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Nationalzeitung · 1906-08-10 · Heft 58 (10.8.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 58 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nationalzeitung Nr. 58 knüpft; rat* steht Die Entscheidung beim Gerichte erster- Jtrstanz, welche das aitgesochteue Urteil geschöpft hat, zu. Die außerordentliche Wiederaufnahme des Strafverfahrens aber und sogar die sofortige Freisprechung des rechtskräftig Verurteilen kann der Kassationshof ohne an das Vorhandensein der gesetzlichen Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des Strafverfahrens gebunden zu sein und somit auch ohne das Vorhandensein einer neuen Tatsache verfügen, wenn er bei einer über Antrag der Gencralprokuratur vorgenommenen Prüfung der Akten erhebliche Bedenken gegen die Nichtigkeit der im Urteile feitgestellten Tatsachen findet. Wenn nun auch der Justizmimster dem Kassatio-ustpf nicht -befehlen kann, so kann er doch dem Gcncralprokurator, der sein Organ ist, dm Auftrag erteilen, im Falle Hilsner den Wiedcraufnahmsantrag beim Kassationshof einzubringen. Nachdem Oesterwich das Glück hat, in feinem Großsi-egeWcwahrer einen der herv-ovragenidsten modernsten Juristen- Europas zu besitzen, so richte ich den Appell auch an dm großen Juristen K lein, er möge, eingedenk des Grundsatzes „justitia regnornm fundamentum" die Sache Hilsners, die eine Sache des Rechtes ist, prüfen. Es wird dann die allgemeine Meinung, daß ein unverzeihliches Justizverbrechen begangen wurde, bestätigt finden: unddie Revision an-- ordnen-. Daß auch im Justizmüristeviu-nt die Ueberzeugjtlugj an dc-r Unschuld Hilsners obwaltete, geht doch un-zweifelhaft daraus hervor, daß es die Beguadigung Hilsners bei Sa.. Majestät in Antrag gebracht und durchgesetzt bat. Die Begnadigning eineszweifachen Ranbutürders aber wäre kaum 311 rechtfertigen gewesen. Es ist attch be'kaniirt, daß lediglich' i>k Rücksicht auf die sogen, christlich-soziale Partei, deren Gebahrcn vielleicht sozial, sicherlich aber nicht christlich ist, das einzige Hindernis der Revision des Hilsnicrprozesses bildet. Von diesen Rücksichten auf die Politik möge sich das Justizministerium im Falle Hilsner emanzipieren und den Fall zu dem machen, was er ist und nie hätte aufhörcn sollen zu sein, zu einem „R e ch t s f a l l". Der Justizmimster möge das Sicherheitsventil, lvelches dev unvergeßliche Glaser im § 362 Str.-P.-O. gegen Justizirrtümiar geschaffen hat, spielen lassen; es wirb die Wirkung auch im Falle Hilsnev nicht versagen .... in seinen- Anschauungen das Gepräge seiner Zeit zu demonstrieren,, und ihr spricht vom Materialismus wie von einer beschlossene 1 Sache. Aber ihr seid nicht konsequent. W'.e bedächtig ihr doch, wenn es sieh um Glauben, um Glaubenswechsel handelt, eure materialistische Weltanschauung modifiziert! Da sucht ihr nach Motiven und Gründen i u dom Menschen, wodoch die Ursachen! so ganz a u'ß e n liegen." „Dtl 'behauptest zuviel," meinte Dr. Hahn wieder, „duabstrahierst s-hon wieder jede Men-schtichkoit, und