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Nationalzeitung · 1906-08-10 · Heft 58 (10.8.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 58 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 58 Nationalzeitung Seite Wüvbel der Männer, welche bie Bewegung lebten, bürgen, dafür, 'daß den, Beschlüssen auch, bald die positive Arbeit folgen wird. Sport uud Juden. (Eine Randbemiwkung zur Judenfrage.) VoiNi Hanns Fischl, Ppäsiidenien des „Akademischen Sportklubs' der jüdischen Studenten" in Wien. Die Moderne hat zum Erstaunen dev Theoretiker des MenfchheiNbrleies jene Betätigrmg der Menschen^, die sich inne'vhalb der Nicvtionailitäten geschllossen' und' erst aus diesen hemus »vi'cder wechselwirkend äußert, als peirennic!r!endeni KulLurzustand. geschafften, und in der Hinüberleitung speziell ö-e-r Juidenfrage in' diese neuen. Bahnen, haben die Juden' jeden»- falls die treffendste Lösung jener' Frage gefunden. Wie richtig die Verfechter des positiven Judentums', tbiie; Zionisten und die ihnen, assimilierten! Juden jene Ersch>e"inung der nationalen Mschließuingl mit g,leichz,e"itig allseitssich' betätigenden Internationa,lisMinA erfaßt halben', beweist die, Grrmd'idee des Baseler Programm,es, welches ein! total' ko'nzentri'cvtes Judentum', ein, in sich geschlossenes Judenv o l k an Stelle dev den Völkern, des Erdballes mehr oder weniger stark infiltrierten: I n d e n fchen> will, welches' dann als solches wieder am Weiltleb'cN' teilnehmen, soll. Dies ziicllb'Äv'ußjt'e Reform, die seit einem Jahrzehnt! die lebendige Energie im, Judentum an, die Oblerfläche treibt, hat vor allem die vorhandenen! jüdischen Leistungen, dien Gesamth'eit zunntzen zu, machen versucht, teils aber schien nieunationale Produkte der geistigen wie der materiellen, Kultur zu 'erzielen vermocht. U,nd' diese, Leistungen hat! die PNblizistik notiert, um durch, die erreichten Erfolge zu befriedigen, und zu, weiterem, Ringen, zu ermutigen. , An dieser Stelle seien der Betätigung der Juden nur, der» Pflege des Körpiers und seiner' Gewandtheit, für welche dasumfassende Wort „Sport" geprägt! wurde, einige Zeilen gewidmet. Das Schema ein,er solchen Abhandlung ist per ana,lo!gia,m von den übrigen Arten menschlichem Wirkens! leicht' albzrmehmeu. Daß die Juden 'von, Urzeiten, her ein, körperlich befähigter- Bolkssta,mm, sind, beweist ihre Vorgeschichte. Die ungeheuren Wanderungen durch wüste Gegenden,, die fortwährenden Kämpfe mit den anderen, Völkern, der arabischen Halbinsel mochten' enorme Anforderungen an die Energie und Lebenskraft des Volkes gestellt seine Fähigkeiten, nicht lohnenld v'erwerten — er War Jüde. Man legte ihm nahe, sich taufm zu lassen'; er wies das Ansinnen entrüstet zurück. Und gerade war eine glänzende Stelle frei. — er. hätte sie a!ls Nichtjude erhalten — er blieb Jude. Doch, der. Gedanke war ba, und kehrte iumreir wieder. Seine Eltern' waren dcvfüv; die Not war groß. Anfangs gänzlich, Vevwiorftin, beschäftigte, ihn, der Gedanke spätev etwas, dann, mehr — dann, kam, das Elend' — und dann kam der. Trotz, der Trotz ein,es, Menschen,, dom man, etwas! nehmen will, was man Hm nicht nehmen, kann', und, er ist ohnmächtig, es' zu bewahren. Und dann, kam. das um, so starrere Festhailtm — daun größeres Elend, mit neuen Sorgen, und dann, war er müde geworden, so, rnüde-und ward bald darauf Christ. Dann kommt in seinem Leben das Ewiglnenfchliche — der! Selbstbetrug. „.Nur äußerlich bist ich dinu anderer. — innerlich der, der ichj wlav, 'ein Ju»de — ein, guter Jude." — Und dann, konnte, er stundenlang weinen'. — ■— Ich habe nur mchv wenig zu erzählen. Et War wohl Christ 'geworden,, doch, die ersehnte Stelle war sckon vergeben. Er hätte jetzt als Christ eilte Stelle finden können; er suchte sie nicht. — Er tat überhaupt nichts mehr, er war ein ganz anderer Mensch geworden. En gi'n>g nicht mehr übevzöugungsstdlz 'durch das Leben, er schritt nebenher, müde, matt und gebrochen. Dann hüben. Und aus