Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 61 (21.8.1906)
- Date
- 1906-08-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 61 NaksnaL-eÄmrg Seite a telegramme unw?be die Vormitt.ags>sitzu>n-g unter Absingung der Vewinshymue ibe® „Bar Groim" uni! halb- 1 Uhr geschlossen. lim 4 Uhr wurde bie Nachmitta-gssitzun-g eröffnet. Zur Verlesung gelaugt ein von: Präsidenten, der zionistischen! Organisation Da-oid Wolfs ohn' aus 5töln emgelangtes Telegramm. Hierauf hielt can-d. techn. Gustav Kunetz sein Referat über Die jüdische Kultur und erläuterte die allgemeinen! Kriterien der west- und ostjüdischm! Literatur, der hebräischen und jüdischen- Spvache in durchaus kritischen Ausführungen. Nach einer kurzen- Pause hält der Sekretär der „Bar Giora" ccmd. phil. Otto G >o! l d st c i n sein' Referat über die Judenin densüdslawischen! Ländern, indein er Hau-Ptsächlich sein Augenme-tk auf die Entwicklung der zionistischen! Bewegung in diesen Ländern richtet. Es mag hernorgehoben werden, daß insbeso-nd-ere die Judenin Bulgarien, als die bestorgaintsiierten! und hürigöbungsvollsten- Zionisten' schau seit Jahrenherv-o-rragen, ivas zum großen Teile! das Verdienst des hervorragenden, -modernjudischen Kultu-rhistorikers., des gelvescrwn Djakovarev und mmmehrigen Großräbbiners von Bulgarien Dr. M. E h r >e n p r e' i s ist. Serb-ien, Bulgarien' und Bosnien entseudeu. ihre Delegierten inden, Bäselic'r Kongreß und haben ibre Vertreter auch im g!roßen Aktionsko-m-itee. Das Referat wurde mit großem! Beifall anfgenomnren, woraus der Vorsitzende den ersten Kou-gveßtag schloß. Während der ganzen Verhandlungen! war von sei'tvn, der Behö'rde Maglstratssekvetär und- Polize-lamtsleiter B o'i i ö anwesend. Ungarn. Budapest. Die aus den 10. d. M. anlberauiinte Schlußverh-a-u-dlung in dem Prozesse gegen! de-n, dev Alatrikelfälschung angeklagten Szt-ropko-er Beziriksarzt Dr. Wilhelm Grünfeld wurde zum zweiten Riale vertagt. 9tach, Vevlesuug der. Anklageschrift, d-ie volle zwei Stmv den in! Anspruchnalhnr, trug d-er hauptstädtische Psychiater Dr. Fischer als kontrollierendes FachiorWU sein- Gutachten vor, worauf der G>e>- richtshos auf Antrag des Verteidigers, Reichsta-gsabgeordneten' Dr. Ludwig Fried, nach längerer Bieratting beschloß, _ die Schlußverhandlnnig. zu vertagen unddie ärztlichsn! Gutachten behufs Uieberprüfun-g -dem ständigeng-eri-chtsärztlichen Senat in- Budapest zu« unterbreiten. Der Ber'teidiger beantragte auch: die Uiebe-rführ-u-ng des Angeklagten in das Bu-dapester Sammelgesänguis behufs Unterisuchung seines Geist-esziustan-des, doch wurde diesem Aw trage keine Folge gegeb-en, da die königliche Form angenommen, daß die -ganze Welt ihre besondere Aufmerksamkeit auf sie gelenkt hat. In- Rußlandist die jiidische Frage vor allein eine politische. Ter Haupt feind d-er Juden ist die Regierung, welche jeden Juden als einen Revolutionärenbetrachtet. Diese Meinung findet auch eine- Bestätigung in. der Geschichte der revolutionären Bewegung. Das Prozent der