denkst dir den, Menschen als Mechanismus. Es gibt ia latsächl'ch fast gar keine Fälle, wo eiln- Jude' aus Ueberzeuguug Ehrist gewouden tmi'ue .sondernwenn, sie lech? teres schon, waren, fühlten! sie noch imimiec jüdisch." „Ach was." replizierte etwas scharf Tr. Fritz, „ foirane -trän n,tl-r nicht mit diesen buttsrweichon Jtlidengefilh-leir. Tie schmelzen doch gar so leicht in dev Sonne des Goldest Du willst mit Gewalt noch ein Stückchen glaübwürdtge Menschlichkeit wegtragen; lasse es doch lieber. Dieser schmale Bissen ist für so viele z-rr wenig. Es gibt JdealisteNi, die nennen eure Anschauung hrrnran irntbgut. Ich aber sage euch, daß meine die höhere ist. Ihr lächelt? Gut. — Sagt mir einmal, saht ihr schon einen Juden zuvückkehren zu feintemi Glauben, weninev rifmi? Ueberzeugung Christ geworden? Wenn Hm VtmrMokt! Qtruoblo« t Der Zto-Konsreß iit London. (Bon unserem Spezialkorrespoirdenten.) L 0 it d 0 n, 6. August. Inaller Eile sende ich Ihnen einen' kurzen Nachtrag zn nuinem gestrigentolegraphische'ir Belvichtc. Heute sei ratiü auf einige wichtige Mo mente hi n-gewiesen- Die Versanuulnng, lvelche letzten Mitllvoch und Don-nerstag in der Essex Hall abgehalten wtuide, lvar illcht als ^bongreß, sondern als Sitzung des in-teonatio-nalen' States der Jto- Organisation -gedacht, und dontwch gestaltete sie sich, zu ei nenn Kongresse, a u f we lchem Delegierte fast aller Länder der zivilisierten Mett teilnahim"n-. Besonders wichtig erscheint mir die Tatsache, daß die V e r t r e t e r d e r wichtigsten Tages- und Fachblatte r des, K 0 nt i n e u t s dem Führer der Bewegung, Jsra,el Zangwill die V e r s i ch e r u n g g a, b e n, d a ß s i e s e i n e Ziele p r a k t i s ch u nb tatkräst i g förde.r n lv e r d e n. Für diejenigen anwesenden Mitglieder des Kongresses, welche auch Delegierte des sechsten zionistischen, Kongresses waren, hat der B e - r i cht b c r M r s. A u, e r b a ch über ihre Sttld-ien-re-isedurchs Brl i t i s h O st -n f r i k a außerordentliches Jn-teresse. Man kann, sich dk Gefühle verstellen-, welch,e, besonders diese 2m Hörer erfüllten!, als sie vernahmen, daß d-iese mit größter Geüvissenha-ftig-ke'lt und ausgerüstet m-it dem -ganzen, 'hierzu notwendig eu> wisseirschaftlicheu Apparate, dn-rchgefüh-rte Forschungsreise zu dem diametral entgegengesetzten Resultate führte, als die Gibbon-Kommission im Mai 1905 durchgeführte Expedition. Die Ergebnisse! dieser Erforfchn-n-g von' Land, Leute, .Besie.'d-lungs-ittöglichkett u'ud Leb-eusbedi-ngungeu des bri t isckpo-sta fri-kan is chen «chutzgebi etes, welchedeutln,eichst publizier!! werden, sollen, worden für die Entwicklung und Stärkung der territoviali-stischeif Be-lvogung sichc-rlich vonwelttragender Bed-entuttg werden-. Birzüglich der Speitd'e des Herrit Joses F -e' l s seilße-r noch ettvähpt, baß die Spende ausdrücklich! an die "Bedin-guirg geknüpft ist, daß. die Bcivwialtunig, des anzu-ive-rbenden- Ländles a u f n a t i \& m n l c r B ci. s i snach dein Prinzip-e H en>ry Ge o-t ge s zu erfolgen habe. Nach Beend-i-grin'g