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Nationalzeitung · 1906-08-21 · Heft 61 (21.8.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 61 (21.8.1906)
Date
1906-08-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nationalzoiturrg Nr. 61 Seite 2 Daum im Kongrehbureau, der auch niiHeoe Auskünfte erteilt. Das innerösterreichiische Disttl-ktskonrttee: Zldovf Böhm, Schriftführer, Dr. Isidor Miiaraulies, Präsident. Wien. (Ferien'kvlmlisten.) Zahlreiche kleine Passagiere besetzten am Freitag diel MorgenZüge der Nord- und StaatSbähn. Wiener Schulkinder waren es, denennun die Sommererh-olung in der Ferienkolonie winkte. Es wurde der dritte Serienwechsel im Heime 31« Tischnowitz, in der Kolonie Petrau und in der Skrofulosenikolotrie Darkau des Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" vollzogen und somit das diesMrige Programm der Entsendung von fast 600 armen, kränklichen Kindern in Kolonien und Heilbädern erfüllt. Ter Verein, dessen Sitz sich in Wien, 9. Be;z., Tiirkenstraße 17, befindet, hat seit seinem Bestände mehr als 500.000 Kronen für den Vereinszmeck verausgabt, und ansehnliche GeivichtszllnÄhmen der rückgekehrten Schützlinge sind ein Beweis der ibesonderen Fürsorge, die ihnen gewidmet wird. Wie alljährlich war auch Heuer der Vereinsvorstand bemüht, in 'hygienischer Beziehung das Bereinsheim in Tischnowitz auszngestalten. Gefördert wurden diese Bestrebungen durch die Spenden der Firmen: S. Mestnitz & Söhn, Nausnitz, durch Anwendung eines Staubsaugapparates „Atom", „Delphin", Filter & Knnststeinfabrik, The Perolm Fabrikation P. Vreck usw. nfw. Der theologische Verein der Höhrer an der israelitisch-theologischen Lehranstalt empstehtt seine Mitglieder den p. t. Gemeinden unid -Bethausvereinen als Prediger für die konunenden hohen Fleiertage. Zuschriften sind zu richten an .Herrn H. Torczyner, ftud. theol. et phil., Wien, 2. Bez., Stefaniestraße 14. Prag, sRabbiner Dr. Vrody.) Aus Hamburg hierhergelangten Berichten zufolge, befindet sich unter den Bewerbern für den Hamburger Rabbinerposten auch Herr Rabbiner Dr. Heinrich Broöy aus Prag. Dr. Brody Hat große Chancen, in Hamburg gewählt zu werden. Die „U. Z." rmd die innere Politik. Wir erhalten folgende Zuschrift: Wien, den 18. August 1906. Löbliche Redaktion der „Natioualzeitung" Wien. Sehr geehrter" Herr Redakteur! In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes kommt Herr I. Kr. auf die Erklärung der Poale-Zion Oesterreichs am letzten' Zio-- nistentage zurück und glossiert sie als eine Weigerung unserer Partei, die „Maudatenpolitik" der zionistischen Organisation mitzm machen,, ein Kommentar, der den Poale-Zion, zunächst aber meiner Wenigkeit, dev ich die Ehre hatte, die „Erklärung" abzugeben, überraschend erscheint und geeignet ist, unevlvünschte Mi-ßve-vständmsse heworzurufen. Wir weMvten uns, der neugegründeten „Jüdischen Partei" beizmreten, weil wir, als Sozialisten, einer wenn, arich noch so deuwkratischen bürgerlichen Partei Nlicht angehören können. Das und u ichts a n: d e r c s wollten wir gesagt haben. Für die Veröffentlichung dieser Zeilen im voraus bestens dankend, hochachtungsvoll S. Kaplansky-Äaplan. Aus Cssrgg. Essegg, den 15. August. Mstern um Halb 10 Uhr vormittags wurde im, großen Beratnngssaale der Oberstädter israelitischen, Kultusgeineinde der zweite Kongreß jüdischer Hochschiller und Llbiturientel. aus den südslawischen! Ländern eröffnet. Mit allgemeiner Spannung sahman der Kongreßeröffnung entgegen, da, es bekanntlich vor zwei Jahren gelegemlich, der Kongreßtagung zu höchst unliebsamen und bedauerlichen! Szenen gekommenist. Diesmal jedoch war keiner' der jüdischen, Gegner iru Kongreßlokal erschienen und die wenigen' christlichen Studenten, die während' des ganzen ersten Kongreßtages