunig wurde getäuscht und mau griff dazu, auch den armen, Fünfguldenjuden das Wahlrecht zu präsentieren«. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird auch dieses Mittel sehr wenig geholfen haben, und nun wäre man geneigt, die Zehnkronensteuer in eine obligate zu verwa>ndeln. Der Vorschlag kann, kaum als- „Reform.'" betrachtet werden,, nichtsdestoweniger muß über sein Meritorifches etwas gesagt werden. Um so mehr, als gewisse (Kreise ihn -ohne Zweifel als jene bequeme Brücke an sehen würden, über die man ohne Effchntternng aus dar guten alten Zeit in die stürmische neue hinübergleiten könnte. . . Jede -ersprießliche Wahlreform kann nur das Hevanziehen von neuen Elementen an die Wahlen im Auge haben. Wenn -es sich um -eine Kultusgemeinde handelt, darf der eine Zweck verfolgt werden, das Interesse an Kultus- und Wohltäti-gkeitsan'gctegenheiten im Volke zu wecken. Wie ich in meinem afften Artikel erklärt habe, stehen in W-i-en bedeutende Volksschichten diesen Angel-egenheiten in-differeut gegenüber. Und diesen' Volkskreisen, soll eine Zwangssteuer -auferlegt werden! Sie dürften in erster Reihe die neue Last nur als Last zu spürenbekommen. Das d«adurch gewonnc,ne Wah-lrecht kann von ihnen in keinem Falle -als Entschädigung für das Opfer hingenommen werden. Dasziel-bewußte Verständnis füri «die -Betei-ligunig an den -Wahlen, in den Kultusvorstand sollte doch ihnen erst jetzt bei gebra cht werden. Aber auch in niaterieller Hinsicht verspricht die in Vorschlag' gebrachte Maßregel einen äußerst proble-matifchen Gelvinn. Derjenige Jude, der der jetzigen Minimalsteuer (20 X) nachzu,kommen n-W imstande ist, muß zweifelsohne als arm gelten. Die Eintreibung von zehn Kro-nen seitens dieses Juden, dürfte nicht weniger schwer, fallen. D>ie Befürchtung ist nich,t von der Ha-nid zu weisen, daß' -der Auf- (556). J!m K'ant-on Uri ist eine UWiische, Seele gOmekbet, -wöHrenb in' Schwyz- 9, Glarus 3, Tesfi-n 18 J-ude-n .'wohnen. Gar keine Juden wohnen iu UuterwaMen! und Zlppenzell. Mischehen in Ungarn. Dvm soeben, crschienercen Jnn'ihe,fte der Mikteilnng-eil desung-aoffche^ Zentral'statiist'ffchen Amtes zu-svlac- -wn-rden üm Monat Juni in Ungarn 58 Ghe-nzuvtschen- Juden und Christen geschlossen. In- 32 Fällen g-eHärte der Bräntiganr, i-n 26 Fallen die Braut dem Jndcntnnr an. In 14 Fällen wurde bez'üalich der Nekiaion der ft'in'der ein, «Ueiberei-nikonnmen zetrossen, nnö zwar in 11 F,ällen- .zng,nn!ftender christkichen und in- 3 J-jällru, znau,nistender jüldischen. Internationa,Le jüdische Ansstelluny. Ans! dem Haag schreibt mall dem „Petit Bleu", daß gelegentlich der 'Ein!welh-u-n-g des Frieldenspalastes in dieser Stadt eine inlerna-liv-na-le jüdische Ansstellnng eröffnet rverden soll. M>a.u- »vill in dieser dlnsstielln-ng den- Besuchern vvrnelnn'lich Za!h-len, Talbellen, -Statistiken, 'historische DarsteNlN'aen, Jllnstrati-oneu «der Versvl'g-un'gen, deren, Opfer die Israeliten im Lause der Jahrhunderte, nn-d besonders tn> diesem JMrHunidert in- N-nhland, ge- -mvrden sind, vor Augen führen',' ferner Zahlerl, Tabellen nsiv., welche zeig-cn s-olletl, eirre rvie bedenterlde Stolle die Inden in der Enlwicklung der Zivilisation, der Krlrrst, der Litemtnr, der Industrie gespielt tzabeu. Die jiidi'schen ftH'mstler der g-an>z,ert Welt sotten ersucht werden, ihre Werke anszusteNerrr die jüdischen ftomponisten sollen ihre ftompositiorrell selbst dirigieren-. An-läß'l-ich Setz Ausstellung sollen auch wissenschaftliche Korl'gresse stattslnlden.

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