politischen Verbrecher, wie mau sie nennt, ist bei den Juide.ni sehr groß. In Rußlandsind -die Juden üoch >cher Zievolutionäve als übewll, weil sie dortin oi-ner unerträglichen- Lage durch die Regierung sich befinden. Die Regierung tut alles, mn den Inden physisch zutöten- und geistig zu> rlintevdri'lcken. Alber die> ivun-derbare Lebensfähigkeit dieser Rasse unterw-irft sich sogar de.m> Anstoß dieser Bedrücku-ng nicht, ihre intellektuellen lind geistigen. Fähigkeitengehen nicht zugrunde. Es ist unmöglich, alle Berfolg-u-iigen zu überzähl-en, welche m-anins- Werk setzt, utu die Juden, zu unterdrücken. Aber alle Foltern erreichen nicht den Zweck. Die Juden stehen in denvorderen- Reihen der intellektuellen Opposition, und v-our Beginne des offenen. Kampfes mit der russischen. Regierung sind viele Juden in den Kerkern! von- Sibirien itirb in den Festungen umgekommen. Das alles hat noch mehr die Bureaukratte Tafel in Kassa in dieser Frage einmal bereits einen abschlägigen! Bescheiderbrachte. Budapest. (Gottesdienst -für lsraelitifche- Nekr-ute-n.) Aus Anlaß der Leistung des Soldateueides in der Budape-ster Organilsation fand Freitag fr-üH 8 Uhr im israe-l-itkschen Tempel in der Do-hany-utez-a fit* die israelitischen Mannschaften der -Garnison ein Gottesdienst statt. Er begann mit einem Gebete, das der Temgelchor unter Leitung des Oberkantors Lazarus vortrug: Hierauf hielt Rabbiner D!r. Julius Fischer eine schwungvolle Predigt über die Bedeutung des Eides. -D-er erhebende Gottesdienst, dem. zahlreiche Mitglieder der Gemeinde vovstehnng und -Repräsentan-z, darunter die Vorsteher Ludwig Adler und Dr. Wilhelm Grauer, Honvedhaupi- -mianmAuditor d. N. D-r. Julius Gabor, Gemeindeanwalt und -Sekretär, endlich, der Referent Ludwig Burger, anwohnten, schloß mit der Kön-igshrimne von Szeg-si. Deutsches Reich. Die Rettung der Pogromwaisen. Die Versorgung -der ru-ssischen- Wa-isenkinbeo ka-nzr nunmehr euldgültig als gesichert betrachtet werben. Nachdem die Großloge für die in Teu-tschland unterzubrin-genb-en. Kinder! in weitgehendster Weise gesorgt hat, sind am Acittwochi den 15. August d-rrrch Vermittlung des Hilfsvereius d-er Deutschen' Juben> unid unter. Begleitung von Frl. Papp-enheim^Franl'furt a. M. 19 Kinder nach Englandgefahren!. Mn Daiunerstag -den 16. August mit dem! Schnelldampfer „Arneri-ka-" haben 30 wcktere Kinder die Reise nach New Uork augetreteu.-. Zur Einschiffung dieser! für Amerika be-stilumten. Kinder waren v-onr Hilfsverein der Deutschen! Jnd-e-n! Herr Paul Les-keri-Hamburg und- Herr D-r. Bernhard KI a h n in- Cuxhaven anwesend. Sie b-rachte-u! mit den- Ki-ndernzusammen d-i-e Na-ch-t vom Mittlvoch auf Daninerstag an Borddos Tvnipfers „Amerika" z-u. Am Freitag früh erfolgte, die U-eberführungj d-er acht für. Ahlem bestimmten. Waisenkinder ans Bialystok unter Begleitung von Frl. Klausner als- Vertreterin d-er Miance Jsraelrte Universelle, Berlin-. Mögedas zukünftige Schicksal der armen Kinder sich recht freriudlich gestalten-. Posen. Ein