Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 60 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 2 Nationalzeitung Nr. Öl» notgedrungen auch die uxiteiic Konsequenz, daß m den jüdischen Wahlkreisen nur Juden urD, immer das Grundprinzip im '/luge lxhaltend, nur solche Juden gewählt, wenden könin>en, die gewillt sind, das Judentum in imtionalem Sinne zu vertreten. Professor GlMnbinAky irm da'hen, wenn er konkludiert, daß m jüdischeir Wahlbezirken auch Nichts üben oder sdlche Juden>, die sich als Polen beken-nieir, einen Anspruch auf ein Mandat hätten. Hingegen können wir es uns ga-nz gut denken, daß rein politische Wahlbezirke auch Polen, mosaischer Konfession in den, Reichsrat entsenden,, genau so, wie Polen protestantischer oder anderen Konfession, wenn ce solche gibt. Tie Wahlbezirke tragen zunächst nationalen, Charakter und 'daher kommt es bei dem Kandidaten auch zunächst auf sein nationales B e k e n n t m i £ und nicht auf sein ko-nfessionelles an. Däs ist die eine Seite der Medaille! SÄ hat aber auch eine Kehrseite! Wir habenbereits eingangs dieser Ausführungen betont, daß »das allgemeine, und gleiche Wahlrecht innerhalb der einzelnen^ nall'o,naieln Griuppm die sozialen und wirtschaftlichen Diffeveinzievungen, die in jeder Volksgemeinschaft vorhanden sind, zur Geltrmg bringen werde, und daß daher Flagen nichtnvtioualen CharrrMrsdenkbar sind, in denen! Mitglieder derselben, Nation gegeneinander stimmen-. Eine vernünftige jüdische Politik -würde -auf dieses politische Kardinalgesetz jedenfalls- Rücksicht nöbmen, sie würde bei der 'ersten nationalpolitischeni Aktion Gewicht darauf logen, daß alle Schattierungen innerhalb dev nationalen Bewegung' eine Vertretung erhalten. Die offizielle Leitrmg der jüdischnationalen Wahlbewegung hat diese Rücksicht nicht geübt. Wir wollen, jetzt nach den, Ursachen dieses unpolitischen Vorgehens nicht forschen', wir konstatieren bloß den Fehler, und! konstatieren du unheilvollen Konsequengen', welche er bereits gezeitigt hat: die „Poale Zion,", -die Avantgarde der jüdifchnati'onalen WaWeformbewegung, halben bereits die offizielle Erklärung abgegebm, daß sie diese Mandatenpolitik nicht mitmachiein. Wir können! ihren Standpunkt begreifen! Man kämpft, wenn, man ehrlich denkt', nur für Prinzipien! Man kann auch für! Personen kämpfen, wenn, man 'die Gewähr hat, «daß diese Personen die Eignung besitzen, -mich alle Schichtungen den nationalen. Einheit zu! begreifen und, deren Sonderintocessen zu vertreten, . . . Wir werden-, nuferem alten Programm entsprechend, auch bei den, nächsten. Wählen, die Werbungen der nationalen Kandidaten gegen diejenigender nichtnationalen mit allem! uns zugebote stehenden- Einfluß unterstützen, aber seinem Fuß ein armes Würmchen auf dem Boden zertreten. Mit einer Stimme, aus der das Selbstbewußtsein sprach, rief der Rabbi seinem schadenfrohen Gegner zu: ,Sag' an, du Engel des Bösen, wo sind die Frevel, die Todesstrafe erheischen? Kannst du meine Sohne des verruchten Mordes anklagen? Haben sie sich so schändlichen Raubes schuldig gemacht? Kannst du meine Kinder des sündhaften Ehebruches zeihen? Gehe hin auf Erden, suche schwerere Sünden! nur wofern du solche bringst, sollst du siegen!" Satan eilte von dannen. Aber bald kehrte er mit leeren Händen zurück. Doch wehe! die Wagen waren verschwunden! Schon schlug die Stunde des Gerichtes, schon stößt Gabriel in das Horn und Satan trägt seine Klage vor: „Der Rabbi hat mich bestohlen!" Dieser gestand. Nochmals stieß Gabriel in das Horn und verkündete das Urteil: „Der Rabbi Mendel ist schuldig! er zahle zweifach!" „Gott ist gerecht, seine Torah ist Wahrheit", ließ sich der Rabbi vernehmen. „Allein ich bin arm und kann nicht