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Nationalzeitung · 1906-08-17 · Heft 60 (17.8.1906) · p. [Seite]

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 60 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. MtiMhkitW rn..... l RrdaKttonr IX/1. Wafagaffr 81. Telephon Nr. 1478». Sprechstunde« r Sn Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Bostadreffe: „Nattouulzettntig" Wien, IX|1. BMCbWCrfttN wegen verjpüteier oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir un« dringend. — Manuehripte wer««« »ehi r»rile»g«,tem. Postfparlasien.Konto 47087. In da» Abonnement kann man täglich eintreten. a.. ä Erscheint jeden Dienstag nnd Freitag. Eigentum einer Sosirtat. — Herausgeber und Chefredakteur: Jakob Krailsz. Inserate übernehmen die firmen: 3. Danneberg, M. Vukes Nachfolger, yaasenslein k Vogler. Rudolf Masse. M.. pozsonqi, R. Schalek in Wien ferner alle klnnoncen.Lxpedltionen im Kuslande. Vinzel - Nummer in Wier» Heller. , w- Administration: Telephon LlbonuementS.PreiS r Für Wien u. Oesterreich» Ungarn f. Frankozustellung: Ganzjährig . . . . L 18.— Halbjährig . . . . K Gierteliädrig . . .K 8- Für daS gesamte SluSl d Ganzjährig . . . K IS IS IX/l, Wafagastr 81. Nr. 14788. Preis der Anzeige«: Die ömal gespült. Nonpareille« z«Ue oder deren Raum 12 l». „Stngesenbet" dieSspaltige Nonpareillezeile SO Heller. Lei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. Verschleißstellen unseres Blattes» in welchen auch Wien, Abonnements entgegengenommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" II. Große Schiffgasse 7; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Ur. 60. Mir«. Freitag den 17. August 1906 (26. Ab 5666). VIII. Jahrgang. Absnukultuts-Einladung. Wir ersuchen unsere geehrten Monncntcn, welche mit der Abonnemcnisgebühr im Rückstände sind, diese ehebaldigst einzusenden, damit die regelmäßige Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erfahre. Die geschätzten Leser und Freunde unseres Blattes ersuchen wir, für die „Nationalzeitung", das einzige, zweimal wöchentlich erscheinende jüdische Blatt, welches die nationalen, religiösen nnd wirtschaftlichen Interessen des Judentums unerschrocken vertritt, in Bekanntenkreisen zu fördern. Probenummern gratis! Abonnementsgebühren für Oesterreich-Ungarn samt freier Zustellung K 3.— vierteljährlich, für das Ausland K 3.80 vierteljährlich. Die Administration. k iwnulÄäteu 'üieirieliiEt, noch che man weiß, auf welcher Grundlage die Mandatare gewählt werden sollen'. Die Jhee, welche diesem Vorgänge zugrunde liegt, ist: O,Österreich wird von nationalen, Fragen beherrscht, cs muß daher ein- Haus geschaffen werden, in welchem die einzelnen, Nationalitäten, eine ihrer numerischen, wirffchafflicheu und kulturellen, Macht entsp'vechende Stellung einnehmen sollen'. In bezug auf nationale Fragen, sind al'fü nationale Einheiten geschaffen, die in sozialen', wirtschaftlichen und kulturellen, Fragen ganz gut sich' nach einzelnen homogenen. Teilen sondern können'. Ans welchen Bestandteilen die ein,- zc'lnen, nationalen Einheiten, zu bestehen, haben, 'daimujf nimmt die Regierrmg keinen Einfluß, in dieser Beziehung, muß ba& Prinzip des allgemeinen, undgleichen Wahlrechtes seine von ihm erwartete, ansgleichende Wirkmig a,usüben. Bei Feststellung der Wahlkreise wurde auch eine Anzahl jüdischer Wahlbezivke, geschaffen. Weshalb? Gin bono? Man lache nicht über diese Frage! Sie ist für uns Nationaljuden von a'ußerordentlicher,, prinzipieller Wichtigkeit, un!d daß sie bis nun von kompetenter Seite nicht mit der wünschenswerten Osfenlheit' beantwortet wurde, ist dev Hauptgrund' dafür, daß sich um biicfe Mandate muh' solche Grnpp,en bclw,erben, denen sie überhaupt nicht zngedachk werden konnten. Diese absichtliche oder zufällige Unklarheit bezüglich des Charakters dieser jüdischen Wahlj bezirke nützt auch! Professor Glombinsktz in seinem auch von uns reproduzieriten Artikel aus, um, zu der eigenartigen' Schlußfolgerung zu. gelangen, daß in dein, jüdischen. Wahlkreisen ganz, gut nichtjiidische Abgeordnete gewählt werden! könnten,, 'genau so, wie in den, nichtjndisch,en Bezirken Angehörige der masoischen Konfession ein Mandat erlangen' können. Wenn di'ese Auffassung die richtige wäre, ist es' wahrhaftig nicht einznfehen, weshalb diese jüdischen Wahlbezirke,, deren Bildung Professor Glombinsky als' eine Konzession an die Inden besonders hervorhebt, eigens geschaffen wurden'?' Als „religiöse" Wahlbezirke kann man sie sicherlichnicht