Gumdengesuch für sein jüngstes Enkelkindhat ein, jüdischer GoflügelhänDler aris S-lupce in; Rnsstschj-Polen cm d-en> Deutschen 5lia iser gerichtet. Eine To-chter des selb en-, d-i-e an. einien, in Slupee wohnenden. Geflügelhänd-ler verheiratet ist undbie -hiesigen Geflngelmürkte all-!vöch-en-tlichl besucht, lvv siedie in Russisch- Polenaufgokanften Wa-ien absetzt, ist am 5. J-rili d. I. -gelegentlich der Anwesenheit Hierselbst voneinem krästigen- Knaben entbu-n.den worden«. Da. and-e'inselben Tage au-ch d-er jüngste Hohenzollernsproß geboren worden ist, so hat der Großvater des jungen Russen, der seit dreißig Jahren die hiesigen. Märktebezieht und dem lvohl d-er Uuterl'chiedzwischen, dendeutschen! und d-enrussischen! Zuständenklar geworden ist, gebeten-, dem Kinde mit Rücksicht ans die besonderen Umstände bei der Geburt die preußische Staatsangehörigkeit zu verleihen. — Ol» der- Bitte wohl Ersüllung zuteil weiden wird? Binz auf Rügen. (Antisemitische Rüpelei.) Das Opfer einer antisemitischen Arlsfchrcitung i-m hiesigen Restaurant „Imperial" wurde der Kommerzienivat Z. aus Berlin- I. gab ein Fischgericht mit dem. Bemerkenzurück, es schmecke ihm nicht, und da. er magenkrank sei, wolle er sich, nicht der Gefah-v avssetzen-, sich dm Magen, zuverderben-. Der Wirt hörte das, fuhr den Gast an und traktierte ihn mit- K-raftansdrücken, wie „verfluchter Jude!" Als der Gast erregt aufsteht, wirder ausgefovdert, sofort das Lokal zu. verlassen. Beim Hinausgeheu bekommt -er noch Liebenswürdigkeiten folgenden' Stils zu hören: „Das verdammte Judenpack, das hat man davon, daß man. solche Hunde reinläßt." Dabei fuchtelte der Wirt mit einem. Stuhle in. der Lust herum, wobei eine Scheibe in Trümmer ging. Einanderer Gast, der' sich weigerte, zu bezeugen, daß „der Jude" angefangen habe, wurde ebenfalls an die Luft befördert. „Der Jude" hat der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Berlin. Das kürzlich vom- Reichstag an-genom-mene E rbschastssterrergefttz ist auch für die Indischen Genreinden, denenja nicht selten Vermächtnisse und Legate -znsallen, von Bedeutung. Nach 8 14 des Gesetzes sind solche Kirchen oder zu -kirchlichen Z>w-ecken hinterlasftnen Vermächtnisse mg einer er-mäßigt-en Erb-fchaftsstenor von 5 Prozent belegt. -DU in jüdischen Kreisen Z-weifel bestanden, ob unter den Begriff „Kirchen" auch die Synagogeng-emeinden fallen, h-at -der „Verband der Deutschen Inden" eine Petition an den Reichs- -wg gerichtet und daringebeten, dein 8 14;>es Erbscha-fts'steuergesetzes ein-en Zusatz fo-lgen-den Wortlautes an-z-uffigen: „-Unter Kirchen, und -kirchlichen Zwecken sind alle inländischen öffentlich M,gelassenen Religi-onsgememschä-sten, sofern sie die Rechte juristischer Personenbesitzen- und deren Zweck zu verstehen." D'ie-se Petition fand volle Berücksichtigung und der vorstehende. Passus a-uch A-ufrmih'me irr den Text des Gesetzes. Durch d-ies-en Zusatz ist deutlich ausgesprochen, daß auch die SyNagogengemein-öen ebenso -wie alle anderen inländkschen, Kirchen