anwesenid lvaren, oerh-iellen sich, ruhig. Die Tagung, konnte daher ihren nio,r-ma-len Verlauf nehmen. Lange vor Eröffnung des Kongresses war der große Beratungssaal der israelitischen Kultusgemeinde von jüdischen Mittelschülern und zahlreichen hiesigen jüdischen Bürgern dicht gefüllt, die der Eröffnung mit großer Spannungeutgegeusahen. Am grünen Tische hattendie jüdischen' Hochschüler und Abikurienten, zirka 50 au der Zahl, Platz genommen. Alle Kongreßmitglieder.' waren teils mit Couleurs, teils mit jüdischen Nalionalbündern (weiß-blau) geschmückt. Kultusvorstand Dr. Hugo Spitzer begrüßte im seiner Eigenschaft als Hausherr die Zahlreich erschienenen, Kongreßteilnehmer, und versicherte sie sowohl, in seinem eigenen als im Namiün» dar Mehrheit der hiesigm G-em-eindoiuitgliieder der wärmsten Sympathien!. Er sordert die zionistische Jugend aus den, südslawischen Ländern auf, in; ihrer eifrig,en Propaganda für den, Zionismus nicht nachzulassen, sondern unerschrocken und zu jeder Stunde für die jüdische Sache einzutreteu. Hierauf eröffnet cand. juir. Alexander Licht als Präsident' des Vereines „Bar Giora" den Kiongreß. Er begrüßt die Vertreter der akademischen, Berüindrmgen „Kaidimah" und „Makkabä-a" (Wien), „Makkabäa" (Budapest) und des Vereines „Gideon" (Belgrad), alle Studenten, ausden südslawischen Ländern unddie zahlreichen Gäste. Im weiteren. Verlaufe seiner Rede gedenkt er des verstorbenen, Zionistenführers Theodor Herz l. ('Die Versammlung erhöbt sich-.) Hieraus geißelt er in Worten der Entrüstung die Veranstalter der letzten Pogrome in Rußland und fo-r:d-ert die Versammelten auf, inseinen Protest gegen, dieselben als auch gegendie tvestjiidischeu- Finanzbarone, die die Mssische Bnveankratie iu ihrem Werke förderten, einzustimmen. (Beifall.) Indem er der Hoffnung Ausdruck gibt, daß der Kongreß seine Bedeutung für die Juden in ben südslawischen Ländern nicht verfehlen' wird, erklärt er mit einem dreifachen „Schalom" den Kongreß als eröffnet. Das vovgeschlagene Bureau, und zwar: cand. ing. Filip R 0 s e n 3 w c i g („Bar Giora") als Präsident, cand. techn. David Amar („Kadimah") als erster, Abiturient Armin Singer („Zemun") alszweiter Vizepräsident, ferner cand. techn. Gustav K n ue tz und Geza, B uch w a l d als Beisitzer, wurde per acelaniationem gewählt. Nachdem der Präsident die zahlreichen Begrüßuugstelegranrme verlesen, hatte, erteilt er das Wort cand. jur. Alexander Licht zu seinem Nortrage übe>r den- Zionismus. Der Redner gibt vor allem einen' historischen,' Ueberblick über die Entwicklung des zionistischen Gedankens im allgemeinen, über die AssimilaLionsbostrebungeu im Westen, um daun auf Grundlage des Baseler Progmmmes die Prinzipien des politischen Zionismus zu erläutern. Ta,sfast zweistündige, gründliche imd klare Referat wurde mit großer Aufmerksamkeit angehört und .großer Beifall erscholl am. Ende der Rede'. Der Redner wurde von allen- Seiten beglückwünscht. Nach einer' Panse ergreift das Wort zrr einem, Referat über die Aufgaben der indischen Mittelschnlj ugend A'bitnrient Lavv-slav Stern (Brod). Er geißelt die bisherige Erziehu.ugs'm>echode der jüdifchm Reili-gionslehrer, betont die Notwendigkeit eines intensiveren Stridiums der jüdischen Geschichte und Literatur rmdder helniäi schien Spra-chje und schließt seine eleganten, tiefempfundenen Ausführungen mit einem Appell von Max 9k v rd a u alt, di-e jüdischen Jugend^ und Volkserzieher. Während dieses Vo-rtva-g-es erschienen im Saale die Herren! Oberrabbiner Dr. W e n cz i 0 n e v aus Budapest rmd Dr. U n. g a r (Essegg), die vom- Vorsitzenden wann, begrüßt wurden. Nach einer kurzen- Tiebatte uüd Verlesung mittlerlveile emgelängter B-egrüßungs- Der zweite Teil lehrt uns: „Wenndu alles, was dir tust, nur für dich selber tust, dann