gelten, lassen', weil,das religiöse Prinzip bei der Wahlreform überhaupt nicht in Frage kam,, und' es kaum anznuHmen ist, daß bezüglich, der Juden auch, in, der Wahlreform und dazu noch zugunsten d>er Juden Ausnahmsbestimmungen geschaffen' wurden. Bei Verteilung der Mandate an die einzelnen Nationalitäten war angeuscheinlich der Gruudsatz maßgebend, daß überall dort, wo' auf einem abgegrenzten Gebiet eine genügende Am zahl von Konn>ationalen> beisammen wohnen, ein Mandat, für die' betreffende Nationcklität g,eschasfen werden, müsse. Diese Voraussetzung trifft in 'einzelnen- Städten Galiziens auch sü'v die Juden' zu, und man! sah sich gezwungen, auch ihnen! gegenüber diesen, n a t i o, n a l e n 1 Grundsatz gelten zu, lassen'. j A n d i es er W a, h r h e i t m u ß f e st-! g e h a l t e n w e r d, e n! Ans ihr ergibt sich! Die Mischen Msn-ate. I. Kr. Es liegt in der Natur der poMschcu, Zustände Oesterreichs, daß der Wahlresormausschuß zuerst über die Wahlkreiseinteil uug Misch,eidem mochte, und erst diese fest-gestellt ist, an die Skraiimig über das P r i rv z i p der WahlvefoM schreiten' wird. Dir Mandate sind bereits an. die einzelnen' M-- Feuilleton. Die Mische Sstge. Der Tag des Gerichtes. Man denke über den Chassidismus, der schon fast zwei Jahrhunderte besteht, wie man will, so darf doch nicht übersehen werden, daß seine Anhänger während dieser langen Zeit viele, ja unzählige, sehr wertvolle Sagen gesponnen. Sie sind wertvoll, weil sie uns das Denken und Fühlen eines beträchtlichen Teiles des jüdischen Volkes erklären und weil sie uns einen Einblick in die sozialen Verhältnisse unserer Stammesgenossen aus vergangenen Zeiten ermöglichen. In diese Sagen haben einst unsere Brüder ihr Herz gegossen. Ist doch die jüdische Sage ein Gewebe von großen Leiden und seltenen Freuden, von herzerhebendem Ernst und erquickendem Humor, von zerschmetternder Verzweiflung und süßer Hoffnung! Ich müßte viel, sehr viel schreiben, wollte ich die jüdische Sage allseitig beleuchten. Nur eines sei noch erwähnt: Sie erschließt uns das große Reich der jüdischen Gebräuche, die in den feinsten ethischen Gefühlen wurzeln, sie beweist uns die lebendige Entwicklung der jüdischen Religion und die rege Kulturverarbeitung durch den Mund des' jüdischen Volkes. Stützen sich denn nicht alle Gebräuche auf die bis in das graueste Altertum zurückreichende Tradition und die Religion, aus der das jüdische Volk von jeher seine nationalen und ethischen Ideale geschöpft hat? Man muß die schönen Erzählungen und Märchen, die gleichsam die lieblich duftenden Blüten auf den uralten, tiefwurzelnden Stämmen der Bibel und des Talmuds sind, kennen, um ihren kulturellen Wert zu begreifen. Ein Beispiel, das so recht geeignet rst, die nationale ^und sittliche Bedeutung unserer Neberlieferungen zu beleuchten, soll hier als erste Blüte von dem uralten Baume gebrochen werden: In Rymanow, einem kleinen Städtchen an der Peripherie des Karpathenbogens gelegen, wohnte ein Rabbi, namens Mendel. Viele tausend Juden waren seine Anhänger; wie die lebendige Quelle von Durstigen war das niedrige, kleine Häuschen des hochverehrten Rabbis, stets von ihnen umschwärmt. Was Wunder, wenn sie ihn verehrten, ihn vergötterten und wenn ihre ausschweifende Phantasie ihn als ihren Schutzengel und Fürsprecher in den Himmel versetzte, hatte er sie doch stets in ihrem größten Elend väterlich getröstet! An einem Neujahrstage — so erzählen seine Verehrer ihren Kindern und Kindeskindern — stand der Rabbi beim Morgengebet, das Haupt auf die Brust gesenkt, wie entseelt an die Lehne des Torahschrankes hingelehnt. Sein Geist hatte sich in den Himmel emporgeschwungen, um seine guten Kinder, wie er alle Juden nannte, vor dem höchsten Gerichte zu verteidigen. Schon war Satan als Kläger, mit sieben, unter der Last der aufgepackten Sünden krachenden Wagen in die geräumige Vorhalle emgefahren und harrte des ewigen Gerichtes. Wären die sieben Wagen in siebenmal sieben verderbenbringende Dolche verwandelt, und in des Rabbiners warmfühlendes Herz gestoßen worden, sie würden ihn nicht mehr als die Fehler seiner „guten Kinder" geschmerzt haben. Traurig betrachtete der Rabbi die Sünden: hier hatte einer den Branntwein mit Wasser gemengt, dort einer seinen Eltern widersprochen, ein anderer hatte schon seit vier Jahren die Wage nicht eichen lassen und wieder ein anderer hatte unbewußt mit ■** Die nächste Nummer erscheint Dienstag den 21. Augnst. -•*

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