der Zeit, die mit der ©cfc» haftwer'dung des' Volkes beginnt und mit seiner Zertrümmerung durch das Römerschwert endet, erfahren' wir eine fast endlose, Reihe von Tatsachen., die uns beweisen', daß das Volk damals sowohl bei den Beschäftigungen des. Friedens als auch, im» Kriege gwße Tüchtigkeit des. Leibes bewiesen habe. Saul überragte die Menge um Kopfeslänge, David war ein Meister mit der Schleuder, die Schönheit Salomos berühmt und Simsou ist der klassische Athlet des Judentums. Zahllose Histörchen, werden» erzählt, die in Kulturzeiten umgcmodelt, hervorragende Sportleistuugen' ergeben, »vürden. Der große Teil müßte in einer' Abhandlung! über die militärische Befähigung des. Judenvolkes behandelt werde!». . In der laugen traurigen, Epdche der mittelalterlichen Unterdrückung gab es nicht viel körperliche Tüchtigkeit zu erweisen!. Gewiß hat aber manches! schmächtige Jüdlein die Qualen barbarischen Tortur mit dem- Stoicismus eines Apach,enhäuptlings zu ertragen gewußt und gezeigt, daß! dev Edelsinn! in einem Volke durch, brutale G'ewalt nicht zu ersticken. sei. Erst die neueste Zeit hat wieder den Juden Gelegenheit geboten, nicht nur in Not Und Elend, nicht nur in- Krieg und Gefangenschaft die Geschicklichkeit und, Widerstandsfähigkeit des Leibes' zu beweisen. Besondere Leistungen aus dieser Zeit sind nicht bekannt', erst seit dem letzten Viertel des 19. Jahjrhunderts beginnt man die sportlichen Leistungein, von' Juden zu notieren. Wie in allen, Zweigen, des Lebens betätigten! sich in der Zeit vorher die Juden mitten unter ihren Umwohnern, a!uch in sportlicher Richtung und wollte man der Sache näher gehen, würde man Wohl unter beim tüchtigen, deutschen und Schweizer. Turnern und Schützen, unter den englischen Jägern und Reitern gewiß manchen' Israeliten (so hießen die Juden damals.) entdecken. .Seitdem, die Juden selbst die Judensrage energisch, in die Hand genommen haben! (und ein dersartiger jüdisch!er Posttivismus datiert seit mehr als einem Vierteljahrhundert) sind wir ziemlich genau darüber unterrichtet, wie es mit den quantitativen und qualitativen, Beziehungen der Juden zum, modernen Spoirt steht. Die Resultate, die aus den Untersuchungen, und Abhandlungen über diesen Gegenstand gewonnen werden, kann, man etwa folgendermaßen zusammenfasfen. Vom, 'anthropologischen, Standpunkt. sind die Jüd'en, als körperlich befähigte Rasse zu be^- zeichinen; diese Befähigung ist sowohl im positiven Sinne, durch sportliche Leistungen, als im negativen Sinne, durch Widersinn,dsfähigward. er des 'Gehensschon müde.-- Man, fand ihn eines Ta,ges: tot, er, batte seinem Lobenein Ende gemacht. Nicht Christ noch Jude hatten für ihn ein Fleckchen Erde, er liegt unter vielen, die nicht gelebt wie eraber so geendet. Seine Eltern gehen seit diesem Tage langsam. ihrem! Grabe zu,. Sie sind' Juden, fromme Juden.geworden'."-Herr Kohn schwieg unlbi senkte den Kopf.-Lange sprach niemand ein, Wort. Dann! fragte Dr. Fritz: „Sie hgben, ihn: also, gekannt?" Und mit zitternder Stimme antwortete er: „Er hieß so wie ich, und habe auch einen, Sohn, gehabt, der ist nicht mehr,. Zufall, nicht wahr?" — Dann senkte er wieder den, Kopf.- Sie begriffen und, blieben still.- Wien. Max Schacher!. Huntes Feuilleton. Ei« aktuelles Trauerspiel. In,einer Sammlung berühmter KriMinal'fälle bespricht neuerlich Mewdheim den Fall Calas, obwohl er, wie -er Verfasser Mit Recht bemE, mehr ln -ie, Geschichte -er Menschlichen JrrtüMer, als -er Menschlichen Rechtspflege gehört. Calas, -er Protestant im bigotten Toulouse, wirbeschuWigt, seinen keil bei Enlbeh rangen und Körperloiden dargetau.