Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 61 (21.8.1906)
- Date
- 1906-08-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nationalzeitung Nr. öl der dort befindlichen vielen Institute der drei großen Religionsgemeinschaften genannt wird, ist vor etwa 200 Jahren angelegt und nenerdillgs durch jetzt fertige moderne Wohngebäude bereichert worden, welche die Gemeinde der Sophie nt irche auf den ihr gehörigen Grundstücken Nr. 28 bis 31 hat errichten lassen. Ans dem Grundstück Nr. 27 geht der Neubau der Knabenschule der Mischen Gemeinde seiner Vollendung entgegen, so daß das Gebäude wird seiner Bestimmlmg nrit Beginn des Winterhalbjahres übergeben werden können. Daran schließt sich bis zur Oranienburgevstrabe die Altersverforgnuigsanstält dieser' Gemeinde, and hinter dieser langgestreckten Gebändegrnppe liegt der älteste jüdische Friedhof, auf -ein u. a. Moses Mendelssohn ruht. Ein großer Teil der Westseite der Großen Hamburger Straße gchört der katholischen Gemeinde, die hier ihr St. .Hedwigs-Hospital hat erbauen lassen. Dieses friedliche Zusanunenlebetk der drei Konfessionen erscheint uns Heute wie ein Traum — er führt allerdings ins achtzehnte Jahrhundert zurück. Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns folgende Bemerkung gestatten: Wäre es nicht eine Ehrenpflicht der Gemeindeverwaltung, die für die Geschichte der Juden in Berlin so denkwürdigen Inschriften jenes alten Friedhofes heranszugeben? Es ist nur wenig bekannt, daß diese von dem grundgelehrten L. Landshut, der ja auch Inspektor des Friedhofes war, in mehr als zehnjähriger rmrhevoller Arbeit gesammelt worden sind. Das Werk richt gegenwärtig als „schätzbares Material" im Gemeindcarchiv. Es ist dringend zu wünschen, daß es bald in einer der Berliner Gemeinde würdigen Ausstattung herausgegsben werde! Rußland. Warschau, 16. August. Heule nachts haben Sotdaton in jüdischen Stadtvierteln! die Passanten massakriert. Mehrere Personen sind tot, viele verwundet. Biete Straßen wurden äbgesperrt und die Häuser durchfuchk In Wloclawek wurdan gestern abends noch fünf Polizisten getötet. In Radom wurde' eine Bombe ins Polizaiamt geworfen, wodurch eine Person getötet und mehrere verwundet Wurden. Petersburg, 16. August. Tie blickigen Ereignisse' in Warschau, Lodz und anderen! poluischon Städten! haben die Residenz in Schrecken versetzt, doch ist über ihren inneren Zulsanmmdhang noch nichts näheres bekannt. Die Truppen in Warschau! und Lodz sind verstärkt worden, teilweise aus dein Lager von> Hmim 'bertowo. Russische Pope« als Hooligans. Wie die '•! bltziri hkO' der Ssfiziersstauv, scheinen in Rußland nunmehr auch die Geistlichen die Betreibung von! Judenhetzen als ihre Haupt'beichäftigung anzufchen. So reift Bischof Guri von Siwbirsk schon seit Wochen in seinem Sprengel hcvum, um gegen „Judeir und Demokraten'" zu! hetzen. Erzbischof Alexis von Tall,rie!n hat einen Hirtenbrief „Wer trägt die Schuld?" erlassen, in welchem es u. a. heißt: Die Duma sei mit Hilfe des jüdischen Geldes und jüdischer! Frechheit gewählt worden. Auch Erzbischof Jakob von Rybins-k ist auf die Dumanicht gut zu sprechen. Er hielt inder dortigen Kathedrale eine Rede, irr der er über die Wahl des Juden Herzenslein als Vertreter von Moskau» seinen- -ganzen Zorn ausließ rmd mit den Werten schloß: „Wir durchleben jetzt schlimme Tage. Man