Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 60 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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jNi . du Nattonalzeitmrg Seite 3 Leistungen, an, die KiUlltrlsgcmcinide entrichtet halben. Er setzt nur voraus, daß Juden. als solche, bei verschliedener Gelegenheit ilndireklt aln die.Kulltusgomeinde zahlen. Daß Mitglieder, -die nicht nur kein GÄd« hevgege'ben,, sonldvm welches als Untclrsti'chung von -dev Gemeinido erhaltien! Hahlen, memvmüen zur Rcchenschast ziehen können,, ist selbstverständlich. Schon deshalb nicht, ulm. dem, Unfuge mit den Gmtisleistun-g-en zu steuern. In der Anffaffung des Kult'usv'orstan«dies als G-eltz'goba.rung's-ü'rMN scheint ferner die BeDchaltung der Höheubestcnerleinikurie ihre B,c!g«rün«d'U!ng zu halben. Das vvir Herrn, Meisels in Vorschlag go brachte System, mag manchen Temiokmiein, und Volksmann nicht völlig befriedigen. Alber immiechin beruht cs a,uf tviftligen Gründen, die beachtet zu, werden v>e'rdic,nien. Wie dem auch, sei, muß mit aller Entschiedenheit Vor allem, zugegeben werden, daß die Wahlveform in dm Klultusgemeinde schon längst zur Durchführung reif ist. Die nächsten Wahlen, die sich Ende dieses Jahves zu vo-llziehlen, haben, dürften nicht in der alten, W,c,ise vor sich, gchen. Wenn verschiedene vraktische 'ErwÄguingen: sehr häufig den, elömeniaven Ford,eru-ngen der Billigkeit Hindernisse in, den Weg legen, so muß ans alle Fälledafür gesorgt werden,, daß diese EvwägMgen nicht dermaßen ansarteten,, daß sie das Alte, Abgekwchte, das entschieden Unbillige sortbestehen lieben . . . Ein Steuerzahler. (Anmerkung der -Redaktion.: Wirr veröffentlichen -gerne die obi.gen- Ausführung-em, deren Verfasser uns bekannt ist, obgleich ittiitr denselben in dem einen Punkte, nämlich der Kurie der Höherb-esteüerten! durchaus nicht züstimmen können. Da der .Einsender des Artikels .noch, einige Artikel .Wer dieses sicherlich «sehr Wichtige und aktuelle Thema Ku verö!s«fentlichen gedenkt,, und uns auch von anderer Seite Aeußernngen- Wer dieselbe Frage vorliegen, behalten wir uns ei.ne Stellungnahme zur Sache für einen späteren Zeitpunkt vor.) Uon der Ila. Mas den Reden der Ängsten Masfenversammlu«ng in London.) 'IN seiner Eröffnüngsanispriache, verbreitete sich «der Vorsitzen'de Zan gw ill ausführlich Wer die Bestrebungen nnd die in einer möglicherweise nicht z«n fernen Zukunft erreichbaren Ziele der Organisationsolmie Wer das bereits bis jetzt von ihr Geleistete. 'Es sei lächerlich, zu glauben, daß es so äußer-ordentlich schwer, geschweige gar unmöglich sei, irgend ein passendes Territorium An finden, in welchem das jüdische Volk eine Natio-risälität .mlilt: vollkomirnen gesicherter religiöser und politischer,Freiheit gründen -könnte. Redner nannte verlschiedene Länder, in iwelchen hinreichend Raum für die Emigranten -zu finden wäre. Eines sei jedenfalls gewiß, -daß nämlich, wie die zahlreich besuch,te Versammlung' abermals beweise, die Bestrebungen selbst die Sympathien des jüdischen Volkes habe, und nicht nur der großen Masse, sondern auch der höheren' Klassen,. ,Jch habe volle Ermächtig'U'ng zu der Erklärung, daß sowohl Lord Rothschild, als auch- Alfred von Rothschild der Organisation 'ihre Unterstützung gewähren werden." Gegenwärtig bestehe die Ausgabe darin, das geeignete Land, das erforderliche Kapital und die zur Emigration tauglichen Leute .zu finden. Hieraus ergriff Herr Prof. Dr. Mandelstamm-Kiew das Wort izn, einer längeren' Rede, in welcher er die traurige Lage unserer Glaubensgenossen in Rußland schilderte, die nicht mR zu grellen Farben dargestellt werden könnte. Die russische Negierung 'sei eine -ver-dammenswerte, aber sie hätte nicht verüben' könnenwas sie verübte, wenn sie Nicht voM Volke geduldet worden wäre, denn je'de Negierung -sei in gewissem Sinne ein Abbild ihres Volkes. Die jammervolle Lage unserer Brüder in Niußland sei die eines«Volkes, das Nicht sterben will, aber nicht leben kan>n. Gegenwärtig bestehe