zahlen!" Nun verkündete der Gerichtsbote: „Der Rabbi Mendel wird verkauft!" Bald erschallte wieder der Schofer und laut verkündete der Herold: „Gott, der WmmMmrl mmm wir werden nicht aufh-öveü, auf die verhängnisvolle Taktik hinzuweisen, welche eine einzige Gruppe iml jübischmiionälen Lag-er — von, dev es, nebenbei bemerkt, noch nicht einmal! sicher ist, daß sie die Majorität bildet — tagtäglich zum Schaden dev G-efalniheit übt, indem, sie ganz mit Unrecht! behauptet: „Le mtimmlisme c'est -moi!" Wir können dies um s-o, leichter und mit um so mchr Nachdruck tun, als toir nach keiner Seite hin, engagiert sind, und auch keine eigenen, Kandidaten haben. Zur Wahlreform in der KultusgemeinLe.*) Es ist vielfach bemerkt worden, daß im praktischen- Leben, geralde die einfachsten Fo-rdetimgert, der Billigkeit den meisten Schwierigkeiten. begegnen. Das erste Axiom der Geometrie: „Me'gerade Linie ist zugleich auch die kürzeste", will vom modernen Löben allzu häufig nicht! ohne weiteres als unumstößliche Wahcheit hingenommen werden. Die Ursachen hierfür sind mannigfacher Natur, und in erster Reihe wären sie vielleicht in der Verschiedenheit der Interessen zu suchen — jener feingefponneuon modernen Interessen«, die, ohne mit ben Grundsätzen der Wahrheit in öfsentz lichen. Konflikt treten zu wollen, sich jedoch durchaus zu behaupten, suchen. Kein Wunder daher, daß im Zeitalter der Elektrizität Und des freien, Aufschwunges des Gedankens oft ein, riesiger Mut dazu gehört, für' das elementarste Recht emzutvcken. Auch ist ein guoßes Maß von Umficht beim, Verkünden dieses Rechtes wirklich notwendig, da die komplizierten Ldbensbedi-ngun-gen dev Neuzeit eine schablonicn,hafte Anwendung, von theoretischen, Forderungen gar nicht zu-lafsen,. Und somit wird den verschiedensten Erwägungen und Betrach,tu,n-gen freier Raum geschaffen, selbst in Fragen, die auf den ersten Blick mit einem Schlage zu lösen, wären. Herr S. Meisels war der erste, von dem die Anregnug zur Einführung des allgemeinen Wählrechfes in dev KstUusgem-eirlde ausgega,n-genist. Tiefe Anregung fand vielseitig freundlich,e Aufnahme, und die Herren B-ezirksvertra'u-ensmänNer der Kultu-sgemeinde schenkten ihr die größte Beachtung. Wer Herr Meisels stellte zugleich ein System, auf, nach welchem die .Neuwahlen in den Kultus- Vorstand vor sich gehen sollten. Auf Grund dieses Systems wären die Wahlenwohl allgemein e, j e d o ch k e i n e gleichen g e w e s -e n. Herr Meisels schlägt die B e i - '*) '.Siehe Mation,alzeitung" Nr. 56. b e h a l t u n g Ä e r K u r i e der H ö h e r - b e st e u orte n vor. Er sucht den Uebelständen der jetzigen Wahlordnung, in, der die Höherbesteuerten gar doppelt wählen,, durch -das Heranziehen, von neuen Elementen, durch 'das Entfallen der doppelten Wahlen, und dw durch aus dom, Wege zu gehen, daß er die Mandatszahl von acht Mitgliedern, also nur den sechsten Teil der in- Volfichiag gebrachten Mandate, für die Hochbesteuerten, in- Anspruch ui'mmt. Die Rechte der Minderbemittelten erscheinen, somit gesichert, bei eine Majorität der Reichen iin vorhi-neinausgeschlossen wird. Im übrigen evfneu-en sich alle Juden- Wiens des aktiven, wie des passiven Wahlrechtes, diejentz gen, ausgenommen, die in, der Wah!lperiod>e eine Unterstützung oder eine Gratis'leistung seitens der Ku-ltusg-e!lnein>de bean,spruch,t haben,. D-io letztere Einschränkung ergibt sich als unmittelbare Konsequenz aus jen-em, Standprmkte, aus welchem, Hein Meisels überhaupt das Wahlrecht für die Nichtbesteuerten, fordert,, nämlich aus der Tatsache, daß auch diejenigen, die keine direkten Steuern an die Kultusgemeinde leisten', zur Erhaltung derselben Geldsummen beitragen, in, der Form von Gebühnenien'trichtung für