h-iNsichtlich der Erbschaftsstener behandelt werden, ihnen also völlig gleichgestellt sind. Berlin. Die „Toleran>zstraße", -wie die Große Hamburger Straße im Bolksminnde wegen erregt, welche schonoft empfuulden ha>, daß die befreiende Bewegimg; von. den Juden! inspiriert und gefüh-rt ist. Es ist b-ekann-t, daß die Po-groute der achtzigev Jahre d-u,rchd-ie listigen Ansichten Plehwes organisiert waren. Es ist auch nicht unbekannt, daß Dnrnowo sein wüvdrger Schüler ist. Das Wesentliche der jüdischen Frage in Rußlalud liegt in folgendem: Die russische B-ureaukra-i-ie verfolgt die- Juden deshalb so hart, lveil sie sie für die größten Feinde aller Rassen- und Nationen-, di-e das- Kai'fertu-m bevölkern-, Mt. Noch Vv-r kurzem bestä-tigtedies S. Witte, der folgend-es in seiner Rede der jüdischen Deprrtation gesagt hat: „In dem Falle, daß Jriden in die Drrma Lammen, rate ichihnen, d-i-e Fragend-er inneren Pv-litik nicht zu! (»e-rüh-ren, sie solleneher mit den eigenen Fragen sich beschäftigen.." Diese Worte fiub nicht nur du-inm, sondern auch tief feindlich. Hättennämlich die Jriden in der Duma vor allem die jüdische Frage erörtert, so lvären sie sofort d-es Ego-ismus beschrlldigt worden, und das wäre ein gnter Grund für die Entivicklung des Antisemitismrls, -)vas so angenehm füv die Regierrrng wäre. Aber in Rußland ist diiefo Politik Wittes geml-g bekannt, -ein altes Lied! Der Antisemitismus, derzum Gründe die Politik der Bu.reankvati-e hat, hat jedoch keine tiefen Wurzeln inder vussischen Gesellschaft gefaßt, durch, deg Umstand-, daß die G-asellschaft und die Bri-reaukratie zwei feindliche Kräfte sind, ri-nd was der eine Gegner annimmt, der a-n-dere verstößt. Die intellektu-ellen Kireise der rnssischen- Gesellschaft sind durchaus nicht von dem Gift, des Antisemitismus -erfüllt. Mer ' auch hier muß ich bemerkc-n-, daß das rriffi-sche intellektnelle Publikum sich nochnie zrr den Juden» so Verhalten, hat, wie das die Gerechtigkeit fordert. („Czeru. Tagbl.") Alte Briefumschläge. Unter den Tvntafeln, die in den Rnirien von Bislnna bei Babylon gesunbeu wurden, und deren Ursprung zürn Teil bis -3'itm Jahre 5000 v. Chr. zuriickg-eht, fand man auch solche, die nach dem- Beischreiben und Brennen mit einer biin-uen- Tonisch icht jibevzogen. wurden. Dieser Ueberzng diente, wie die „Pa-pierzeitung" mitteitt, als Umschlag, er sollte die mit Keilschriftzeichen versehene Tontafel 'schützen und vor den A-ngen Neu,gieriger verdecken. Einige dieser T-ott-n-nrschläge lviesen. a-uch 'Siegeläbdrncke an!f. Der Umschlag .wurde daunmit seinem Jnihalt an der Sonne oder in einem O'fen getrocknet, und der Empfänger konnte ihn durch leichte Schläge zertrinnmern, um zu der in Scharffener hartgebrannten Keil'schristtafel z-n gelangen. KRCBS-flPOTtlCKC 5. MlTTELPflCW Wien, >.. Heber Markt Nr. 8 (Palaia Siua) im Zentrum der Stadt. ♦ Hühneraugen-Pflaster. Preis pro Kuvert 50 h. Preis pro Schachtel 70 h. Hahneraugeitbalsam (Tinktur) — . . —- Preis pro Pltfeclicben 70 Heller. ='■—-=