ihre einzige Zuflucht in einer Massenflucht, die aber nicht lange dauern könne, denn wir sehen es ja 'bereits, daß andere Regierungendagegen Einspmch erheben. Den Aüsiwanderern bl-e«i!be die Wahl, ,sich über alle Länder der Welt zu zerstreuen, oder durch gemeinsames ZNsammenwirken sich 'in einem, Territoriiulm« zukonzentrieren. Letzteres sei doch jeldenlfalls vorzulziehen. Es müsse deshalb für diese Ausiwanderer ein Land gefunden werden, und Isollte es vom Monde herüntergeholt wer,den. Die Dulden seien übrigens durchaus nicht so schwach und hilflos, wenn sie nur ihre eigene Kraft kennen würden. Die Politik ihrer Gegner besteht eben darinihnen, diese Kenntnis vorzuenthalten. „Wäre das Pferd sich seiner Kraft bewußt, würden wir nicht daraus reiten können. Wir sind dieses Pferd. Es ist unsere Pflicht, uns unserer Kraft bewußt zu werden und «kernesifälls eine Ration, wie die russische, weiter ans uns reiten zu lassen." — Herr Oskar Strauß- «Newyork, ehemaliger amerikanischer Botschafter in der Türkei, erklärte sich m,it jeder Agitation einverstanden, .welcheden Inden Freiheit bringe. Es müsse doch endlich' ein Hasen der Ruhe für die leidende jüdische- Nation gefunden werden. Redner drückte seine Achtung und Bewunderung für Amerika aus, das laut seine Stimme geigen die russischen Greueltaten erhoben habe. -Es Handle sich Hier Nicht bloß Nm eine Angelegenheit der Jüden, vielmehr Nm eine Frage der Zivilisation, welche alle Nationen berühren Müsse. Die ganze Welt, die Gesamtheit der gesitteten Völker sollte gegen die Unmenschlichkeiten der russische-n- Regierung Protest erheben. DeNn eine Regierung, welche unschuldige Kiuder hinschlachten lassen könne, 'sei nicht wert, zu existieren. Zwischen Rützland und Amerika hätten früher ganz freundschaftliche Beziehungen bestanden. Nunsei aus einmal in Amerika ein Umschwung. eingetretenzugunsten Japans. „Der russische Geisandte hat mir seine Verwunderung darüber ansgedrückt, worauf ich ihm einfach erwiderte, daß die Antwort und die Erklärung in den Namen K-itfchinew, HoMel und- Odessa enthalten -fei." Rnßla-nd bedeutet Unterdrückung,- Japan aber habe -für Freiheit und Weichberech-- tigNng, geküimpst. Der Jude verdiene eine solche Behandlung nicht, wie sie ihm iu Rußland zuteil werde. D>er Jude liebe fein, Vaterland, wo er auch sei. Er ist von, Natur patriotisch. Man -gebe Hm nur Freiheit und vo'lle Gleichberechtigung und er sei jederzeit als einer 'der .Ersten -bereit, sein Blut freiwillig dem Vaterlande zu lweHen. Der Präsident der Vereinigten Staaten, habe erklärt, daß es in seinem eigenen Regiment, den Rough Riders, Leine tapferen Soldaten gegeben habe, als die Inden. Indessen, dasunschuldige Blutsei sicherlich nicht «Umsonst geflossen. Es müsse schließlich Rettung für die Juden kommen, eine Zufluchtsstätte gefunden werden. Aber wir dürfen Nicht verzweifeln, wenn die dah-ingeheNöen Bestrebungen nicht sofort von Erfolg gekrönt sind. Ein, Volk, das zweitausend Jahre gewartet häbe, könne auch wohl noch zehn Jahre länger warten. Doch müsse« für die .gegenwärtig Flüchtenden gesorgt werden-. Redner schloß mit dem Ausdrucke seiner hohen Verehrung nnd Bewundernng für den Präsidenten der I. T. O.„ der sein Talent und -seine BeMÜH-nngen so unermüdlich in den- D-ienst seiner Glaubensgenossen stelle, und mit der Mahnung an die Anwesenden, ihn: ihre Untevstützung und Mithilfe zuteil werden zu lassen, da nur vereintes Zusammenarbeiten zum Ziele führen könne, Unieiinigkeit aber eine Zersplitterung der Kräfte herbeiführen müsse. — -Herr Advokat Fast nowsiki-Warschau' legte dar, daß sich die Lage der Inden in Rußland nie günstig gestalten würde, selbst wenn ihnen -gesetzliche Gleichberechtigung zuerkannt -werden sollte. Mvn werde sie immer mit scheelen Augen ansehen, ihre Handlungen anders 'beurteilenals die der übrigen Bürger. So dürfe man sich nicht wundern, daß den Juden selbst diie Schuld an den Pogroms aufgebürdet wird. Wenn der Jnde das beansprucht, «was ein anderer uNbeanständet beanspruchen