bedenke, roelchen Sinn deine Llrbeit hat, welch.en-, Zweck -dein ganzes Leben hat. Lebe so, daß dein. Herz die ganze Welt umarmen soll und jeder' Ton in der Welt und jedes Lächeln und jedes Leid eine Antwort finden, soll. Ät dann wirst du groß und erhaben sein." So eine Art der Moral ist eine direkte Heraussordevtlng, sie ist der egoistischen, Psyche der Menschen feindlich., lvelche am liebsten herrschen und von der Herrschaft Genüsse haben wollen. Diese einfache, aber tiefe Philosophie Hat eine große Wirkung airf den, großen, Juden, Heinrich Hein-e ausgeübt', dessen Herz in der Tat die gaitze Welt umfaßt hat und in welcheirn, wie in einem reinen. Metalle, alle Töne des Menscheuleids sich abgespiegelt haben,. Sein Stöhnen rief die Meirschheit zur Freiheit itnb trieb sie, aus der Ueberschwemmung des Schmutzes und des Aberglaubens, welche sie zu, vernichtendrohten. Daß Heine wirklich ein großer Mann, war, das. kann inan schon aus dem Fakttlm schließen, daß er einerrsolchien Haß gegen sich bei den, trivialen Seelen hervorgerufon hat, ein, Haß, welcher 'bis jcht noch nicht verschwunden ist. Es tvird vielleicht ein schreckliches Pa,ra^ ffSMertfto«»«! Qvriiohlo» I doxon zu sein scheinen, lvas ich gleich sagen j werde. j Ein Motivdes. schrecklichen Hasses, gegen die Judenist das, daß sie der Welt -das Christentum! gegeben, haben., welches das Ti.ee im. Mensch,en: unterdrückt undin ih-m das Gewissen ertveckt hat, ferner das Gefühl der Liebe zu den Menschen, das, Bedürfnis, für das Glück der ganzen. Menschheitzu, sorgen. Den HervscherNi der Welt gefällt das ntdjt. Sie hätten itrt! Christentum eint Religion der Unterwerfung und Leiden sehen. woll-en>, daß die Menschen sich selbst zu den Füßen der Herrscher werfen. Und es ist, ihnen gelungen, aus dem ChristentuMj eine Religion, der Knechte zu machen, und einen Sch'ild fü rden Kampf gegen, die Gerechtigkeit. Aber im Christentmn war der große, ideale Geist des jüdischen Volkes, und trotz aller Verfolgungen' der Regierungen und der Kirche ist dieser Geist noch bis jetzt nicht vertrieben. Dieser Geist hat sich nach utib nach in den Verstand der Völker einen Platz errungen und ist auch aufgeblüht in der. Philosophie-des Spinoza oder in den utopistlschen Phantasien des Thomas Moore. Dieser Idealismus, dev immer das Streben, die Welt wach neuen Grundsätzen der Gerechtigkeit und Gleichheit zu verändern, gehabt hat, ist das Hauptmotiv, und vielleicht das einzige' Motiv des- Autlsemitismns. Er stört die Ruhe der Sul-thelt und der Selbstzu^ frieden,h-eit und wirft einen Strahl des Lichtes auf die finsteren Seiten des» Lebens. Mit Energie und Begeisterung haben, die Jrid-endas unerniüdlich-e Streben nach- Wahrheit ins. Leben hineingetragen.. Sie haben die Volker gelveckt, und was die Hauptsache ist, dieser Idealismus hat der Welt eine neue Religwn, der Massen gebracht, den, Sozialislnus. Ich halte' meine Theorie für -eilte unerschütterliche; in jeder Epoche waren die Jlchen gehaßt, weil sie immer die größten Revolritiorräre wären-. Ich; spreche ja gelviß nicht! von den jüdischen Bankiers; derartige Juden gehören der Nation nicht an. Ich glaube nicht au die Feindsehäft! . der Rassen und Nativ-neu-. Ich sehe uu,r einen Kampf, den- Kampf der Kl-asserr^ Ich glaube nicht an die Extstelr-z der spezifischen Psyche, welche einen, natürlichen, Haß bei der lveißen gegen die sehwarze Nasse, bei den Slatven, gegen die Engländer, 'bei den Nüssen, gegen die Ju,den hervorruft. Mit Hilfe besonderer Verhä,ltuisse jbe& Lebens drückt sich in- Rrißland jedes- Gefüh-Il eingutes- oder schlech-tes, stärker mrd schä'rfer aus' alsüberall. Und eben; darum hat die jüdische Frage tu Nußlaudeine so schreckliche Poltenz echte Reform-$cb weissblätter

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