verschiedene Reli-gionsleistn'ngsn,. Herr Meisels vertritt, streng genommen, den alten Grundsatz: „Ohne Sleu-ern keine Wähler, und wer mehr zahlt, genießt Vorrechte." Dieser Umstand machte für viele Anhänger einer Wahlreform in der Kultrisgemieinde den Vorschlag des He-rrn Meisels schwer akzeptabel. Die starren Demokraten' mußten d-avo-r zurückschuecken, daßauch, das neu einz-uführenide Wahlsystem von Steuern 'abhängig gemacht werde, sei es von direkten oder indirekten Steu-ern. Und wirklich erhoben! sich hie und da Sti-mmen gegen, diesen Vorschlag, Namentlich gegen die Belastung der, Kurie der Höhevbe!- steuevten' aus' der Mitte der oben, erwähnten Bezirksvertrauensmänner de,ri Kultusigemeinde. Aber das ist äben einer derjenigen Ko-n-- flikt-e zwischen! der sozusagen, „mathematischen!" Moral unddem! praktischen Leben, die nicht außer acht gelassen, werden! 'dürfen. Der Vorstand in. der Kultusgem-einde stellt eine legislative Körperschaft dar, wie dies bei -der allgemeinen, Volksvertretung der Fall ist. Herr Meiselsfaßt ihn, eher als' ein- Geldverwaltungsorgan auf. Das Verdienst des Herrn Meisels besteht d-a>ri-n, daß, er auch denjenigen Juden,, die bisher als absolute Nichitfteuiorzahlvr galten, das Recht' einräumt, den Vorstand der Ku-ltnsgemeinde zur Rechenschaft zu! ziehen, 'eventuell bei den- Wahlen, i!n, denselben en,tscheidenkd zu wirken,. Dabei verlangt er keine Legitimation dafür, daß diese Judenin! der in Betracht! kom-m,enden- Wahlperiode indirekte! Welten Herrscher, hat den Rabbi Mendel zu > seinem Knecht gekauft!" Momentbilder ans den Tagen der Dnma. Die Mission'des Rabbis war erfüllt, seine Seele kehrte aus den lichten Höhen in die irdische Hülle zurück, und mit lauter Stimme , fuhr er fort die bekannten Worte der schönen! Hymne zu beten: „Koneh awodow badin." *) Möchte dieser willkürlich aus dem großen Schatz der jüdischen Märchenpoesie herausgegriffene Edelstein mit seinem heiligen Feuer die Sehnsucht nach immer gründlicherer Kenntnis aller nationalen Schätze des jüdischen Volkes, und besonders in der Jugend .den Sinn für echt jüdische Volkspoesie und Weltanschauung wecken. Diese Stimmen aus der Vergangenheit finden ein Echo in jeder warmfühlenden Brust, sie verbinden uns mit den Vätern und leiten hinüber zur Hoffnung auf die Verwirklichung der nationalen Ideale durch unsere Kinder, denn sie sind aus Schmerz, Hoffnung und Vertrauen auf die Mission des großen, auserwählten Volkes gewoben. Jakob Chill. •) Gott kauft feine Knechte beim Gericht. 'Eine kleine Stadt m-it engen Gassen. Armselige jödische Gesch-älfte und Hanbm-erlkeMlden, kleine gralue Buden. Bei jedem Iltemizug fühlt man den Druck, der über 'diesem- Elend' la-stet. Illleinihervscher ist hier der Polizist, der PriMw. Beim Glaise Wein eNzäh-lt er isöinen guten. FrennideW -von den Wider- Mä-r-tigkeiten des Polijzei-daiseins. Es ist gar keine Dankbarkeit von büsem Pölbe-l AN erivarten. In anderen Städten, hätten die!J>NdeNhehen einschüchtern-d gewirkt — 'nber- 'ha'uipt, ein ,-bewährtes Mittel, diese Pogroms"... Es schlängelt sich durch die Stadt, das Wvrt des allmächtigen Pvi-staw, und wie eine schwere Wolke hängt die Evroartung -über den lschmalen Gassen. - Diunkle Gestalten zeigensichl -h-ie und da — man 'flüstert leise. In den Nachbarstä-dten soll es so viele Tote u-nd Veriwumdete gegeben haben. Und der P'ri'stmv sagt, daß es auch hier — auch hier -zunr Pogrvrn -komme» muh. Die J-nden seieu an „a-ll>e-m" schuld.... Eilig schließen sich die Läden u,n-d eine fiebernde Hast geiht durch die enge», Gassen«. Ge- -beug'te Mäluier nttd bleiche Brauen, Kinider mit ängistlichem' Blick. -Es ist als zitterte die Luift. pollenr ectite besonn-Zcluveizzdlättet Mm\\ MW ••mrtfleait! 442