darf, dann Heißt er frech. Wenn er tut, -was ein anderer ungestraft tun darf, heißt er ein Verbrecher. Wer die traurige Lage 'der Juden Rußlands nicht mit eigerlen Augen gesehen hat, könne sichvon Hrer Trostlosigkeit keinen rechten Begriff machen. Es 'sei daher durchaus notwendig, ihnen anderswo eine Unterkunft zu verlschafsen- undjeder Jude müsse es als seine iPflicht anerkennendafür zu sorgen, daß ei,n) Territorium ge-fundens iwersde. Redner wandte sich hierauf ganz beisonders an die anwesenden Damen- und erinnerte sie daran, Und dann- — auf einwal die tote Ruhe. Ge- 'schlossene Hä>u'ser. Eine bleierne Stille — sie warten, die Menschen... Eine Nacht von> eisigem Schrecken... Ganz früh am M>o-rgen bringt nmn -dem Pristaw Geld — ein ,/kleines Geischenk". Er dankt und lacht. Ein Pogrom -sei hier unmöglich,- so lange er da sei — ganz ausgeschlossen. Und die Inden, freuensich. — Er ist doch, ein griter Mensch, der Pristaw. * Ein langer du>nkler Raum' mit vergitterten Fenstern und «schmalen BäNken. — Reges Hin- und Her. Der PMzeileutnant gibt vevschiedem Borischtzifiten. Dianjn« wirid es duNkel und leer. Erst spät aim Mend brinigt man einige Arretierte. Drei' junge Männer in AribeiterblnseN lind ein -kleines Mädchen. Lange Frager:, rohes «Gelächter — Die Arbeiter Werden weggebracht. In einer Ecke kauernd, Reibt nur idas iMIäidchen, zrwück. Sie ist gar Nicht so klein, ivenn man sie näher betmchtet. Rur schmal und bleich — und traurige Augen hat «sie... Au der Dtive stehen zwei Polizisten. „Chafke, warte! Wir werden dich gleich wieder nach Haus bringen," sagt 'der eine zu ihr. Er kennt ihren Vater vom Markt... Nach einer schleichenden Strmde komnrt der Leutnant. Gähnend setzt er sich vor denstau!bi,gen Tisch. ,/So bringt sie her, das Jnden«mä-dchen!" «Er fragt und fragt. — Sie kan,n sich kaum mehr halten, die bleiche Chajka. — ,-So- — du gehst auf Versanimlungen und willst Fre'iheit haben und einen Judenkönig. — Du — Schaut mal nach, ob sie Nichts bei sichhat, die schöne Jungfrau —!" Chaijka hält sich krampfhaft 'fest. Schwere Hände betasten ihren Körper. Sie zittert und hört nicht mehr als Lachen und' schmutzige Worte... ,/Laßt sie zwei, drei Tage hier, dannkönnt ihr sie nach Hans schicken'!" D,er Leutnant geht und mit dem, Sti-e'fel stößt der eine Polizist die blasse Ehafka in die Ecke... * -Lange Korridore, von schrägen. Sonnenstrahlen beleuchtet. Uebeva-ll einförmige Ruhe. Nur «selten schaut einer der Gesangenenans, nur selten fällt ein gleichgiMiges Wort. Sie warten alle, daß niton sie 'freigibt. Sie wollen hinaus in die belebten Straßen, in das Hastig treibende, gärende Leben, Hinaus aus diesen engen 'Mauern. Frei atn:«e>n wollen sie. Immer, am Mittwoch, konimeu Beisucher, seihnslichtig erwartet. ,Mtitterchen, was sagt die Duma?" „Mütterchen, verlangt die Duma einen Amnestieerlatz?" M>it glänzenden Augen werden dann die neuesten Berichte weitererzählt — von den- Mutigen, stolzen Reden der Deputierten — und sie hören alle u.nd lächelnfroh... Heute kam — zuerst wie ein leises Flüstern und dann immer lauter, iminer drohender die Nachricht vom Erlaß des Zaren. — Aufgelöst! Auseinander getrieben«! — Ein Stöhnen geht durch die Zellen... Und plötzlich, wie ein Wirbelwind, beimachtigt sich ihrer eine wah-nsinnige Wut. Laute toisen'de 'Stiminenheisere -Gefänge, rote Fahnen, klirrende Scheiben. Eine Stünde lang da'uert -der „Aufrühr". Dannkom-men Kosaken. «Ein- Schuß. — und dann noch einer —»noch einer - Zwei Leichen an der Ein«gangstür — und totenstill wird es wieder im Gefä-ugnis... l,Franks. Ztg."j Neue Bücher. Gründungsgeschichte des Stadttempels. Bon Sigmund Husserl (Verlag Wilhelm Brauwüller), Diese mit Fleiß und Verständn-is gearbeitete Zusammenstellung interessanter Akten zur Ge- KREBS dPOTlICKC 5. niTTELP/lCn Wien, Hoher Markt Nr. 8 (Palai* Sisa) im Zentrum der Stadt. ♦ Hühner augen-Pflaster. Preis pro Kuvert 50 h. Preis pro Schachtel 70 h. HQhnvraupenbatsam (Tinktur) . ---- Prela pro PIMacbcbeo 70 tteller. .