Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 61 (21.8.1906)
- Date
- 1906-08-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. » —-A Lrdaktton: IX/1, Wasagaffr 31. Telephon Nr. 1472». Gprechstnn-e» r An Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Natioualzeitung" Wien, IX|l. Serrliverä«» »egen verspäteter oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns dringend. — Mauuekeipt« »erlle« nfel»t z«rlcfci<ttelit. Postsparlassen-Konto 47037. In dar Abonnement kann man täglich eintreten. S»-4 Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Sigentnm mer LoMat. — Herausgeber nnd Chrstedalltrur: Jakob Krauoj. Inserate übernehmen die firmen: 2. vanneberg. M. vules Nachfolger, haasenstein & Vogler, ttudolf Masse, M. pozsonqi, N. Schaler in Wien ferner olle 6nnonc«n>Lxpeditionen im kluslande. Einzel-Nummer in Wien 15 Heller. r- . Administralion: Telephon AponnemeutS-Vreir Für Wie« ». Oesterreich. Ungar« s. Frankozustellun,: Ganzjährig. ... K 12.- Halbjährig . . . . K Bierteljährig . . .K 8— Silr d«S gesamte A«»l, d Ganzjährig . . . K IS IS 1 IX/1, WssagMe 31. Nr. 14798. Prel» der Avzetae« : Diesmal gespalt. Nonpareille« zeile oder deren Na»« 1» h. „Viageseadet" die «pakttge Ronpareillezeile SV Heller. Bet mehrmaligen Auftriige« entsprechender Nabalt. m verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entqeqengenommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgasse 7; Robert Weiß, Wien, I.'Jakobergasse 7. Ur. 61. Mir«, Dienstag de« 31. Aagast 1906 (36. Ad 5666). VIU. Aahrgaag. Bon -er Jto. Die „Jto" in Galizien. Unser Krakauer Korrespondent teilt uns unterm 15. d. M. mit: Obgleich das Lemberger „Tagblatt" und der „Jüdische Arbeiter" es in Abrede stellten, bleibt es erfreulicherweise dennoch wahr, daß der territorialistische Gedanke in Galizien innner mehr an Boden gewinnt. Zunächst sind es wohl die Arbeiter, welche sich auf territorialistischer Grundlage organisieren, doch macht sich auch unter den Bürgern bereits eine Agitation bemerkbar, welche im Herbst zur Gründung von Jtovereinen führen wird. Territorialistische Arbeitervereine bestehen bereits in Krakau („Bildungsverein fyr jydische Arbeiter „Freiheit") mit 80 Mitgliedern, P r ze m y s l („Allgemeiner Fachverein „Freiheit") mit über 100 Mitgliedern. Przempsl ist das Zentrum der territor.-sozialistischen Bewegung in Galizien. Hier wird auch demnächst eine jüdische Halbmonatsschrift mit territorialistischer Tendenz herausgegeben werden. An der Spitze der Bewegung stehen hier die Herren Dr. P o r d e s, Schlaf, Freund und mehrere andere. Ebenso besteht in Gorlice ein territorialistischer Arbeiterverein (Allgemeiner Fachverein „Freiheit"), der schon im verflossenen Winter sehr tätig war. Es bestehen ferner Jtovereine in T a r n v w, D o b r o m i l, S a m b o r, I aroslaw, Brody, Tarnopol. Auch in Czernowitz ist ein Jtoverein in Bildung bei griffen. Die meisten Mitglieder der Jtoarbeitervereine gehörten früher der „Poale- Zion" an und haben sich uns angeschlossen. Demnächst sende ich Ihnen ausführlichen Bericht. Auch die übrigen Vereine sind angewiesen, ihre Berichte an Sie zu senden. London. In N e i r o b y (Britisch-Ostafrika) wurde eine Jtogruppe gegründet. 25 der hervorragendsten Juden der Stadt waren die Gründer der Gruppe, welche täglich an Anhängern gewinnt. London. In C a p t o w n (Südafrika) fand eine von Tausenden besuchte Jtoversammlung statt, in welcher auch ein Begrüßungs- und Zustimmungsschreiben des gewesenen Premiers der Kapkolonie, Honorable Oliver Schreiner zur Vorlesung gelangte. Die Bewegung ist hier sehr stark. London. Am 31. Juli d. I. fand in Johann i s b u r g eine Massenversammlung der „Jto" statt. Vorsitzender war Uigb (lommissiouer Lord Se 1 borne, der in einer mit großem Enthusiasmus aufgenommenen Redeidie Notwendigkeit einer radikalen Lösung der Judenfrage auseinandersetzte, die Ziele der „Jto" eingehend besprach und dann einen Beschlußantrag stellte, in welchem die Pflicht eines jeden Juden, die Bestrebungen der „Jto" zu fördern, betont wird. Die Resolution wurde, nachdem mehrere Redner zustimmend gesprochen hatten, einstimmig angenommen. Fast sämtliche Anwesende, darunter auch viele, die hohe, öffentliche Stel- I lungert entnahmen, haben ihren Beitritt zur i „Jto" angemeldet. New Dork. In einer vor einigen Wochen stattgefundenen Delegiertenkonferenz der zionistische^. '-lue im Staate Texas wurde