der intietnen Berh-anidl imgdn des iinteimationallen Konseils fand am- Samstag den, 4. d. M., aben^os, in der großen Assemblly Hall «firne allgemieinzugängliche Jn'- fovmation-svetfammlun'g statt. Weit über 5 0 00 P ers0nen> a-us allen B-eoölkerungDschichten kantein, tviu die Referate auzuhören-. Im. Präsidium,' saßen neben Z a n g, w i l l, der gewesene amevikamfche Botschafter im türkischen Reiche, Oskar S t v a u ß - Newyork, sent'er die Herren Prof. Ma.nde lst a mm - Kiew, Dr. K l e e - Bevlin!, Rechtsanwalt Dr. I a s s i - n>aws ky - Warschau U!. v. a. Z angwill betonte ißseiner Riede:, daß er mit ruhigein, Giewissett, be'hanpteit' könirte, daß die territorialistische Bewegung heute bareits e i -u e W e l tb e w e g u u g in des Worteswahrstonti Sfttne geworden sei-, denpti sie« tun fasse nicht! mir rälinu lich die Länder der zivilisierten! Erdteile, sortdeim zähle zu, ihrett« Anhäiugeirit! Bertreter -aller Bevölkeruttgsschichtert, innechab des' Juideitttmüs-; ttlcht nur die Masse dev kleineu Leute habe sich mit Opfermut und Elckhusiasmus der Beweglmg au.geschliosseu, und ist bereit, ctttti der Erreichung einrsjüdischen- Terriliorintus auf na:- tionalev Grundlage mitzuheffen', sondern, auch dlev bürgerlichio Mittelstand, der wohchabende Jud-e uinb die jtidische Hochfilnanz sei bereit, unsere B-estre-buu'gen' zu fördern. Unter donc'u, die tl-ns ihre S-ymp,ath>i'e- und- Vertraüwns-kundgeibungen sandten, befindet sich der a>vlne verfolgte Jude in Rußland, der vielleicht inztvischien ans seiner 'HüM ve-tijagt )vtl>vde, und L 0 r d R 0t h s ch i l h, sowie M r. AI f r c d -d 0 Rothschild. Schon diese Tatsache allein sei das beste Zeugnis 'dafür, daß u> »t, s« r e B v - >v e g u iv g ge eigu e H ft, in dem Bestreben-, unseren, heirnailichert- B-riideru ein.- auf -ino'b-cunfc'n Grundlage ausgebautes.' Heim zu sichern, alle I u d -e n: i n c i n- -e m L a n d e z u v e r - e i it i g e ne Großer Beifall lohnte die Aussüh-rungen Z a n -g w i l l s-. Es sp rachen dan'N, noch Os-ka-r 'S t tz a u ß.Dr.K! l e q, I a s s i n 0w s k Y.Ein Delegierter aus Rußland machte die Mi-ttevltmg, daß eine Kompagnie junger, kräftiger Juden., bestehend aus tttiehrcreir h-tind-ert Männer-lt, die atis-gezeichnete Schützen und volrzügliche!, geschulte Farmer sind, und zmn, gnoßon Teile mich eigene. Mittel besitzen-, bereit sei, auf einen Ruf Zanigwills als P-ivm-err in -das- K'o-lo-n-in-lgebiet zu, zi-eheu,. Es wttrdeu, daian: Redeninfast -allen, Weltsprachrn', inktu>siv-e jüdisch und hebräisch, gehalten,. Auch R-ed-ltier, die sich als- -ovg,an-isi,erte Zionisten tmd als- Anhänger der Zion-e-Zio>nbekannten, gäbe»!, den Evnst der t-ürritorialistischeiu Bewegung zu, und an'evkanltten>, daß d-ie Bestr-ebun'gen. Z a. n> g w il l s, unbeschadet der Bemühungen zuiv Erreichunlg des ziomstischeit En-dzieles' g-esörd-ert lvordon: m-üßleu. So konnte denn> die vorgelegte R-efoltition,, welche der territorialistischeu Betvegtmg das vollste Beriratre-n kundgab, bc,!n dieser Masselwers-ammlung e i nst i m m i g