*) Mit den Völkern, unter denen sic. leben, halten, die Juden nicht' nur Schritt, sie stellen sogar in vielen Ländern, einen höheren Prozentsatz zu,r fp,örtlichen' Betätigung als das Wirts- Volk, wogegen die Za,hl der einzelnen Höchstleistungen, gering erscheinen' ma!g. Ta ist aber zu bedenken, tvas oft vergessen wird, daß die Gesamtzahl der Juden, der Erde höchsten au 10 Millionen ausmachen dürfte. Was die einzelnein, Sportzweige' bei,risst, so, wollen »vir für die weitere Betrach,tung speziell die österreichischen Verhältnisse in« Betracht ziehen:, denen die Verhältnisse im Deutschen Reiche ziemlich verwandt sind, wogegen' in den übrigen Ländern teils von einem Sport überhaupt nicht die Re!de fein kann:, teils die Juden in denselben keine Ausnahmsstellung einnehmön>, so, daß mau dort von, einer speziell jüdischsportlichen Tätigkeit abscheu. kann'. In! Oesterreich spielen, die Juden wie nicht minder "iim Reiche in sämtlichen Sports eine in manchen sogar he,rvorragende Rlolle. Die jüdischen Mi'blionäre lassen, mit Erfolg ihre Pferde lanfen,, 'die jüdisch,en, Schwiwwer u,nd Radfahrer haben Weltmeisterschaften' in, ihre Heimat gebracht. Beim Waffe,rsport ist das Verhältnis eiigenartig. Durch die stark antisem'itische Richtung der Rudervereiue ist die Beteiligung der Jud'eu an di'esem Sport! verhältnismäßig gering, doch sollte ein hämischer Judenfeind daraus Wasserscheu konkluidieren', st' steht dem. gegenübier, daß die österveichrschen, Juden, im Schwimmsport die erste. Stelle eiunehm'en.. Derb erste olympische Sieger im Wasser wiar der Wiener Naumann, der nächste der Weltm.eisterschw,immer Otto Sheff, der trotz seiner 'englischen Anfangsbuch^ staben rein jüdisches Blut in seinen! Adern hat. Äcopold, Mayer, nind E. B'crnhavdt, letzterer übriaens guter Ruderer, sind nur die ersten Narneu einer langen Reihe. Die ganz „verjudete" Wasserballmann'sch'crft der Wiener „Austria," leitet uns zum Fußballsport.' hinüber, bei' dem ganze jüdische ManNschiaften oftmals im, Jahre den Bleweis erbringen,, daß! eine gebogene Nase die körperliche Gelvandtheit nicht weiter beeinträchtigt. Dev Rüdfahrspork ist schon, feit dem berühmten Rennfahrer Luvivn, einem türki-» schen Jud'eu, stark „verjudet", wie wir mit Stolz sagen können,, und seitdem der BemziN'- Motor die Menschenkmft abgelöst, lesen wir *) Da'melly (,-C'ä!sars 'DenWule") fütjrt aus, -<O her -an süirchterti.ch'en Veriolgu.Ng'en, unter denen die' JNdeu zu leiden' hatten, die schiwachen Elemente teils abfielen, teils untergin'gieu, so daß nUr die »fähigen Elemente de'v Juden als solche erhallen blieben. Sohn Antoi'ne gemvvdiet zu haben: Zwei geistliche Bruderfch'a'ften, -ie Franziskaner und die Meißen Büßer, pre-igen vou den Kanzeln, daß Antoine in Hven Orden eintreten wollte, und der Kapttuk Dlabid verbrettet, es 'sei. eine ö,e>kannte Tatsache, -aß -ie Protestanteirr.ihre Kinder' aushenken, 'wenn diese Kalh'oliken werderi' wollen.. Män, ordnet ein feierliches Begr'äbnis an und stellt auf eiuerr Katafalk ein Totengerippe, das Antoine darstellt, mit sie nicht gesehen und nicht gchbrt 'halten. Die Der Borisitzende des Gerichtes drängt die Zeugen^ auszusagen, daß sie der ErUrordnng zugesehen Hütten.: „man habe -och' das Geschrei des Ermordeten in -e.r Stadt gehört". Was Münder, daß viele Zeugen in' gutem Glauben bestätigten, was dem Paluvenziweige des Märtyrers in der Hand. EntlalstnngsÄeuigen wurden selbst 'verdächtigt nnd als uug'laubw'W-ig befunden. Sb' wurde -er 70jährige Mann zu'm Tode durch das Ranach vorheriger Folter verUrteill und -as> Urteil auch vollz'ogen. Die RehabMativn, Ealas' durch die gewaltige Logik Voltaires ist 'bekannt. Ein Wiener Schriftsteller, M>ktor Stern, hat den Fall Calas vor wicht zu langer Zett als Trauerspiel bearbettet,' in ungelewker Sprache und des kundigen Regisseurs bMirstig, aber mit starkem. Feuer und namentlich in den Volksfzenen mtt packender Awschanlichkett. M!an erhall ein lebendiges Bild, wie der Furor in.die Wolksmasse getragen werden kann, die dann chrlich, aber »desto furchtbarer haßt. kkebwotuckc 5. n ITT ELBA CH Soda-Pastillen. SS.b“„*i"4.rÄX: Wion I Hohör M«rkt Nr 8 SodbreDne*'^“i,^08een®tc-le,deD’un#Bt' (PaUia 9ins) iu Zentrum der Stadt. ♦ Pf«ia pro ßohaaht«! 60 Heller.

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