will den. heiligen' Sonntag übschaffen und den: Judensabbak an seine Stelle setzen." Da hat ja Zar Nikolaus aller- ÄingS vollen Grundgehabt, die Duma aufznlösen. . . Dem Beispiele der russischen Bischöfe und Erzbischöfe folgen die Pfäffchon in Stadt und Land gern. In der Kathedrale von Genischesk predigte der dortige Priester von der großen. Gnade, welche die Negierung über Bauern! itinlh Arbeiter in reicher Fülle ei> -gossen hat. Nur die Juden und die Demokraten stören. Selbige möchten das russische Land verwüsten! unddie Religion hetz Rechtgläubigen. vernichten. Die russischen Leute sollten sich vereinigen! und die Juden mit Stumpf und Stiel ausrottan. Mitten in diese recht christliche Predigt ertönte ein Zwischenruf: „Zeigen Sie mir doch bitte, die Stelle im Evangelium, wo die Ermordung uttschüldiger Frauen und Kinder gestattet sei!" Der, der diesen, Zwischenruf tat, war ein einfacher Arbeiter, und der Ruf brachte den Prediger der Religion der Liebe derartig aus dem Konzept, daß er, alle Würde vergessend, seinen Zuhörern mit Tvunevstimnio zu,rief: „Packt den Kerl! Haltet ihn!" Dem mutigen Arbeiter gelang es jedoch!, aus der Kirche zu entkommen. — lieber den gleichen Gegenstand wird noch, ferner geschrieben!: Jui dem bei der Stadt Gluchow, Gouvernement Tschernigow, sich 'befindenden Kloster wird schon seit! drei Monaten ein Judenkrawall vorbereitet. Die in großen Scharen dahin wallfahrenden Bauern erhalten da Proklamationen gegen die Juden, ohne daß die Behörden dem Unfug, zu steuern versuchten. Endlich wird aus Swiatskim, Gouvernement Kiew, gem!el'det, daß der do,rtigo Prioftev eine große Anzahl Bauern undeben aus der Mandschurei dahin zurückgekehrte Soldaten versammielt, die Moitge iniitt Schnaps traktiert und ihr folgende Rede gehalten' hat: „Soldaten! Ihr habt euer Lrben für das. Vaterland riskiert, während die Juden sich nach Amerika geflüchtet haben. Daher hat der Zar alle Inden für vogelsrei erklärt. Ihr dürft mit ihnen, ihrem Loben! und ihrem Eigentum, machen, was ihr wollt. Tut mit ihnen dasselbe, waseure Brüder in Bialystok gemacht haben," London, 17. August. Ein Telegramm aus Warschau, welches bei! beim „Jewish Chronicle" in LeUldvn eintraf, besagt, daß über 250 Juden am Mittwoch in Warschau von Soldaten getötet wurden. ohner.öer Hwerk kür jüdische Agenten derRapieru. Buchhandlungsbranche Auskünfte erteilt w. WIEN, IX., Uramergasse 17 Mode-Gilet K 7.— Double-Schlafrock K 13.— Kamelhaar-Schlafrock K 26.— Morgensakko K 24.— Für Nichtkonvenierendes wird das Geld zurückgegeben. Jakob Rothberger, k. u. k. Hoflieferant. W i e n, I., S t e p h a n s p l a tz 9. Verkauf bis 12 Uhr nachts. Maschinen-Ingenieur Jude, 28 Jahre alt, II. Staatsprüfung an der Wiener Technik, tüchtig und repräsentaiionsfähig, der seit 2 Jahren vergebens eine Existenz sucht, bittet eine einflussreiche, jüdische Persönlichkeit um Protektion zur Erlangung einer Staats- oder Privat-Anstollang, denn ohne Protektion ist dies ganz ausgeschlossen. Gefl. Antwort erbeten unter „Existenz“ an die Ädm. des Plattes. Zahnatelier! Wien, XVII., Veronikagasse Nr. 22 (im eigenen Hause) Gegründet Im Jahre 1884. Anerkannt neue Ausführung. WasPassen, Material u. Preise anbelangt, das Beste in Wien. Spezialität: Reparaturen von K 1.—aufw.GanzeSebisse V.K60.— aufw. 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