a-ugeitiontntditi Werdau. Dia Ergebnisse der Beratiturgon in- -der verflosseuau Woche bildaiti ein,en! wichtigen, Mairfftei-u i-ndev nativna-ljüdischm' Bewegung. Der Erust und die - auch alle Wege zur Rückkehr offen geftandeu? Sicherlich nicht. Und jene Fälle, die als - historisch boglaübigt sind, glaubeich gairz einj fach nW, denn-" i „P-ardoni, Mepzechnng,, wenn ich unikerbveche, meiit Herr," ließ sich plötzlich eine! st,einde Stimntie ventahmeu- und einälterer l Herr stand an, dom, Tische und vor Dv. Fritz. „Entschuldigen Si-c,, meine Herren," ibcndetc | er sich auf dir Gesellschaft, „iveun ich mir dieses mt-koinvention-elle Eindringen' gestatte, doch ich saß m Ihrer nächsten Nähe und war tut freiwilliger Hörer; doch die letzte Aeußevung war etwas stark und betvog m-kch, ausmeiner schwankendlew! Passiv-ität h-erauszui'vete'u. Bor allem, jedoch,: tnietni Name ist Moritz K'ohn." „Hab-' ich mir gleich gedacht," flüstert Dr. Alfred, Herrn -Hahn zu, welcher über diesen wunderbaren! Witz, jieiht-i" Lach-muskeln ilin Aktion treten läßt. Sofort versichern beide: „Sichr ersrerit" — „sehr angenehm". Die Herrett absolvierten! -das übliche Po-rstellen und luden zwn Sitzen- -ein. VrtllegenihUitspauise ön>tstaln>d keine, denn der Gast wendete sich fofo'rit mit einer Frage an, die Gesellschaft. „Würden Sie-, meine Herren, eine, kleine Geschichte anhüron? — Sie ist ein Kommentar zu, Ihren angehörten., verschiedentlicheu! Meimlngen,. M will nicht sagen, daß Sie -etwa deshalb Ihre Meinungen! umstößeini weckm, aber vielleicht gelingt -cs Jhtren, ut,ehr im dieser Geschichte zn finden, als dasunerbittliche Schicksal hitt,ein>gelegt. „Deimv sie ist wahr, meineE-rzühlung," undmit -etniemeigeintümlich-en Lächeln! sich ztl. Dr. Fritz wendend — „ich -verbürge mich für die Wahrhieit." Die Herre!n> fch!ie-lt>eit. sehr initercffieft, und Herr Aioritz Kohlt -begannfeinte Geschichte. „Ichkannte einten! Menschen- — das Ideal eines Juden-. Sei-n ganzes Leboir war inn>ig verhüipft mit bienm Begriffe „Jude", rmd er war etütar von den! wenigen, die es mit Stolz sind. So Niar es ihm! schon nNiklar als Kind vorgeschwebt. Judeltikindgefühle.- Seine Eltern Waren nie frourm gewesen, und vergaßenjetzt ihr Jud-enttim ganz. 8Ner den!noch! schsen thlulen d-ie Frömmigkeit, oder jenes, erhebende Zttsammengehörigkoitsgefühl in ihm. das sie Kr Frömmigkeit hielten, wohl zu gefallen-. War doch wenigstens einer da, bei Pflichten erfüllte, die lästig sind, aber dein-noch erfüllt wevdolt! solleit!. Alser älter wurde, kränkte ihn,!di-e Jndi'ffeten-z seiner Eltern, denn ihn besoeilte noch! -dev alte Glaube seines Volkes. Eine gellä-titevto Liebe, im! Jtingli-n-gsherzen wohnend. — — Er hatte studiert und sollte in den Staatsdienst tjret-ens. Er erfuhr zunt, ersten Male so ganz, daß esnicht so leicht sei, Jtlde ztlsein,. Seide Eltemv, einstens wohlhabend, tvia,von! arm. und alt -geworden, und seilte- Erwerbspflicht eure Notwanldigkeit. Er konnte psttenr eckte Reform -Schwci$$blätt«r 321^

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