folgender *ov, , ßt: „In Anbetracht, daß seit dem letzten Baseler Kongreß die Verhältnisse sich gründlich geändert haben und das Leben von Millionen unserer russischen Brüder in steter Gefahr schwebt; in Anbetracht, daß die Notwendigkeit, unsere Brüder aus Rußland herauszuführen, eine dringende geworden, wird die zionistische Federation von Amerika aufgefordert, auf dem Kongreß den Antrag zu stellen, daß die zionistische Bewegung den Territorialismus als Leitmotiv der Bewegung anerkenne. Inland. Wie«. (Mitteilungen des innerösterveichischen Distritts'komitees.) Das innerüsterveichtsche Distrtktisko'MÄee teilt mit, daß auch dieses Jahr inallen Räumen des KongreMureaus (9. Bsz., Türkenstvaße 9) an den Hohen Feiertä-gen ein Gottesdienist stattfindet, -weshalb die P. T. Gesrnnungsgenivsscin, und ihre Damenj eingeladen wevdenj, recht'äeitig die gewünschten Plätze zu helegen. Anmeldnngen nfw. sind zu richten an Herrn Deitel- Feuilleton. Der Antisemitismus. Von Maxim Gorki. Nach einem ln- Nein Uork gehaltenen Vorträge übersetzt von R. Lew ine. Die jüdische Frage! Diese zwei einfachen Worte vulhalten die traurigste und schändlichste Tragödie der Geschichte. Wir haben uin& schon daran gewöhnt, diese Worte ansznspuecheu, ohne die Verachtung zu empfinden, die sie verdienen. denn sie bedeuten, eine lange Reihe von schrecklichen- Uugerechtigkeitelt, sie sind getränkt von vergossenem, Veeuschenlblute. Jn> diesen Worten spiegelt sich, der häßlichste Schandfleck alb, der das Loben« der Meuscheu geradezu besudelt. Die jüdische Frage, die so dicht mit Lügen, lind Vollem Mdungem des Menschen besät ist, die Frage, die die Meuscheu selbst geschaffen« haben,, ist nach' meiner Meinung sehr einfach. Die Quelle der Frage liegt in der Ansicht b'ever, welche folgendes Prin,zip haben.: „Die Welt existiert nur zu nniserer Ruhe rmd zu, nuferem Genüsse. Für diejenigen, flir lvekche anster ihrem „Ich," nichss kennten, für lvelche nur der eigene Wille und Genuß vorhanden ist — ist der Jude ein rätselhaftes und hafsenswevtes Wesen. Sie hassen, den Juden wegen, seines Idealismus; auch a,us dem, Grunde, daß keine Macht in, der Welt seinen' ivnnberbav nuruihb gen, alles studierenden- und exami,uile,reudett Geist wird vernichten' können. Ich, halte es fi'rr nötig, hior meine An'sicht klarzulegen, damit niemand, zivei'feln soll, in lvelche'm Sinne' ich die Worte Idealismus und Mmellallsnms gebraiuche. Hier verstehe ich unkt' dem Wovtv Idealismus keine bestimmte philosophische Aiffchannug, sondern, einen, Heldengeist, und dieser, Idealismus widerspricht nicht dev materialistischen Erklärung der Geschichte, weil er der Schöpfer dev materialistischen Lehre ist. Während des glanzen schweren Weges dev Menschheit zum, Fortschritt und zum Licht ist dev Jude wie eiir lebendiger Protest dagestaudeu, lvie ein, Erforscher neuer Wege. Er war jener Leuchtt'u,rm,, von, welchem immer stolz und hoch sich entzündet hat der unablässige Protest gegeü alles Niedrige im Melffchenleben, gegen 'brutale Akte der, Gewalttätigkeit, gegen die abscheuliche Trivialität und gegen die geistige Borniertheit. Wir leriiMMu, uns' m den Propl^eleir Jesaias, dessen feurige Warte noch, bis jetzt die Menschenseelen! 'entzünden« und, begeistern,. Und diese hohe Stimme der Liebe zur Wahrheit hat!i>m Haß derijeuligeu, erzeugen müssen, die für sich, Gebäude aus Lügen, und Vellenmduugen ans 'dein Fu>nd>amen,te von, Gewalt und Verbvechen, bauen. Erinnern, wir uns an, die Ntakkabäer, die furchtlosen, Kämpfer' fi'rr die Freiheit, Jerusalems; an Bav-K'ochbrr, den, Ritter dieser Freiheit! Ohne Hoffnung cuuif Sieg sind sie im Kampfe für die Freiheit des Volkes gefallen. In, grdbeu und trivialen, Seelen rufen, solche Heldentaten, nur -Hast itiiilb Schrecken hervor. ~ Der edle, tveise Hfllel hat der Menschheit die einfachste! Antwort ans dir, Frage hinterlasseu!, welche Beziehn,n,gen, mir zur Welt haben. Er hat gesagt: „Wenn, ich, nicht für mich, selber, wer denn,? Und wenn, ich mir für mich selber, wer bin, ich?" Das ist die beste Lektion der Moral rmd zugleich die voilstälrdigste. Der erste Teil dieser Theorie hedeniet: „Mensch! Du bist selber der Schmied deines Lehens; in deinen Händen ist dein, Schicksal mid deine Glückseligkeit gelegen; verlast dich nicht ans die anderen! und bringe nicht Unglück dein, anderen, um deine Glückseligkeit zu vergrößern." »•- Die nächste Nummer erscheint Freilag den 24. Angnst.